Eine Diplomarbeit ist eine große Herausforderung, die nur mit Unterstützung hilfsbereiter Menschen zu vollbringen ist. Ihnen möchte ich hiermit danken:
Meinen Betreuern Prof. Dr. Dieter Läpple und Dr. Joachim Thiel danke ich für die intensive Beratung und vielfältigen Anregungen bei der Themenfindung. Ein weiterer Dank gilt Toralf Gonzalez für zwei sehr zeitintensive und fruchtbare Diskussionen sowie allen Gesprächspartnern für ihre Bereitschaft und großzügige Unterstützung bei den Recherchen.
Ian Pastoors, Daniela Riedel und Franziska Träger danke ich für ihre tatkräftige Unterstützung bei der Durchsicht der Texte und dem Visualisieren von Inhalten sowie als wichtige Impulsgeber und Gesprächspartner. Meinem Mann Karim gilt Dank für mentale Unterstützung, kostenlose Unterkunft und abwechslungsreiche, inspirierende Schaffungspausen. Allen Menschen in meinem Umfeld danke ich für ihre Geduld und ihren unerschütterlichen Glauben an mich und diese Arbeit, der mir immer neue Motivation gegeben hat.
Meinen Eltern danke ich, dass sie mir das Studium ermöglicht haben. Vor allem danke ich meinem Vater, der mich zu dem Studiengang ermuntert hat, und der leider nicht mehr erleben durfte, wie ich es vollendet habe.
Hamburg, Juli 2006
Inhaltsverzeichnis I
Inhaltsverzeichnis
EINF ÜHRUNG 1
Einleitung 1
Erkenntnisinteresse und Ziel der Arbeit. 1
Aufbau der Arbeit 2
Methodisches Vorgehen. 4
Literatur - und Internetrecherche 6
Medienanalyse. 6
Experteninterviews 8
Unternehmensbefragung. 12
Qualitative und quantitative Kartierung. 14
A. Theorie
1. MIGRANTENÖKONOMIE ZWISCHEN NISCHE UND MARKT. 19
1.1. Bedeutungsgewinn der Migrantenökonomie. 19
1.2. strukturelle Merkmale und Besonderheiten. 20
1.3. Definition und Begriffsabgrenzung 20
1.4. Entstehungstheorien und Erklärungsansätze. 21
1.5. Bewertung der Entstehungstheorien und Erklärungsansätze. 26
2. QUARTIERSENTWICKLUNG 32
2.1. Das Quartier als „gesellschaftlicher Raum“ 32
2.2. Das Quartier als Ort von „Milieus“ 33
2.2.1. Das Milieu in der Ökonomie 37
2.3. Quartiersentwicklung durch Segregation 38
2.3.1. Mechanismen der Segregation 39
2.4. Prozesse der Quartiersentwicklung. 43
2.4.1. Gentrifizierung. 44
2.4.2. Marginalisierung. 45
2.4.3. Die Entstehung „Ethnischer Kolonien“ 49
2.5. Die Stadt als Ort der Integration? 53
2.6. Resümee. 54
3. STADTTEIL- UND QUARTIERSBETRIEBE. 55
3.1. Das Konzept der städtischen Teilökonomien. 55
3.2. Arbeitswelten der Stadtteil- und Quartiersbetriebe:
„Gemeinschaften, Gesellschaften, Partnerschaften“ 57
3.2.1. Bedeutung des Quartiers für Stadtteilbetriebe 59
II
3.2.2. Beschäftigungswirkung der Stadtteil- und Quartiersbetriebe 60
3.3. Stadtteil und Quartiersbetriebe in marginalisierten Stadtquartieren. 61
3.4. Stadtteil- und Quartiersbetriebe in der Strategie der
„Lokale Ökonomie“ 62
3.5. Stadtteil- und Quartiersbetriebe als
„Lokal eingebettete Ökonomie“ 64
3.6. Potenziale der Stadtteilökonomie für die Quartiersentwicklung. 65
4. MIGRANTENÖKONOMIEN ALS STADTTEIL- UND QUARTIERSBETRIEBE 68
4.1. Charakteristika der Migrantenökonomie 68
4.1.1. Ethnizität 68
4.1.2. soziales Kapital und Informalisierung. 69
4.2. Potenziale und Funktionen der Migrantenökonomie. 70
4.2.1. Wirtschaft und Arbeit. 70
4.2.2. Integration 71
4.2.3. Quartiersentwicklung. 72
4.3. Zusammenfassung: Potenziale und Funktionen migrantischer
Stadtteil - und Quartiersbetriebe. 75
5. RESÜMEE 76
B. Empirie
6. EINFÜHRUNG IN DIE EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG 77
