I
Inhaltsverzeichnis
Inhalt I
Graphiken und Abkürzungen II
Einleitung : Fragestellung und Begriffserläuterung 1
Kapitel : Motive für Auslandsinvestitionen 4
1.1 Theoretischer Hintergrund 4
1.2 Kategorisierung der Motive von Direktinvestitionen
im Hinblick auf Beschäftigungseffekte 5
1.2.1 Absatzmotivierte Direktinvestitionen 6
Exkurs I: Modell der horizontalen Integration 7
1.2.2 Wirkungen absatzmotivierter Direktinvestitionen 8
1.2.3 Kostenmotivierte Direktinvestitionen 8
Exkurs II: Modell der vertikalen Integration 10
1.2.4 Wirtschaftliche Effekte von kostenmotivierten
Direktinvestitionen 11
1.3 Zwischenfazit: Folgerungen aus den Wirkungsmustern
der Direktinvestitionen 11
Kapitel 2: Betrachtungen deutscher Direktinvestitionen 12
Schluss 17
Literaturverzeichnis i
II
Graphiken
FDI stocks, 1990 - 2004 11
Korrelation von Direktinvestitionen und Handel 14
Abkürzungen
Mio Millionen
FDI Foreign Direct Investment (Ausländische Direktinvestitionen)
OECD Organisation for economic co-operation and development (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung)
Einleitung: Fragestellung und Begriffserläuterung
Aus dem oben aufgeführten Zitat läßt sich die Frage, die auch dieser Arbeit zu Grunde liegt, ableiten: Dienen Direktinvestitionen der Markterschließung oder der Produktionsverlagerung? Die Antwort ist entscheidend, um die Beschäftigungseffekte von Investitionen bewerten zu können. Traditionell wurden Auslandsmärkte durch Exporte versorgt. Mehr und mehr gewann aber eine Alternative an Gewicht: die Auslandsproduktion. 2 Als deren Instrument dienen Direktinvestitionen, die im Mittelpunkt der Betrachtungen dieser Arbeit stehen. Durch Direktinvestitionen und die damit verbundene Aus-landsproduktion werden Transaktionen innerhalb von Unternehmen vollzogen, die klassischer Weise auf dem - externen - Markt stattfinden. 3 Anstelle von internationalem Handel tritt somit der Intra-Unternehmenshandel bzw. treten „firmeninterne Märkte“ 4 . Diese sind Kennzeichen sogenannter multinationaler Unternehmen 5 , die international wirksame Leistungstransaktionen internalisieren, um Transaktionskosten der externen Marktbenutzung einzusparen. 6 In diesem Zusammenhang wird häufig von der „Globalisierung der Unternehmen“ gesprochen
1 Zitiert nach einem Interview: Hickel, Rudolf: Wir brauchen Schutz. In: Die Zeit. Ausgabe 44/2006 vom 16.10.2006. S. 35.
2 Vgl. Klodt/Maurer 1996, S. 35 und Schneider, S. 16 ff.: „Daher wird auch davon gesprochen, dass die Direktinvestitionen den Handel als Motor der Weltwirtschaft abgelöst haben“.
3 Vgl. Broll 1993, S. 93 ff.
4 Vgl. Broll 1990, S.10.
5 Multinationale Unternehmen bestimmen sich durch die Herstellung von Produkten in unterschiedlichen Ländern mit einer differenzierten internationalen Strategie, so dass flexibel auf lokale Erfordernisse an Produktion und Produktgestaltung reagiert werden kann. Vgl. Wirtschaft heute, S. 244.
