Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Die sozialen Interaktionsmedien bei Talcott Parsons 4
1.1. Die Integration des Medienkonzepts in Parsons’ Theorie der Sozialsysteme 4
1.2. Das Medienkonzept bei Talcott Parsons 7
1.2.1. Was sind Medien? 7
1.2.2. Eigenschaften der Medien 8
1.2.3. Die Funktion der Medien 9
1.2.4. Medien als Steuerungsmechanismen 9
1.2.5. Medien als Selektionen 10
Das Medium Geld 11
Das Medium Macht 12
Das Medium Einfluss 12
Das Medium Wertbindung 13
1.2.6. Die Beziehungen zwischen Medien 14
2. Das Medienkonzept in der Theorie von Jürgen Habermas 15
2.1. Hauptbegriffe in der Theorie von Jürgen Habermas 15
2.2. Die Medientheorie zwischen System und Lebenswelt 17
Literaturverzeichnis 20
2
Einleitung
Mit dieser Arbeit möchte ich die Theorie der Interaktionsmedien genauer betrachten. Ausgangpunkt ist hierbei das Entstehen des Medienkonzeptes bei Talcott Parsons in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Dabei versuche ich die Stellung des Konzeptes in Parsons’ Theorie der Sozialsysteme genauer zu erläutern. Anschließend widme ich mich der detaillierten Betrachtung der Medien. Was sind ihre Eigenschaften, wie funktionieren sie? Welche Medien gibt es und wie sind sie charakterisiert? In einem nächsten Abschnitt zeige ich die Gründe auf, die Jürgen Habermas dazu veranlassten, sich mit dem Medienkonzept auseinander zusetzen und es schließlich in seine Gesellschaftstheorie zu integrieren. Ausgangspunkt kann dabei natürlich nur ein Exkurs in die Habermasche Theorie sein. Abschließend sind einige Punkte zum - von Habermas modifizierten - Konzept der Interaktionsmedien genannt.
3
1. Die sozialen Interaktionsmedien bei Talcott Parsons
1.1. Die Integration des Medienkonzepts in Parsons’ Theorie der Sozialsysteme
Seinen Anfangspunkt findet das Medienkonzept in den 60er Jahren des 20. Jahrhundert bei Talcott Parsons (1902-1979). Die zentrale Stellung nimmt bei ihm die Theorie der Sozialsysteme ein. Dennoch befasst er sich, neben der Systemtheorie, auch mit der Handlungstheorie. Die Theorie der Interaktionsmedien dient ihm dabei als Verbindungsstück der beiden Theorie miteinander, als analytische Brücke sozusagen. Die Evolution der Gesellschaft sieht Parsons in zwei fundamentalen Aspekten verankert: zum einen in der Differenzierung als dem eigentlichen Prinzip der Evolution und zum anderen in der integrativen Verflechtung der entstandenen Subsysteme. Unter dem Begriff Differenzierung versteht Parsons die Bildung von Systemen und Subsystemen. In engem Zusammenhang steht hier der Begriff des AGIL-Schema. Parsons bezeichnet das Gesamtgeflecht der Bedingungen, die den M enschen umgeben als die CONDITIO HUMANA. Sie teilt er in vier Systeme ein. Jedes System erfüllt hierbei eine Funktion. Es ist das Physiko-chemische System, das Menschlich-organische System, das Handlungssystem und das Telische System. Der Begriff AGIL leitet sich ab, aus: 1. Adaption, also der Anpassung des Organismus an die biologischen, chemischen und physikalischen Gegebenheiten des Lebensraumes. 2. Goal Attainment als “Zielerreichung”. 3. Integration in die Gesellschaft, verstanden als soziale Integration und funktionale Integration, im Sinne der Sicherung des Zusammenhalts eines Systems und schließlich 4. Pattern Maintenance bzw. Latency: der Strukturerhalt durch kulturelle Reproduktion und Sozialisation. Nach Parsons
differenzieren sich diese vier Systeme in weitere Subsysteme aus. Dabei folgt er der schematischen Vier-Teilung mit den entsprechenden Funktionen. Besonderes Augenmerk legt Parsons auf das Handlungssystem. Durch das Konzept des Handlungssystems verschwinden die Aktoren als handelnde Subjekte, gleichzeitig wendet er sich damit von der Handlungstheorie ab und der Systemtheorie zu. Das Handlungssystem also unterteilt er in: Verhaltenssystem (Adaption), Persönlichkeitssystem (Goal Attainment), Soziales System (Integration) und Kulturelles System (Latency). Von hier weitergehend teilt er das Soziale System in: Ökonomisches System (Adaption), Politisches System (Goal Attainment), Gemeinschaftssystem (Integration) und Sozial-Kulturelles System (Latency). Soweit zum Begriff der Ausdifferenzierung bei Talcott Parsons.
