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Abkürzungsverzeichnis: II
1. Einleitung 1
2.Verselbständigung der Arbeiterbewegung 2
2.1. Anfänge der Arbeiterbewegung 2
2.2. Parteigründungen und Trennung von den Liberalen 2
2.3. Zusammenschluß zur SAP 7
2.4. Sozialistengesetz 1878 1890 8
3. Vom Erfurter Programm bis zur Spaltung 11
3.1. Entwicklung der SPD nach dem Sozialistengesetz 11
3.2. Organisation der SPD 11
3.3. Ideologische Auseinandersetzungen in der SPD 13
3.4. Spaltung der SPD im 1 Weltkrieg 17
4. Thesenförmige Zusammenfassung 20
Anhang: III III
Literaturverzeichnis: VI
I
1. Einleitung
Durch die Industrialisierung entstand mit dem freien Arbeiter, der seine Arbeitskraft als Ware nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt verkaufen musste, ein neuer Typus des arbeitenden Menschen. Weil den Arbeitsuchenden ständig neue verarmte Bauern und Handwerker zuströmten, konnten die Unternehmer oftmals Hungerlöhne und unmenschliche Arbeitsbedingungen durchsetzen, die die Arbeiter zu einem dauerhaft unsicheren und kärglichen Dasein verurteilten. Die Konsequenz dieser Entwicklung und der Tatsache, dass keine der bestehenden politischen Bewegungen die Interessen dieser Menschen zu vertreten bereit war, führte schließlich in der Mitte des 19. Jahrhunderts zur selbständigen politischen Organisation der Arbeiter. Binnen weniger Jahrzehnte erwuchs daraus mit der SPD eine große Massenpartei, die das Schicksal Deutschlands wesentlich beeinflussen sollte. In der vorliegenden Arbeit wird der Begriff des „Arbeiters“ aus Gründen der Komplexitätsreduktion nicht weiter differenziert, wohl wissend, dass es sich bei den „Arbeitern“ um keinen monolithischen Bevölkerungsblock, sondern um eine durchaus heterogene Klasse handelte. Auch hat sich die Zusammensetzung der Arbeiterschaft im Laufe der Zeit geändert. Waren es zu Beginn noch überwiegend die Handwerkergesellen, die sich politisch artikulierten, so bildete später das quantitativ stark wachsende Industrieproletariat den Kern der organisierten Arbeiterschaft. Ziel dieser Arbeit soll es sein, die Ideologie und die programmatische Entwicklung der SPD von ihren Anfängen bis hin zum Ende des 1.Weltkrieges zu erfassen. Es soll betrachtet werden, welche politische Motive und ideologischen Triebkräfte die Gründung, die innerparteilichen programmatischen Richtungskämpfe und schließlich die Spaltung der SPD bewirkten.
1
2.Verselbständigung der Arbeiterbewegung
2.1. Anfänge der Arbeiterbewegung
Bereits im Vormärz lassen sich 3 Typen von Organisationen als Wurzeln der Arbeiterbewegung unterscheiden: Es sind, neben den sog. Auslandsvereinen und den öffentlichen Unterstützungskassen, vor allem die allgemeinen Handwerker- und Arbeiterbildungsvereine. Diese wurden meist von sozial gesonnenen, liberalen Bürgern seit den 1820er Jahren gegründet, um den Arbeitern durch Vermittlung von Bildung soziale Aufstiegschancen zu ermöglichen. Auch wenn die Bildungsvereine den Arbeitern eine erste zaghafte Basis für politische und soziale Diskussionen gaben, und sich in den 1840er Jahren sogar einige radikaldemokratischsozialistische Vereine verselbständigten, so blieben die Arbeiter mehrheitlich noch Teil der liberalen und demokratischen Bewegung. Ein wichtiger Schritt zur Herausbildung der Arbeiterbewegung war die Revolution von 1848, in deren Verlauf z.B. die „Allgemeine Deutsche Arbeiterverbrüderung“, eine lockere Föderation verschiedener Arbeitervereine, Gewerkschaften und ad-hoc-Initiativen, gegründet wurde. Mit dem Scheitern der Revolution wurde sie jedoch genau wie die meisten anderen Organisationen aufgelöst. Erst mit Beginn der gemilderten Unterdrückungspolitik konnte sich die deutsche Arbeiterbewegung auf 2 Ebenen herausbilden: zum einen als eine Bewegung der Gewerkschaften und Streiks, zum anderen als eine Bewegung der Arbeiterparteien 1 .
