1 EINLEITUNG 2
2 DIE RELIGION DER HUGENOTTEN REFORMIERTE KIRCHEN 3
3 DER WIDERRUF DES EDIKTS VON NANTES 6
3.1 Die Lebensumstände der Hugenotten zur Zeit des Widerrufs des Edikts von Nantes 6
3.1.1 Die Zeit Ludwigs XIII 7
3.1.2 Die Zeit Ludwigs XIV 10
3.2 Das Edikt von Fontainebleau 1685 12
3.2.1 Außen- und innenpolitische Folgen für Frankreich 13
3.2.2 Die Folgen für die Hugenotten in Frankreich 14
4 FLUCHT DER HUGENOTTEN 16
4.1 Situation in Deutschland zur Zeit des Edikts von Fontainebleau 17
4.2 Die Hugenotten in Brandenburg-Preußen 18
4.3 Sprachliche Hinterlassenschaft der Hugenotten 22
5 DIE HUGENOTTEN IN SACHSEN 24
5.1 Hugenottische Kaufleute in Leipzig 25
5.2 Hugenottische Künstler und Handwerker in Dresden 26
5.3 Integration der Hugenotten in die sächsische Gesellschaft 27
6 DIE VERTREIBUNG DER HUGENOTTEN ALS AKT EUROPÄISCHER
VERSTÄNDIGUNG 30
LITERATURVERZEICHNIS 32
1
1 Einleitung
„Meine lieben Kinder […] wir verlassen unser Vaterland und alles, was uns wert und teuer ist, um euretwillen und des Heiles eurer Seele willen. Aber die Gefahr ist groß. Ihr müsst wissen, was uns bevorsteht, wenn wir ertappt werden. Der Vater kommt auf die Galeere, der Mutter wird von Henkers Hand der Kopf geschoren, und sie kommt auf Lebenszeit ins Gefängnis, die Kinder aber kommen ins Kloster und ihr Vermögen wird eingezogen. Bittet daher Gott mit mir, daß er uns glücklich entweichen lasse aus Babylon, wo wir so vieles erduldet haben und wo wir endlosem Leid ausgesetzt wären, wenn unsre Flucht mißlingen sollte.“ 1
So wie Susanne Madelene Morizot im Jahr 1749 erging es vielen Hugenotten, die von der
Gründung ihrer reformatorischen Glaubensbewegung an, bis zum Jahr 1787 enormen
Verfolgungen ausgesetzt waren. In diese Zeit und in diesen Kontext fallen Ereignisse wie die
Bartholomäusnacht 1572, in der mehrere Tausend Hugenotten in einer Nacht in Paris
ermordet wurden, das Toleranzedikt von Nantes 1598 durch Heinrich IV., dessen Aufhebung
1685 durch Ludwigs XIV. im Edikt von Fontainebleu, und schließlich 1787 das Toleranzedikt
von Versailles, mit dem die zum Teil extrem grausame Hugenottenverfolgung nach knapp
300 Jahren der Unterdrückung ein Ende fand. In dieser Zeit verließen Hugenotten zu
hunderttausenden ihre Heimat Frankreich fanden in ganz Europa Zuflucht.
„Lebt wohl denn ihr Freunde, lebe wohl Metz, du meine Vaterstadt, lebe wohl, Frankreich, mein Vaterland, du Land, wo Milch und Honig fließt, für uns aber nur Kummer und Tod zu finden ist. Leb’ wohl du armes Volk, das man in Aberglauben und Irrtum versinken läßt, dem man die heiligen Bücher entzieht unter dem Vorwand, sie seien ihm unverständlich, das man die Knie beugen läßt vor Menschenwerk, vor Silber, Steinen und Holz […]
Wen sie mit Gewalt nicht zwingen kann, der muß das Land verlassen mit Verlust seiner Güter, seiner Ruhe, seines Glückes. Du armes Frankreich, kein einziger Ort ist innerhalb deiner Grenzen zu finden, wo man Gewissensfreiheit und Schutz vor Qual und Verfolgung genießen kann.“ 2
Diese Arbeit soll ausgehend von einer Klärung der Religion der Hugenotten einen Überblick
über die Lebensbedingungen der Hugenotten in Frankreich zur Zeit Ludwigs XIV. und die
anschließende Vertreibung aus dem Heimatland Frankreich liefern. Des Weiteren wird auf die
Aufnahmebedingungen in Deutschland, beziehungsweise in Brandenburg/Preußen und in
Sachsen eingegangen und die Hinterlassenschaft der Hugenotten in den Aufnahmegebieten
dargestellt. In einem letzten Punkt wird die These aufgestellt, inwieweit die Vertreibung der
Hugenotten trotz ihrer Grausamkeit zur europäischen Völkerverständigung beigetragen hat.
