

Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
1.1 Zielsetzung 3
1.2 Vorgehensweise 4
2. Kulturbegriff bei Hofstede 4
2.1 Kultur als Zwiebel 5
2.2 Kulturebenen 7
3. Die IB-MStudie 8
4. Kulturdimensionen nach Hofstede 10
4.1 Machtdistanz 11
4.2 Individualismus/Kollektivismus 16
4.3 Maskulinität/Femininität 20
4.4 Unsicherheitsvermeidung 23
4.5 Langzeit- vs. Kurzzeitorientierung 25
5. Kultur und Globalisierung 28
6. Lob und Kritik 30
7. Zusammenfassung 36
Literaturverzeichnis 38
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1. Einleitung
„Trotz der enormen Vielfalt von Denkweisen [existiert] eine Struktur in dieser Vielfalt, die als eine Grundlage gegenseitigen Verstehens dienen kann.“ Mit diesem Satz aus der Einführung zu Geert Hofstedes Lokales Denken, Globales Handeln (2006) zeigt sich Hofstede’s Grundgedanke bei seiner Arbeit zum Vergleich von Kulturen. Für ihn gibt es Grundlagen, die seiner Meinung nach in allen von ihm verglichenen Kulturen vorhanden sind. Diese entfalten sich in dichotomen Dimensionen in Richtung des einen oder des anderes Pols. Mit diesen Aussagen hat Hofstede bereits 1980 großes Aufsehen erregt. Das damals erschienene Werk „Culture’s Consequences“ hat bis heute „eine Sonderposition, die es „unantastbar“ und dementsprechend gültig und anwendbar erscheinen [lässt]“ (Reimer, 2005, S. 6). Jedoch hat das Werk nicht nur Unterstützung erfahren, sondern vor allem auch eine Reihe an Kritik von unterschiedlichster Seite. Zwar gesteht Hofstede weder bedeutende Fehler noch Schwächen seiner Forschung ein (vgl. McSweeney, 2002, S. 90), doch bleibt nicht zu übersehen, dass sich vor allem die kritischen Stimmen häufen (vgl. Reimer, 2005, S. 6).
1.1 Zielsetzung
Ziel dieser Arbeit ist es, der Frage nachzugehen, inwieweit die Kulturdimensionen Hofstedes valide sind und ob sein Modell für einen Vergleich von Kulturen (heutzutage) geeignet ist. Zudem interessiert, ob das Modell Anwendbarkeitscharakter besitzt.
Es ist somit zu klären, inwiefern die Sonderposition des Modells, die vor allem durch Geert Hofstede immer wieder unterstrichen wird, gerechtfertigt ist. Sind sein Ansatz und seine Erhebungsmethode geeignet, oder ergeben sich Zweifel, die dazu führen, dass das Modell in seiner jetzigen Form überarbeitet oder sogar verworfen werden muss? Diesen Fragen soll in der vorliegenden Arbeit durch Aufzeigen des aktuellen Forschungsstands nachgegangen werden.
1.2 Vorgehensweise
Zu Beginn dieser Arbeit soll das Kulturverständnis Geert Hofstedes beleuchtet werden. Es gilt festzustellen, auf welcher Grundlage er einen Vergleich verschiedener Kulturen für möglich hält. Auch wenn, dem Umfang geschuldet, auf einen Vergleich konkurrierender Kulturtheorien verzichtet wird, soll bereits hier die bisher geäußerte Kritik an Hofstedes Kulturverständnis aufgezeigt werden.
In Kapitel 3 wird ein Einblick in die IBM-Studie gegeben, die als Datengrundlage für die von Hofstede postulierten Dimensionen dient. Darauf folgend sollen die vier gefundenen Dimensionen umfassend erläutert und mit Beispielen verdeutlicht werden. Zudem wird die später hinzugekommene fünfte Dimension dargelegt, die auf Grund ihrer gesonderten Erhebungsmethode nicht ohne entsprechende Erläuterung eingegliedert werden soll.
Die Argumente und Einteilungen in Kapitel 2 bis 4 werden aus der Sicht von Geert Hofstede dargelegt – daher sollen insbesondere seine Ausführen herangezogen werden. Im darauf folgenden Kapitel wird dem Aspekt der Globalisierung Rechnung getragen. In diesem Zusammenhang wird die Aktualität des Modells und die Auffassung von Kultur erneut aufgenommen. Das 6. Kapitel beschäftigt sich mit der umfangreichen Kritik am Modell. Vor allem die verwendete Methode, die Plausibilität der Dimensionen, der Anwendbarkeitscharakter aber auch die gesamte Herangehensweise werden hinterfragt. Dabei darf jedoch nicht übersehen werden, dass die Studie bis heute viel Lob und Unterstützung erfahren hat. Auch dieser Aspekt soll erläutert werden. Kapitel 7 soll schließlich einen zusammenfassenden Überblick geben und die Arbeit mit einem möglichst objektiven Fazit abschließen.
