Inhaltsverzeichnis
1. Theorieteil 5
1.1. Einleitung. 5
1.2. Ambiguitätsintoleranz (AIT) 5
1.2.1. Begriffsklärung und wichtigste Definitionen 5
1.2.1.1. Ambiguitätsintoleranz (AIT) nach Frenkel-Brunswik (1949) 5
1.2.1.2. Bochner (1965) 6
1.2.1.3. AIT-Definition von Norton (1975) 6
1.2.1.4. Definition der AIT von Kischkel (1975) 6
1.2.1.5. Definition von Budner (1962) 6
1.2.2. Begriffsklärung des Unwohlseins und der Bedrohung bei AIT 7
1.2.2.1. Erklärung nach Budner (1960) 7
1.2.1.6. Ansatz von Mac Donald (1970) 7
1.2.3. Die Rolle der subjektiven Wahrnehmung der Ambiguität für die
Ambiguit äts(in)toleranz 7
1.3. Zusammenhänge des Konstrukts (AIT) mit anderen Eigenschaften 7
1.3.1. Glauben / Dogmatismus. 7
1.3.2. Konservatismus. 8
1.3.3. Bedürfnis nach Kategorisierung und nach Gewissheit (als Teilaspekte) 8
1.3.4. Sozial-politische Ideologie, z.B. Extremismus 9
1.3.5. Rassismus und ethnische Vorurteile 9
1.3.6. Aggressives Verhalten 9
1.4. Zusammenhänge zwischen der Ambiguitätstoleranzskala und den Skalen für
Ambiguit ät, Aggression, Lehrerselbstwirksamkeit, Allgemeine Selbstwirksamkeit
und SIA 10
2
1.5. Mögliche nationale Unterschiede in der Ambiguitätstoleranz 11
2. Methode 12
2.1. Versuchspersonen 12
2.2. Überblick / Versuchsdurchführung. 13
2.3. Material / Die Skalen des Fragebogens 14
2.3.1. Inventar zur Messung von Ambiguitätstoleranz / IMA (Reis, 1996) 14
2.3.2. Ambiguity (Ambiguität - Skala) 16
2.3.3. Scale-Interpersonal-Ambiguity-tolerance (SIA) 17
2.3.4. Selbstkonzept und Selbstwirksamkeit - allgemeine Definitionen. 18
2.3.4.1. Generalized-Self-Efficacy (Allgemeine Selbstwirksamkeit) 19
2.3.4.2. Teacher-Self-Efficacy (Lehrer-Selbstwirksamkeit-Skala) 19
2.3.5. Rosenberg - Skala 20
2.3.6. Aggressionsskala 20
2.3.6.1. Selbstkonzeptklarheit, überhöhtes Selbstwertgefühl und aggressives
Verhalten................................................................................................................. 22
3. Ergebnisse. 24
3.1. Fragestellung 1. 24
3.2. Fragestellung 2. 25
3.2.1. Welche Zusammenhänge ergeben sich zwischen der
Ambiguit ätstoleranzskala und den anderen Skalen ? 25
3.2.2. Faktorenanalytische Zusammenhänge zwischen den Skalen 26
3.3. Fragestellung 3. 28
4. Diskussion. 30
4.1. Faktoranalytische Trennung aller Items in zehn Faktoren. 30
4.1.1. Eine sinnvolle Unterscheidung zwischen Ambiguität und AIT 30
3
4.1.2. Beschreibung der einzelnen Faktoren und Erläuterungen ihrer Ladungen. 31
4.1.2.1. Faktor 1 „Causes for spontaneous aggression 31
4.1.2.2. Faktor 2 „Subjective spontaneity of aggression“ 31
4.1.2.3. Faktor 3 „AIT: Social Conflicts“ 32
4.1.2.4. Faktor 4 „Self-Efficacy / Indirect Ambiguity Tolerance“ 32
4.1.2.5. Faktor 5 „Ambiguity Tolerance“ 32
4.1.2.6. Faktor 6 „Physical aggression“ 33
4.1.2.7. Faktor 7 „Heavy spontaneous aggression“ 33
4.1.2.8. Faktor 8 „Social competence“ 33
4.1.2.9. Faktor 9 „Mixed“ 34
4.1.2.10. Faktor 10 „Ambiguity / Negative Self-Efficacy“ 34
4.2. Zusammenhänge zwischen der Ambiguitätstoleranzskala und den anderen Skalen
35
4.2.1. Ambiguity und Inventar zur Messung von Ambiguitätstoleranz (IMA) 35
4.2.2. Ambiguity und Generalized-Self-Efficacy 35
4.2.3. Teacher-Self-Efficacy und Generalized-Self-Efficacy. 35
4.2.4. Generalized-Self-Efficacy und Scale-Interpersonal-AT (SIA) 35
4.2.5. Generalized-Self-Efficacy und Aggression 36
4.3. Nationale Unterschiede in der Ambiguitätstoleranz-Ausprägung der Deutschen
und der Polen 36
5. Zusammenfassung 38
6. Literaturverzeichnis 40