Wie bereits erwähnt, spielt nun der zweite Aspekt der Evolution der Gesellschaft eine fundamentale Rolle: Die Re-Integration der differenzierten Systeme. Dies geschieht bei
4
Parsons mittels des Konzepts der Interaktionsmedien. Die Notwendigkeit dieser Medien macht Schneider an folgendem Beispiel deutlich: In modernen Gesellschaften liefern Menschen ihre Arbeitskraft und erhalten im Gegenzug ihren Lohn. Diesen Lohn tauschen sie gegen Ware z.B. Nahrung und Gebrauchsgegenstände. Ohne Geld wäre Lohn in Form von Zahlungsmitteln zum Weitertauschen nicht möglich. Es müsste also Arbeitskraft gegen einen Gebrauchswert getauscht werden. Beide Seiten - Arbeitgeber und Arbeitnehmer - wären somit stark in ihrem Spielraum eingeschränkt. Die Unternehmen m üssten vorrangig das produzieren, was die Arbeitnehmer zum Leben und zur Bedürfnisbefriedigung benötigen. Damit wären alle Unternehmen auch gezwungen, die gleichen Produkte zu liefern. Das Resultat: weder innerhalb eines, noch innerhalb aller Unternehmen k önnte es zu einer Ausdifferenzierung der Warenpalette kommen, noch zu einer funktionalen
Ausdifferenzierung der Ökonomie allgemein. Mit Hilfe von Geld wird es aber möglich, zwei voneinander unabhängige Tauschprozesse, nämlich Arbeitsleistung gegen Lohn und Lohn gegen Konsumgüter und Dienstleistungen, zu vollziehen (Schneider 2002). Ein weiterer Aspekt findet sich bei Jensen: Das Medium Geld ist in modernen Gesellschaften besonders bedeutend geworden. Der Slogan „Biete Geld, suche Ware“ ist hierfür beispielhaft. In modernen Gesellschaften ist es gar nicht mehr möglich, den Preis jeder Ware mittels Konsens zwischen Anbieter und Abnehmer zu bestimmen, allein schon vom zeitlichen Aufwand her betrachtet. Die Interaktionsmedien sind also ein Mittel, um im Handeln bestimmte Absichten deutlich zu machen und durchzusetzen. Dem Interaktionspartner wird mitgeteilt, was man möchte und was man bereit ist, dafür zu tun bzw. auszugeben. Jensen sieht die Grundidee der Medien in „der Mitteilung dessen, was man möchte und zugleich (in der) Motivierung des Partners zu dem gewünschten komplementären Verhalten“ (Jensen 1980:11).
In entwickelten Gesellschaften kommt es folglich zu einer Mediatisierung durch generalisierte Mechanismen. Wie aber gelangt Parsons zu seiner Theorie der Interaktionsmedien? In einem ersten Schritt betrachtet er die Sprache. In ihr werden zum Teil komplexe Sachverhalte in generalisierten Formeln symbolisiert. Doch taucht folgendes Problem auf: mit der Äußerung von Worten ist nicht gesichert, dass Alter d ie Offerten, die er Ego für dessen entgegengebrachte Handlung anbietet, auch gewährleistet. Reden ist also nicht Handeln, oder anders ausgedrückt: „Im Hinblick auf die Sicherung des Selektionstransfers von evolutionär wichtigen Handlungsmustern dürfte das Problem der Sprache als einem universellem Medium in der Unzulänglichkeit von Worten liegen, die Verbindlichkeit von Interaktionsofferten zu gewährleisten“ (Jensen 1980:12). Sprache ist also unzuverlässig. Es bedarf eines
5
komplizierten Regulierungssystems, um die in Aussicht gestellten Offerten zu sichern. Parsons begibt sich nun auf das Feld der Ökonomie und entdeckt „Geld“ als erstes von mehreren Interaktionsmedien. Er folgt seiner Vier-Felder-Logik und gelangt zu weiteren Medien: Macht, Einfluss, Wertbindung.
Die Bildung sozialer Interaktionsformen sieht Parsons als evolutionäre Errungenschaft, die stabilisiert und erhalten werden muss. Die erfolgreichen Handlungsmuster der Interaktion müssen immer wieder aktualisiert werden und genau diese wiederholte Selektion wird durch die Medien gewährleistet. „Es geht um Selektionstransfers, bei denen die Medien als kybernetische Steuerungsmechanismen wirken, die die Reproduzierbarkeit von erfolgreichen Problemlösungen erleichtern“ (Jensen 1980:23).