1 Jassoy, S.: Über London nach Hanau, Erinnerungsbilder von Susanne Madelene Jassoy geb. Morizot. In: Desel,
J./Mogk W. (Hg.): Wege in eine neue Heimat. Fluchtberichte von Hugenotten aus Metz. Lahr-Dinglingen 1987 S.
133
2 ebd. S. 133f
2
2 Die Religion der Hugenotten – Reformierte Kirchen
Als Hugenotten werden zum einen „durch Calvin geprägte Evangelische reformierten Bekenntnisses“ 3 , zum anderen aber auch allgemein die „französischen evangelischen Glaubensflüchtlinge in der Zeit von etwa 1545 bis 1787“ 4 bezeichnet. In Frankreich bezeichneten sie sich damals offiziell als reformés und waren offiziell mit RPR, religion prétendue réformée betitelt. Mit dem Toleranzedikt von Versailles 1787 bekamen sie den Sammelbegriff protestants. 5 Laut Petit Robert stammt das Wort huguenot,ote von dem schweizerischen Eidgenosse ab und bezeichnet „Surnom (péjoratif à l’origine) donné par les catholiques aux protestants calvinistes, en France, du XVIe au XVIIIe s.“ 6 . Auch Eberhard Gresch, ein in Dresden lebender hugenottischer Nachfolge, stimmt dem in seinem unfassenden Buch über die Religion und Vertreibung der Hugenotten 7 zu, indem er sagt, es sei eine „Ableitung aus dem Wort „Eidgenossen“ wegen der Formung des französischen Reformiertentums durch ihre geflüchteten Landsleute von Genf und der benachbarten Schweiz aus.“ 8 . Ich werde nun etwas genauer auf die Entstehung der reformieren Bewegung und die daran beteiligten Hauptakteure eingehen.
1516 publizierte der Humanist Erasmus von Rotterdam den griechischen Originaltext der Bibel und demonstrierte so als erster deutliche Kritik an der katholischen Kirche und an ihrer Auslegung des Bibeltextes, indem er Ungenauigkeiten in der Übersetzung aufzeigte. Es fanden bereits vorher Versuche statt die Kirche zu erneuern, so wurde beispielsweise 1415 der tschechische Priester Jan Hus wegen seiner Ideen zur Kirchenreform verbrannt, aber erst das 16. Jahrhundert ging in die Geschichte als Zeitalter der Reformation ein. 9 „Als protestantisch (oder auch als evangelisch) gelten alle christlichen Kirchen, Freikirchen und Gemeinschaften, die in der Tradition der Reformation(en) des 16. Jahrhunderts stehen. Hierzu zählen zum Beispiel die Lutherische Kirche, die Reformierten Kirchen, die Kirche der Böhmischen Brüder und die Methodistische Kirche.“ 10
Am Anfang der Reformation stand nicht das Vorhaben eine neue Kirche zu gründen, sondern lediglich eine Kritik an den vorherrschenden Verhältnissen und der Versuch einer Erneuerung der katholischen Kirche von Innen heraus.
3 Gresch, E.: Die Hugenotten. Geschichte, Glaube und Wirkung. Leipzig 2005 S. 29
4 ebd.
5 vgl. ebd.
6 Robert, P.: Le nouveau Petit Robert. Dictionnaire alpahbétique et analogique de la langue française. Paris
2003 S. 1285
7 Gresch, E.: Die Hugenotten. Geschichte, Glaube und Wirkung. Leipzig 2005
8 ebd. S. 29
9 vgl. ebd. S. 13
10 ebd. S. 13
3
Dabei standen vor allem zwei Männer im Mittelpunkt, Martin Luther (1483-1546) und Huldrych Zwingli (1484-1531), die „aus unterschiedlichen Motiven, an unterschiedlichen Orten und zu unterschiedlichen Bedingungen“ 11 agierten.