6.1. Auswahl der Untersuchungsräume. 77
6.2. Aufbau der empirischen Untersuchung. 78
7. SCHANZENVIERTEL - MIGRANTENÖKONOMIE IM PROZESS DER
GENTRIFIZIERUNG 79
7.1. Entstehung und Industrialisierung (1682-1939) 81
7.1.1. Baulich-räumliche Entwicklung 81
7.1.2. Sozialstruktur und Migranten 81
7.1.3. Gewerbestruktur. 82
7.1.4. Image. 82
7.2. Marginalisierung (1960-1985) 83
7.2.1. Baulich-räumliche Entwicklung 83
7.2.2. Sozialstruktur und Migranten 83
7.2.3. Gewerbestruktur. 84
7.2.4. Image. 86
7.3. Deindustrialisierung, „Neue Medien“ und Gentrifizierung (1985 bis
heute ) 86
7.3.1. Baulich-räumliche Entwicklung
Inhaltsverzeichnis III
7.3.2. Sozialstruktur und Migranten. 86
7.3.3. Gewerbestruktur 88
7.3.4. Image 96
7.4. Zusammenfassung der Entwicklungen 98
7.5. Migrantenökonomie. 99
7.5.1. Unternehmerportraits 105
7.6. Auswertung der Wechselwirkungen von Quartiersentwicklung und
Migranten ökonomie. 111
7.6.1. Quartiersentwicklung mit Migrantenökonomie - Potenziale
und Funktionen der Migrantenökonomie. 111
7.6.2. Die Entwicklung von Migrantenökonomie im Schanzenviertel 118
8. REIHERSTIEGVIERTEL - MIGRANTENÖKONOMIE IM PROZESS DER
MARGINSALISIERUNG 121
8.1. Industrialisierung (1875-1962) 122
8.1.1. Baulich-räumliche Entwicklung. 122
8.1.2. Sozialstruktur und Migranten. 123
8.1.3. Gewerbestruktur 123
8.1.4. Image 124
8.2. Marginalisierung (1962-1980) 124
8.2.1. Baulich-räumliche Entwicklung. 124
8.2.2. Sozialstruktur und Migranten. 124
8.2.3. Gewerbestruktur 125
8.2.4. Image 125
8.3. Deindustrialisierung und Aufwertungsversuche (1980 bis heute) 125
8.3.1. Baulich-räumliche Entwicklung
8.3.2. Sozialstruktur und Migranten. 125
8.3.3. Gewerbestruktur 129
8.3.4. Image 135
8.4. Aktuelle Planungen. 136
8.4.1. Imagewandel? 137
8.5. Zusammenfassung der Entwicklungen 137
8.6. Migrantenökonomie. 138
8.6.1. Unternehmerportraits 146
8.7. Auswertung der Wechselwirkung von Quartiersentwicklung und
Migranten ökonomie. 150
8.8. Quartiersentwicklung mit Migrantenökonomie - Potenziale und
Funktionen der Migrantenökonomie 151
8.9. Die Entwicklung von Migrantenökonomie im Reiherstiegviertel 158
IV
C. Expertise
9. QUARTIERSENTWICKLUNG MIT MIGRANTENÖKONOMIE 161
9.1. Funktionen und Potenziale der Migrantenökonomie für die Quar-
tiersentwicklung. 161
9.1.1. Wirtschaft und Arbeit. 161
9.1.2. Integration 162
9.1.3. Quartiersentwicklung. 163
9.2. Entwicklungspfade der Quartiersentwicklung. 165
9.2.1. Migrantenökonomie als Faktor der Gentrifizierung? 165
9.2.2. Migrantenökonomie als Beitrag zur Marginalisierung? 167
9.3. Gegenüberstellung und Ergebnisse. 168
10. DIE ENTWICKLUNG VON MIGRANTENÖKONOMIE IM QUARTIER 170
10.1. Die diametrale Wirkung des Quartiers. 170
10.2. Unternehmerisches Denken und Handeln im Quartierskontext 171
10.3. Entwicklungsstufen der Migrantenökonomie. 173
11. HANDLUNGSANSÄTZE UND -PERSPEKTIVEN. 174
11.1. Qualifizierung von Migrantenbetrieben. 174
11.2. Das Existenzgründerprojekt auf der „Veddel“ 175
11.3. Übertragung des Konzeptes auf das Reiherstiegviertel 177
12. ERKENNTNISSE, REFLEXIONEN UND AUSBLICK 179
Anhang
Quellenverzeichnisse 181
Literaturverzeichnis. 181
Zeitungsartikel 187
Internetquellen. 188
Gespr ächspartner Experteninterviews. 188
Gespr ächsleitfaden Experteninterviews. 189
Gespr ächsleitfaden Unternehmensbefragung 191
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1 Methodisches Vorgehen. Quelle: Eigene Darstellung.........................5 Abb. 2 Logo Steg Hamburg.
