Gliederung:
1. Einleitung S. 1
2. Begriffserklärung: Sozialstruktur, Demographischer Wandel S. 2
3. Aspekte des demographischen Wandels in der BRD
3.1. Alterung S. 3
3.2. Wanderungen S. 8
4. Folgen für die künftige Bevölkerungsstruktur der BRD
4.1. Niedrige Geburtenraten S. 9
4.2. Alterung
4.3. Bevölkerungsrückgang
4.4. Zuwanderung und Wachstum des multiethnischen Segments S. 12
5. Auswirkungen des demographischen Wandels auf das deutsche
Bildungs- und Schulsystem
5.1. Wachsender Anteil nicht-deutscher Schüler S. 13
5.2. Lebenslange Weiterbildung S. 15
6. Schluss S. 16
1. Einleitung In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war die deutsche Politik mit den großen Problemen des Nachkriegsdeutschland beschäftigt. Die Spaltung der Welt in West und Ost, in die politischen und wirtschaftlichen Systeme Kapitalismus und „Sozialismus“ stellte gerade für die BRD als unmittelbares Grenzland eine Gefahr dar. Die innerdeutsche Spaltung, die in der Anerkennung der DDR als souveräner deutschen Staat gipfelte und die durch den Mauerbau greifbar war, stand im Mittelpunkt der Politik. Gleichzeitig galt es, die BRD Schritt für Schritt wieder als gleichberechtigten Partner in die Weltpolitik einzuführen und die volle Souveränität zurückzuerlangen. Dies gelang unter Adenauer durch die Aufnahme in die NATO 1955, durch die Mitbegründung der Europäischen Gemeinschaft in den Römischen Verträgen 1957 und durch die Einberufung erster Wehrpflichtiger im gleichen Jahr. Durch diese Anstrengungen der Politik war viel erreicht, dennoch beherrschten große außen- und innenpolitische Spannungen die politischen Geschäfte. Im Jahr 1961 begann die DDR mit dem Mauerbau und von nun an fielen wieder Schüsse im geteilten Deutschland. Schließlich rückten die Studentenunruhen 1968 die lange verdrängten Verbrechen der älteren Generation ins Rampenlicht, verlangten nach Aufarbeitung und Aufklärung. Nachdem in den vergangenen Jahrzehnten lediglich die Wiederbewaffnung und die atomare Bewaffnung der Bundeswehr auf Protest gestoßen war, wurde nun der politische Umschwung weg vom Konservativismus eingeleitet. Das folgende Jahrzehnt wurde vom Terror der RAF überschattet.
Nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 kehrte Ruhe in die Politik ein. Erst mit dem Regierungswechsel 1998 kam das lange verdrängte, aber lange schon bekannte Problem des demographischen Wandels auf die Tagesordnung der Politik. Durch ihn sind die umlagefinanzierten sozialen Sicherungssysteme gefährdet. Auch die Bildung und das Bildungssystem rückte nun, ausgelöst durch internationale Studien, wie Pisa oder Iglu, wieder in den Fokus der Politik und somit der Bevölkerung.
Die „Demographische Zeitenwende" (Herwig Birg) wird unsere Gesellschaft von Grund auf verändern. Die Folgen und Aspekte des demographischen Wandels sind jedoch durchaus bekannt, so dass die Gesellschaft und die Politik sich in allen Bereichen darauf vorbereiten können. Wie jedoch kann die Bildung auf den Wandel und dessen Folgen reagieren, um zu verhindern, dass die Gesellschaft von ihrem Umbruch unvorbereitet getroffen wird? Diese Fragestellung ist Gegenstand der vorliegenden Arbeit. Dabei werden zunächst die demographischen Fakten und Prognosen, die Ausgangspunkt für diese Überlegungen sind, dargestellt.
2. Begriffserklärung
Die Demographie ist die Bevölkerungswissenschaft, die den Zustand und die Veränderung der Bevölkerungszahl und -zusammensetzung beschreibt und analysiert. Demographische Analysen strukturieren die Bevölkerung hierbei ausschließlich nach sozialstatistischen Merkmalen, während man unter der Sozialstrukturanalyse die weitergehende Untersuchung der Bevölkerungsstruktur nach typischen Handlungsbedingungen unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen versteht. Mit Hilfe theoretischer Modelle versuchen Wissenschaftler komplexe soziale Wirkzusammenhänge innerhalb einer Gesellschaft zu beschreiben und zu ergründen.
