Justus-Liebig-Universität Gießen
Einführung in die Sprachwissenschaft
SoSe 1997, 1. Semester
Wort, Wortart und Wortbildung
von: Angela Exel
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Das Wort. Mögliche Definitionen, deren Grenzen und Unzulänglichkeiten 5
2. Wörter und ihre Einteilung in Wortarten 7
2.1. Einteilung nach semantischen Merkmalen 7
2.2. Einteilung nach semantischen, morphologischen und syntaktischen Merkmalen 8
3. Wortbildung 10
3.1. Wortbildungstypen nach Fleischer 11
3.2. Wortbildungstypen nach Lühr 11
3.3. Wortbildungstypen nach Coseriu 12
3.3.1. Typ Komposition 12
3.3.2. Typ Entwicklung 14
3.3.3. Typ Modifikation 16
Fazit 18
Literaturverzeichnis 20
Einleitung
Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Wort, Wortarten und Wortbildungen. Als Grundlage dienten hauptsächlich das Handbuch der deutschen Grammatik von Hentschel und Weydt1 und eine Einführung in die Sprachwissenschaft von Lühr2.
Da das Wort ein „intuitiv vorgegebener und umgangssprachlich verwendeter Begriff für sprachliche Grundeinheiten“3 ist, ist es schwierig, eine allgemeingültige und befriedigende Definition für dieses zu geben. Deshalb werden im ersten Kapitel mehrere Definitionsweisen, die auf unterschiedliche Beschreibungsebenen basieren, vorgestellt. Anschließend werden im zweiten Kapitel - nach kurzer Definition des Begriffs Wortart - Wörter anhand von unterschiedlichen Merkmalen in Wortarten eingeteilt. Es erfolgt eine Einteilung der Wörter nach Merkmalen , die von rein semantischer (bedeutungsunterscheidender) Art sind und Wörter in fünf verschiedene Bereiche gliedert. Eine andere mögliche Einteilung richtet sich nach semantischen, morphologischen (Form und Gestalt betreffend) und syntaktischen (Satzbau betreffend) Kriterien. Im dritten und letzten Kapitel wird die Wortbildung erläutert. Mögliche grammatische Mittel und Verfahren zur Neubildung eines Wortes und mögliche Einteilungen in Wortbildungstypen sind Bestandteil dieses Kapitels. Insgesamt werden drei verschiedene Einteilungsarten aufgeführt. Auf die Einteilung in Wortbildungstypen nach Coseriu4 in Hentschel und Weydt (neben den beiden Einteilungen nach Fleischer und Lühr) 5 wird in Kapitel drei näher eingegangen, da diese durch ihre geringe Zahl an Typen und leicht verständliche Art der Einteilung am übersichtlichsten ist. An den jeweiligen Wortbildungstyp schließen sich Beispiele für die drei Hauptwortarten Verb, Substantiv und Adjektiv in genannter Reihenfolge an. In den folgenden drei Kapiteln sind Beispiele kursiv gedruckt und Zitate in Anführungszeichen gesetzt.
1. Das Wort. Mögliche Definitionen, deren Grenzen und Unzulänglichkeiten
Wörter sind sprachliche Zeichen. Das sprachliche Zeichen wird unterschieden in Signifikant (Lautbild oder Bezeichnendes) und Signifikat (Vorstellung oder Bezeichnetes) - die lautliche und die inhaltliche Seite des Zeichens. Die Bezeichnung (Lautfolge) eines Gegenstandes geschieht willkürlich, genauso wie die begriffliche Abgrenzung eines aus der Menge der in der Wirklichkeit vorhandenen Gegenstände oder Gedanken willkürlich geschieht. Ein Beispiel hierfür ist der Bereich der Farbwörter. Die Anzahl der Farbwörter ist je nach Sprache sehr verschieden. Manche Sprachen besitzen nur zwei Farbwörter, bei denen der Zentralpunkt im Bereich von schwarz und weiß liegt. In anderen Sprachen wiederum wird der Bereich von weiß (hell) bis schwarz (dunkel) mittels sechs grundlegender Farbwörter eingeteilt in schwarz, weiß, rot, grün, gelb und blau.6 Bereiche aus der Wirklichkeit (dem Sein) werden also unterschiedlich voneinander abgegrenzt und mit willkürlichen Lautfolgen benannt. Das Farbwort mit der Lautfolge gelb erhält im Englischen die Lautfolge yellow.
Ein Kriterium für das Wort ist seine zusammenhängende Form 7 Bei diesem Kriterium treten aber u.a. folgende Schwierigkeiten auf: Sind Verben wie ankommen in dem Satz Sie kamen gegen zwölf Uhr zu Hause an. als ein oder zwei Wörter einzustufen? Wie sollen kontinuierliche Prozesse aufgefaßt werden, die das Zusammenwachsen von Wörtern zur Folge haben?, erkennbar zum Beispiel an Rad fahren - radfahren. Lühr versucht, je nach Beschreibungsebene, unterschiedliche Definitionen für das Wort zu geben. Sie teilt ein in: 8
• phonetisch-phonologische Ebene: Hier ist das Wort die „kleinste durch Wortakzent und Grenzsignale wie Pausen isolierbare Einheit“.
• orthographisch-graphemische Ebene: Das Wort wird „als durch Leerstellen im Schriftbild isolierbare Einheit“ definiert.
• morphemische Ebene: Ein oder mehrere Morpheme (kleinste bedeutungstragende Einheiten) bilden die Einheit Wort.
• syntaktische Ebene: Das Wort wird als „Einheit mit syntaktischer Funktion“ bezeichnet.
• semantisch-lexikalische Ebene: Auf dieser Ebene ist das Wort „kleinster, selbständiger sprachlicher Bedeutungsträger.“ Hier ist eine Einschränkung zu machen, da es Wörter ohne Eigenbedeutung wie in, neben, weil (Pronomen, Konjunktionen usw.) gibt.
[...]
1 Elke Hentschel und Harald Weydt, Handbuch der deutschen Grammatik (Berlin/New York 1990).
2 Rosemarie Lühr, Neuhochdeutsch: Eine Einführung in die Sprachwissenschaft (München 51996)
3 Hadumod Bußmann, Lexikon der Sprachwissenschaft (Stuttgart 21990)
4 Vgl. Hentschel und Weydt, Handbuch der deutschen Grammatik, S. 23ff.
5 Ebd. S. 23 und vgl. Lühr, Neuhochdeusch, S. 149ff.
6 Vgl. John Lyons, Semantik. Band 2 (München 1980), Kap. 8.3., S. 258.
7 Vgl. Hentschel und Weydt, Handbuch der deutschen Grammatik, S.14.
8 Vgl. Rosemarie Lühr, Neuhochdeutsch (München 1996), S.131f.
Arbeit zitieren:
MA Angela Exel, 1997, Wort, Wortart und Wortbildung, München, GRIN Verlag GmbH
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