Quelle: Internetseite Steg Hamburg .......................................................9 Abb. 3 Logo TU Hamburg-Harburg.
Quelle: Internetseite TU Hamburg -Harburg .....................................10 Abb. 4 Logo Unternehmer ohne Grenzen e.V.
Quelle: Internetseite UoG ......................................................................11 Abb. 5 Brancheneinteilung der Stadtteil- und Quartiersbetriebe.
Quelle: Eigene Darstellung nach Steg 2003 .......................................15 Abb. 6 Kriterien der Bestandsbewertung.
Quelle: Eigene Darstellung.....................................................................16 Abb. 7 Qualitätskategorien und Milieuzuordnung des Gewerbes. Quelle:
Eigene Darstellung...................................................................................17 Abb. 8 Entstehungsmodell der Migrantenökonomie.
Quelle: Eigene Darstellung.....................................................................31 Abb. 9 Die Sinus-Milieus in West-Deutschland 2005.
Quelle: Internetseite Sinus-Sociovision 2006......................................35 Abb. 10 Der zirkuläre und kumulative Degradationsprozess „aufgegebener Stadtteile“, Quelle: Eigene Darstellung nach Krätke 1995...............47 Abb. 11 China-Town New York. .........................................................................49 Abb. 12 Städtische Teilökonomien in Hamburg in % der Gesamtbeschäftigung (Veränderungen 1980- 1997).
Quelle: Breckner/Gonzalez 2002: 25...................................................56 Abb. 13 Bedeutung des Quartiers für die beruflichen Milieusder Stadtteil- und Quartiersbetriebe.Quelle: Eigene Darstellung ....................................60 Abb. 14 Berufliche Milieus zwischen Öffnung und Schließung. Quelle: Eigene Darstellung nach Läpple/Walter 2003 ...................................61 Abb. 15 Sektoren der Lokalen Ökonomie. Quelle: Birkhölzer 2000. ............63 Abb. 16 Das Programm „Soziale Stadt“ Quelle: www.sozialestadt.de ..........63 Abb. 17 Potenziale und Funktionen der Stadtteil- und Quartiersbetriebe.
Quelle: Eigene Darstellung.....................................................................66 Abb. 18: Potenziale und Funktionen der Migrantenökonomie..Quelle: Eigene
Darstellung ................................................................................................74 Abb. 19: Funktionen und Potenziale migrantischer Stadtteil- und Quartiersbetriebe. Quelle: Eigene Darstellung ...................................75 Abb. 20 Bebauungsstruktur im Reiherstiegviertel Quelle:
Eigene Aufnahmen 2006 ........................................................................77 Abb. 21 Lage der Untersuchungsgebiete im Hamburger Stadtraum.
Quelle: Eigene Darstellung.....................................................................77 Abb. 22 Hamburg-Plan 1730 mit Detail Sternschanze. Quelle: Internetseite
Stadt Hamburg .........................................................................................81 Abb. 23 Flora am Schulterblatt um ca. 1900
Quelle: www.bildarchiv-hamburg.de ....................................................82 Abb. 24 Branchenstruktur Schanzenviertel 1982. Quelle: Eigene Darstellung
nach GEWOS 1982.................................................................................85
Abb. 50 Türkischer Einzelhandel des nicht-täglichen Bedarfs. Quelle:
Eigene Aufnahme 2006.........................................................................104 Abb. 51 Milieus Quartiersökonomie Schanzenviertel 2006. Quelle: Eigene Darstellung nach eigener Erhebung ..................................................104 Abb. 52 „Transmontana“ Schulterblatt. Quelle: Eigene Aufnahme 2006 ..111 Abb. 53 „Bol Kepce“ der älteste Döner-Imbiss des Schanzenviertels. Quelle:
Eigene Aufnahme 2006.........................................................................111 Abb. 54 „Pamukkale“-Restaurant-Erweiterung. Quelle: Eigene Aufnahme
2006 ..........................................................................................................111 Abb. 55 Italienische Lebensmittel am Schulterblatt. Quelle: Eigene
Aufnahme 2006 ......................................................................................114 Abb. 56 „Street-Life“ am Schulterblatt. Quelle: Eigene Aufnahme 2006...115 Abb. 57 Logo Schanzenspiele. Quelle: Internetseite Quartiersmanagement
Steg Hamburg .........................................................................................117 Abb. 58 Die Wirkung des Quartiers auf die Unternehmen. Quelle: Eigene
Darstellung ..............................................................................................120 Abb. 59 Eigenschaften der Unternehmer im Schanzenviertel. Quelle: Eigene
Darstellung ..............................................................................................120 Abb. 60 Der umgestaltete Stübenplatz. Quelle: Eigene Aufnahme 2006....121 Abb. 61 Schema der natürlichen Entwicklung des Organismus Hamburg.