Dieser Unterschied lässt sich an den für die zwei Analysen zu erhebenden Daten verdeutlichen. Während die demographische Analyse lediglich die Erhebung von Alter und Geschlecht erforderlich macht, um diese dann zusammen mit Daten zu Fertilität und Mortalität, Zu- und Abwanderungszahlen zu verarbeiten, braucht die Sozialstrukturanalyse wesentlich mehr Informationen von der Bevölkerung. Je nach Modell, mit dem die Bevölkerung gegliedert wird, werden Daten zu Einkommen, Beruf, Berufsprestige, Bildung, Qualifikation und alltäglicher Lebensführung benötigt.
Der Begriff des demographischen Wandels ist in der Literatur relativ eng und klar gefasst, unterdessen wird die Bezeichnung Sozialstruktur in höchst unterschiedlicher Weise und Dimension gebraucht 1 .
So nennt Bernhard Schäfers als ein Grundelement der Sozialstruktur auch „die Gesamtheit der sozialen Beziehungsmuster und Regelsysteme in den für die Gesellschaft zentralen Handlungsbereichen bzw. Systemen (Bevölkerungs- und Haushaltsstrukturen; ökonomisches und politisches System; Rechts- und Verwaltungsstrukturen usw.)“ 2 . Er bezieht also auch den
Einfluss politischer und ökonomischer Systeme in die Sozialstrukturanalyse mit ein. Der etwas enger gefasste Begriff von Rainer Geißler befasst sich mit der „Entwicklung der Strukturen sozialer Ungleichheit“ 3 .
Ich werde in dieser Arbeit mit einem noch enger gefassten Begriff der Sozialstruktur arbeiten, der sich eng an die demographische Analyse der Bevölkerung anschließt. Hierbei werde ich den Einfluss politischer und ökonomischer Systeme außer Acht lassen.
1
Vgl. Geißler, Rainer, 2002: Die Sozialstruktur Deutschlands. Opladen: Westdeutscher Verlag. S. 13-15.
2
Schäfers, Bernhard, 1998:
Sozialstruktur und sozialer Wandel in Deutschland. Stuttgart: Enke. S. 3.
3
Geißler, 2002. S. 15.
3. Aspekte des demographischen Wandels in der BRD
3.1. Alterung
Grundsätzlich ändert sich die Zusammensetzung der Bevölkerung eines Landes durch vier Ereignisse. Diese sind die Säuglingssterblichkeit, die Lebenserwartung, die Geburtenrate und die Wanderungen.
Die Säuglingssterblichkeit ist eine Variable, die ich in meiner Arbeit vernachlässigen möchte. Dies ist meiner Ansicht nach zulässig, da sie in den letzten Jahrzehnten in Deutschland auf etwa 0,5% aller Neugeborenen gesunken ist. Dennoch möchte ich an dieser Stelle erwähnen, dass die Werte der Säuglingssterblichkeit, der Totgeborenen und der perinatalen Sterblichkeit immer noch erhebliche Unterschiede zum Nachteil der ausländischen Säuglinge aufweisen. Ebenso lassen sich deutliche Unterschiede bei der Zahl der Totgeborenen und innerhalb der ersten sieben Tagen Gestorbenen zwischen alten und neuen Bundesländern erkennen 4 . Jedoch
hat dies, dank der insgesamt geringen Zahl dieser Fälle kaum Auswirkung auf die Bevölkerungsentwicklung Deutschlands.
Im Gegensatz hierzu haben die Lebenserwartung und die Geburtenrate massive Auswirkungen auf die demographische Zusammensetzung der BRD. Sie sind verantwortlich für die immer weiter voranschreitende Alterung unserer Gesellschaft.
Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland 5 :
5
Vgl. Schlussbericht der Enquête- Kommission „Demographischer Wandel – Herausforderungen unserer älter werdenden Gesellschaft an den Einzelnen und die Politik“, März 2002. S. 32.
6
Vgl. Statistisches Bundesamt, Statistisches Jahrbuch 2003. S. 67.
http://www.destatis.de/download/jahrbuch/stjb_2.pdf,
[Stand 03.03.2004]. S. 67.
7
Vgl. Lehr, Ursula, 2003: Die Jugend von gestern – und die Senioren von morgen. In: Aus Politik und Zeitgeschichte B 20/ 2003, S. 3-5. Hier S. 3.
8 Vgl. Statistisches Bundesamt, 2003. S. 67.
9 Vgl. Geißler, 2002. S. 289.
Quote paper:
Kathrin Kaasch, 2004, Der Demographische Wandel und seine Auswirkungen auf das Bildungssystem in Deutschland, Munich, GRIN Publishing GmbH
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