Während für Luther die Frage im Mittelpunkt stand, wie der Mensch Gnade vor Gott finden könne, beschäftigte sich Zwingli mit der Suche nach dem Weg zu einer gerechten Gesellschaft nach dem Vorbild der Bibel. Beide entwarfen unabhängig voneinander ein Staatskirchenwesen, das Luther über die Landesherren bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts ausbaute und diese mit kirchlicher Regierungs- und Gesetzgebungsgewalt ausstattete, wobei sich Wittenberg als Zentrum seiner Reformation herausbildete. Zwingli gründete in der eigenständigen Stadtrepublik Zürich den Prototyp seines ratsherrlichen reformierten Staatskirchenwesens, in dem ähnlich wie bei Luther Staat und Kirche nicht zu trennen sind. 1529 scheiterte das so genannte Marburger Religionsgespräch und somit eine politische Vereinigung aller Protestanten an der Frage der Abendmahlsfeier. Des Weiteren war für Zwingli der Widerstand gegen die Obrigkeit prinzipiell möglich, während dies bei Luther unzulässig war. So verurteilte er die politischen und sozialen Aufstände, die im Anschluss an seine 95 Thesen ausbrachen und wendete sich gegen die rebellierenden Ritter und Bauern. Auch gegen Juden und Türken bezog Luther radikale Positionen, wohingegen Zwingli die gesamte Gesellschaft gerechter umstrukturieren wollte und Minderheiten nicht ausschloss. 12 Eine weitere wichtige Figur der Reformation, insbesondere im Hinblick auf die Hugenotten, war Johannes Calvin (1509-1564), der als Gründer des so genannten reformierten Protestantismus gilt. Er fügte der Reformation des Glaubens in seinem Kirchenmodell eine Reform des Kirchenwesens und der Lebensführung hinzu. Neben Theologen waren auch Nicht-Theologen an der Leitung der Gemeinde beteiligt und für die 4 Ämter (Prediger, Doktoren, Älteste, Diakone) zuständig. Zudem konnte die Kirche ohne staatliches Protektorat bestehen und war von den Landesherren unabhängig. Zu dieser Reform sah sich Calvin vor allem durch die Konflikte zwischen Staat und Kirche in Frankreich veranlasst. Die erste Gemeinde nach seiner Facon gründete Calvin im französischsprachigen Genf, in dem er sich als französischer Glaubensflüchtling niederließ. Auf gesellschaftlicher Ebene legte Calvin in seiner Reformbewegung Wert auf „Taten des Glaubens und der Liebe[…], persönliche Bescheidenheit […] Tüchtigkeit, […] Selbständigkeit und Gemeinschaftssinn“ 13 . Zudem ließ er den Widerstand gegen die Obrigkeit zu, „wenn staatliche oder kirchliche Autoritäten gegen
11 ebd.
12 ebd. S. 14ff
13 ebd. S. 20
4
Gottes Willen verstießen“ 14 . Calvin, Zwingli und Luther hatten alle ihre eigene Vorstellung von der Reformierung des Glaubens und setzten diese in ihren eigenen Gemeinden um. Die Hugenotten waren nun wie schon oben erwähnt Reformierte evangelischen Bekenntnisses nach Calvin und lebten nach dessen Vorstellungen, vor allem was den Gemeinschaftssinn, Werte und Moral anging. Der Unterschied zwischen der Lehre Luthers und der Calvins, der zuweilen sogar in Feindschaft unter den Anhängern ausschlug, wird uns im Folgenden, vor allem dann in Sachsen noch genauer beschäftigen (siehe Kapitel 4.1). Zunächst werde ich jedoch die geschichtlichen Fakten der Vertreibung der Hugenotten näher erläutern.
14 ebd.