Quelle: Internetseite Stadt Hamburg..................................................123 Abb. 62 „Klein Warschau“ am Veringkanal. Quelle: Internetseite
Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg ....................................................123 Abb. 63 Die chemische Industrie am Fährstieg um 1920. Quelle: Internetseite Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg ............................123 Abb. 64 Die Wollkämmerei um 1926. Quelle: Internetseite
Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg ....................................................123 Abb. 65 Die Sturmflut von 1962 im Reiherstiegstiegviertel. Quelle: Internetseite Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg.............................124 Abb. 66 Verkehrsachsen auf der Elbinsel. Quelle: Weißbuch
Zukunftskonferenz Wilhelmsburg......................................................125 Abb. 67: Arbeitslosenanteil an Gesamtbevölkerung in Prozent. Quelle: Eigene Darstellung nach Statistikamt Nord 2006 ........................................126 Abb. 68: Sozialhilfeempfängeranteil an Gesamtbevölkerung. Quelle: Eigene Darstellung nach Statistikamt Nord 2006..........................................126 Abb. 69: Ausländeranteil an Gesamtbevölkerung. Quelle: Eigene Darstellung nach Statistikamt Nord 2006 ..............................................................127 Abb. 70 Städtische Teilökonomien in Wilhelmsburg in % der Gesamtbeschäftigung 2002. Quelle: Breckner/Gonzalez 2002.....130 Abb. 71: Wirtschaftszweige in Hamburg und Wilhelmsburg. Quelle: Eigene Darstellung nach Handelskammer Hamburg 2004 ........................131 Abb. 72 Wettbüro, Internet- und Call-Shop im Reiherstiegviertel. Quelle:
Eigene Aufnahmen 2006 ......................................................................131 Abb. 73 Branchenstruktur Reiherstiegviertel 2006. Quelle: Eigene
Darstellung nach eigener Erhebung ..................................................131 Abb. 74 Textilstände auf dem Wochenmarkt Stübenplatz. Quelle: Eigene
Aufnahme 2006 ......................................................................................132 Abb. 75 Kiosk im Reiherstiegviertel. Quelle:Eigene Aufnahme 2006 .........132
Abb. 99 Gegenüberstellung der Funktionen und Potenziale der Migrantenökonomie im Bereich Quartiersentwicklung. Quelle:
Eigene Darstellung.................................................................................184 Abb. 100 Gegenüberstellung der Sozialstruktur Schanzenviertel und Reiherstiegviertel. Eigene Darstellung n.Statistikamt Nord 2006 .188 Abb. 101 Die Wirkung des Quartiers auf die Entwicklung von Unternehmen. Quelle: Eigene Darstellung...................................................................191 Abb. 102 Wirkung unterschiedlicher Quartiersmilieus auf Innovationen.
Quelle: Eigene Darstellung...................................................................191 Abb. 103 Unternehmerisches Denken und Handeln in unterschiedlichen Quartierskontexten. Quelle: eigene Darstellung...............................192 Abb. 104 Die Elbinsel Wilhelmsburg mit dem Stadtteil Veddel im Nordosten. Quelle: www.wikipedia.de . ..................................................................195 Abb. 105 Luftbild von der Veddel Quelle: www.hamburgfotos.de ..............196 Abb. 106 Plakat Studentisches Leben auf der Veddel.
Quelle: www.saga-gwg.de .....................................................................196
Planverzeichnis
Plan 1 Übersichtsplan Gebietsabgrenzungen Schanzenviertel. Quelle: Eigene..........
Darstellung ..............................................................................................................79 Plan 2 Qualitätsstruktur Gewerbe Schanzenviertel 2006. Quelle: Eigene .................. Darstellung nach eigener Erhebung...................................................................93 Plan 3 Qualitätsstruktur Gewerbe Schanzenviertel mit „Szene“-Geschäften 2006. . Quelle: Eigene Darstellung nach eigener Erhebung.......................................95 Plan 4 Nationalitätenverteilung Gewerbe Schanzenviertel 2006. Quelle: Eigene .....
