Alterssicherung ist in Deutschland bislang vor allem als Aufgabe des Staates verstanden worden. Diese einseitige Orientierung manifestiert sich in einer schiefen Architektur des Gebäudes der Alterssicherung.
Allerdings war die Halbwertzeit der Reform gering. Nach nur drei Jahren erfolgten 2004 weitere unvermeidbare Einschnitte bei der gesetzlichen Rente, weil 2001 die Brisanz der demografischen Veränderung von der Politik unterschätzt wurde. Gemäß dem im Juli 2004 verabschiedeten „Rentenversicherungs-Nachhaltigkeitsgesetz“ wird die Rentenformel um einen so genannten Nachhaltigkeitsfaktor ergänzt. Er drosselt die im Lohnanpassungsprinzip angelegten Rentenerhöhungen, wenn die Zahl der Rentner relativ zu der der Beitragszahler steigt.
Die Folgen der wiederholten Korrekturen des Rentenrechts sind dramatisch: Rentenerhöhungen werden künftig nur noch bescheiden oder – wie jetzt in den Koalitionsverhandlungen verlautbart wurde – gänzlich für das Jahr 2006 ausfallen. Für viele Jahre werden sie kaum über der Preissteigerungsrate liegen. Je weiter wir in die Zukunft blicken, desto weiter wird sich das Rentenniveau von heutigen Standards entfernen. Dies gilt zumindest bis zum Jahr 2040. Statt knapp 70% wie im Jahr 2003 wird das Rentenniveau für den Eckrentner dann voraussichtlich weniger als 50% betragen. Die Rentenversicherung wird künftig für viele nur noch eine Basisversicherung bieten. Wegen der demografischen Belastungen gibt es für den Staat keine finanzierbare Alternative.
Ich habe diesen unbefriedigenden Sachstand zum Anlass der Ausarbeitung genommen um über tragfähige Konzepte der Altersvorsorge für die Zukunft nachzudenken und daraus die Entwicklungschancen für Investmentfonds abzuleiten. Sie skizziert im ersten Teil die Herausforderung der Altersvorsorge in Deutschland aus heuiger Sicht. Im anschliessenden Haupteil werden die Ergebnisse meiner konzeptionellen Überlegungen präsentiert, die einen speziellen Blickwinkel auf die Entwicklungschancen für Investmentfonds in Deutschland richten. Die angestellten Überlegungen werden verdeutlichen, dass es für die Politk noch zahlreiche Ansatzpunkte gibt, um die Lage der Rentenkassen einerseits als auch die Situation der zukünftigen Rentenbezieher andererseits, nachhaltig zu verbessern. Eine Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile einer Altersvorsorge mit Investmentfonds runden diese Ausarbeitung ab.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Herausforderung für das deutsche Altersvorsorgesystem
3 Konzept zur zukünftigen Altersvorsorge in Deutschland
3.1 Die gesetzliche Rentenversicherung
3.2 Betriebliche Altersvorsorge
3.3 Private Altersvorsorge
4 Perspektive für Investmentfonds in der Altersvorsorge
4.1 Liberalisierung des Produktmarkts/Garantiefonds
4.2 Zulassung eines Altersvorsorgekonto
4.2.1 Beitragszusage des Arbeitgebers
4.2.2 Verbindung zwischen betrieblicher und privater Altersvorsorge
4.2.3 Anlagewahlfreiheit und Portabilität
4.2.4 Flexibilisierung der Auszahlungsphase
4.3 Contractual Trust Arrangement (CTA)
4.3.1 Grundstrukur Contractual Trust Arrangement
4.3.2 Implikation von IFRS und Basel II auf die Entwicklung von CTA's
4.3.3 CTA's für Klein- und Mittelstand
5 Vorteile und Nachteile der Altersvorsorge mit Investmentfonds
5.1 Rendite von Investmentfonds
5.2 Robust gegenüber der demographischen Entwicklung
5.3 Individuelle Freiräume in der Ansparphase
6 Nachteile von Investmentfonds in der Altersvorsorge
6.1 Keine Garantieverzinsung
6.2 Asset Meltdown
7 Schlußwort
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Entwicklungschancen für Investmentfonds in Deutschland vor dem Hintergrund einer notwendigen Reform des Altersvorsorgesystems. Dabei wird untersucht, wie durch eine stärkere Kapitaldeckung und institutionelle Anpassungen, wie etwa die Einführung von Altersvorsorgekonten oder Contractual Trust Arrangements, die Alterssicherung nachhaltig gestärkt und eine angemessene Rendite für zukünftige Rentner gesichert werden kann.
- Reformbedarf des umlagefinanzierten Rentensystems in Deutschland.
- Potenziale und notwendige regulatorische Anpassungen für Investmentfonds.
- Konzeptuelle Weiterentwicklungen wie Altersvorsorgekonten und CTA-Modelle.
- Vergleichende Analyse der Vor- und Nachteile von Investmentfonds zur privaten und betrieblichen Altersvorsorge.
