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INHALTSVERZEICHNIS
EINFÜHRUNG 6
1 Kurzfassung / Abstract 6
2 Schlüsselworte / Keywords
3 Vorwort / Idee zur Arbeit
4 Fragestellung der Arbeit 9
A THEORETISCHER TEIL 10
1 Eine Geschichte am Anfang – Das Bäumlein 10
2 Definition und Anwendung 12
2.1 Storytelling 12
2.2 Narration 12
2.3 Narratologie 13
2.4 Implizites Wissen 13
2.5 Bildung 14
2.6 Logotherapie und Existenzanalyse 15
2.7 Begriffssystematisierung 15
3 Das Storytelling 16
3.1 Historischer Rückblick 16
3.2 Erzählschemata 17
3.2.1 Romanze 17
3.2.2 Die Tragödie 18
3.2.3 Die klassische Komödie 20
3.2.4 Die Satire 20
3.3 Literaturgattungen 21
3
3.3.2 Die Fabel 22
3.3.3 Metapher 23
3.3.4 Das Symbol 25
3.4 Die Prozedur der Narration 25
4 Die therapeutische Geschichte 27
4.1 Definition und Anwendung 27
4.2 Entstehung und Entwicklungsgeschichte 28
4.2.1 Schlussfolgerung 31
4.3 Beziehungsstrukturen im Prozess der
therapeutischen Geschichte 33
4.3.1 Basale Beziehungsprozeduren 33
4.3.1.1 Spiegeln 35
4.3.1.2 Urvertrauen / Geborgenheit / Sicherheit 36
4.3.1.3 Die soziale „Rolle“ 36
4.3.1.4 Identifikation 36
4.4 Anwendungsbereiche von therapeutischen Geschichten 37
4.5 Ziel/Funktion der therapeutischen Geschichte 37
5 Logotherapie und Existenzanalyse 40
5.1 Allgemeines 40
5.2 Begriffserklärung im Speziellen 44
5.3 Methoden der Logotherapie und Existenzanalyse 47
5.3.1 Die Dereflexion 47
5.3.2 Paradoxe Intention 48
5.3.3 Einstellungsänderung/Einstellungsmodulation 49
5.3.4 Die Existenzielle Bilanz 51
5.3.5 Das Sinnwahrnehmungstraining 52
5.3.6 Der Sokratischer Dialog 53
5.3.7 Der phantastische Dialog 54
4
5.4 Literaturrecherche zum Thema 55
5.4.1 Bibliotherapie 55
5.4.2 Fallgeschichten 55
5.4.3 Narrative Logotherapie 55
5.4.4 Werteimagination nach Böschemeier 57
B PRAKTISCHER TEIL 59
1 Definition 59
2 Kriterien einer sinnvollen Geschichte 60
3 Auswirkungen 61
4 Der Prozess 62
4.1 Eingangsphase /Arbeitsschritte 62
4.1.1 Das Sammeln von Informationen 62
4.2 Kreative Phase 65
4.2.1 Das Imaginieren der Geschichte 65
4.2.2 Wahl des Erzählmodells 66
4.2.3 Wahl des Gestaltungsmodells 66
4.2.3.1 Die Geschlossene Geschichte 67
4.2.3.2 Das offene Ende 67
4.2.3.3 Die offene Geschichte 67
4.2.3.4 Die interaktive Geschichte 67
4.2.3.5 Die spontane Geschichte 68
4.3 Therapeutische Phase 68
4.3.1 Der Prozess des Schreibens 68
4.3.2 Das Vortragen /Das Erzählen 69
4.3.3 Das Aufarbeiten 69
5 Geschichten als Beispiele 71
5.1 Die geschlossene Geschichte 72
5.2 Offenes Ende 72
5
5.3 Die Offene Geschichte 79
5.4 Die Interaktive Geschichte 87
5.5 Die spontane Geschichte 87
6 Fallgeschichte 89
6.1 Herausarbeiten von Ähnlichkeiten und Elementen
der klassischen Tragödie 90
6.2 Herausarbeiten von Ähnlichkeiten und Elementen
des Strukturphasenmodells 90
6.3 Herausarbeiten von Ähnlichkeiten und Elementen
der epischen Form 92
6.4 Herausarbeiten von Ähnlichkeiten und Elementen
der Drei-Ebenen- Kommunikation 94
6.5 Herausarbeiten von Ähnlichkeiten und Elementen
der Logotherapie 95
6.6 Herausarbeiten von Ähnlichkeiten und Elementen
der logotherapeutischen Geschichte 97
6.6.1 Eingangsphase 98
6.6.2 Kreative Phase und therapeutische Phase 102
6.7 Herausarbeiten von Ähnlichkeiten und Elementen
der logotherapeutischen Philosophie 103
6.8 Exploration/Anamnese/Verlauf 105
6.9 Ergebnis 106
ZUSAMMENFASSUNG UND ABSCHLUSS 107
LITERATURVERZEICHNIS 109
ANHANG 115
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EINFÜHRUNG
1 Kurzfassung / Abstract
Kurzfassung:
Storytelling, das Geschichten erzählen, ist ein uraltes Ritual der Menschheit. Schon vor Millionen von Jahren diente dieses Medium als Informationsfluss um Geschehnisse (Schicksal) zu berichten (interpretieren, deuten), Erfahrungen auszutauschen, Gefühle zu verarbeiten, Sinnzusammenhänge zu verstehen, Geborgenheit, Sicherheit und Schutz zu spüren. Viele Assoziationen, die in Verbindung mit „eine Geschichte vorgelesen bekommen“ ausgelöst werden (Urvertrauen), fördern die Absichten des therapeutischen Prozesses. Das Storytelling / das Geschichten erzählen ist eine spezielle Form des Gesprächs.