2. Kulturbegriff bei Hofstede
Wie bereits erwähnt geht es an dieser Stelle nicht darum, das Kulturkonzept von Hofstede mit anderen Kulturtheorien zu kontrastieren. Sinn ist es vielmehr die konzeptionelle Grundlage, bzw. das Verständnis von Kultur, welche
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Hofstedes Forschung bestimmen, darzustellen, um so seine weitere Vorgehensweise einzuordnen.
Hofstede (1993, S. 19) sieht zwei mögliche Auffassungen von Kultur: Unter „Kultur Eins“ versteht er Kultur im engeren Sinne. Hierunter fällt die Verfeinerung des Geistes durch Bildung, Kunst und Literatur. „Kultur Zwei“ hingegen ist für Hofstede die kollektive Programmierung des Geistes, die die Mitglieder einer Gruppe oder Kategorie von Menschen von einer anderen unterscheidet. Die zweite Konzeption ist für ihn die Relevante. Kultur ist für ihn, in Analogie zur Computertechnik, die mentale Software eines Menschen. Diese drückt sich in Denk-, Fühl- und Handlungsmustern der Individuen aus. Grundlage der mentalen Software ist die „menschliche Natur“ – die genetische Basis. Sie ist allen Menschen gemeinsam. Doch bildet der Mensch eine Persönlichkeit aus, die ihn als einzigartiges Individuum erscheinen lässt. So bildet sich aus der genetischen Grundlage, den Erfahrungen und dem sozialen Umfeld eine individuelle Software. Hofstede (2001, S. 10) vemerkt „Kultur ist für die Gesellschaft, was die Persönlichkeit für ein Individuum ist“. Die Kultur ist somit eine kollektive Programmierung, die zusammen mit der persönlichen Erfahrung das Erlernte gestaltet. Der Großteil, bzw. der immanente Teil dieser persönlichen Erfahrung wird nach Hofstede in der Kindheit gemacht. Menschliche Natur ist – seiner Auffassung nach – ein mit Genen vererbtes „Betriebssystem“, das physische und psychische Grundzüge festlegt. Was man allerdings z.B. mit den Gefühlen macht, ist durch die Software beeinflusst. Sie gibt an welche Reaktionen angesichts einer persönlichen Vergangenheit wahrscheinlich und verständlich sind (Hofstede, 2006, S. 3). Die mentale Software ist eine Tendenz auf bestimmte Situationen mit einer bestimmten Reaktion zu „antworten“.
2.1 Kultur als Zwiebel
Nach Hofstede setzt sich Kultur sowohl aus sichtbaren wie auch aus unsichtbaren Elementen zusammen. In diesen Bereichen manifestieren sich die Kultur und de facto auch kulturelle Unterschiede. Visualisieren lässt sich dies
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mit der Kulturzwiebel, die Hofstede entsprechend seiner Ansichten modifiziert (siehe Abbildung 1).
Die (sichtbaren) Praktiken bilden die drei äußeren Schichten der Zwiebel. Sie sind kulturexternen Personen zwar augenscheinlich zugänglich, doch ihre Bedeutung erschließt sich nur durch die Interpretationsweise der Kulturinsider. Den inneren, unsichtbaren Kern der Zwiebel bilden die Werte, die in ihren Ursprüngen, den Grundwerten, bereits in der Kindheit angeeignet werden. Von außen nach innen sind die Ebenen, für Nicht-Angehörige der Kultur, immer weniger sichtbar.
Abbildung 1: Zwiebeldiagramm zur Manifestation von Kultur auf verschiedenen Tiefenebenen (nach Hofstede, 2006, S. 8)
Die Praktiken unterteilt Hofstede in Symbole, Helden und Rituale. Symbole sind unter anderem Worte, Gesten und Bilder, die eine bestimmte Bedeutung haben, die von demjenigen, der der gleichen Kultur angehört, als solche erkannt werden. Die Symbole liegen in der äußersten Schicht, da sie oft von anderen kulturellen Gruppen nachgeahmt werden (Hofstede, 2006, S. 8). Helden sind Personen, unabhängig von ihrer Existenz, die Eigenschaften besitzen, die in einer bestimmten Kultur hoch angesehen sind. Sie dienen als Verhaltensvorbilder. Die tiefste Schicht der Praktiken bilden die Rituale. Es sind kollektive Tätigkeiten, die für das Erreichen der angestrebten Ziele eigentlich überflüssig sind, innerhalb einer Kultur aber als sozial notwendig gelten. Sie
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werden um ihrer selbst willen ausgeübt und beinhalten z.B. Formen des Grüßens sowie soziale und religiöse Zeremonien.
