Mit dem Umzug der Universität in den Poelzig-Bau wurden auf
Grund der historischen Bedeutung des Gebäudes im Sommersemester
2001 viele Seminare zum Thema Nationalsozialismus und Holocaust
angeboten. Man war von dem ganzen Thema so umgeben, dass sich
bei mir bald das Walser´sche Gefühl von Über-Konfrontation einstellte:
Überall bedrückte Stimmung und Schuldgefühle. Ich war richtiggehend
erleichtert, über den Chaplin-Film „Der Große Diktator“ endlich mal
lachen zu können – nicht ohne dass sich hinterher wieder so etwas wie
ein schlechtes Gewissen einstellte: Darf ich das überhaupt?
Auf dieser Überlegung basiert diese Hausarbeit. Zunächst sollen
der Inhalt des Films dargestellt und seine Entstehungshintergründe
beleuchtet werden. Dann möchte ich einen kurzen Überblick über
verschiedene Theorien der Komik und des Lachens geben, bevor an
Hand von Freuds Überlegungen das Komische im Film analysiert werden
soll. An dieses Kapitel, das klären soll, warum wir über den „Großen
Diktator“ lachen, soll sich eine Auseinandersetzung mit der Frage, ob
man über Hitler und den Faschismus überhaupt lachen darf,
anschließen. Dabei sollen mehr als in den vorangegangenen Kapiteln
auch mein eigener Standpunkt und meine Schlussfolgerungen eine Rolle
spielen. Abschließend möchte ich in Anlehnung an Rudolf Arnheims
Filmkritik klären, was der Film versäumt hat und die Frage reflektieren:
Ist „Der Große Diktator“ überhaupt eine Komödie? [...]
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Hauptteil
1. „Der Große Diktator“: Inhalt und Hintergründe
2. Was ist Komik?
3. Die Arten des Komischen im Film „Der Große Diktator“
4. Lachen über das Grauen?
III. „Der Große Diktator“: Satire oder Komödie?
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Hausarbeit untersucht die komischen Elemente in Charlie Chaplins Film „Der Große Diktator“ vor dem Hintergrund des Nationalsozialismus und analysiert, inwiefern Lachen als legitimes Mittel zur Auseinandersetzung mit historischem Grauen und faschistischem Größenwahn dienen kann.
- Analyse der Entstehungsgeschichte und des Inhalts des Films
- Wissenschaftliche Fundierung der Komik durch Theorien von Freud und Plessner
- Untersuchung der filmischen Darstellung von Hynkel und dem Friseur als komische Figuren
- Diskussion über die ethische Zulässigkeit des Lachens über den Holocaust
- Reflektion des Films als Satire, Komödie oder Tragikomödie
Auszug aus dem Buch
Die Entstehung des Films
Die erste Idee, eine Verwechslungskomödie zu machen, deren Gegenstand zum einen Hitler und zum anderen der Tramp sein sollte, trug 1937 Alexander Korda an Charles Chaplin heran. Der verwarf den Gedanken zunächst. Doch als die Lage in Europa immer prekärer wurde und sich ein Krieg zusammen braute, nahm Chaplin den Vorschlag wieder auf. „Damals hielt ich nicht viel von der Idee, doch jetzt war sie aktuell, und ich brannte darauf, wieder an die Arbeit zu gehen. Ganz plötzlich wurde es mir klar. Natürlich! Als Hitler konnte ich die Massen großtuerisch in ihrem Jargon bearbeiten und soviel sprechen, wie ich wollte. Als Tramp konnte ich dann mehr oder minder still bleiben. In einem Hitler-Film konnte ich Burleske und Pantomime miteinander verbinden. So eilte ich begeistert nach Hollywood zurück und setzte mich daran, das Drehbuch zu schreiben.“ (Charles Chaplin, zitiert nach Schnelle 1994, S. 92) Chaplin brauchte zwei Jahre, um die Geschichte zu entwickeln, und bei Kriegsbeginn war das Drehbuch fertig.
