Seminar: Kulturkritik und das Russlandbild um die Jahrhundertwende Institut: Institut für Philosophie Verfasser: Oliver Gust Studiengang: European Studies Datum: 24.07.2005
INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG 1
2. GESCHICHTSPHILOSOPHIE 3
3. IMMANUEL KANTS GESCHICHTSPHILOSOPHIE. 6
3.1 GESCHICHTSPHILOSOPHISCHE ANSÄTZE IN KANTS WERKEN 6
3.2 DIE VERNUNFT DER NATUR 9
3.3 DER ENDZWECK DER GESCHICHTE IN KANTS PHILOSOPHIE 11
4. ARTHUR SCHOPENHAUERS GESCHICHTSPHILOSOPHIE 12
4.1 DIE WELT ALS WILLE. 12
4.2 ZIEL UND ZWECK IN SCHOPENHAUERS PHILOSOPHIE 15
5. ZUSAMMENFASSUNG 18
6. LITERATURLISTE 21
1. Einleitung
Mit meiner Hausarbeit „Vernunft und Wille in der Geschichtsphilosophie“ will ich einen allgemeinen Einblick in die Geschichtsphilosophie geben und dabei an Hand von zwei philosophischen Geschichtsdeutungen aufzeigen das gesellschaftliche Auffassungen und Normen bezüglich dem Gottglauben in die Konstruktion einer Geschichtsinterpretation mit einspielen und deren Ausrichtung maßgeblich mitbestimmen können.
Um dieses Ziel zu erreichen werde ich im ersten Abschnitt meiner Arbeit einführend und überblickend erklären worum es sich bei Geschichtsphilosophie handelt. Dabei stelle ich heraus, dass es sich bei Geschichtsphilosophie um kein eindeutig zu definierendes Unterfangen handelt und das viele Einflüsse die Bildung einer solchen Theorie, Hypothese, mitbestimmen. Da, wie eben schon kurz angeführt wurde, viele Faktoren existieren, welche die Geschichtsphilosophie beeinflussen, würde eine ausführliche Behandlung dieser Einflüsse den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Deshalb konzentriere ich mich in der Auseinandersetzung mit den geschichtsphilosophischen Konstruktionen der Philosophen Immanuel Kant und Arthur Schopenhauer lediglich auf eine, für mich bedeutende, Kernfrage der Geschichtsphilosophie, nämlich die nach dem Prinzip, welches hinter einer menschlichen Handlungsgeschichte stehen könnte.
Diese Einschränkung auf einen Teilaspekt in der Geschichtsphilosophie führe ich im zweiten Teil meiner Arbeit, also in der Bearbeitung der Systeme der soeben genannten Philosophen, ebenfalls fort. Indem ich auch hier die für mich aussagekräftigsten Aspekte und Prinzipien derer Lehren gewählt habe um die unterschiedlichen Grundeinstellungen und Auffassungen der Philosophen darzustellen, ohne komplett in deren inhaltliche Tiefe einzutauchen und ohne in alle Winkel ihrer sehr umfangreichen philosophischen Werke vorzustoßen.
Um zu der oben bezeichneten Konklusion zu gelangen, dass beide Philosophen durch ihre mehr oder weniger gesellschaftlich bedingten Grundeinstellungen zu Gott zu ihren geschichtsphilosophischen Auffassungen gelangt sind, werde ich meine Arbeit wie folgt gliedern.
Wie ich oben schon einmal angeführt habe, werde ich mit einer Einführung in die Geschichtsphilosophie beginnen, in der ich mich insbesondere mit den
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geschichtsphilosophischen Auseinandersetzungen von Emil Angehrn und Johannes Rohbeck beschäftige. Hier werde ich auch den für diese Arbeit wichtigsten Determinanten einer geschichtsphilosophischen Modellbildung ausstellen.
Gefolgt von der Abgrenzung der geschichtsphilosophischen Fragestellung im Bezug auf die ausgewählten Philosophen werde ich mit dem System Immanuel Kants beginnen. Zunächst werde ich einige Werke Kants aufzeigen die geschichtsphilosophische Gedanken beinhalten, um aus ihnen den für meine Argumentation ausschlaggebenden Aspekt der Vernunft Gottes zu isolieren, ohne dabei auf weitere Aspekte, die für ihn eine Interpretation der menschlichen Handlungsgeschichte ermöglichen würden, einzugehen und ohne eine vollständige Erklärung seines geschichtsphilosophischen Modells zu geben. Dies mag problematisch für eine absolut ausführliche Behandlung des Themas sein aber für meine Argumentation ist diese beschränkte Sicht auf Kant’s Philosophie annehmbar. Im weiteren Verlauf der Arbeit werde ich das isolierte Prinzip der Vernunft Gottes in der Natur, dass ich in dieser Arbeit besonders herausstellen werde, im Bezug auf Kants Philosophie einführend behandeln und darstellen. Mit Kants Vorstellungen von Gott und der Vernunft im Hinterkopf werde ich im Anschluss darauf den Endzweck in der Geschichte aus Kants Perspektive zeigen um mit seinen positiven gesellschafts- bejahenden Schlussfolgerungen über eine Geschichte zu schließen.
