1. Teil Jugendsprache in der Geschichte
Geschichte der Jugendsprache in Deutschland Seite 06
2. Teil Jugend und ihre Sprache
Der Versuch einer Definition und ihre Schwierigkeiten Seite 10
Wer ist jugendlich, was ist Jugend? Seite 11
3. Teil Jugendsprache in der Praxis
A) Einflüsse auf Jugendliche und ihre Sprache Seite 16
B) Verbreitung der Jugendsprache
C) Charakteristika der Jugendsprache Seite 18
4. Teil Jugendsprache im Raum Pisa
Per un glossario del linguaggio giovanile in area pisana Seite 21
Dittmar, Norbert
Grundlagen der Soziolinguistik. Ein Arbeitsbuch mit Aufgaben Tübingen: Max Niemeyer Verlag, 1997
Berruto, Gaetano
in: Soziolinguistik/ Sociolinguistrics Ein internationales Handbuch zur Wissenschaft von Sprache und Gesellschaft Hg.: Ulrich Ammon; Norbert Dittmar; Klaus. J. Mattheier Berlin u.a.: de Gruyter, 1987
Bühler-Niederberger, Doris
„Jugend in sozilogischer Perspektive-Annäherung und Besonderung“ in: Jugendsprache-Jugendliteratur-Jugendkultur Hg.: Eva Neuland Frankfurt a. M. [u.a.]: Lang, 2003
Còveri, Lorenzo
„Italienisch: Sprache und Generationen. Lingua ed età“ in: Lexikon der Romanistischen Linguistik Band IV Hg.: Günther Holtus, Michael Metzelin, Christian Schmitt Tübingen: Max Niemeyer Verlag, 1988
Franceschini, Fabrizio / Schwarze, Sabine „Per un glossario del linguaggio giovanile in area pisana” in: Italienisch, 45, 2001
Mattheier, Klaus J.
„Alter, Generation“ in: Soziolinguistik/ Sociolinguistics. Ein internationales Handbuch zur Wissenschaft von Sprache und Gesellschaft Hg.: Ulrich Ammon; Norbert Dittmar; Klaus J. Mattheier Berlin u.a.: de Gruyter, 1987
Neuland, Eva
„Jugendsprachen im gesellschaftlich-historischen Wandel. Ein Beitrag zur Geschichte der Jugendsprache“ in: Jugendsprache-Jugendliteratur–Jugendkultur Hg.: Eva Neuland Frankfurt am Main [u.a.]: Lang, 2003
Glück, Helmut (Hg.)
Metzler Lexikon Sprache Stuttgart, Weimar: Verlag J. B. Metzler, 1993
Scholz, Arno: PhiN 16/2001: 58
Im Sinne der Varietätenlinguistik stellt die Sprache, mithin die Ausdrucksformen der Jugendlichen ein interessantes Gebiet dar.
Die italienische Sprache allgemein stellt keine Konstante dar. Sie weist ganz im Gegenteil ständige Veränderungen in Grammatik und Vokabular auf. Dies zeigt sich im Alltag zum Einen in Sprachen kleiner Gruppen, und zum Teil nur zu bestimmten Gegebenheiten, die wissenschaftlich gar nicht zu erfassen sind, zum Anderen aber in unzähligen Variationen, Dialekten und Jargons deren Merkmale und Vorkommen genau bezeichnet und somit auch erforscht werden können. Sie haben jedoch alle gemein, dass sie sich auf ganz spezifische Art und Weise von der italienischen Hochsprache unterscheiden.
Diese Hochsprache ist in der italienischen Realität als solche gar nicht wirklich existent, vielmehr dient sie nur als Basis in Zweifelsfällen und als Richtlinie für Lernende. Die Zahl derer, die tatsächlich Standard - Italienisch sprechen, ist, schon allein auf Grund der starken Verbreitung der zum Teil schon sehr alten Dialekte sehr gering.
Das Vorhandensein einer einheitlichen Sprache für ganz Italien, derer sich auch alle bedienen, dagegen ist jung. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts hinein, wurde in Italien zu Hause kein Italienisch, sondern ausschließlich Dialekt gesprochen. Das Italienische fungierte lediglich als Amtssprache. Mittlerweile nimmt der Dialekt immer weiter verbreitet den Platz der zweiten Sprache ein, und die Zahl derer, die nur Dialekt sprechen geht fast gegen Null.