Die Grundaussagen der Lehre von der Logotherapie und Existenzanalyse, ihr zugrunde liegendes Menschenbild und ihr geistiges Grundkonzept lassen den Schluss zu, dass die Technik des Geschichten Erzählens sich als hervorragendes therapeutisches Instrumentarium eignet, um das Thema eines Patienten aufzuarbeiten und dazu notwendige seelische Entwicklungen zu fördern.
Die Verschiebung eines Konfliktes/einer persönlichen Fragestellung in einen anderen Bezugrahmen/Kontext, den einer Geschichte und deren dortige Bearbeitung schaffen gleichermaßen Nähe und Distanz zwischen Therapeut und Klient wie der Patient es braucht, erhalten die Würde und die Intimität der Person. Die in der Geschichte stattfindende Lösung / Wandlung /
Neuorientierung sind therapeutische Angebote, die vom Patienten nach dessen Möglichkeiten angenommen werden. Die Grundmotivation dazu
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kommt vom Patienten selbst, ist er es doch, der dem Therapeuten bewusst oder unbewusst den „Auftrag dazu“ erteilt, indem er sich in die therapeutische Situation und Beziehung einlässt. Die Sprache der Metapher, ihr Symbolcharakter, und die „magischen Möglichkeiten“ arbeiten tief im Unterbewusstsein und können dort verborgene Prozesse direkter ansprechen als in einem üblichen therapeutischen Gespräch. Im Reich der Phantasie wo alles möglich ist, kann sich der Patient ohne Konsequenzen mit seinen Themen, Gefühlen und „Hindernissen“ freier bewegen und auf spielerische Art und Weise auf „vorweggenommene“ Lösungen reagieren. Dies ist der im Anschluss an das Hören der Geschichte stattfindende gemeinsame Prozess zwischen dem Therapeuten und seinem Klienten.
Gleichzeitig transportiert der Therapeut, indem er selbst die Geschichte für diesen Patienten schreibt und auf dessen Fragestellung/Problem bezogen bleibt, sein (logo)- therapeutisches Angebot und seinen persönlichen Erfahrungsschatz. Er lenkt und beeinflusst den Informationsfluss nach den Grundaussagen der Lehre, deren Vertreter er ist und derer sich der Patient anvertraut. Diese Annahme soll anhand eines Grundkonzeptes für das Schreiben von therapeutischen Geschichten vorgestellt werden.
Abstract:
Storytelling is an ancient ritual of mankind. Millions of years ago this medium was used as a way of informing each other about happenings (fate) and to interpret them, to exchange feelings, to understand connections of meaning and to feel safety and protection. Many associations that are released while a story is read to us can be useful for the therapeutic process. Storytelling is a special form of a conversation. The language of a metaphor, its symbol character and the “magic possibilities” work deep in our subconscious and can apply to hidden processes more easily than in a customary therapeutic conversation. In our imagination, where anything is possible , the patient can move more freely and without consequences among his feelings and obstacles and therefore react to “anticipated” solutions in a very playful way.
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At the same time the therapist – while writing the story himself for the specific patient and staying referred to his or her formulation of question/problem – transports his (logo) – therapeutic offering and his personal experiences.
2 Schlüsselworte / Keywords
Schlüsselworte:
Storytelling, Logotherapie, Interventionstechnik, Geschichten, Märchen, Therapeutisches Märchen, Metaphern, das therapeutische Gespräch, Logotherapie und Existenzanalyse, das logotherapeutische Märchen
Keywords:
Storytelling, logo therapy, psychotherapeutic techniques for intervention, stories, ferry tales, therapeutic tales, methaper, logo therapy and
3 Vorwort / Idee zur Arbeit
Schon während meiner Ausbildung sind mir in den Lehrbüchern Frankls die vielen Fallbeispiele und Zitate aufgefallen, die er einerseits seinen Patienten als Intervention erzählt hat, andererseits dem Leser die Lehrinhalte veranschaulichen. Später erfuhr ich Ähnliches bei Elisabeth Lukas, die zudem noch die Literatur Tolstois zum Analysieren auf logotherapeutisches Gedankengut entdeckte. Ich entwickelte die Idee, eine individuelle Geschichte zu schreiben für einen bestimmten Klienten nach dem logotherapeutischen Gedankengut, diese vorzutragen und gemeinsam mit dem Klienten
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aufzuarbeiten. Heute ist das Storytelling ein wichtiges Element meines psychotherapeutischen Arbeitsalltages.
