Universität Erfurt
Die Bedeutung außerschulischer Lernorte für den Heimat- und Sachkundeunterricht der Grundschule
zur Gestaltung eines ganzheitlichen und anschaulichen Unterrichts
am Beispiel der Lernorte „Talsperre und Stausee“
Wissenschaftliche Hausarbeit
zur Ersten Staatsprüfung für das Lehramt an Grundschulen
im Fach Heimat- und Sachkunde
vorgelegt von Stieler, Anne
vorgelegt am: 23.10.2006
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 5
2. Nachhaltige Entwicklung ... 7
2.1 Agenda 21 ... 7
2.2 BLK – Programme „21“ und „Transfer 21“ ... 9
3. Zum Begriff „Lernen ... 14
3.1 Definition Lernen ... 14
3.2 Ganzheitliches Lernen ... 17
3.3 Lernen durch Anschauung ... 20
3.4 Handlungsorientiertes Lernen 2... 3
4. Zur Bedeutung außerschulischen Lernens für die Grundschüler ... 27
4.1 Veränderte Kindheit ... 27
4.2 Auswirkungen der veränderten Kindheit auf die Schule ... 33
5. Lernen am außerschulischen Lernort ... 37
5.1 Zum Begriff Lernort ... 37
5.2 Außerschulische Lernorte ... 38
5.3 Bedeutung außerschulischer Lernorte für den Heimat- und Sachkundeunterricht der 3./4. Klassen ... 43
5.3.1 Lehrplananalyse zu außerschulischen Lernorten ... 43
5.3.2 Unterrichtsgänge ... 50
6. Außerschulische Lernorte „Talsperre und Stausee“ ... 57
6.1 Entwicklung der Talsperren in Thüringen ... 57
6.2 Funktionen von Talsperren und Stauseen ... 59
6.3 Talsperre Leibis/Lichte ... 64
6.3.1 Bau der Talsperre Leibis/Lichte ... 64
6.3.2 Informatives über die Talsperre Leibis/Lichte ... 66
6.3.3 Talsperre Leibis/Lichte und Umwelt ... 67
6.3.4 Talsperre Leibis/Lichte und Tourismus ... 69
7. Konzeption zur Durchführung eines Unterrichtsganges zur Talsperre Leibis/Lichte ... 72
7.1 Vorüberlegungen zum Unterrichtsentwurf ... 72
7.2 Ausführliche Darstellung des Unterrichtsentwurfs ... 72
7.3 Weitere Möglichkeit zur Erschließung der Talsperre ... 80
8. Fazit ... 82
Literaturverzeichnis ... 84
Abbildungsverzeichnis ... 88
Anhang
1. Einleitung
„Der eigentliche Zweck des Lernens ist nicht das Wissen, sondern das Handeln.“1
(Herbert Spencer)
Wie das oben aufgeführte Zitat bereits vermerkt, ist es wichtig, den Schülern einen ganzheitlichen und handlungsorientierten Unterricht zu bieten. Auch der Thüringer Lehrplan weist darauf hin, dass die Schule ein „Ort des Lernens durch Handeln“2 sein soll. Nur durch Wissen aus Büchern und Erzählungen von Lehrern wird das große Ziel der Bildung bei den Grundschulkindern nicht erreicht. Aus diesem Grund ist der Sachverhalt „außerschulischer Lernort“ in der Pädagogik ein häufig diskutiertes Thema. Kaum einer wird bezweifeln, dass der Unterricht im Klassenraum unabdingbar für die Umsetzung der schulischen Lernziele ist, denn der Klassenraum ist der Ort, an dem außerschulische Erfahrungen und Erlebnisse vorbereitet, ausgewertet und beurteilt werden. Aber nur ein Lernen, das den Klassenraum und den Nahraum vereint, gewährleistet einen Unterricht, der Ganzheitlichkeit und Handlungsorientierung einschließt. Das macht es notwendig, dass in Zukunft mehr Lehrer dazu bereit sein müssen, mit den Kindern das Klassenzimmer und letztendlich die Schule zu verlassen, um den Kindern weitere Erfahrungsräume zu verschaffen.
Warum ist es wichtig, die Möglichkeit außerschulischer Lernorte im Unterricht zu nutzen? Lernen Kinder am Nahraum tatsächlich effektiver als im Klassenzimmer? Der erste Teil der Arbeit wird sich genau mit diesen Fragestellungen beschäftigen und versuchen sie zu beantworten. Daran schließt sich ein Kapitel über die außerschulischen Lernorte „Talsperre und Stausee“ an. Das Land Thüringen verfügt über eine Vielzahl von Talsperren sowie Stauseen und grenzt sich somit von anderen Bundesländern ab. Dieser Reichtum hat mich dazu bewogen, das Thema näher zu beleuchten. Ich habe mich speziell für den Lernort „Talsperre Leibis/Lichte“ entschieden, da sich diese Talsperre nur 2 km von meinem Heimatort Sitzendorf entfernt befindet. Ich erachte es als notwendig, Kindern diese Talsperre mit ihren Vor- und Nachteilen für die Region nahe zu bringen, zumal sich im Ort Unterweißbach, an den die Talsperre von einer Seite grenzt, eine Grundschule befindet. Für viele Familien der Gegend blieb der Bau der Sperre nicht ohne Folgen. Auch aus diesem Grund bietet sich das Thema gut für eine Behandlung im Unterricht an. Im letzten Teil der Arbeit möchte ich die Frage „Wie kann ich die außerschulischen Lernorte „Talsperre und Stausee“ sinnvoll in den Heimat- und Sachkundeunterricht der Grundschule integrieren und diese ganzheitlich erschließen?“ beantworten. Das von mir erstellte Unterrichtskonzept ist für eine 3. bzw. 4. Klassenstufe vorgesehen, da ich der Meinung bin, dass Schüler in diesem Alter aufnahmebereiter für ein doch teilweise sehr technisches und anspruchsvolles Thema sind als Kinder einer 1. bzw. 2. Klasse. Außerdem spielt in den Klassen 3 und 4 das „Wasser“ eine große Rolle, was sich mit dem Thema „Talsperre“ gut verbinden lässt. Da ich die Examensarbeit während der Sommerferien geschrieben habe, war es mir aus Zeitgründen nicht möglich, das Konzept selbst an einer Grundschule auszuprobieren. Ich weise hiermit darauf hin, dass es sich lediglich um Empfehlungen handelt, die Lehrerinnen und Lehrer in ihrem Unterricht umsetzen und gleichzeitig mit eigenen Ideen ergänzen und bereichern können. Da diese Arbeit natürlich auch eine Bedeutung für das Thema der „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“ hat, werde ich zu Beginn meiner Ausführungen einen kurzen Überblick über wichtige Punkte der nachhaltigen Entwicklung geben.
