Inhaltsverzeichnis
1. Hinführung 1
2. Forschungsgegenstand und Forschungslage 2
2.1 Beitrag der Verbandsgeschichte zur Journalismusgeschichte 2
2.2 Forschungsstand 3
2.3 Erkenntnisinteresse 7
3. Historische Einordnung 9
3.1 Probleme und Bedingungen der Gründung journalistischer 10
Organisationen
3.2 Organisationsstruktur des „Reichsverbandes der deutschen 14
Presse “
3.2.1 Exkurs. Der Reichsverband: Gewerkschaft oder 16
Standesvertretung ?
3.3 Situation der Presse im Westen Deutschlands in den 20
20 Jahren des 20. Jahrhunderts
4. Quellenlage 22
5. Auswertung der Quellen 24
5.1 Quellenauswahl 24
5.2 Fragestellung und methodologische Aspekte 25
5.3 Konkrete Ergebnisse der Quellenauswertung 27
6. Fazit 38
Verzeichnis der verwendeten Literatur 42
1
1. Hinführung
Im Seminar „Perspektiven und Methoden der Kommunikationsgeschichte“ wurden zwei Ansätze der kommunikationshistoriographischen Forschung vorgestellt, die schon allein deshalb sehr unterschiedlicher Natur sind, weil sie bei verschiedenen Elementen der öffentlichen Kommunikation ihren Ansatzpunkt suchen. So handelt es sich bei der Analyse von Haushaltsrechungen um einen rezeptionsgeschichtlichen Ansatz, während die hier vorzustellende Verbandsgeschichte bei den Kommunikatoren ansetzt. Gemeinsam ist den beiden Methoden jedoch, dass sie zu den bisher wenig untersuchten Gebieten der Kommunikationsgeschichte gehören.
Mit „Verbandsgeschichte“ ist im Rahmen dieser Arbeit die Geschichte der journalistischen Berufsorganisationen gemeint. Auf eine nähere Beschäftigung mit den Verbänden der benachbarten Berufe Schriftsteller und Verleger muss hier allerdings verzichtet werden. Als Teil einer wirklich umfassenden Kommunikationsgeschichte müsste Verbandsgeschichte streng genommen aber auch diese einbeziehen, zumal die Entwicklungen der Journalisten-, Schriftsteller- und Verlegerorganisationen nicht isoliert voneinander verliefen.
Ausgangspunkt der Überlegungen zur vorliegenden Arbeit waren Akten des „Ver-bandes der Rheinisch-Westfälischen Presse“, einem dem 1910 gegründeten „Reichsver-band der deutschen Presse“ (RdP) angeschlossenen Landesverband, sowie des „Vereins Wuppertaler Presse“, der diesem Landesverband wiederum als ein Bezirksverein unterge-ordnet war. Das umfangreiche Aktenmaterial, das den Zeitraum 1920-1937 umfasst, konnte und sollte auch nicht vollständig ausgewertet werden. Vielmehr wurden nur die Jahre 1924-1926 einer näheren Analyse unterzogen. Das Ziel war es, Hinweise darauf zu erhalten, welchen Beitrag diese Vereinigungen zur Professionalisierung des Journalistenberufs geleistet haben. Bevor die konkreten Ergebnisse vorgestellt werden, müssen zuerst jedoch einige grundlegende Fragen beantwortet werden. In den ersten Abschnitten soll es im Wesentlichen darum gehen, das Thema Verbandsgeschichte sowohl in den zeitgeschichtlichen als auch in den aktuellen Forschungszusammenhang einzuordnen und die Quellenlage zum Untersuchungsgegenstand zu beurteilen.
2
2. Forschungsgegenstand und Forschungslage
Die Einordnung des hier behandelten Themas in den kommunikationsgeschichtlichen Forschungszusammenhang wird in drei Abschnitte unterteilt. Zunächst gilt es darzulegen, welchen Beitrag Verbandsgeschichte zur Schreibung einer umfassenden Journalismusgeschichte im Idealfall zu leisten vermag. Anschließend soll der Forschungsstand zur Geschichte journalistischer Berufsorganisationen beleuchtet werden. Welche Forderungen sich daraus ergeben und an die weitere Forschungsarbeit gestellt werden müssen, und welchen Platz die vorliegende Arbeit in diesem Rahmen einnimmt, wird im letzten Unterpunkt aufgezeigt.