Mit der vorliegenden Arbeit möchte ich meine Erfahrungen in ein Konzept und als Idee einer Interventionstechnik vorstellen.
Das „logotherapeutische Storytelling“ steht somit jedem Therapeuten zur Erweiterung seines Methodenrepertoires zur Verfügung.
4 Fragestellung der Arbeit
• Ist das Storytelling eine Interventionstechnik für die psychotherapeutische Fachrichtung Logotherapie und Existenzanalyse?
• Welche Methoden Techniken, Potentiale für Einstellungsveränderung und Neuorientierung im Menschen bietet die Lehre der Logotherapie und Existenzanalyse?
• Wie lassen sich diese in einer Geschichte einarbeiten um eine literarische Geschichte zu einer logotherapeutischen Geschichte zu machen?
Welches Basiswissen aus angrenzenden Wissensbereichen ist wichtig für das eigenständige Schreiben einer therapeutischen Geschichte?
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A THEORETISCHER TEIL
1 EINE GESCHICHTE AM ANFANG
DAS BÄUMLEIN
Das kleine Bäumlein lebt fröhlich in einem Jungwald, zusammen mit vielen anderen und entwickelt sich prächtig. Es hat starke Wurzeln, die die Nährstoffe und das Wasser aus dem weichen Humusboden aufsaugen und genug Sonnenlicht. Seine Baumkrone ist wunderbar.
Und während der ganzen Zeit scheint die Sonne und versorgt alle und alles. „Du bist aber ein schöner Baum“, ruft ein Vogelpaar entzückt, „hier bauen wir unser Nest und ziehen unsere Kinder groß. Das ist ein guter Platz zu leben!“ Das Bäumlein aber presst ganz fest die Äste zusammen, sodass die Vögel keinen Platz für ein Nest finden und schließlich weiter fliegen. Und währenddessen scheint die Sonne und versorgt alle und alles. Nun ist es zufrieden, denn das Bäumchen will keine Eindringlinge bewirten. Einige Zeit später kommt eine Marienkäferfamilie und klettert am Stamm des Bäumleins hoch. „Du bist aber ein schöner Baum. Was für ein Glück, dass wir dich gefunden haben. Hier ist ein guter Platz zu leben!“ Die Marienkäfer freuen sich.
Das Bäumlein aber erschrickt und presst seine Rinde so fest zusammen, dass diese ganz glatt wird und die Käfer nicht hochklettern können. Schließlich geben sie auf und ziehen weiter. Und auch währenddessen scheint die ganze Zeit die Sonne und versorgt alle und alles.
Der kleine Baum ist zufrieden, denn er will keine ungebetenen Gäste bewirten.
Wieder einige Zeit später erreicht eine Schar von frechen Blattläusen den jungen Baum und bevölkert ihn von oben bis unten. Alles Strampeln hilft nichts! Die Blattläuse saugen die Blätter aus und knabbern an allen Ecken
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und Enden. Das Bäumlein hat keine Chance sich zu wehren und wird immer dünner und kleiner. Ganz arm und verlassen und hilflos steht es so da. Schließlich hebt es den Blick und sieht die anderen Bäume rings herum – denen geht es gut. Dort ist viel Leben und viel Freude! Die Vogelfamilien zwitschern und sorgen für Unterhaltung. Die Marienkäfer laben sich an den Blattläusen. Die Bäume rings herum sind stark und kräftig geworden! Und auch währenddessen gibt es Sonne und Regen und alles und alle werden versorgt.
Da erkennt der junge Baum, dass er nimmt, was er geschenkt bekommt, Nährstoffe, Wasser, Sonnenlicht, aber dass er selbst nichts hergeben will, Schutz für die Vögel zum Beispiel, oder Nahrung für die Käfer.
Er senkt seinen Blick zu Boden, er schämt sich ein wenig und fühlt sich verlassen und verloren. Traurig steht er so eine Weile da und beobachtet von der Ferne das fröhliche Treiben ringsum. Da, auf einmal, hört er sich rufen: „Liebe Tiere des Waldes, hallo Nachbarn! Nichts für ungut, aber ich glaube ich brauche Euch ein wenig, so wie ihr mich! Darf ich euch einladen, zu mir zu Besuch zu kommen? Kommt doch und macht es euch bei mir gemütlich!“ Und etwas leiser fügt es noch hinzu: „Bitte, helft alle mit, ich möchte ein großer und starker, gesunder Baum werden!“ Und während der ganzen Zeit über scheint die Sonne und versorgt alle und alles.
Ängstlich wartet das Bäumchen auf Antwort und freut sich, dass die Käfer, Vögel und Eichhörnchen gar nicht böse zu sein scheinen. Sie kommen tatsächlich und im Nu ist es von den lästigen Blattläusen befreit. Einige Wochen später ist der junge Baum auch schon wieder kräftig und nun zudem auch noch glücklich.
Er beschützt die Vögel mit seinem breiten Blätterdach und die Käfer mit seiner dicken Borkenrinde. Dafür beschützen ihn seine Freunde vor Schädlingen. Und alle zusammen freuen sich über das Geschenk, teilen zu können.