Darstellung nach eigener Erhebung................................................................ 102 Plan 5 Übersichtsplan Gebietsabgrenzungen Reiherstiegviertel. Quelle: Eigene…… Darstellung u.a. nach Statistikamt Nord 2006 .............................................. 121 Plan 6 Qualitätsstruktur Gewerbe Reiherstieg mit exkludierend wirkenden .............. Geschäftsflächen 2006. Quelle: Eigene Darstellung nach eigener ..................
Erhebung ............................................................................................................... 134 Plan 7 Nationalitätenstruktur Gewerbe Reiherstieg 2006. Quelle: Eigene ................. Darstellung nach eigener Erhebung................................................................ 139
Abkürzungsverzeichnis
Anm. d. Verf. Anmerkung der Verfasserin DL Dienstleistung Ebd. Ebenda EZH Einzelhandel FHH Freie und Hansestadt Hamburg GEWOS Institut für Stadt-, Regional- und Wohnforschung GmbH GWG Gesellschaft für Wohnen und Bauen mbH IBA Internationale Bauausstellung IfG Institut für Geographie 1997 (s. Literaturverzeichnis) Ifm Institut für Mittelstandsforschung IGS Internationale Gartenschau n.z. nicht zuordenbar SAGA Siedlungs-Aktiengesellschaft Hamburg SGB Sozialgesetzbuch Steg Stadtentwicklungsgesellschaft Hamburg UNO United Nations Organisation u.a. und andere UoG Unternehmer ohne Grenzen e.V. WIS Projektgruppe „Wohnen im Stadtteil“ 1982
Glossar
Ethnisch-kulturelle Majorität im Aufnahmeland Mehrheitsgesellschaft
Migration, Internationale Wanderung von Personen über Staatengrenzen aus
Einleitung
Die Planungspolitik in Deutschland ist zu Beginn des 21. Jahrhunderts vor zwei zentrale Herausforderungen gestellt: Die Verfestigung hoher struktureller Arbeitslosigkeit und die wachsende soziale und kulturelle Heterogenität der Bevölkerung.
Der im Juni 2006 vorgelegte Bericht der UNO dokumentiert, dass jeder fünfte Mensch in Deutschland einen Migrationshintergrund aufweist. Mit dem am 01.01.2005 in Kraft getretenen Zuwanderungsgesetz wurde die Zuwanderung nach Deutschland erstmals rechtlich geregelt und sich von politischer Seite zu Deutschland als einem Einwanderungsland bekannt. Zurzeit leben knapp 9% ausländische Staatsbürger in Deutsch-land, die überwiegend in den städtischen Ballungsräumen in West-deutschland ansässig sind.
Der Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft und den Folgen der Globalisierung geht mit einer tief greifenden Umstrukturierung der nationalen Wirtschaft einher. Den neu entstehenden Arbeitsplätzen im hochqualifizierten Bereich stehen die freigesetzten Arbeitsplätze im industriellen Bereich sowie eine Vielzahl an unregelmäßigen und prekären Arbeitsverhältnissen gegenüber. Die Migranten sind gegenüber dem Durchschnitt der deutschen Bevölkerung besonders stark von Arbeitslosigkeit und prekärer Beschäftigung betroffen. Durch den Rückzug der öffentlichen Hand aus der Regulierung des Wohnungsmarktes überlagern sich die Probleme der hohen Arbeitslosigkeit mit der hohen Konzentration von Migranten auf der Ebene des Quartiers. Damit sind besondere Herausforderungen für die Quartiersentwicklung in den Bereichen der sozialen und ökonomischen Integration, der Sicherung von Infrastruktur und Versorgung und der Bekämpfung von Armut, Arbeitslosigkeit und Ausgrenzung auf Quartiersebene entstanden.
Bei der Auseinandersetzung mit den Problemstellungen wurden die Stadtteil- und Quartiersbetriebe als Akteure entdeckt, um strukturelle Verbesserungen vor Ort herbeiführen zu können. In jüngerer Zeit sind besonders die Migrantenökonomien in den Mittelpunkt des Interesses gerückt, da sie die Schnittstelle zwischen Mehrheitsgesellschaft und Migranten sowie zwischen Erwerbslosigkeit und Beschäftigung darstellen.