2.1 Beitrag der Verbandsgeschichte zur Journalismusgeschichte
Die kommunikationswissenschaftliche Forschung zur Geschichte des Journalismus hat einige Aspekte dieses Gebietes bisher nur wenig untersucht. So weiß man heute vor allem viel darüber, wie die ersten Zeitungen und daraus die heutige Vielfalt verschiedenster Pub-likationsformen entstanden. Eine solche Pressegeschichte trifft aber kaum Aussagen über die Menschen, ohne die diese Entwicklung nicht möglich gewesen wäre. 1 Zu einer derartigen Sozialgeschichte des journalistischen Berufs, zu der bisher nur einzelne Bausteine vorliegen, kann aber gerade die Untersuchung der journalistischen Vereinigungen einen wesentlichen Beitrag leisten. Bei geeigneter Quellenauswahl kann Verbandsgeschichte Aufschluss geben über den Alltag des journalistischen Berufs, seine materiellen und ideellen Schwierigkeiten und über das berufliche Selbstverständnis der Vertreter der Presse. Organisationsgeschichte im Rahmen einer kommunikationswissenschaftlichen Be-rufsforschung konzentriert sich nicht wie einmal üblich auf einzelne „publizistische Persönlichkeiten“, sondern erfasst als prosopographischer Ansatz die gesamte Berufsgruppe, den Journalistenstand als solchen. Verbandsgeschichte gibt somit keine vom Handeln herausragender Journalisten abgeleiteten ideologischen Berufsanleitungen für den Journalismus und seine Vertreter, sondern beschreibt die Berufswirklichkeit, verdeutlicht die eigene Sichtweise der Journalisten auf ihre Lage und auf die Art und Weise, wie sie Probleme der Berufsausübung unter ihren Kollegen behandelten. Denn für ein besseres Verständnis der Bedingungen journalistischer Berufsausübung ist die Konzentration auf einzelne Schicksale eher hinderlich und wenig ergiebig.
1 vgl. Daub (1981), S. 4
3
Darüber hinaus lassen sich mit der Untersuchung journalistischer Interessenvertretung Erkenntnisse über die Organisierbarkeit und das berufspolitische Engagement der Journalisten gewinnen. 2 Die Organisierbarkeit und der tatsächliche Organisationsgrad sind insofern von Bedeutung, als sie einen möglichen Maßstab für die Bewertung der Journalistenverbände bzw. ein Instrument der Erfolgsmessung darstellen. Einerseits ist ein hoher Organisationsgrad eine der Grundlagen für die Macht und die Durchsetzungskraft von Interessensverbänden. Zum anderen ließe sich argumentieren, dass ein steigender Organisationsgrad ein denkbares Anzeichen für eine sich verstärkende professionelle Identität ist. 3 Zudem wirft Verbandsgeschichte ein Licht auf die Zusammenhänge und Wechselbeziehungen zwischen journalistischem Selbstverständnis einerseits und den konkreten Bedingungen journalistischer Berufsausübung andererseits, denn aus den Diskrepanzen zwischen beidem ergibt sich schließlich erst der Wunsch nach einer Interessenvertretung. 4 Walter Hömberg folgend, gestattet die Analyse der Entwicklung der berufs- und kommunikationspolitischen Ziele journalistischer Organisationen sogar Einblicke in den gesellschaftlichen Funktionswandel des Journalismus. 5
2.2 Forschungsstand
Walter Hömbergs Befund, dass eine grundlegende Berufsgeschichte der Journalisten in Deutschland fehlt, muss leider noch immer weitestgehend zugestimmt werden. 6 Jedoch ist zum Beispiel mit der Studie von Jörg Requate 7 ein wesentlicher Beitrag geleistet worden, diese Lücke zu schließen. Ein Bereich der ebenso zur Geschichte von Berufen zählt, ist die Entwicklung ihrer Interessensverbände. Somit stellt auch die Entwicklung der journalistischen Berufsorganisationen ein eher wenig behandeltes Gebiet dar. Ein Großteil der bisherigen Publikationen konzentriert sich hauptsächlich auf die vereinsgeschichtliche Entwicklung der verschiedenen Organisationen. Solche Arbeiten, die kaum mehr bieten als chronologische oder systematische Überblicke und Einblicke in die Organisationsstruktur der Vereinigungen, finden sich für jeden Zeitraum.