Die innerste Schicht der Zwiebel, die Werte, ist für Hofstede der Kern einer Kultur. Sie stellen die allgemeine Neigung, bestimmte Umstände anderen vorzuziehen, dar. Die Analyse ihrer bildet seiner Meinung nach die Basis für kulturelle Verhaltens- und Denkmuster. Werte sind nicht bewusst; sie äußern sich mehr als ein „Fühlen“ oder „Wissen“ der Insider. Sie sind daher auch für Außenstehende nicht direkt wahrnehmbar, und man „kann lediglich aus der Art und Weise, wie Menschen unter verschiedenen Umständen handeln, auf sie schließen“ (Hofstede, 2006, S. 12). Bei der Interpretation der gemessenen Werte (der gestellten Fragen) ist es wichtig, zwischen dem Wünschenswerten und dem Erwünschten zu unterscheiden. Das Wünschenswerte bezieht sich auf die Ideologie, das Erwünschte auf die Praxis. Der Unterschied muss beachtet werden.
Während die Praktiken stark dem Kulturwandel unterworfen sind, vollzieht sich jener im Bereich der Werte nur sehr langsam. Auch wenn sich die Rahmenbedingungen/Praktiken, wie z.B. durch neue Technologien, ändern, bleiben die Grundwerte beständig. Das soziale Spiel bleibt weitestgehend gleich, nur die Spielzeuge, mit denen wir es spielen, verändern sich (Hofstede, 2006, S. 15f.).
2.2 Kulturebenen
Die mentale Programmierung vollzieht sich nicht nur auf einer Schicht. Jeder Mensch gehört gleichzeitig einer Vielzahl von unterschiedlichen Gruppen oder Kategorien an, die Hofstede (2006, S. 12f.) in folgende Ebenen einteilt:
o Eine nationale Ebene: entsprechend dem Land oder der Länder, in denen man aufgewachsen ist
o Eine Ebene regionaler und/oder ethnischer und/oder religiöser
o Eine Ebene des Geschlechts
o Eine Ebene der Generation
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o Eine Ebene der sozialen Klasse in Verbindung mit
o Eine Ebene der Organisation mit der entsprechenden Sozialisierung der Beschäftigten
Diese Ebenen stehen nicht unmittelbar miteinander im Einklang. Häufig können sie wie im Beispiel von Religion und Generation sogar im Gegensatz zueinander stehen.
Die Untersuchung kultureller Unterschiede nach Staatsangehörigkeit scheint für Hofstede (2006, S. 23) häufig das einzig brauchbare Kriterium für eine Klassifizierung zu sein. Dies ergibt sich für ihn aus einer Zweckmäßigkeit, da es bedeutend einfacher sei, Daten für Staaten zu erhalten, als für organische, homogene Gesellschaften. Diese werden häufig durch Regierungen und Organisationen zur Verfügung gestellt. Hofstede merkt aber an, dass Ergebnisse nach Möglichkeit auch nach Region sowie ethnischer oder sprachlicher Gruppe unterschieden werden sollten.
3. Die IBM-Studie
Die Datengrundlage für Hofstede’s Untersuchung der nationalen Kulturunterschiede bietet eine vom IBM Konzern durchgeführte Erhebung – in zwei Runden zwischen 1967 und 1970 sowie zwischen 1971 und 1973. Die Stichprobe hatte in beiden Runden einen Umfang von circa 60,000 Befragten aus 72 nationalen Tochtergesellschaften des IBM Konzerns. Sie umfasste 38 Berufe und 20 Sprachen. Insgesamt wurden mehr als 116.000 Fragebögen mit über 100 einheitlichen Antworten eingesetzt. Die Fragen befassten sich mit persönlichen Werten der Beschäftigten in Bezug auf ihre Arbeitssituation. Die Hauptversion des Fragebogens wurde auf Englisch formuliert und folgend durch zweisprachige Mitarbeiter des Konzerns in die jeweiligen Muttersprachen übersetzt. Da der Fragebogen nicht als wissenschaftliches Instrument, sondern als praktisches Managementwerkzeug konzipiert wurde, war eine Überprüfung durch Rückübersetzung der
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Jakob Eckstein, 2006, Gleich und trotzdem verschieden : Der dimensionale Kulturvergleich bei Geert Hofstede, Munich, GRIN Publishing GmbH
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