Die Arbeit wird sich mit der Bedeutung und der Wichtigkeit von ganzheitlichem, anschaulichem und handlungsorientiertem Lernen sowie der pädagogischen Begründung außerschulischer Lernorte befassen und dies am Beispiel der Talsperre Leibis/Lichte verdeutlichen.
2. Nachhaltige Entwicklung
2.1 Agenda 21
Im Juni des Jahres 1992 fand in Rio de Janeiro die Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung statt. An dieser Konferenz beteiligten sich Regierungsvertreter aus 179 Staaten, unter anderem auch aus Deutschland. Gründe für diesen Weltgipfel gab es mehrere. Zum einem sollte die Frage, wie es zum gerechten Ausgleich zwischen den Industrieländern und den armen Entwicklungsländern kommen kann, eine Antwort finden. Zum anderen ging es vor allem um die Endlichkeit der uns zur Verfügung stehenden Ressourcen, die Naturausbeutung- und vergiftung sowie das stetige Bevölkerungswachstum.3 Es drehte sich demnach alles um das für die Menschheit so wichtige Thema der nachhaltigen Entwicklung. Neben anderen Konventionen entstand bei dieser Konferenz die Agenda 21. Grundlage für diese Agenda ist der Brundtland- Report, benannt nach der norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland. „Im Brundtland-Report wird die weltweite ökonomische und soziale Entwicklung erstmals im Hinblick auf die globale Umweltsituation […] als dauerhaft zukunftsfähig und nachhaltig eingefordert.“4
Was aber bedeutet Agenda 21? Als Agenda wird ein „Buch, in das man Dinge einträgt, die man erledigen will“5 bezeichnet. Die 21 bezieht sich auf das 21. Jahrhundert. Die Agenda 21 ist dementsprechend eine Handlungsempfehlung für die gesamte Weltbevölkerung unseres Jahrhunderts, die ein Umdenken in den Köpfen der Menschen fordert. Das große Ziel der verabschiedeten Konvention ist eine nachhaltige Entwicklung, also
„ein Gesamtkonzept, das eine Entwicklung zum Ziel hat, die ökologisch verträglich, sozial gerecht und wirtschaftlich leistungsfähig ist. Das heißt: Heute und hier nicht auf Kosten der Menschen in anderen Regionen der Erde und auf Kosten zukünftiger Generationen zu leben.“6
Doch wie kann dieses Ziel erreicht werden? Die Schlüsselbegriffe sind Ökologie, Ökonomie und Soziales. Sichtbar wird dies durch das „magische Dreieck“, das auch in der Agenda 21 vorgestellt wird. Die Aussage dieses Dreiecks ist leicht zu treffen. Die beteiligten Komponenten Ökologie, Ökonomie und Soziales müssen als gleichwertig angesehen werden, d.h. der ökologischen Nachhaltigkeit, den sozialen Verhältnissen und dem ökonomischen Fortschreiten sollen gleiche Rechte zukommen. Wenn es gelingt, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit bei Sicherung und Verbesserung der Lebensqualität durch wohlüberlegtes und angebrachtes ökologisches Handeln zu erhöhen, ist eine nachhaltige Entwicklung nicht nur möglich, sondern auch gesichert. Die positive Entwicklung in einem der Bereiche ist immer mit der Entwicklung der anderen Bereiche zu vernetzen und zu vergleichen.7
[...]
1 http://www.zitate.de/detail-kategorie-8821.htm
2 THÜRINGER KULTUSMINISTERIUM 1999, S. 6
3 vgl. http://www.transfer-21.de/daten/texte/schulverw.pdf
4 HELLBERG-RODE, G. 2001, S. 1
5 BÜNTING, K.-D. (Hrsg.) 1996, S. 38
6 http://www.transfer-21.de/index.php?page=235
7 vgl. http://www.transfer-21.de/daten/texte/schulverw.pdf
Quote paper:
Anne Stieler, 2006, Die Bedeutung außerschulischer Lernorte für den Heimat- und Sachkundeunterricht der Grundschule zur Gestaltung eines ganzheitlichen und anschaulichen Unterrichts am Beispiel der Lernorte "Talsperre und Stausee", Munich, GRIN Publishing GmbH
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