Auszug aus dem Buch
4.2 Zulassung eines Altersvorsorgekonto
Eine weitere verheißungsvolle Entwicklungschance für Investmentfonds besteht in der politischen Legitimation von Altersvorsorgekonten, dessen maßgebliche Nuance in der Anlagefreiheit des Arbeitnehmers besteht. Die Einführung eines Altersvorsorgekonto wäre eine konsequente Weiterentwicklung der bisher als dispektierlich betrachteten Riester-Rente, da sie mitunter mit dem Vorurteil aufräumt, dass Investmentfonds nicht in eine betriebliche Altersvorsorge mit eingebunden werden dürfe.
Um die Entwicklungschancen für Investmentfonds klar zu visualisieren, muss zunächst auf vier Kernelemente des Altersvorsorgekontos eingegangen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Diese Einleitung skizziert die Problematik der einseitigen, staatlich orientierten Alterssicherung in Deutschland und begründet den Bedarf nach einer stärkeren Einbeziehung kapitalgedeckter Systeme.
2 Herausforderung für das deutsche Altersvorsorgesystem: Dieses Kapitel erläutert die demografische Problematik und die Grenzen des umlagefinanzierten Rentensystems, das durch den demografischen Wandel stark unter Druck geraten ist.
3 Konzept zur zukünftigen Altersvorsorge in Deutschland: Es wird das Drei-Säulen-Modell der Altersvorsorge betrachtet und dargelegt, wie die gesetzliche Rentenversicherung, die betriebliche sowie die private Altersvorsorge künftig besser ausbalanciert werden müssen.
4 Perspektive für Investmentfonds in der Altersvorsorge: In diesem Hauptteil werden konkrete Reformansätze wie Garantiefonds, Altersvorsorgekonten und das Contractual Trust Arrangement (CTA) analysiert, die Investmentfonds neue Perspektiven eröffnen.
5 Vorteile und Nachteile der Altersvorsorge mit Investmentfonds: Dieses Kapitel stellt die Argumente für Investmentfonds dar, wobei insbesondere die Renditechancen, die Robustheit gegenüber demografischen Entwicklungen und die Flexibilität im Vordergrund stehen.
6 Nachteile von Investmentfonds in der Altersvorsorge: Hier werden kritische Aspekte wie das Fehlen einer Garantieverzinsung und das Risiko eines sogenannten „Asset Meltdown“ beleuchtet.
7 Schlußwort: Das Fazit fasst die notwendigen politischen und wirtschaftlichen Anstrengungen zusammen, um eine kapitalgedeckte Altersvorsorge als integralen Bestandteil zu etablieren.
Schlüsselwörter
Altersvorsorge, Investmentfonds, Rentenversicherung, Kapitaldeckung, Demografischer Wandel, Altersvorsorgekonto, Contractual Trust Arrangement, CTA, Garantiefonds, Rentenniveau, Anlagewahlfreiheit, betriebliche Altersvorsorge, private Altersvorsorge, Rendite, Asset Meltdown.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die notwendigen strukturellen Reformen im deutschen Altersvorsorgesystem und analysiert die daraus entstehenden Chancen für Investmentfonds, künftig eine stärkere Rolle in der Altersvorsorge zu spielen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die demografischen Herausforderungen für die gesetzliche Rente, das Konzept des Altersvorsorgekontos, die Bedeutung von Contractual Trust Arrangements (CTA) für Unternehmen und der Vergleich von Investmentfonds mit klassischen Versicherungsprodukten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, Entwicklungschancen für Investmentfonds aufzuzeigen, um eine tragfähige, kapitalgedeckte Ergänzung oder Teilersetzung des aktuellen Rentensystems zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer konzeptionellen Analyse, die aktuelle demografische Daten, regulatorische Rahmenbedingungen und bestehende ökonomische Modelle der Altersvorsorge auswertet, um darauf aufbauend Reformansätze abzuleiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf regulatorische Reformen, wie die Liberalisierung des Marktes für Garantiefonds, die Einführung des Altersvorsorgekontos sowie die bilanztechnischen Vorteile von CTA-Modellen für Unternehmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Altersvorsorge, Kapitaldeckung, demografischer Wandel, Investmentfonds und Altersvorsorgekonto charakterisiert.
Warum wird das Contractual Trust Arrangement (CTA) als wichtig erachtet?
CTA's ermöglichen Unternehmen die insolvenzsichere Auslagerung von Pensionsverpflichtungen und verbessern durch die Bilanzverkürzung wichtige Kennzahlen, was insbesondere nach der Einführung von IFRS und Basel II an Bedeutung gewinnt.
Was ist mit dem „Asset Meltdown“ Risiko gemeint?
Die Asset-Meltdown-Hypothese beschreibt die Befürchtung, dass Wertpapierkurse sinken könnten, wenn eine große Kohorte von Rentnern (die Babyboomer) ihre Finanzanlagen verkauft, um diese im Ruhestand zu konsumieren.
- Quote paper
- Achim Schwichtenberg (Author), 2006, Entwicklungschancen für Investmentfonds im Zuge einer Reform der Altersvorsorge in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66821