Erkenntnisinteresse und Ziel der Arbeit
Migrantenökonomien sind in deutschen Großstädten zu einem festen Bestandteil der Stadtteil- und Quartiersökonomie geworden. Einzelhandelsgeschäfte und internationale gastronomische Angebote prägen das Straßenbild vieler Quartiere und gehören als Selbstverständlichkeit zu den Konsummustern von Großstädtern. Gleichwohl sind Migrantenökonomien erst seit wenigen Jahren zum Untersuchungsgegenstand der wirtschafts- und kommunalwissenschaftlichen Forschung geworden. Neben ihrer Entstehung und Funktionsweise haben bisherige Untersuchungen besonders die Bedeutung der Migrantenökonomie für benachteiligte Stadtquartiere sowie für die Integration von Zuwanderern herausgestellt. Demgegenüber werden Migrantenbetriebe im Quartier als ein Integrationshemmnis sowie als Verstärker von sozialer Ausgrenzung be- schrieben.
2
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es herauszustellen, in welchem Wechselverhältnis die Migrantenökonomie zu der Entwicklung von Quartieren steht. Grundlage der Untersuchung ist die Annahme, dass Quartiere keine neutralen Unternehmensstandorte sind, sondern die Entwicklungsperspektive von Unternehmen ebenso beeinflussen, wie die Unternehmen die Entwicklung von Quartieren mit bestimmen. Ausgehend von dem Verständnis wird untersucht, in wie weit die Migrantenökonomien die Entwicklungspfade eines Quartiers beeinflussen können und wie sich im Gegenzug das Quartiers auf das unternehmerische Denken und Handeln der migrantischen Unternehmer auswirken kann. Es wird davon ausgegangen, dass sich die Ausprägung und Verbreitung der Migrantenökonomien in Abhängigkeit der unterschiedlichen Strukturen im Quartier vollziehen und in der Folge die Funktionen und Potenziale variieren, welche die Migrantenökonomie für das Quartier und seine Bewohner übernehmen kann. Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt in der analytischen Auseinandersetzung der Potenziale und Funktionen der Migrantenökonomie, die ihnen von der Politik und der sozial-, wirtschafts- und kommunalwissenschaftlichen Forschung zugeschrieben werden. Im Zuge dessen wird analysiert, wie Migrantenökonomien im Zusammenspiel mit anderen lokalen Faktoren die baulich-räumliche, soziale und ökonomische Struktur von Quartieren beeinflussen und welche Bedeutung den Migrationsbetrieben im Vergleich zu anderen Faktoren in dem Prozess zukommt.
Die Diplomarbeit zeigt theoretisch und empirisch auf, wie sich die Migrantenökonomie im Spannungsfeld von Gentrifizierungs- und Marginalisierungsprozessen entwickeln und verändern. Dabei wird der Blick nicht nur auf das Unternehmen als ökonomische Einheit, sondern auch auf den Unternehmer als individuell denkendes und handelndes Subjekt gerichtet.
Am Ende der Arbeit entsteht ein mehrschichtiges Bild der Wirkungszusammenhänge von Migrantenökonomie und Quartiersstrukturen, das zeigt, wie ihre enge Wechselbeziehung zur Synchronisation von Entwicklungsmöglichkeiten und einer Determinierung gemeinsamer Zukünfte führt.