6 Vgl. Broll 1990, S. 10 und Schneider, S. 22.
2
als einer neuen Dimension der Globalisierung, die sich heute nicht mehr allein auf den Handel beschränkt 7 , sondern durch die internationale Aufgliederung von Produktionsprozessen 8 auch der Arbeitsteilung eine neue Dimension verleiht. 9 So argumentiert Broll beispielsweise, dass Direktinvestitionen im allgemeinen mehr Freiheitsgrade böten als die externe Marktbenutzung. 10 Entsprechend geht die Globalisierung von Unternehmensstrukturen mit einer dynamischen Entwicklung von ausländischen Direktinvestitionen multinationaler Unternehmen einher. 11 Seit Mitte der achtziger Jahre hat das Wachstum internationaler Direktinvestitionen den weltweiten Exportzuwachs deutlich übertroffen. Dies deutet auf die wachsende Behin. 12 deutung der Direktinvestitionen als Globalisierungsstrategie
Direktinvestitionen definieren sich als „Kapitalanlagen zur Gründung eines Unternehmens oder zur Beteiligung mit unternehmerischer Verantwortung an Unternehmen, Produktionsstätten oder Niederlassungen.“ 13 Sie grenzen sich durch das „Kontrollmotiv“, also den Wunsch, unternehmerischen Einfluß auszuüben, von reinen Portfolioinvestitionen ab. 14 Des Weiteren stellen Direktinvestitionen die intensivste Form des Auslandsengagement eines Unternehmens dar 15 und setzen eine Beteiligung von mindestens 10% des stimmberechtigten Kapitals voraus. 16 Das Land, in dem dieses investierende Unternehmen seinen Sitz hat, wird als Herkunftsland oder Investorland selten auch als Stammland bezeichnet. 17 Dementsprechend wird das Land, in dem investiert wird, als Empfängerland oder Zielland benannt. Über die positiven Wirkungen von ausländischen
7 Vgl. Schneider, S. 14; Kleinert/Schimmelpfennig/Schrader 2000, S. 1.
8 Vgl. Schneider, S. 6.
9 „Multinationale Unternehmen verwirklichen das Prinzip der internationalen Arbeitsteilung.“ Broll 1990, S. 12.
10 Vgl. Broll 1990, S. 10.
11 Hennenberger/Graf/Vocke argumentieren, dass „der Intra-Unternehmenshandel von multinationalen Unternehmen aufgrund ihrer Direktinvestitionstätigkeit eine zunehmend größere Bedeutung erlangt.“ S. 25.
12 Vgl. Agarwal, S. 29; Deutsche Bundesbank 1997, S.63; Klodt/Maurer 1996, S. 35; Knödler, S. 23 f.
13 Vgl. Wirtschaft heute, S. 246.
14 Vgl. Broll, 1990, S. 22; Jawad, S. 55; Klodt/Maurer 1996, S. 6; Otto, S. 23; Schneider, S. 53.
15 Vgl. Schneider, S. 5.
16 Vgl. Deutsche Bundesbank, Zahlungsbilanzstatistik, S. 48; Knödler, S. 9; Schneider, S. 53.
17 Ebenso sind die Begriffe „Geberland“ und „Inland“ üblich. Ersterer ist jedoch irreführend, da Direktinvestitionen keine Entwicklungshilfe im klassischen Sinne darstellen. Der zweite Begriff ist nicht eindeutig, sondern Perspektiven bedingt.
3
Direktinvestitionen im Empfängerland besteht weitgehend Konsens. 18 Daher werden diese in der vorliegenden Arbeit nicht betrachtet. Fraglich ist jedoch, welche Wirkungen Direktinvestitionen auf die Beschäftigung des Herkunftslandes haben. Gerade die „Verlagerung der Produktion“ 19 in Niedriglohnländer wird mit dem Verlust von Arbeitsplätzen im Investorland („Job-Export“ 20 ) in Verbindung gebracht und dient in der Öffentlichkeit häufig als Drohkulisse. 21 Der Grund für das Wachstum deutscher Direktinvestitionen im Ausland sei ein „kontinuierlicher Qualitätsverlust“ 22 des Standort Deutschlands. Wie aber die Gegenseite argumentiert, könnten Direktinvestitionen auch der Sicherung der Arbeitsplätze durch höhere Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen auf Grund von verbesserten Kostenstrukturen und damit verbundener Sicherung von in- und ausländischen Märkten dienen. 23 Darüber hinaus könnten Empfängerländer mit den verdienten Devisen vermehrt Erzeugnisse erwerben und so die Nachfrage - auch nach Gütern aus dem Herkunftsland - unterstützen. 24
Wie in Kapitel eins erläutert wird, sind die Auswirkungen von Direktinvestitionen auf die Beschäftigung im Herkunftsland davon abhängig, welche Motive zu einer Direktinvestition führen und ob es sich bei dem Auslandsengagement um vertikale oder horizontale Integration handelt. „Unter Direktinvestitionsmotiven werden die Beweggründe verstanden, die inländische Unternehmen zu Investitionen außerhalb der des Staatsgebiets ihres Heimatlandes veranlassen.“ 25 Anschließend werden in Kapitel zwei anhand von Daten deutsche Direktinvestitionen im Ausland betrachtet, um Rückschlüsse auf ihre Motive und dementsprechenden Wirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt zu ziehen. Im Schlussteil der Arbeit wird auf die öffentliche Wahrnehmung von Direktinvestitionen, ihre Grundlagen und ihren Wahrheitsgehalt eingegangen.