4
1. Theorieteil
1.1. Einleitung
Mehrdeutige, unstrukturierte, erwartungswidrige, widersprüchliche und ungewohnte Situationen werden von manchen Menschen vermieden, von anderen wiederum gezielt aufgesucht. Beobachter fragen sich, warum die Menschen so unterschiedlich auf solche Situationen reagieren. In diesem Zusammenhang erscheint der Begriff der Ambiguität. Der Begriff der Ambiguität lässt sich aus dem Lateinischen ableiten. „Ambiguitas“ bedeutet die Mehrdeutigkeit von Wörtern, Werten, Symbolen und Sachverhalten, Zweideutigkeit, Doppelsinn (Fremdwörter-Duden, 1990). Die Reaktionen auf Ambiguität (Ambiguitätsintoleranz bzw. Ambiguitätstoleranz) gehen auf bestimmte Charaktereigenschaften und Vorlieben zurück und korrelieren unterschiedlich stark mit ihnen. In meiner Semesterarbeit werde ich auf die schon erforschten Zusammenhänge der Skalen zur Erfassung der Ambiguitätsintoleranz mit anderen Frageninventaren zur Eigenschaftsmessung eingehen und nach Gemeinsamkeiten mit neuen Skalen suchen. Zusätzlich wird die subjektive Wahrnehmung der Ambiguität als eine relative Größe genauer betrachtet. Schließlich werden die nationalen Unterschiede in der Ambiguitätstoleranz zwischen Deutschen und Polen erwähnt.
1.2. Ambiguitätsintoleranz (AIT)
1.2.1. Begriffsklärung und wichtigste Definitionen
1.2.1.1. Ambiguitätsintoleranz (AIT) nach Frenkel-Brunswik (1949)
Das Konzept zur AIT wurde von Else Frenkel-Brunswik definiert als „tendency to resort to black-white solutions, to arrive at premature closure as valuative aspects, often at the neglect of reality; and to seek for unqualified and unambiguous overal acceptance and rejection of other people” (S.115) Hier wird der aktive Handlungsaspekt betont. Frenkel-Brunswik unterscheidet auch zwischen einer kognitiven (zum Beispiel beim Probleme lösen) und einer emotionalen (gegenüber bestimmten Gefühlssituationen) Ambiguitätsintoleranz (vgl. Wolfradt & Rademacher 1999).
5
1.2.1.2. Bochner (1965)
Von Bochner wurde die Definition Frenkel-Brunswiks expliziert. Er geht von der Allgemeingültigkeit des Konzeptes der Ambiguitätsintoleranz aus: „Unifying her empirical observations was the assumption that intolerance of ambiguity has Generality, in at last two senses. First, it generalizes to the entire emotional and cognitive functioning of the individual, characterizing his cognitive style, his belief and attitude systems, his interpersonal and social functioning, and his problem solving behaviour. Second, intolerance of ambiguity generalizes to other sense modalities, in particular to the perceptual apparatus, so that the person intolerant of ambiguity in the emotional and cognitive sphere would exhibit similar characteristics in his perceptual behaviour” (Bochner, 1965).
1.2.1.3. AIT-Definition von Norton (1975)
Norton stützte sich mehr auf intrapsychische, emotional-kognitive Faktoren: „Intolerance of ambiguity is a tendency to perceive or interpret information marked by vague, uncertain, inconsistent, contrary, contradictory, or unclear meanings as actual or potential sources of psychological discomfort or threat“ (S. 608). Das heißt, dass Norton (1975) die Ambiguitätsintoleranz als die Tendenz, mehrdeutige, unvollständige, fragmentarische, wahrscheinliche, unstrukturierte, unsichere, inkonsistente,
widersprüchliche und vage Bedeutungen als tatsächliche oder potentielle Quellen von psychischem Unbehagen oder als Bedrohung wahrzunehmen oder zu interpretieren, versteht.