Die Anfänge der Organisationsbildung sind zum Beispiel mit den Arbeiten von Cornelia Foerster und Gustav Heinrich Schneider über den 1832 gegründeten „Preß- und Va-
2 vgl. Kron (1976), S. 1
3 vgl. Weischenberg (1995), S. 508
4 vgl. Fischer, Ernst (1980), Sp. 10
5 vgl. Hömberg (1987), S. 629
6 ebenda, S. 621
7 Jörg Requate (1995): Journalismus als Beruf. Entstehung und Entwicklung des Journalistenberufs im 19.
Jahrhundert. Deutschland im internationalen Vergleich. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht
4
terlandsverein“ 8 beschrieben worden. Für den sich anschließenden Zeitraum hat Ariane Brückmann eine Übersicht über die bis zur Konstituierung des Reichsverbandes der deutschen Presse gegründeten journalistischen Zusammenschlüsse vorgelegt. Als erste Orientierung ist diese Arbeit zwar sehr hilfreich, jedoch bietet sie für eine kritische Bewertung der Verbände wenig Neues. 9 Auf den Reichsverband geht sie nicht näher ein, da für diesen eine detaillierte Selbstdarstellung existiert. Marie Matthies, die seit 1921 Sekretärin in der Berliner Geschäftsstelle des RdP war, hat in der aus Anlass des zwanzigjährigen Bestehens des „Deutschen Journalisten-Verbandes“ 1969 entstandenen Rückschau „Journalisten in eigener Sache. Zur Geschichte des Reichsverbandes der deutschen Presse“ ihre Erinnerungen chronologisch zusammengetragen.
Die Entwicklung nach 1945 ist mit der Darstellung von Heinz-Dietrich Fischer 10 zumindest in Ansätzen und hauptsächlich unter dem Gesichtspunkt der jeweiligen kommunikationspolitischen Absichten der Vereine aus allen Medienbereichen dokumentiert. Die genannten - eher allgemein als wissenschaftlich gehaltenen - Arbeiten bieten allerdings kaum Anhaltspunkte für eine differenzierte Beurteilung unter ausgewählten Gesichtspunkten. Der Ansicht von Jürgen Prott folgend, sollte eine Beschäftigung mit der Geschichte der journalistischen Organisationen nicht den alleinigen Zweck haben, „eine umfassende Chronologie aller wesentlichen Gesichtspunkte der Interessenorganisation der Journalisten zusammenzutragen.“ 11 Es komme vielmehr darauf an, die Politik der Verbände als Ausdruck eines spezifischen beruflichen Selbstverständnisses erkennbar zu machen. Man sollte sich darauf konzentrieren, einzelne Aspekte herauszugreifen, die Geschichte der Verbände demzufolge unter einer spezifischen Fragestellung zu untersuchen, um so einen Beitrag zu einer kritischen Bewertung der Verbände und den Ergebnissen ihres Handelns zu leisten. Bislang sind allerdings nur wenige solcher Forschungsarbeiten erschienen. Ein gutes Beispiel ist jedoch die Studie von Rudolf Stöber, die unter dem Titel „Pressefreiheit und Verbandsinteresse“ die beiden großen Presseverbände der Weimarer Republik - „Reichsverband der deutschen Presse“ und „Verein Deutscher Zeitungs-Verleger“ - in ihrer Beziehung zueinander und zu Staat und Gesellschaft untersucht, wobei
8 Foerster, Cornelia (1982): Der Preß- oder Vaterlandsverein von 1832/33. Sozialstruktur und Organisati-
onsformen der bürgerlichen Bewegung in der Zeit des Hambacher Festes. Trier: Verlag Trierer Histori-
sche Forschungen; Schneider, Gustav Heinrich (1897): Der Preß- und Vaterlandsverein 1832/33. Ein Bei-
trag zur Geschichte des Frankfurter Attentats. Berlin: Baensch
9 vgl. Requate (1999), S. 272
10 Fischer, Heinz-Dietrich (Hrsg.) (1991): Medienverbände in Deutschland. Geschichte, Berufsaspekte,
Politik. Berlin: Vistas Verlag
11 Prott (1976), S. 72
5
es primär um die Fragen geht, welches Interesse die beiden Vereinigungen an dem die Pressefreiheit definierenden Recht hatten und welche Zwecke sie damit verfolgten. 12 Klaus-Detlef Funkes Arbeit „Innere Pressefreiheit - Zu Problemen der Organisation von Journalisten“ beschäftigt sich - wenn auch nur unter Berücksichtigung der Entwicklung nach 1945 - mit den offiziellen Stellungnahmen des „Deutschen Journalisten-Verbandes“ und der „Deutschen Journalisten-Union“ zur Frage der Kompetenzabgrenzung zwischen Verlag und Redaktion. 13 Jürgen Prott erfüllt seine eigene Forderung, indem erim Rahmen einer journalistischen Gewerkschaftsgeschichte - versucht, eine These zu prüfen, laut der in der Entwicklung nach 1945 unter den Journalisten die Forderung nach einer gewerkschaftlich ausgerichteten Interessenorganisation zuungunsten einer an berufsethischen Idealen orientierten Standesvertretung laut wurde. 14 Für eine Beschäftigung mit der Entwicklung des Reichsverbandes ist dies insofern von Relevanz, als es auch im RdP zu einer Kontroverse über die Frage kam, ob der Verband berufsständisch oder gewerkschaftlich ausgerichtet sein solle. 15