18 Vgl. Beyfuß/Eggert, S. 39; Jawad, S. 5; Knödler, S. 123 ff.; Schneider, S.60 f.
19 Zur Abgrenzung der Begriffe „Produktionsverlagerung“ und „Direktinvestitionen“ siehe Knödler, S. 5 ff.
20 Henneberger/Graf/Vocke, S. 12.
21 Vgl. Knödler, Vorwort, S. V; Beyfuß/Eggert, S. 18 f.
Huege, S. 19: „Im allgemeinen wird das Engagement deutscher Unternehmen im Ausland mit der Abwanderung von Arbeitsplätzen [...] gleichgesetzt.“
22 Huege, S. 19.
23 Vgl. Klodt 2005.
24 Vgl. Wirtschaft heute, S. 244.
25 Knödler, S. 67.
4
Kapitel 1: Motive für Auslandsinvestitionen
1.1 Theoretischer Hintergrund
Die Traditionelle Außenhandelstheorie ist nicht in der Lage, die Existenz multinationaler Unternehmen zu begründen und die vermag somit auch nicht, die mit ihnen verbundenen Direktinvestitionen oder auch deren Beschäftigungseffekt zu erklären. 26 Daher bietet sich bei Untersuchungen internationaler Direktinvestitionen die so genannte Neue Handelstheorie 27 an, die durch Ansätze aus der Industrieökonomik ergänzt ist, Elemente aus Vernons Theorie über Produktlebenszyklen integriert 28 und die Annahme des vollständigen Wettbewerbs aufgibt. 29 Mit der Frage, warum Unternehmen im Ausland investieren, befasst sich insbesondere die Theorie der multinationalen Unternehmen, 30 die vorrangig von Dunning geprägt wurde. 31 Die auch als eklektisch 32 bezeichnete Theorie stellt positive Skalenerträge (Economics of Scale) in den Mittelpunkt der Betrachtung. Diese entstehen u.a. durch die Nutzung von „Headquarter Services“. 33 Folglich ist in dieser Betrachtungsweise - wie oben bereits angedeutet - die Internalisierung von Marktunvollkommenheiten (z.B. Technologische Externalitäten, öffentliche Güter, staatliche Handelsbeschränkungen) der Hauptbeweggrund für die Entstehung multinationaler Unternehmen, und in Folge dessen sind Direktinvestitionen eine Reaktion auf Marktunvollkommenheiten auf Grund von monopolistischer Ineffizienz, Handelshemmnissen oder unvollkommener Handelbarkeit von Headquarters Services oder ähnlichem. 34 „Nach der Theorie des multinationalen Unternehmens sind Direktinvestitionen vor allem dort zu erwarten, wo miteinander
26 Vgl. Henneberger/Graf/Vocke, S.25; Klodt 1996, S. 6; Klodt 2004, S. 373; Schneider, S.5.
27 Wichtige Vertreter sind Broll, Dunning, Helpman, Krugman und Markusen.
28 Vgl. Beyfuß/Eggert, S. 19; Knödler, S. 95 ff.; Wirtschaft heute, S. 244.
29 Klodt/Maurer 1996, S. 7.
30 „Die zahlreichen Motive für internationale Direktinvestitionen sowie der Prozess der Multinationalisierung werden in der Theorie multinationaler Unternehmen analysiert.“ Wirtschaft heute, S. 246.
31 Vgl. Otto, S. 36; Knödler, S. 93.
32 Griechisch: eklektikós = auswählend, auslesend
Vgl. Duden: Deutsches Universalwörterbuch. 4. Auflage. Mannheim 2001. S.453
33 Gutowski, S. 56; Henneberger/Graf/Vocke, S.30; Klodt/Maurer 1996, S. 8. Unter Headquarter Services wird die Planung, Koordination und Kontrolle des Tochterunternehmens im Ausland verstanden, darüber hinaus die Nutzung von Forschungs- und Entwicklungsergebnissen und/oder die absatzfördernde Entwicklung eines Markenzeichens oder Firmenimages.
34 Vgl. Klodt/Maurer 1996, S. 6 und S. 11 sowie Klodt 2004, S. 375f.
Arbeit zitieren:
Anne Kathrin Herbermann, 2006, Internationale Direktinvestitionen und ihre Wirkungen auf die Beschäftigung im Investorland, München, GRIN Verlag GmbH
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