2.2. Parteigründungen und Trennung von den Liberalen
Mit Beginn der in Preußen einsetzenden Liberalisierungstendenzen 1858/59 (Beginn der „Neuen Ära“) initiierten insbesondere die Liberalen die Gründung von Arbeiterbildungsvereinen 2 . In diesen wurden den Arbeitern u.a. Fertigkeiten und Kenntnisse vermittelt, die sie für anspruchsvollere Arbeiten in der industriellen Produktion qualifizieren und ihnen somit eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Situation er-
1 Vgl.Kocka, Jürgen: Lohnarbeit und Klassenbildung. Arbeiter und Arbeiterbewegung in Deutschland
1800-1875, Berlin und Bonn 1983, hier S.167-179.
2 Vgl. Ritter, Gerhard A. (1976): Arbeiterbewegung, Parteien und Parlamentarismus. Aufsätze zur deutschen Sozial- und Verfassungsgeschichte des 19. und 20.Jahrhunderts, in: Berding, Helmut u.a. (Hrsg.): Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft, Bd. 23, Göttingen 1976, hier S.24.
2
möglichen sollten. Auf diese Weise suchte man Rückhalt bei der quantitativ wachsenden Arbeiterklasse, um sie ideologisch an die Bourgeoisie zu binden, und somit für die Ziele des Nationalvereins und der Fortschrittspartei, nämlich nationale Einheit und Verfassungsreform, zu mobilisieren 3 . Allerdings sollte sich das praktische Engagement der Arbeiter auf Bildung und Selbsthilfe beschränken. An politischen Aktivitäten sollten sie sich nicht eigenständig beteiligen 4 . Diese politische Bevormundung und die infolge der wirtschaftlichen Entwicklung hervortretenden Gegensätze zwischen Bourgeoisie und Arbeiterschaft waren wesentliche Triebkräfte der kontinuierlichen Abspaltung der Arbeiterbewegung von den Liberalen in den 60er Jahren 5 , die sich durch folgenden Wirkungszusammenhang knapp darstellen lässt 6 : Begeistert von der sich bis 1871 vollziehenden Reichseinigung schwenkten ab Mitte der 60er Jahre immer mehr Liberale, im Rausche nationaler Glückseligkeit und angespornt von den insbesondere für sie vorteilhaften wirtschaftlichen Erfolgen Preußens, auf Bismarcks Linie ein. Dabei traten der preußische Verfassungskonflikt und die gescheiterte Idee eines mit starken Rechten und Kompetenzen ausgestatteten Parlaments zunächst in den Hintergrund. Dieser Bruch der politischen Interessenkoalition verstärkte die wachsende Entfremdung von Bourgeoisie und Arbeitern, wodurch die vorhandenen trennenden Klassenstrukturen umso deutlicher zu Tage traten. Die ablehnende Haltung der Liberalen in der Frage des allgemeinen gleichen Wahlrechts und die Fernhaltung der Arbeiter von jeglicher politischer Betätigung verstärkte das Gefühl der Arbeiter, nur als ein politisch bevormundetes Anhängsel zu dienen 7 . In der Literatur wird deshalb auch die Überlagerung der 3 gleichzeitig auftretenden gesellschaftlichen Herausforderungen Nationalstaatsbildung, Verfassungskonflikt und soziale Spannungen als Grund für die Überforderung der Liberalen und ihr Handeln zwischen 1848 und 1871 gesehen, was dazu führte,
3 Vgl. Fülberth, Georg (1989a): Die Entwicklung der deutschen Sozialdemokratie von ihrer Gründung bis zum Revisionismusstreit (1863-1899), in: Geschichte der deutschen Sozialdemokratie. Von 1863 bis zur Gegenwart, 3.Aufl., Köln 1989, hier S.16.
4 Vgl. Na’aman, Shlomo: Von der Arbeiterbewegung zur Arbeiterpartei. Der Fünfte Vereinstag der Deutschen Arbeitervereine zu Nürnberg im Jahre 1868. Eine Dokumentation, in: Skrzypczak, Henryk (Hrsg.): Beihefte zur Internationalen wissenschaftlichen Korrespondenz zur Geschichte der Arbeiterbewegung (IWK), Berlin 1976, hier S.16.