Aufbau der Arbeit
Dieser Abschnitt gibt einen kurzen Überblick über die einzelnen Kapitel dieser Arbeit und ihre Zusammenhänge. Die Arbeit gliedert sich in fünf Bereiche: Einführung
Teil A Theorie (Kapitel 1,2,3,4 und 5) Teil B Empirie (Kapitel 6,7 und 8) Teil C Expertise (Kapitel 9, 10, 11 und 12) Anhang
In der Einführung erfolgten eine erste Einordnung des Untersuchungs-gegenstandes und die Eingrenzung des Erkenntnisinteresses der Arbeit. Die Darstellung des methodischen Vorgehens beschließt die Einführung Teil A befasst sich mit dem aktuellen wissenschaftlichen Diskussions-stand zu den Themen Migrantenökonomie (Kapitel 1), Quartiersentwicklung (Kapitel 2) und Stadtteilökonomie (Kapitel 3). Nachdem eine Einführung in das Themenfeld der Migrantenökonomie mit einer Be-
schreibung des Bedeutungsgewinns (Kapitel 1.1), der strukturellen Merkmale und Besonderheiten (Kapitel 1.2), einer Definition und Begriffsabgrenzung (Kapitel 1.3) und einer Diskussion der Erklärungsansätze und Entstehungstheorien (Kapitel 1.4) vorgenommen wurde, wird die wechselseitige Beziehung von Raum und gesellschaftlichen Prozessen anhand der Modelle des „gesellschaftlichen Raumes“ und von „Milieus“ verdeutlicht. Als treibende Kraft der Quartiersentwicklung wird folgend die Segregation vorgestellt, die über die aktuellen Entwicklungen am Arbeits- und Wohnungsmarkt wesentlich gestaltet wird. (Kapitel 2.3) Die gesellschaftlichen und ökonomischen Veränderungen führen auf Quartiersebene zu den Prozessen der Marginalisierung und Gentrifizierung sowie zu der Entstehung ethnischer Kolonien. (Kapitel 2.4) In Anbetracht der Segregationsentwicklungen wird im Anschluss die heutige Integrationsfunktion von Städten diskutiert (Kapitel 2.5) und abschließend eine Zusammenfassung über die Mechanismen und Prozesse der Quartiersentwicklung und ihre Auswirkungen auf die Quartiersbewohner gegeben. (Kapitel 2.6)
Vor dem Hintergrund der divergierenden Quartiersentwicklung werden Stadtteil- und Quartiersbetriebe als städtische Teilökonomie (Kapitel 3.1) in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen und Vernetzungsarten mit den Strukturen des Quartiers vorgestellt. (Kapitel 3.2) Vor dem Hin-tergrund der sozialen und ethnischen Segregation wird die Entwicklung von Stadtteil- und Quartiersbetrieben in marginalisierten Stadtteilen beschrieben (Kapitel 3.3) und daraus resultierend ihre Bedeutung in der Strategie der „lokalen Ökonomie“ (Kapitel 3.4) und in ihrem Verständnis als „lokal eingebettete Ökonomie“. (Kapitel 3.5) In Kapitel 3.6 werden schließlich die Potenziale und Funktionen zusammenfassend dargestellt, die den Stadtteil- und Quartiersbetrieben aus ihrer Einbettung in die Strategien und Konzepte zugeschrieben werden. Migrantenökonomien werden in Kapitel 4 als besondere Form der Stadtteil- und Quartiersbetriebe dargestellt, was aus ihrer doppelten Einbettung in ethnische Zusammenhänge und die Quartiersökonomie sowie aus ihren charakteristischen Merkmalen der Ethnizität und Informalisierung resultiert. (Kapitel 4.1) Anhand dieser Charakteristika werden den Migrationsökonomien ebenso Potenziale und Funktionen zugeschrieben, die sie innerhalb eines Quartiers und der Gesellschaft einnehmen können. (Kapitel 4.2) Diese werden abschließend den Funktionen der Stadtteil- und Quartiersbetriebe gegenübergestellt und partiell ergänzt. (Kapitel 4.3) Den Abschluss von Teil A bildet einen kurzen Überblick über die gewonnen Erkenntnisse und eine Überleitung zur empirischen Untersuchung. (Kapitel 5).
Im Teil II werden nach einer kurzen Einführung in die empirische Untersuchung (Kapitel 6) die Wechselwirkung von migrantischen Stadtteil-und Quartiersbetriebe und der Quartiersentwicklung anhand den Fallstudien Schanzenviertel (Kapitel 7) als Beispiel für ein gentrifiziertes Stadtquartier und dem Reiherstiegviertel (Kapitel 8) als Beispiel für ein marginalisiertes Stadtquartier untersucht. Dafür werden die Stadtquartiere in ihren einzelnen Entwicklungsphasen dargestellt und die Veränderungen der baulich-räumlichen, der sozialen und der ökonomischen Strukturen sowie des Images in den jeweiligen Phasen aufgezeigt. (Kapitel 7.1-7.4; 8.1-8.5) Im Anschluss wird anhand des bestehenden Datenmaterials sowie der Ergebnisses der Erhebung und Befragung, die Entstehung und Ausprägung der Migrantenökonomie hergeleitet. (Kapitel 7.5; 8.6) Ergänzt wird die Darstellung durch die Betrachtung der Quar- tiers- und Betriebsentwicklung aus Sicht der Migrantenunternehmer, die