5
3 Der Widerruf des Edikts von Nantes
In der Nacht vom 23. auf den 24. August 1572 brach in Paris nach der Hochzeit des Hugenotten Heinrich von Navarra mit Margarete von Valois, auf Betreiben der Königsmutter Katharina von Medici, die praktisch die Macht über den König Karl IX. besaß, eine Hetzjagd auf Protestanten aus, in der ca. 3000 Hochzeitsgäste ermordet wurden. Diese Nacht wurde als Bartholomäusnacht berühmt, in der sich die Pariser Bevölkerung in einer Art Blutrausch befand und ein Massaker veranstaltete, in dem nicht nur Protestanten ermordet wurden, sondern auch manche unliebsame Katholiken ihr Leben lassen mussten. Nach mehreren Königsmorden und Intrigen im Herrscherhaus bestieg 17 Jahre später, 1589 eben dieser, mittlerweile zum katholischen Glauben konvertierte, Heinrich von Navarra als Heinrich IV. den Thron. Er betrieb mit großem diplomatischem Geschick eine Versöhnungspolitik zwischen Katholiken und Protestanten, die im Edikt von Nantes 1598 ihren Höhepunkt erreichte. Der Katholizismus blieb durch diesen Erlass zwar Staatsreligion, aber den Hugenotten wurde örtlich begrenzte Religionsfreiheit in Verbindung mit politischer und sozialer Gleichstellung gewährt. Heinrich IV. starb 1610 nach einem Attentat, die Verfolgung der Hugenotten nahm wieder zu und erreichte unter Ludwig XIV. ihren Höhepunkt.
Ab 1679 begann eine systematische Verfolgung der Hugenotten, ab 1681 mit Hilfe der Dragonaden, wie der erzwungene Bekenntniswechsel durch Reiter mit Säbel und Gewehr, die Dragoner, genannt wurde. 1685 erließ Ludwig XIV. schließlich das Edikt von Fontainebleau, das faktisch das Edikt von Nantes aufhob, welches 87 Jahre lang den Schutz der Hugenotten zumindest auf dem Papier sicherstellte. Ab diesem Moment begannen die Flüchtlingsströme aus Frankreich in die umliegenden Länder, in denen insgesamt etwa 160000 Hugenotten ihre Heimat verließen.
3.1 Die Lebensumstände der Hugenotten zur Zeit des Widerrufs des Edikts
von Nantes
Die Aufhebung des Ediktes von Nantes durch den Sonnenkönig Ludwig XIV. war, wie die meisten politischen Entscheidungen, keine willkürlicher Akt, sondern lässt sich auf mehrere
6
innen- und außenpolitische, sowie gesellschaftliche Faktoren in dieser Zeit zurückführen. Hermann Weber und Heinz Duchardt haben in dem von letzterem herausgegebenen Sammelband Der Exodus der Hugenotten: die Aufhebung des Edikts von Nantes als europäisches Ereignis 15 , die Umstände beschrieben, die für die Hugenotten herrschten und die Ludwig XIV. bewogen haben, das Edikt von Fontainebleau zu erlassen. Ich möchte dieses nun kurz hier wiedergeben, da es mir für das Verständnis des Gesamtzustandes Frankreichs wichtig erscheint. Da die Ausgangslage Ludwigs XIV. bereits vor seiner Amtszeit geschaffen wurde, werde ich zunächst die Politik Ludwigs XIII. betrachten, bevor ich mich dem Widerruf zuwende.