Die genannten Beispiele sollen auch zeigen, dass die bisherige Forschungsarbeit dominiert wird von der Untersuchung der rechtlichen und sozialen Zielsetzungen der Verbände. Eine detaillierte Prüfung der tatsächlich berufsbezogenen Anstrengungen, insbesondere der Rolle der Journalistenorganisationen im Professionalisierungsprozess dieses Berufes ist dagegen bislang noch nicht unternommen worden. Aber auch weniger komplexe Fragestellungen haben in der bisherigen Forschungsarbeit ungenügend Beachtung ge-funden, zum Beispiel das Problem, wie Vereinstätigkeit und -wirksamkeit überhaupt untersucht werden kann und wie darüber hinaus die Bedeutung der Vereine zu messen ist. Generell fehlen Erkenntnisse, wie die Vereine nach außen gewirkt haben, nicht welche Stellung sie bei den Verlegern, sondern in der Öffentlichkeit hatten. Wurden die von den Journalistenvereinen gestellten Forderungen bezüglich einheitlicher Tarifverträge oder des Journalistengesetzes vom Publikum des Journalismus akzeptiert und unterstützt? Zudem erfahren wir wenig darüber, welche gesellschaftlichen Instanzen in welcher Form auf die Verbände eingewirkt haben. Oder die Frage, ob und inwiefern sich die Ziele der Vereine durch gesellschaftliche Veränderungen verlagert haben, welchen Einfluss also der historische Kontext auf das jeweils aktuelle Verbandshandeln hatte. Zudem wird selten aufgezeigt, welche konkreten Mittel und Methoden die Verbände zur Verfügung hatten.
12 vgl. Stöber (1992), S. 1
13 vgl. Funke (1972), S. 11
14 vgl. Prott (1976), S. 72
15 Zu dieser, für die Rolle der journalistischen Organisationen im Prozess der Professionalisierung wesentli-
chen Diskussion, siehe auch Abschnitt 3.2.1.
6
Eine zwar für Journalisten wenig ergiebige, jedoch von der Anlage und Vorgehensweise her interessante Arbeit stellt Friedhelm Krons Gesamtdarstellung der Schriftsteller-organisationen für die Zeit von 1842 bis 1973 dar. 16 Er geht streng systematisch nach ver-bandssoziologischen Kriterien und Konzepten vor. Zwar ließe sich kritisieren, dass seine Studie nicht „auf historischem Verständnis und genauem Quellenstudium aufgebaut“ 17 ist, doch liefert sie einige interessante Anregungen für eine weitere Beschäftigung mit dem Thema Verbandsgeschichte, denn bislang existiert eine solche verbandssoziologisch orientierte Studie zu den Journalistenvereinen nicht. So könnten einige Aspekte, die Kron be-handelt, auf die journalistischen Organisationen übertragen werden, zum Beispiel das Verhältnis der Verbände zu Gesellschaft und Öffentlichkeit oder eine Analyse der Konflikte zwischen Verbandsleitung und Mitgliedern über die Verbandspolitik. Vor allem aber seine Orientierung an Ansätzen aus der Soziologie erscheint sehr sinnvoll und verweist auf die Notwendigkeit interdisziplinär ausgerichteter Forschung. Neben dem Mangel an solchen konkreten Fragestellungen muss auch eine einseitige Konzentration auf den „Reichsverband der deutschen Presse“ konstatiert werden. Innerhalb der Forschung zur deutschen Verbandsgeschichte sind Untersuchungen über die regionalen und lokalen Unterverbände des RdP eindeutig unterrepräsentiert 18 , obwohl diese doch dessen Basis waren und somit für die eigentliche Verbandsarbeit bzw. die Umsetzung der an der Spitze getroffenen Beschlüsse zuständig waren. Es liegen zudem kaum Forschungsarbeiten vor, die die Vereine ausschließlich unter dem Gesichtspunkt der Professionalisierung beleuchten. Nicht nur an der Kommunikationsgeschichtsschreibung selbst ist eine ungenügende Untersuchung der Geschichte des journalistischen Berufs, die ja den Rahmen für eine Beschäftigung mit der journalistischen Organisationsgeschichte bildet, zu kritisieren. Dieses Versäumnis ist auch den Nachbardisziplinen anzulasten. Die Erforschung der Entwicklung des Journalistenberufes wird auch von dem Zweig der Geschichtswissenschaft vernachlässigt, der sich mit der Genese bürgerlicher Berufe und Professionen auseinandersetzt, wohl aus dem Grund, dass sich der journalistische Beruf kaum mit gängigen Professionalisierungskonzepten in Einklang bringen lässt. 19 „We remain extraordinarily ill-informed about journalists’ social origins, education, employment prospects, career patterns, and efforts to foster a corporate ethos. Nor have historians
16 Kron, Friedhelm (1976): Schriftsteller und Schriftstellerverbände. Schriftstellerberuf und Interessenpoli-
tik 1842-1973. Stuttgart: J.B. Metzler
17 Fischer, Ernst (1980), Sp. 6
18 Es gibt natürlich Festschriften einzelner Vereine, aber im Prinzip keine wissenschaftlichen Forschungsar-
beiten.