Die Angst des Bäumleins vor Anderen hat sich nach einer Weile in ein großes Vertrauen an das Gute, das in anderen wohnt, verwandelt.
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2 DEFINITIONEN UND ANWENDUNG
2.1 Storytelling
Das Storytelling bezeichnet eine Methode, mit der explizites aber vor allem implizites Wissen weitergegeben werden kann. Storytelling / das Geschichten
erzählen ist dem Forschungsbereich Narratologie (Erzählforschung) zugeordnet, wird unter anderem auch in der Bildung (pädagogischer Bereich) und im Wissensmanagement (Methode als Modell am MIT [Massachusetts Institute of Technology] entwickelt, und von Kleiner & Roth, 1998 in Deutschland eingeführt) eingesetzt. Im Zusammenhang mit dieser Arbeit geht es konkret um das Erzählen von Geschichten und um aktives Zuhören. Wichtig ist, dass der Zuhörer in die erzählte Geschichte direkt oder indirekt eingebunden wird. Dadurch wird der Inhalt der Geschichte nicht nur "gehört", sondern auch "erlebt". Das hat den Vorteil, dass das zu transportierende Wissen eher verstanden wird und sich zudem verinnerlicht. Zusätzlich kann Storytelling auch als Methode zur Problemlösung eingesetzt werden.
2.2 Narration
(Erzählung) wird unterschiedlich benützt, sowohl für die großen Epen und Erzählungen aus der Geschichte der Völker, aber auch für die erzählte Geschichte und Lebensgeschichte eines einzelnen Menschen. Narration nennt man auch noch die typische Geschichte (Story) oder ein Erlebnis, das in der Therapiestunde erzählt wird. (Otte, 2005, S 38)
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2.3 Narratologie
Die Erzähltheorie oder Erzählforschung ist eine interdisziplinäre Methode der Geisteswissenschaften, Kulturwissenschaften, und Sozialwissenschaften (zum Beispiel das Narrative Interview als qualitative Methode). Ihr Gegenstand ist jede Art des erzählenden Textes, von der erzählenden Literatur (Epik) über Geschichtsschreibung bis hin zu Interviews, Zeitungsartikeln oder Witzen. Andere Formen des Geschichtenerzählens, wie zum Beispiel in der Psychoanalyse methodisch angewandt (nämlich die Analyse der Geschichte, die der Patient/Klient erzählt) werden dem Bereich der Narratologie zugeordnet, sind aber nicht Thema oder Gegenstand der
2.4 Implizites Wissen
bezeichnet das im Verhalten im weiteren Sinne, das heißt in Prozessen des Wahrnehmens, Beurteilens, Erwartens, Denkens, Entscheidens oder Handelns verausgabte, durch das Subjekt und unter Umständen auch den analysierenden Beobachter jedoch nicht, nicht vollständig oder nicht angemessen explizierbare (verbalisierbare, objektivierbare, formalisierbare, technisierbare) Wissen einer Person. (Neuweg 2005).
Der auf Polanyi zurück gehende Ursprungsbegriff verdeutlicht, dass das Interesse nicht Strukturen, sondern Prozessen, nicht primär dem Wissen, vielmehr der „Könnerschaft“ (Neuweg 2001) gilt. Der Blick richtet sich auf Wahrnehmungs-, Entscheidungs- und Handlungsdispositionen und die ihnen entsprechenden Formen der Performanzregulation; erst von dort her wird auf die Beziehung zwischen explizitem Wissen und Können rückgefragt.
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2.5 Bildung
Bildung ist ein sprachlich, kulturell und historisch bedingter Begriff. Der moderne dynamische und ganzheitliche Bildungsbegriff steht für den lebensbegleitenden Entwicklungsprozess des Menschen, bei dem er seine geistigen, kulturellen und lebenspraktischen Fähigkeiten und seine personalen und sozialen Kompetenzen (sozial kompetentes Verhalten verknüpft die individuellen Handlungsziele von Personen mit den Einstellungen und Werten einer Gruppe) erweitert. Es kann aber keinen perfekten Menschen geben. Individuelle Anlagen sowie zeitliche, räumliche und soziale Bedingungen setzen der Verwirklichung eines wie auch immer definierten Bildungs-Ideals Grenzen.
Nach Daniel Goeudevert ist Bildung „ein aktiver, komplexer und nie abgeschlossener Prozess in dessen glücklichem Verlauf eine selbstständige und selbsttätige, problemlösungsfähige und lebenstüchtige Persönlichkeit entstehen kann“. Bildung kann daher nicht auf Wissen reduziert werden: Wissen ist nicht das Ziel der Bildung, aber sehr wohl ein Hilfsmittel. Darüber hinaus setzt Bildung Urteilsvermögen, Reflexion und kritische Distanz gegenüber dem Informationsangebot voraus; andernfalls handelt es sich eher um Halbbildung.