Noch einmal zum Ausgangspunkt: der erste Aspekt der gesellschaftlichen Evolution liegt bei Parsons in der Differenzierung, der zweite Aspekt in der Re-Integration. Es bedarf also Mechanismen zur integrativen Stabilisierung, um beide Aspekte miteinander zu verbinden. Die Medien sind genau solche Mechanismen, die Parsons hier sucht. Parsons hat nun also die Größen des Austausches über Systemgrenzen hinweg gefunden, also den jeweiligen Input und den entsprechend gegenläufigen Output. Nun stellt sich ihm eine weitere entscheidende Frage: Warum ist überhaupt Ordnung, und nicht v ielmehr Chaos? Diese Frage ist auch gleichzusetzen mit Hobbes’ Problem of Order. Und lautet weitergedacht: Warum übernimmt ein anderer meine Selektion? Selektion bedeutet in diesem Zusammenhang nicht anderes, als die in einem Handlungszusammenhang spezifisch abgestimmte Auswahl gewisser Zusammenhänge und zugleich die radikale Ablehnung aller anderen Möglichkeiten (Jensen 1980). Warum soll also ein anderer meine Selektionen übernehmen? Die Antwort: Wegen genau dieser vier genannten Medien: Geld, Macht, Einfluss, Wertbindung. Weil Alter also entweder einen Vorteil erlangt, oder durch die Vermeidung zu Nachteilen gelangt, oder den guten Rat Egos annimmt, oder das Gefühl hat, die einzig richtige Handlung zu vollziehen. Zusammenfassend kann man den Prozess der Parsonsschen Theoriebildung wie folgt darlegen: „Er ging aus vom Konzept des Systems als einem Zusammenhang differentieller Ordnung, der sich aus interdependenten und interagierenden Teilen aufbaut. Dieser
6
Quote paper:
Christin Schröder, 2002, Das Konzept der Interaktionsmedien bei Talcott Parsons und Jürgen Habermas, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Theorie der Macht bei Niklas Luhmann
Sociology - Classics and Theoretical Directions
Termpaper, 23 Pages
Armut aus soziologischer Sicht
Sociology - Social System, Social Structure, Class, Social Stratification
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 33 Pages
Männliche Herrschaft - Die Dominanz des männlichen Geschlechts aus der...
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 37 Pages
Der ökonomische Liberalismus nach Smith: Merkmale und Widersprüche
Eine Textanalyse des „Reichtum...
Sociology - Classics and Theoretical Directions
Scholary Paper (Seminar), 27 Pages
Grundannahmen der Organisationssoziologie Niklas Luhmanns
Sociology - Economy and Industry
Scholary Paper (Seminar), 23 Pages
Der Kaschmirkonflikt von 1947 bis 1989
Politics - International Politics - Region: Near East, Near Orient
Scholary Paper (Seminar), 18 Pages
Die Entwicklung des Harlekins in Frankreich und Deutschland
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 35 Pages
Eine Analyse des Kapitalismuskonzeptes von Werner Sombart im Vergleich...
Sociology - Classics and Theoretical Directions
Scholary Paper (Seminar), 26 Pages
Business economics - Company formation, Business Plans
Elaboration, 21 Pages
Anomie und Individuum - Die Folgen der Anomie für den Einzelnen
Sociology - Classics and Theoretical Directions
Termpaper, 12 Pages
Fürstlicher Hochabsolutismus in Kontinentaleuropa - Realität oder ein ...
History Europe - Other Countries - Modern Times, Absolutism, Industrialization
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 28 Pages
Einführung in koordinative Fähigkeiten als generalisierte körperliche ...
Sport - Kinematics and Training Theory
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 17 Pages
Ausarbeitung der Frage "W...
Philosophy - Early Modern Philosophy (approx. 1350 - 1600)
Scholary Paper (Seminar), 41 Pages
Christin Löffler has published the text Das Konzept der Interaktionsmedien bei Talcott Parsons und Jürgen Habermas
Christin Löffler has uploaded a new text
Talcott Parsons Today: His Theory and Legacy in Contemporary Sociology
Neil J. Smelser, A. Javier Trevino
Soziologische Paradigmen nach Talcott Parsons
Eine Einführung
Ditmar Brock, Matthias Junge, Heike Diefenbach, Reiner Keller, Dirk Villányi
Talcott Parsons: Economic Sociologist of the 20th Century
Talcott Parsons, Laurence S. Moss, Andrew Savchenko
Talcott Parsons: Economic Sociologist of the 20th Century
Talcott Parsons, Laurence S. Moss, Andrew Savchenko
Talcott Parsons on Institutions and Social Evolution Talcott Parsons o...
Talcott Parsons, Leon H. Mayhew
0 comments