19 vgl. Retallack (1993), S. 175
7
directly addressed journalists’ perennial worries about three factors that still help determine professional status: specialized training, independence, and self-regulation.” 20
2.3 Erkenntnisinteresse
Ein kleiner Beitrag diese Lücke zu schließen, soll das Ziel dieser Arbeit sein. Wir wollen versuchen, die unteren Organisationsschichten stärker ins Blickfeld zu rücken, da uns eine Betrachtung ihrer Aktivitäten fruchtbarer zu sein scheint. Sie machten die „eigentliche“ Arbeit und hatten mehr Kontakt zu den einfachen Mitgliedern. Sich allein an den Aktivitäten der Verbandsspitze und einzelnen herausstehenden Mitgliedern zu orientieren, genügt für ein umfassendes Bild nicht. Solche Persönlichkeiten waren zwar wichtig für das Ansehen und das Fortkommen des Verbandes, sie sind aber gewissermaßen nicht repräsentativ für die Mehrzahl der sonstigen Mitglieder. Berufs- und Organisationsprobleme offenbaren sich vermutlich sehr viel eher bei der Betrachtung eines kleineren Vereins bzw. eines einem größeren Dachverband untergeordneten Vereins.
Eine Untersuchung der Akten der Unterverbände des RdP soll ein Licht auf das allgemeine Selbstverständnis dieser Vereine bzw. ihrer Vertreter werfen. Selbstverständnis kann hier verstanden werden als die Art und Weise, wie sich die Vereine gegenüber der Berufswirklichkeit der Mitglieder, den Zielen der Adressaten ihrer Forderungen und beider Stellung innerhalb der Gesellschaft positionieren. 21 Für eine Rekonstruktion dieses Selbstbildes bieten die Akten lokaler Vereine, wie die des Vereins Wuppertaler Presse, authentisches Material, welches wichtige Hinweise auf die tatsächlichen Vorgänge in den Verbänden, die Probleme der Organisation und das berufspolitische Engagement der Mitglieder liefert.
„Bei der Untersuchung bürgerlicher Berufe wird den Berufsorganisationen in der Regel relativ hohe Aufmerksamkeit gewidmet. Die berufsständischen Vereinigungen gelten zumeist als Träger des „professional project“. 22 Die oben beschriebene Forschungslage hat gezeigt, dass für den Journalistenberuf auf diesem Gebiet noch einige Fragen unbeant-wortet geblieben sind. Die Forschungsfrage bzw. These, die sich daraus ableiten lässt und mit Hilfe der vorliegenden Akten geprüft werden soll, kann folgendermaßen formuliert werden: In Hinblick auf die von den Verbänden selbst gestellten Zielsetzungen wird deutlich, dass ihren Vertretern sozialpolitische sowie rechtliche Aspekte wichtiger waren als
20 ebenda, S. 176
21 vgl. Kron (1976), S. 1
22 Requate (1995), S. 222
Arbeit zitieren:
M.A. Kathleen Deutschmann, 2003, Verbandsgeschichte als Ansatz der Journalismusgeschichte - Regionale Journalistenvereine und das Projekt der Professionalisierung, München, GRIN Verlag GmbH
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