Eine alternative Definition findet sich bei Kössler: "Bildung ist der Erwerb eines Systems moralisch erwünschter Einstellungen durch die Vermittlung und Aneignung von Wissen derart, dass Menschen im Bezugssystem ihrer geschichtlich-gesellschaftlichen Welt wählend, wertend und stellungnehmend ihren Standort definieren, Persönlichkeitsprofil bekommen und Lebens- und Handlungsorientierung gewinnen. Man kann stattdessen auch sagen, Bildung bewirke Identität..." (Henning Kössler 1989, S. 56) (aus: www.wikipedia.de, „Bildung“, 09.11.05) Professor Bittner, der den Lehrstuhl für Pädagogik in Würzburg innehat, definiert sehr logotherapeutisch: „Bildung ist im zentralen Sinn Ich-Werdung, denn alle Bildung muss durch das Nadelöhr der Individualität.“ (Bittner, 2003)
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2.6 Logotherapie und Existenzanalyse
„Existenzanalyse“ und „Logotherapie“ sind die Bezeichnung für eine Psychotherapierichtung. Frankl definiert: „Sofern beide – sowohl die Logotherapie, als auch die Existenzanalyse – eine am Geistigen orientierte Psychotherapie darstellen, gliedert sich diese Psychotherapie einerseits in die Logotherapie als Therapie vom Geistigen her und andererseits in die Existenzanalyse als Analyse auf Geistiges hin.“ (Frankl, 1990, S. 271)
2.7 Begriffssystematisierung
Die Begriffe: Patient, Klient, Person, Mensch, Hörer, Leser werden in der
vorliegenden Arbeit als Synonyme für Mensch verwendet und haben dieselbe Bedeutung. Weiters verstehen sie sich als gleichgültig für beide Geschlechter.
Die Begriffe:. Märchen, Erzählung, Metapher werden in dieser Arbeit als
Synonyme für das Wort Geschichte, also in derselben Wortbedeutung gemeint.
Der Begriff: „Existenzanalyse und Logotherapie“ wird im Inneren der Arbeit
häufig in umgedrehter Wortform erwähnt, weil es die üblichere und von Frankl gewählte Wortwahl ist. „Existenzanalyse und Logotherapie“ ist aber die offiziell in Österreich anerkannte psychotherapeutisch-wissenschaftliche Methode.
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3 DAS STORYTELLING
3.1 Historischer Rückblick
Warum werden Geschichten erzählt und was ist der Nutzen?
Die Bedeutung der soziokulturellen Funktion des Erzählens:
Die Geschichte des Geschichtenerzählens ist so alt wie die Menschheit selbst. „Geschichten zu erzählen oder erzählt zu bekommen ist ein Basisbedürfnis in allen Kulturen.“ (Otte, 2005, S 38) Das Storytelling beginnt mit den Stammesalten und Schamanen, die das Wissen der Sippe / des Stammes auf diese Art und Weise weitergaben und geht weiter zu den alten Meistern des Ostens. Diese haben Geschichten lange Zeit als Vermittlungsinstrument ihrer Lehren verwendet (Kopp, 1971) um metaphorisch die Bedeutung von Konzepten wie dem der Einheit des Menschen zu erfahren, ohne sie in logischen Denkbegriffen zu erklären. Laotze, Sun Tzu oder der Toameister Chuang Tsu. Die Gleichnisse des Alten und Neuen Testaments, die heiligen Schriften der Kabbala, die Koans des Zen-Buddhismus, die Allegorien der Literatur, die Bilder der Dichtkunst und die Märchen der Geschichtenerzähler – sie alle bedienen sich der Storie.
Im Orient hatte das Geschichten erzählen einen großen sozialen Stellenwert, aber auch bei uns waren die Minnesänger Geschichtenerzähler, die nicht nur Wissen verbreiteten, sondern auch durch ihren Vortrag die Freude und die Zeit des Feierns mit an den Ort ihres Wirkens (Burg, Hof) brachten.
Geschichten werden in der Sprache der Metapher geschrieben und erzählt, enthalten also nicht einfach Daten und Fakten, sondern transportieren auch Gefühle, verdeutlichen den Blickwinkel und die Beurteilung des Geschehenen. Durch (unsere) Geschichten realisiert der Mensch sich selbst und kann erkennen was er sucht oder sich wünscht, also Muster und Glaubenssätze.
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Gerade weil Geschichten emotional betroffen machen, können sie verändern, weitsichtig machen.
Schon vor Millionen von Jahren gaben sie Geschichten weiter um Wissen zu vermitteln (Bildungsaspekt), Erfahrungen auszutauschen, Geschehnisse zu interpretieren, Freude, aber auch Trauer, Geborgenheit und
Zusammengehörigkeit zu erleben.
Geschichten haben das Potential der Neuorientierung und der persönlichen, sozialen wie gesellschaftlichen Weiterentwicklung.