Wie die Standardsprache Italienisch selbst, sind auch die sogenannten Substandards in ständiger Bewegung, in ständiger Veränderung.
Eine Untersuchung solcher Substandards bereitet häufig große Schwierigkeiten, da es keine offensichtlichen, und vor allem keine niedergeschriebenen Regeln gibt, an die sich die Sprecher halten. Dennoch müssen solche Regeln bestehen, damit eine funktionierende Kommunikation zwischen den Anwendern des jeweiligen Substandards gewährleistet ist. Der Substandard Jugendsprache ist in diesem Zusammenhang besonders interessant, da seine Regeln sich in sehr kurzer Zeit zu verändern scheinen.
Die vorliegende Arbeit setzt sich vor allem mit der Definition der Jugendsprache als Varietät auseinander, mit den Schwierigkeiten die damit einhergehen. In diesem Kontext werden neben der Geschichte der Jugendsprache und ihrer Erforschung auch deren Verbreitung und deren Charakteristika ausgearbeitet. Konkret soll das Phänomen Jugendsprache abschließend am Beispiel von Pisa dargestellt werden.
1. Teil Geschichte der Jugendsprache
Jugendsprachen sind nicht nur aktuelle Phänomene der Gegenwartssprache. Besser wäre es, sie auch als historische Phänomene zu bezeichnen, da sie bereits in früheren Entwicklungsetappen der Sprachgeschichte dokumentiert und analysiert wurden. 1 Eva Neuland zufolge, die sich mit Jugendsprachen im gesellschaftlich-historischen Wandel auseinandergesetzt hat, kann die Aufarbeitung historischer Aspekte der Jugendsprache auch
Vor allem am Beispiel Deutschland ist dies sehr gut nachzuvollziehen, welches somit auch als Einstieg in die Geschichte der Jugendsprache dienen soll.
Die Geschichte der Jugendsprache in Italien beschränkt sich auf eine sehr dürftige Quellenlage, diese, sowie auch die Parallelen, die zu Deutschland gezogen werden können, werden daher erst im Anschluss an folgende Ausführungen dargestellt.
A) Geschichte der Jugendsprache in Deutschland
Die Erforschung der Jugendsprache in Deutschland beschränkte sich bis ins 20. Jahrhundert ausschließlich auf die Studentensprache, also auf den akademischen Teil der Jugend. Da die akademische Laufbahn bis in die Anfänge des vergangenen Jahrhunderts hinein nur dem männlichen Teil der Bevölkerung vorbehalten war, wurde auch nur dieser in der Sprachforschung erfasst.
Selbst die Sondersprachenforschung, die sich „eigentlich als einzige sprachwissenschaftliche Teildisziplin der Vergangenheit den Sprechweisen von sozialen Gruppen, Ständen und Berufen zuwandte“ 2 , widmete sich in keiner Weise den Sprechweisen anderer, weniger privilegierter Jugendlicher.
Der Studentensprache dagegen maß Hermann Hirth in seiner Systematik von 1909 3 , die zwischen den Sondersprachen der Berufe, Stände, Geschlechter und Altersklassen unterscheidet, eine besondere Gewichtung bei, indem er die Studentensprache als eine „Sprache einer bestimmten Altersklasse und zugleich eines bestimmten Standes“ bewertete. Diese positive Beurteilung hat nach Eva Neuland die sicherlich wesentlichen Gründe in der gesellschaftlichen Stellung und dem daraus resultierenden Bildungsstand ihrer Sprecher. So
1
Neuland, Eva: „Jugendsprachen im gesellschaftlich-historischen Wandel. Ein Beitrag zur Geschichte der Jugendsprache“, in:
Jugendsprache-Jugendliteratur–Jugendkultur,
hg. Von Eva Neuland. Frankfurt am Main [u.a.] : Lang, 2003, S.91
2
Neuland, Eva:
Jugendsprachen im gesellschaftlich-historischen Wandel,
a. a. O., S.91
3
Hirt, Hermann: „Etymologie der neuhochdeutschen Sprache“. München: 1909
Quote paper:
Kristin Klemann, 2006, Italienische Jugendsprache - ein Phänomen auf dem Weg zur Varietät, Munich, GRIN Publishing GmbH
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