Am 9. September 1939 begannen die Dreharbeiten. Chaplin drehte seine beiden Rollen strikt voneinander getrennt: Erst nahm er alle Szenen auf, in denen der Frisör und das Ghetto im Mittelpunkt stehen. Dann kamen die Stuntszenen und Außenaufnahmen, u.a. die Szenen aus dem Ersten Weltkrieg. Erst danach wurden die Szenen gedreht, in denen Chaplin den Diktator spielt. Auf diese Rolle hatte er sich intensiv vorbereitet: Er studierte Hitlers Mimik und Gestik anhand von Wochenschau-Material und Fotos, die er sich extra zu diesem Zweck aus Europa hatte schicken lassen, damit sein Film so authentisch wie möglich werden würde.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Motivation der Autorin, sich mit dem Film auseinanderzusetzen, und stellt die leitende Forschungsfrage zur Zulässigkeit des Lachens über den Faschismus dar.
1. „Der Große Diktator“: Inhalt und Hintergründe: Dieses Kapitel fasst die Handlung des Films zusammen und erläutert die Entstehungsgeschichte sowie die Intentionen von Charles Chaplin.
2. Was ist Komik?: Es werden grundlegende philosophische und psychologische Thesen zur Komik und zum Lachen, insbesondere von Freud und Plessner, theoretisch hergeleitet.
3. Die Arten des Komischen im Film „Der Große Diktator“: Hier wird analysiert, wie Chaplin spezifische filmische Komik, wie die Komik der Bewegung und Situationskomik, auf die Hauptfiguren anwendet.
4. Lachen über das Grauen?: Dieses Kapitel diskutiert die ethische Dimension der filmischen Behandlung des Holocausts und den therapeutischen Wert des Lachens bei der Bewältigung von Katastrophen.
III. „Der Große Diktator“: Satire oder Komödie?: Das Fazit reflektiert die Einordnung des Werks zwischen Satire, Komödie und Tragikomödie sowie die Wirkung der abschließenden politischen Rede.
Schlüsselwörter
Charles Chaplin, Der Große Diktator, Faschismus, Komik, Nationalsozialismus, Hitler, Hynkel, Satire, Komödie, Sigmund Freud, Helmuth Plessner, Lachen, Verwechslungskomödie, Holocaust, Filmkritik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Charlie Chaplins Film „Der Große Diktator“ hinsichtlich seiner komischen Struktur und diskutiert, wie ein Film trotz der ernsten Thematik des Holocausts als Komödie funktionieren kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Komik, die Analyse filmischer Mittel zur Herabsetzung autokratischer Figuren sowie die ethische Reflexion über Satire in Bezug auf den Nationalsozialismus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, warum wir über den Film lachen können und ob dieses Lachen ein legitimes Mittel ist, um sich mit dem Grauen des Faschismus auseinanderzusetzen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt schwerpunktmäßig psychoanalytische Theorien von Sigmund Freud sowie philosophische Ansätze von Helmuth Plessner zur Komik, um die Wirkung des Films zu dekonstruieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Inhaltsangabe und Entstehungsgeschichte, eine fundierte Literaturrecherche zur Komik, eine Analyse der beiden Hauptrollen und eine kritische Auseinandersetzung mit der moralischen Zulässigkeit des Lachens.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Chaplins Humor, den Vergleich zwischen Tramp und Diktator, die therapeutische Funktion des Lachens und die Genrefrage zwischen Satire und Tragikomödie beschreiben.
Wie bewertet die Arbeit Chaplins Darstellung von Hitler?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Chaplin Hitler im Film eher indirekt über seine Umgebung karikiert und ihn durch die Darstellung als lächerliches „Dummerchen“ entzaubert.
Welche Bedeutung kommt der Schlussrede des Films zu?
Die Schlussrede wird als bewusster Bruch mit der Komödie gewertet, in dem der Regisseur direkt zum Publikum spricht, um die künstlerische Botschaft des Films für Freiheit und Frieden zu unterstreichen.
- Quote paper
- M. A. Nikola Weiß (Author), 2001, Lachen über das Grauen? Die Komik in Chaplins Der große Diktator, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6712