5 Vgl. Wachenheim, Hedwig: Die deutsche Arbeiterbewegung 1844 bis 1914, Köln und Opladen 1967, hier S.72f.
6 Vgl. Schieder, Wolfgang: Das Scheitern des bürgerlichen Radikalismus und die sozialistische Parteibildung in Deutschland, in: Mommsen, Hans (Hrsg): Sozialdemokratie zwischen Klassenbewegung und Volkspartei, S.17-34, Frankfurt a.M. 1974, hier S.21-24.
7 Vgl. Wachenheim, Hedwig: a.a.O., hier S.77.
3
dass sich die Arbeiter ihre eigenen Organisationen aufbauten, in denen sie sich und ihre zu lösenden Probleme besser vertreten sahen 8 . Am 23.5.1863 wurde mit dem „Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein“ (ADAV) in Leipzig die erste deutsche Arbeiterpartei gegründet, deren erster Präsident und wesentlicher Programmgeber Ferdinand Lassalle war. Die zentralistisch organisierte Partei, eine übergreifende Organisation von zunächst wenigen Arbeitervereinen, hatte bei ihrer Gründung eine Stärke von 1.000 Mitgliedern, die bis Anfang der 70er Jahre circa 21.000 erreichte. Lassalle hatte als Präsident diktatorische Vollmachten und legte ein eindeutiges Konzept der Selbständigkeit von Arbeiterorganisationen ggü. der liberalen Bewegung vor 9 . Er wollte die Arbeiter politisch mobilisieren und von der Fortschrittspartei losreißen, um neben Liberalen und Konservativen eine
dritte politische Kraft in Preußen zu etablieren 10 . Zum einen hielt er die Liberalen im Verfassungsstreit für gescheitert, zum anderen hielt er die politische Kooperation mit den Liberalen aufgrund des „ehernen Lohngesetzes“ ohnehin für ausgeschlossen. Aufgrund dieses Gesetzes würde, bei freiem Spiel von Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt, die Entlohnung der Arbeiter immer an das Minimum des für die physische Existenzerhaltung Notwendigen gebunden bleiben 11 . Aus dieser Inflexibilität des „ehernen Lohngesetzes“ folgerte Lassalle, dass Streiks, Gewerkschaften und das Koalitionsrecht überflüssig seien 12 . Allein die Bildung von großen Produktionsgenossenschaften, in denen die Arbeiter als ihre eigenen Unternehmer den vollen Ertrag ihrer Arbeit erhielten, könnte eine Verbesserung ihrer Situation herbeiführen. Deshalb müßte der Staat den Arbeitern die dafür benötigten Mittel zukommen lassen. Voraussetzung dafür wäre das allgemeine gleiche Wahlrecht, durch welches man eine Steuerung der staatlichen Entscheidungen durch die Arbeiterrepräsentanten erwirken könnte. Lassalle sah im allgemeinen gleichen Wahlrecht nicht nur ein Mittel zur Realisierung seiner Produktionsgenossenschaften, sondern das Instrument für vielfältige gesellschaftliche Veränderung. In Bismarck, dem es als Druckmittel gegen die Liberalen nützlich erschien, erkannte er einen Verbündeten für dessen Durchsetzung 13 . An Lassalles Konzept wird weiter deutlich, dass er wie
8 Vgl. Kocka, Jürgen: a.a.O., hier S. 196f.
9 Vgl. Klönne, Arno: Die deutsche Arbeiterbewegung: Geschichte, Ziele, Wirkungen, Düsseldorf und Köln 1980, hier S.44f.
10 Vgl. Wachenheim, Hedwig: a.a.O., hier S.68f.
11 Vgl. Klönne, Arno: a.a.O., hier S.45.
12 Vgl.Wachenheim, Hedwig: a.a.O., hier S. 78.
13 Vgl. Klönne, Arno: a.a.O., hier S.45.
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Axel Wild, 2006, Die Arbeiterbewegung im Kaiserreich: Partei und Gewerkschaften, Munich, GRIN Publishing GmbH
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