3.2 Erzählschemata
Das Erzählen von Geschichten als menschliches Bedürfnis, folgte in seinen ursprünglichen Formen keinen Richtlinien und theoretischen Vorgaben. Dennoch entwickelten sich dramaturgische, beziehungsweise narrative, Muster im Laufe der Literaturgeschichte. (aus: www.wikipedia.de, „Romanze“, 10.12.05)
3.2.1 Romanze
Die Romanze Ist eine der Ballade verwandte, volksliedhafte und lyrisch- epische Verserzählung. Ihr zugrunde liegt eine Reise oder eine Serie von Abenteuern, die möglichst phantastisch sind
(Odyssee) und ein Ziel, das der Suche nach einem Schatz, einem Geheimnis oder
irgendeinem Objekt der Sehnsucht, der Begierde oder der Erlösung geweiht ist (z.B. ein Pokal wie der heilige Gral, das Paradies, ein verborgener Schatz, die Geheimnisse des Kriminalromans oder eine Jungfrau, die irgendwo gefangen wird und häufig den Schatz bei sich hat). Auch die Utopie ist eine
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Romanze (bis in die Neuzeit hinein lagen Utopien nicht in der Zukunft, sondern in fernen Gegenden).
Die Stimmung der Romanze ist sommerlich und märchenhaft.
3.2.2 Die Tragödie
Grundmuster:
(nach dem Modell von Aristoteles)
In ihrer "klassischen" Form beschäftigt sich die Tragödie mit dem Schicksal, Unglück und den letztendlich tragischen (schuldlos schuldig werden) (zum Beispiel wenn zwei Menschen mit einem Flugzeug abstürzen, es aber nur ein Fallschirm gibt und somit klar ist, dass einer der beiden sterben muss) Katastrophen, die Mächtigen, Adligen und Menschen in hohen sozialen Positionen widerfahren. Fehlentscheidungen, Charakterfehler und Hybris (Überheblichkeit) führen dazu, dass die Situation der betroffenen Figuren sich unausweichlich verschlechtert und mit ihrem Tod endet.
Aristoteles schrieb in seiner Poetik der Tragödie geradezu psychologische Wirkungsmacht zu: Die Zuschauer sollten in der Aufführung Mitleid (eleos) für den Helden empfinden und in der Anschauung seines tragischen Schicksals eine Reinigung (Katharsis) von eben diesen Gefühlen erleben. Er definiert das Grundschema der klassischen griechischen Tragödie fest und unterteilt:
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Strukturell:
Einleitung:
Einführung in Ort, Zeit und Umstände Erregendes Element, der Punkt, an dem die Dinge in den Fluss geraten, die Handlung beginnt
Konflikt:
Steigende Handlung, Entwicklung von Umständen, die für den Helden günstig sind, scheint sich anzubahnen Höhepunkt: Zuspitzung der Lage, Spannungssteigerung bis zur
Entscheidung
Lösung:
fallende Handlung, das Verhängnis für den Helden nimmt seinen Lauf, das Moment der letzten Spannung, man glaubt noch an einen guten Ausgang, die Katastrophe, der endgültige Sturz des Helden.
Emotional:
Eleos:
wird durch ein geistiges Bild von etwas Bösem oder Verhängnisvollem verursacht, das jemandem zustößt, der es nicht verdient. Wesentlich ist die Nachvollziehbarkeit, die betroffene Person muss als moralisch gut gelten (vgl. Hiltunen 2002, 40-41).
Die Katharsis: kann nur dann hervorgerufen werden, wenn die beiden vorangehenden Gefühlsregungen Mitleid und Furcht stattgefunden haben. Die Katharsis bildet somit den emotionalen Höhepunkt der Tragödie (vgl. Hiltunen 2002, 46-47). Der Begriff ist in der Poetik nicht definiert. Hiltunen geht von seinem medizinischen Ursprung aus und sieht die Katharsis als physiologische und psychologische Befreiung von Emotionen. (Hiltunen 2002, 46) Der Blick in ein Lexikon bestätigt Hiltunens Interpretation: Ka|thar|sis (...) 1. Läuterung der Seele von Leidenschaften als Wirkung des [antiken]
Trauerspiels (Literaturw.). 2. das Sich befreien von seelischen Konflikten u. inneren Spannungen durch eine emotionale Abreaktion (Psychol.) (Scholze- Stubenrecht u.a. 1997, 411) und Furcht (phobos) in der Rhetorik definiert Aristoteles Furcht (phobos) als Antizipation, also als gedankliche Vorwegnahme des Bösen, der Angst und der Unruhe, die durch das geistige Bild einer drohenden Gefahr hervorgerufen wird. Die Furcht entsteht demnach bei Ereignissen, die nicht weit in der Zukunft liegen, sondern unmittelbar
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bevorstehen. Diese Bedrohung führt zu Furcht, und somit auch zu einem lustvollen Empfinden basierend auf der Hoffnung auf Rettung (vgl. Hiltunen 2002, 39).
Besonders herausheben möchte ich das Moment der „Krise“: Das Schicksal oder die Götter bringen den Akteur in eine unauflösliche Situation, den für die griechische Tragödie typischen Konflikt, welcher den inneren und äußeren Zusammenbruch einer Person zur Folge hat. Es gibt keinen Weg nicht schuldig zu werden. (Wikipedia-online-Lexikon, Stichwort: griechische Tragödie)
3.2.3 Die klassische Komödie
(v.griech.: komodia = Lied der Gemeinen; Gesang bei einem fröhlichen Umzug) Drama oder Handlung mit glücklichem Ausgang, dessen zu Charakteren erstarrten leitenden Figuren sich der Zuschauer charakterlich, intellektuell oder moralisch überlegen fühlt.