Arthur Schopenhauers Prinzip des Willen wird von mir nach dem System Kant’s behandelt werden um den Unterschied zwischen dem ersteren, gesellschaftskonformen, und dem zweiten, gesellschaftsfremden, System erkennbar zu machen. Dazu werde ich mit Schopenhauers Willen seine negative Grundmotivation zur Welt darstellen, welche im Abschnitt über einen Welt - Zweck zu einem, für die Heilsphilosophie, katastrophalen Schluss kommen wird. Der konstitutive Unterschied zwischen Fortschrittsglaube und Resignation gegenüber dem Willen wird nach diesem Teil der Arbeit sehr offen daliegen und die grundsätzliche, argumentative Gegensätzlichkeit der Interpretationssysteme aufdecken.
In der Zusammenfassung werde ich abschließend noch einmal die wichtigsten Punkte der philosophischen Konzepte Revue passieren lassen um den ausgearbeiteten Unterschied zwischen Glauben und Nichtglauben in der geschichtsphilosophischen Systementwicklung deutlich zu machen.
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2. Geschichtsphilosophie
Dieser Abschnitt meiner Arbeit hat die oben schon angekündigte Funktion, einen Einblick in die Geschichtsphilosophie zu geben. Das Thema der Geschichtsphilosophie nach Johannes Rohbeck „… ist die Geschichte als sich in der Zeit veränderter Handlungszusammenhang von Individuen unter politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Bedingungen“. 1 Daraus ergibt sich für ihn die Tatsache, dass Geschichtsphilosophie ein „interdisziplinäres Projekt“ 2 am Rande der praktischen Philosophie ist. Geschichtsphilosophie versucht einen Sinn bzw. Werdegang in der menschlichen Geschichte zu ermitteln und „… bezieht sich dabei auf die Darstellung und den Gegenstand der Geschichte“. 3 Nach Emil Angehrn ist sie eine philosophische Theorie zum Verlauf der Geschichte die das Bildungsgut vergangener Zeiten, als Ausdruck des Vertrauens in die Geschichte, widerspiegelt. 4 Den Begriff der Geschichtsphilosophie begründete der französische Schriftsteller und Philosoph Voltaire im Zuge der Aufklärung. 5 Mit der Emanzipierung und Selbstbehauptung des Subjektes vollzog sich damals ebenfalls eine Neuorientierung des Weltbildes. Ihren Höhepunkt erreichte die Geschichtsphilosophie mit der Fortschrittsphilosophie Hegels und fand gerade ein Jahrhundert nach ihrer Geburt mit dem Schweizer Historiker Burckhardt ein jähes Ende. 6
Das Thema der Geschichtsphilosophie beinhaltet die Menschheitsgeschichte und nicht die Naturgeschichte im Allgemeinen. Nach Angehrn ist Geschichte nur dort präsent, wo Geschichtsbewusstsein existiert, also eine subjektive kulturell geprägte Vergegenwärtigung der bewussten menschlichen Handlungen stattfindet. Als eine demnach kulturelle Schöpfung, ist die Geschichte daher beeinflussenden Faktoren unterworfen, die sich im Laufe der Zeit mit den kulturell zivilisatorischen Bedingungen in denen sie eingebettet sind, veränderten. 7 Für die Geschichtsphilosophie gilt natürlich das gleiche, da sie, wie die Geschichtsschreibung und Geschichtsauffassung zu gleich, den gleichen Faktoren des gesellschaftlichen Wandels
1 Rohbeck, S.19.
2 Rohbeck, S.19.
3 Rohbeck, S. 17.
4 Angehrn, S.9.
5 Angehrn, S. 9, und Rohbeck, S.24.
6 Ebd, S.10.
7 Ebd, S.11.
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Arbeit zitieren:
Oliver Gust, 2005, Vernunft und Wille in der Geschichtsphilosophie, München, GRIN Verlag GmbH
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