1.2.1.4. Definition der AIT von Kischkel (1975)
Diese Definition ist eine verkürzte Übersetzung der Norton-Definition: „unstrukturierte, unvollständige, erwartungswidrige, in sich widersprüchliche oder mehrdeutige Informationen als Bedrohung oder als Ursache psychischen Unwohlseins wahrzunehmen“. Emotional-kognitive Faktoren werden hier betont. (S. 144)
1.2.1.5. Definition von Budner (1962)
AIT als „the tendency to perceive (i.e. interpret) ambiguous situations as sources of threat” und AT (Ambiguitätstoleranz) als “the tandency to perceive ambiguous situations as desirable” (S. 29) Bei ambiguitätstoleranten Personen bestehe sogar ein explizites Bedürfnis bzw. ein Streben nach ambiguitiven Situationen.
6
1.2.2. Begriffsklärung des Unwohlseins und der Bedrohung bei AIT
1.2.2.1. Erklärung nach Budner (1960)
Mögliche Verhaltensweisen (Anzeichen für „threat“) in einer neuartigen, komplexer oder unlösbaren Situation:
- Unterwerfung (nach der Bedrohung, wenn die Situation nicht zu ändern ist)
- Leugnen der Situation und Veränderung der objektiven in eine passende Realität
- Versuch solche Situationen zu vermeiden
- Zerstörerisches bzw. rekonstruktives Verhalten
1.2.1.6. Ansatz von Mac Donald (1970)
Die Unlösbarkeit, Komplexität und Neuartigkeit werden von Personen mit hoher Ambiguitätstoleranz aufgesucht, genossen und ausgezeichnet durchgeführt. (S. 791)
1.2.3. Die Rolle der subjektiven Wahrnehmung der Ambiguität für die Ambiguitäts(in)toleranz
Hier stellt sich die Frage, ob sich die tatsächliche Ambiguitätsintoleranz und die Ambiguität an sich sinnvoll voneinander unterscheiden lassen. Nicht für jeden Menschen sind bestimmte Situationen gleich stark ambivalent. Eine neuartige Situation wie zum Beispiel ein unbekanntes scheinbar unlösbares Problem kann für jemanden eine Herausforderung, für jemand anderen eine Zeitverschwendung oder sogar Qual bedeuten. Auch Kontakte zu neuen Kulturen oder fremden Ländern können mit unterschiedlicher Begeisterung aufgenommen werden. Nicht jede(r) empfindet eine Party als eine gute Gelegenheit, um neue Menschen kennen zu lernen. Die Reaktionen auf solche neuartigen, komplexen oder unlösbaren Situationen sind verständlicherweise sehr differenziert. Es ist auch zu erwarten, dass die empfundene Stärke der Ambivalenz die darauf folgende Toleranz bzw. Intoleranz beeinflusst. Die Ergebnisse über die Rolle der Ambiguität werden ausführlich im Ergebnissteil vorgestellt und im Diskussionsteil kommentiert.
1.3. Zusammenhänge des Konstrukts (AIT) mit anderen Eigenschaften
1.3.1. Glauben / Dogmatismus
Ein positiver Zusammenhang ergab sich zwischen der Intoleranz für Ambiguität und dem religiösen Dogmatismus. Die Ambiguitätsintoleranz wurde mit der Skala für Ambiguitätsintoleranz erfasst (Budner, 1962, p 34, Tab.1).
7
Die Art und Stärke des Glaubens wurde mittels einer schriftlichen Selbstbefragung der Versuchspersonen (Vorstadtbewohner und Studentinnen) ermittelt. Die kritische Auseinandersetzung mit dem Glauben wurde mit der Zustimmung bzw. Ablehnung der Aussage „I have often thought and wondered about the meaning of religion and God“ (p 40) festgestellt. Am stärksten ambiguitätsintolerant zeigten sich bei gleich stark ausgeprägtem Glauben die Non-wonderers (Nichtnachfragenden). Bei starkem Glaube und „keine Fragen zur Religion Stellenden“ waren bis zu 57,7 % ambiguitätintolerant (S. Budner, 1962).