Die Zuschauer blicken zu den Figuren auf Bühne oder Leinwand entweder hinauf oder auf sie hinab, empfinden sie entweder als Verkörperung einer Kraft der sie gleichen, oder einer Schwäche, der sie bloß nicht gleichen wollen: die sie deswegen verlachen. Schwankt dieses Gefühl, handelt es sich um eine Tragikomödie. Nicht zufällig geht ihre Entstehung somit geschichtlich mit Zeiten moralischen Verfalls und Niedergangs und somit auch dem Aufkommen intellektueller Opposition zur Gesamtheit einer Kultur einher.
3.2.4 Die Satire
(lat. satira; von satura lanx: „mit Früchten gefüllte Schale“, im übertragenen Sinne: „bunt gemischtes Allerlei“; früher fälschlich auf Satyr zurückgeführt, daher die ältere Schreibweise Satyra) ist eine Spottdichtung, die mangelhafte
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Tugend oder gesellschaftliche Missstände anklagt. Historische
Bezeichnungen sind im Deutschen auch Spottschrift, Stachelschrift und Pasquill (gegen Personen gerichtete Satire).
(aus: www.wikipedia.de, „satire“, 10.12.05)
3.3 Literaturgattungen
Epische und sprachliche Gestaltungsgrundlagen der Geschichten, die sich für das Schreiben einer (therapeutischen) Geschichte eignen und sich als literarisches Modell anbieten sind:
Märchen, Mythos, Sage, Legende, Schwank, Anekdote, Erzählung, und Kurzgeschichte. Sehr gut eigenständig zu erzählen beziehungsweise in eine Geschichte einzuarbeiten sind das Gleichnis, die Parabel, Rätsel, Fabel, Witz, Sprichwort, Symbol- und Bildsprache wie Metapher, Vergleich, Hyperbel, Wiederholung, Häufung , Dialog, und der Brief.
Je nach Absicht/Kriterien/Ziel/Auftrag wählt der Erzähler/Autor ein literarisches Modell und ein episches Grundmuster.
Für das Schreiben von Geschichten, insbesondere von therapeutischen Geschichten hat das Märchen einen Hauptstellenwert. Darin kommen Metaphern und Symbole als Sprachelemente vor, aber eine Geschichte kann auch in ihrer Gesamtheit eine Metapher sein und Symbolcharakter haben. Diese Begriffe möchte ich nun exemplarisch näher ausführen:
3.3.1 Das Märchen
Es handelt sich beim Märchen um meist relativ kurze Erzählungen mit ausgeprägten surrealen und wunderbaren Elementen. Bei Volksmärchen lässt sich kein bestimmter Urheber feststellen. Sie wurden zunächst über teilweise große Zeiträume hinweg mündlich überliefert, weswegen sie in zahlreichen
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Varianten aufzutauchen pflegen. Irgendwann wurden sie dann „gesammelt“ und schriftlich festgehalten. Bei den so genannten Kunstmärchen handelt es sich indes um bewusste Schöpfungen von Dichtern und Schriftstellern. Bisweilen greifen sie Motive der Volksmärchentradition auf, meist werden aber neuartige fantastische Wundergeschichten erfunden, die mit dem Volksmärchen aber dennoch durch den Aspekt des Wunderbaren oder Unwirklichen verbunden bleiben. Im weitesten Sinne zu den Kunstmärchen können auch die in neuerer Zeit entstandenen Fantasy-Geschichten gerechnet werden (aus: www.wikipedia.de, „Märchen“, 10.12.05). Das Märchen setzt (un/bewusst) dramaturgische Ansätze der Identifikation ein, um eine Meta-Information zu transportieren. Einzel-, Symbol- und
Detaildeutungen sollen bei der Gattung Märchen vermieden werden, da einzelne Bearbeiter Märchen das Kleid der Zeit überwerfen. Der Kern, die Aussage, bleibt aber unangetastet. (Lüthi 1998, 23)
3.3.2 Die Fabel
ist eine kurze Geschichte, meist mit Tieren als Protagonisten und einer Moral, die aus eben dieser kurzen Geschichte hervorgeht.
In der Theorie wird zwischen der rhetorischen und der belehrenden Fabel unterschieden. Die rhetorische Fabel ist einem konkreten Streitfall zugeordnet. Die belehrende Fabel dient dabei nicht unmittelbar zur Durchleuchtung eines konkreten Problems, sondern zur Vermittlung einer allgemeinen Lebensweisheit, die langfristig Entscheidungen beeinflussen soll. Diese Allgemeinheit hat die belehrende Fabel mit dem Märchen gemein. Die Dramaturgie der Fabel besteht weniger in der Geschichte selbst, als vielmehr in dem Moment, in dem die Verbindung zwischen dem Erzählten und der Moral hergestellt wird. Dieser Moment der intellektuellen Befreiung von Emotionen, wie Neugierde und Spannung, kann nach aristotelischen Überlegungen als Katharsis betrachtet werden (Coenen 2000, 8-9). Einerseits
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ist sie in eine Geschichte und die dazugehörige Moral unterteilt, andererseits beschreibt die Fabel zwar einen Einzelfall, dieser ist aber gleichzeitig eine transparente und mehrdeutige Allegorie (Coenen 2000, 12-13).