3.1.1 Die Zeit Ludwigs XIII.
Die Hugenottenfrage besaß zur Zeit Ludwig XIII. nicht nur eine religiöse, sondern vor allem auch eine politische Dimension, denn mit Spanien und England hatte Frankreich auf der einen Seite einen erzkatholischen, auf der anderen Seite einen protestantischen Nachbarn, die es zu berücksichtigen galt. Außenpolitisch war „[das] katholische Spanien […] seit Karl V. der säkulare Gegner einer französischen Monarchie, die eine spanische Vormachtstellung in der Christenheit nicht zu dulden bereit war, sondern sich selbst zu dieser Aufgabe berufen fühlte“ 16 . Somit benötigte Frankreich protestantische Verbündete, die es in England, Schweden und protestantischen deutschen Fürsten fand. Aufgrund dieser Verbindungen musste Ludwig XIII. Rücksicht auf die Protestanten im eigenen Land nehmen und konnte die Auseinandersetzungen mit den protestantischen Glaubensbrüdern der Verbündeten nicht unendlich verschärfen. 17
Dies wirft den Blick auf die innenpolitischen Verhältnisse, in denen das „Wiedererstarken der Monarchie nach der Krise der Religionskriege eine Festigung und einen Ausbau der königlichen Macht“ 18 benötigte. So galt es, die hugenottischen Bestrebungen nach der Bildung von Staaten im Staat entgegenzuwirken, aber auch oppositionelle Kräfte innerhalb des katholischen Königshauses zurückzuweisen. 19
15 Duchardt, H.(Hg.): Der Exodus der Hugenotten: die Aufhebung des Edikts von Nantes 1685 als europäisches Ereignis. Köln, 1985
16 Weber, H.: Die Hugenottenfrage zur Zeit Ludwigs XIII. In: Duchardt, H.(Hg.): Der Exodus der Hugenotten: die Aufhebung des Edikts von Nantes 1685 als europäisches Ereignis. Köln, 1985 S. 16
17 vgl. ebd.
18 ebd. S. 15
19 ebd. S. 16
7
Neben dieser äußerst schwierigen politischen Situation besaß die Hugenottenfrage naturgemäß eine religiöse Dimension. Die katholische Kirche befand sich im 16. Jahrhundert aufgrund von verschiedenen Missständen in einer Erneuerungsphase, die sich durch die Bildung von neuen Orden, wie den Jesuiten, Kapuzinern usw., aber auch durch die Reformierung alter Orden kennzeichnete, die nunmehr öffentlichkeitswirksam auftraten. „Es war ein missionarischer Katholizismus, der in das gesamte öffentliche Leben eindrang und alle Gesellschaftsschichten ergriff. Er wurde als solcher dem Protestantismus gegenüber offensiv und attraktiv. Aber er suchte auch auf die Politik der Monarchie programmierend und korrigierend Einfluss zu nehmen“ 20 . Dies geschah vor allem durch die katholische Partei der Dévots, der auch die Mutter des Königs angehörte. Das Ziel bestand für diesen Reformkatholizismus selbstverständlich darin, den Protestantismus so weit wie möglich zurückzudrängen, wobei auch die Idee der Wiedervereinigung mit den Protestanten nicht ganz abwegig erschien. 21
Eine Person, die in diesem Zusammenhang genannt werden muss, ist Kardinal Richelieu. Er war nicht nur als Kardinal ein Würdenträger der Kirche, sondern auch im weltlichen Bereich als Minister des Königs aktiv und genoss enormen Einfluss auf dessen Politik. In religiösen Fragen setzte er sich für die Reform der katholischen Kirche ein, die er durch Handreichungen und Glaubensunterweisungen auch klar gegenüber dem Protestantismus abgrenzte. „ ‚Mon dessein est de leur [den Hugenotten] faire du bien et pas du mal’, führt er in der Widmung an den König aus, ‚de les guerir et non de les blesser’“ 22 . Richelieu ist davon überzeugt, dass mit Gewalt in diesem Konflikt nichts zu erreichen sei, sondern vielmehr durch Vernunft.
Ab 1620 änderte sich die bisher gemäßigte Ansicht Richelieus gegenüber den Hugenotten jedoch, denn die parti des Huguenots begann in La Rochelle, einer der hugenottischen Städte Frankreichs, einen Staat im Staate anzustreben. Dieser Untergrabung der königlichen Autorität wurde mit extremer Härte begegnet und Richelieus Programm lautete von nun an: „ ‚Ruiner le parti huguenot, rabaisser l’orgueil des Grands, réduire tous ses sujets en leur devor et relever son nom dans les nations étrangères au point où il devoit être.’“ 23 . Zunächst konnte er aus außenpolitischen Gründen jedoch die Hugenottenfrage nicht endgültig klären, denn die Heirat des englischen Thronfolgers mit der Schwester des
20 ebd. S. 15
21 vgl. ebd.
22 ebd. S. 18
23 ebd. S. 20
8
Arbeit zitieren:
Michael Pehle, 2006, Die Hugenotten, München, GRIN Verlag GmbH
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