1.3.2. Konservatismus
Es wurden S4 Conservatism Scale (Reliabilität .90) und Budner Intolerance of Ambiguity Scale (Reliabilität .85) verwendet. Die Faktorenanalyse ergab eine Aufteilung des Konservatismus in fünf Bereiche: Rassismus, politisch-ökonomischer Konservatismus, Religion, Unterdrückung der Sexualität und autoritäre Aggression. Der gesamte Konservatismus korrelierte signifikant mit Ambiguitätsintoleranz .29 (p<0.0002). Konservative zeigten höhere AIT-Werte als die Liberalen und Sozialisten. Auch Rassismus zeigte einen hohen positiven Zusammenhang mit AIT .31 (p<0.0002). Das politisch-ökonomische Konservatismus korrelierte -.16 mit dem Bedürfnis nach Gewissheit und Einheitlichkeit (eine Subskala im Test), wie auch .25 mit AIT. Die Unterdrückung der Sexualität zeigte einen negativen Zusammenhang mit AIT von -.20. Die Erklärung für diesen unerwarteten Befund ist jedoch noch nicht eindeutig. Die autoritäre Aggression korrelierte .19 mit der Budner Intolerance of Ambiguity Scale (p<0.05), aber auch .34 mit dem Bedürfnis nach Gewissheit und Einheitlichkeit. Religion zeigte keine hier signifikanten Zusammenhänge zu der AIT (J.Sidanius, 1978).
1.3.3. Bedürfnis nach Kategorisierung und nach Gewissheit (als Teilaspekte) Ein Teilaspekt der Ambiguitätsintoleranz ist das Bedürfnis nach Kategorisierung. Dieses wurde mit einer Aufgabe, bei der die Versuchspersonen bestimmte Objekte in beliebig viele Kategorien einordnen sollten, untersucht. Die 39 Objekte unterschieden sich in Farbe, Form und Beschaffenheit. Zur Zeitangabe sagte man, dass man sich viel oder wenig Zeit nehmen solle, wie man möchte. Die Zahl der vorgeschlagenen Kategorien sagte was über dieses Bedürfnis aus.
An der Untersuchung über das Bedürfnis nach Gewissheit haben die selben Probanden teilgenommen. Sie bekamen 68 Bilder aus diversen Zeitschriften. Die Bilder zeigten verschiedene Geschlechter, Alter, Rassen, Emotionen und Aktivitäten.
8
Es waren Fotos, Comics und Porträts. Auch hier sollten die Versuchspersonen beliebig viele Gruppen bilden und sich dabei beliebig lange Zeit lassen. Je mehr Gewissheit man braucht, desto länger Zeit nahm man sich für diese Aufgabe. Die beiden Bedürfnisse korrelierten sehr stark und signifikant miteinander. Das ist darauf zurückzuführen, dass die ambiguitätsintoleranten Personen emotional und kognitiv ähnliche Charakteristiken in ihren Wahrnehmungsverhalten zeigten. Die Kategorienzahlen in den beiden Tests korrelierten .62 und die benötigte Zeiten .47 miteinander. Die persönliche Orientierung beeinflusste die gesamte Verhaltens- und kognitive Funktion (S. Bochner, 1965).
1.3.4. Sozial-politische Ideologie, z.B. Extremismus
12 der 32 Fragen der S4 Conservatism Scale ergaben einen signifikanten Zusammenhang zwischen der sozial-politischen Ideologie und verschiedenen Dimensionen der Intoleranz für Ambiguität (gemessen mit Budner Intolerance of Ambiguity Scale). Extreme (egal ob rechts oder links) haben eine höhere Ambiguitätstoleranz als die Personen in der ideologischen Mitte (Context-Hypothese, Sidanius, 1975). Mehr Zustimmung und Konformität mit den allgemeingültigen Ideologien bedeutet für ihre Anhänger niedrigere kognitive Komplexität, Flexibilität und auch niedrigere Toleranz der Ambiguität als bei den „nicht zustimmenden“, politisch extrem orientierten Individuen (J. Sidanius, 1978).
1.3.5. Rassismus und ethnische Vorurteile
Mit Hilfe von S4 Conservatism Scale und The Budner Intolerance of Ambiguity Scale errechnete man einen positiven Zusammenhang zwischen Ambiguitätsintoleranz und Rassismus. Je größer der Rassismus, desto stärker die Ambiguitätsintoleranz. Beide Eigenschaften korrelierten .28 (p<0.01) miteinander. Als Erklärung wurde die mangelnde Erträglichkeit des Anderssein von Mitmenschen vermutet (J. Sidanius, 1978).
1.3.6. Aggressives Verhalten
Bambey (2002) untersuchte den Zusammenhang zwischen Ambiguitätsintoleranz und erklärlich bzw. spontan aggressivem Verhalten bei 6-12-jährigen Schülern. Es wurden jeweils getrennt für spontan und erklärlich aggressive Schüler die Mittelwerte der Testscores der IMA-Skala sowie ihrer Unterskalen berechnet, außerdem der SIA-Skala.
9
Arbeit zitieren:
Sonia Sippel, 2003, Ambiguiät und Ambiguitäts(in)toleranz, München, GRIN Verlag GmbH
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