3.3.3 Metapher
Auf der Suche nach der präzisen Definition für diesen Begriff, bin ich auf unterschiedliche Bedeutungen des Wortes „Metapher“ gestoßen. Ergo dessen gibt es unterschiedliche Begriffsdefinitionen innerhalb der Psychotherapie. Im Zusammenhang mit den Inhalten der vorliegenden Arbeit verstehe ich unter dem Begriff „Metapher“ Folgendes:
Der Begriff: Die Metapher wird als, „.bildliche Übertragung, besonders eines
konkreten Begriffs auf einen Abstrakten, aufgrund eines Vergleichs" (Duden ³1974, S 460) definiert. Das „Bildliche" ist also die Besonderheit der Metapher, deren Wortstamm ,,pher" auf das griechische Verb pherein (,,tragen") zurückzuführen ist, während die Vorsilbe ,,meta" den Sinn der Umwandlung, des Wechsels in sich trägt (Duden ³1974, S.459). Somit wird die Metapher zum Träger einer Umwandlung, eben eines Bildes. Metaphern sind unabdingbarer Teil unserer Kommunikation, sie werden nicht nur ausschmückend und rhetorisch benutzt. Metaphern können in pointierter Form die im Hintergrund liegende Auffassung über einen Sachverhalt zum Ausdruck bringen (Kruse 2000, S 23). Sprach- und verständnistheoretisch reduzieren sie Komplexität der Kommunikation und helfen so zu verstehen, wie etwas für den Betrachter funktioniert, wie er es erlebt. Durch Metaphern werden Erscheinungen, die sonst unbegreiflich wären, durch bekannte Strukturen und Begriffe verständlich gemacht. Dabei visualisieren Metaphern komplexe Vorstellungen durch Rückgriff auf alltägliche Bilder und können so einem unvertrauten Erfahrungsbereich neue Klarheit und greifbare Gestalt geben (Krippendorff, 1994, S 80).
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Therapeutischer Nutzen: Gerade diese Eigenschaft der Metapher, dass die zu
Grunde liegenden Voraussetzungen ausgeblendet werden, ist auch ihr Vorteil. Denn durch diese erhebliche Reduktion von Komplexität ist es möglich, pointiert und knapp komplexe Sachverhalte oder zumindest die Sichtweise von ihnen auszudrücken. Bedingung für diese Nutzung ist natürlich das Bewusstsein, dass Metaphern nie genau „das“ abbilden, wofür sie „nur“ stehen. So bleibt letzten Endes die intersubjektive Nachvollziehbarkeit erhalten (jeder Mensch ist einzigartig) und es ist die Kunst des Therapeuten mit diesem Faktum seinen Klienten in Form einer Geschichte, die eben in diese subjektiven Wirklichkeiten auf eindringt, erarbeitet, verarbeitet und deren Entwicklung fördert indem sie diese „evoziert“. Dabei bleiben die Würde und der geistige Freiraum (zwei Grundannahmen der Logotherapie) des Menschen respektvoll erhalten. Die Tatsache, dass ein unergründbarerer Rest bleibt, macht die Metapher (Bildsprache + Mythos) zu einer symbolischen Sprache.
Auch Birkenbihl geht auf die Metaphern näher ein, definiert sie als Übertragung einer Bedeutung und Redeschmuck (vgl. Birkenbihl 2001, 22- 23), und schreibt ihnen eine didaktisch wertvolle und gehirngerechte Eigenschaft zu (Birkenbihl 2001, S 25). So transportiert beispielsweise die Metapher der „eiserne Vorhang“ weit mehr als die Summe der semantischen Einzelinhalte der Worte „eisern“ und „Vorhang“. Jede Metapher stellt eine Mini-Story dar. Birkenbihl stellt diese Erkenntnis der analytisch-faktischen Informationsaufnahme gegenüber und kommt zu dem Schluss, dass nackte Daten, Fakten, Informationen (...) von unserem Hirn weder begriffen noch verarbeitet und genutzt werden können, denn, erst wenn wir Wissen angeboten bekommen, das für uns autobiografisch Sinn macht, können wir die Info (...) begreifen und uns(...) merken. (Birkenbihl 2001, S 26). Frau Otte definiert die Metapher als eine Sprache für vorbewusstes Beziehungswissen. „Es sind Bilder mit denen wir, oftmals ohne uns dessen bewusst zu sein, versuchen, Gefühle oder Vorstellungen auszudrücken, die sachlich/logisch nicht ausgedrückt werden können. (….) Metaphern, die ein Mensch spontan
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Magistra Beate Pottmann-Knapp, 2006, Storytelling als Interventionstechnik in der Logotherapie und Existenzanalyse, Munich, GRIN Publishing GmbH
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