4
anhand von Unternehmerportraits aufgezeigt wird. (Kapitel 7.5.1; 8.6.1) Am Ende der Fallstudien erfolgt eine Auswertung der Wechselwirkung von Quartiersentwicklung und Migrantenökonomie. (Kapitel 7.6; 8.7) Die aufgezeigten strukturellen Veränderungen des Quartiers werden mit denen der Migrantenökonomie in Verbindung gesetzt und anhand dessen die Funktionen und Potenziale der Migrantenökonomie für den jeweiligen Untersuchungsraum überprüft (Kapitel 7.6.1; 8.7.1) sowie die Wirkung des Quartiers auf die Unternehmer analysiert. (Kapitel 7.6.2; 8.7.2)
In Teil C wird durch eine vergleichende Analyse der unterschiedlichen Bedeutungen der Migrantenökonomie bei Aufwertungs- und Abwertungsprozessen von Quartieren sowie anhand ihrer Entwicklungspfade in unterschiedlichen Quartierskontexten die Wechselwirkungen von Quartieren und migrantischer Quartiersökonomie auf verschiedenen Ebenen herausgestellt. Neben der Überprüfung der Potenziale und Funktionen (Kapitel 9.1) wird die Bedeutung den Migrantenökonomien bei den Marginalisierungs- und Gentrifizierungsprozessen (Kapitel 9.2) analysiert, um abschließend ihre grundsätzliche Wirkung auf die Quartiersentwicklung abstrahieren zu können. (Kapitel 9.2) Im Gegenzug wird analysiert, welche Funktionen die unterschiedlichen Quartiersstrukturen für die Entstehung und Entwicklung von Migrantenökonomien übernehmen (Kapitel 10.1), welches unternehmerische Denken und Handeln in verschiedenen Quartierskontexten zu Grunde liegt (Kapitel 10.2) und welche Entwicklungsstufen Migrantenökonomie in Abhängigkeit unterschiedlicher Quartiersstrukturen durchlaufen. (Kapitel 10.3) Nachdem die aus der Untersuchung gewonnen Erkenntnisse dargestellt wurden, wird illustriert, wie sich das aufgezeigt Wechselverhältnis von Quartier und Quartiersökonomie in der Praxis auf die Handlungsmöglichkeiten kommunaler Akteure auswirkt. (Kapitel 11) Neben dem Versuch der Aktivierung endogener Potenziale (Kapitel 11.1) wird am Beispiel Veddel gezeigt, wie durch äußere Einwirkung auf die Stadtteilökonomie und die Zusammensetzung der Quartiersbevölkerung der Entwicklungspfad eines Quartiers beeinflusst werden kann. (Kapitel 11.2) In wie weit sich das Konzept auf das Reiherstiegviertel übertragen lässt, wird im Anschluss erörtert. (Kapitel 11.3) In Kapitel 10 werden die Erkenntnisse der vorliegenden Untersuchung zusammengefasst und über zukünftige Handlungsfelder und Aufgabenbereiche von Politik, Planung und Verwaltung reflektiert. Im Anhang befindet sich neben den Quellenangaben, die Liste der Gesprächspartner sowie der Interviewleitfaden für die Experteninterviews und der Unternehmensbefragung.
Methodisches Vorgehen
Um die Wechselwirkung von migrantischen Stadtteil- und Quartiersbetrieben und der Quartiersentwicklung zu analysieren, wurde der Stand der wissenschaftlichen Forschung zu den Themen „Migrantenökonomie“ und „Stadtteil- und Quartiersbetriebe“ über eine Literatur- und Internetrecherche in Kenntnis gebracht. Aus der bestehenden wissenschaftlichen Diskussion wurden sowohl für die Stadtteil- und Quartiersbetriebe als auch für die Migrantenökonomien Funktionen und Potenziale für die Quartiersentwicklung abgeleitet. Die Funktionen und Potenziale wurden anhand der empirischen Untersuchung hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und Entfaltung untersucht.
Das gleiche Vorgehen wurde zum Thema „Quartiersentwicklung“ gewählt. Es konnte herausgestellt werden, dass die beiden aktuellen und diametralen Prozesse, welche die heutige Quartiersentwicklung bestimmen, die Gentrifizierung und Marginalisierung darstellen. Anhand dieser Erkenntnis wurden zwei Untersuchungsräume ausgewählt, die einerseits einem Gentrifizierungs- und andererseits einem Marginalisierungsprozess unterworfen sind.
Abb. 1 Methodisches Vorgehen. Quelle: Eigene Darstellung In der empirischen Untersuchung wurde zu beiden Quartieren eine Se-kundäranalyse qualitativer und quantitativer Daten sowie eine Expertenbefragung vorgenommen, um die bauliche, soziale und ökonomische Entwicklung des Quartiers sowie die Entstehung und Verbreitung der Migrantenökonomie vor Ort analysieren zu können. Um einen Einblick in das unternehmerische Denken und Handeln der Migranten zu erhalten, wurden Unternehmensbefragungen in beiden Untersuchungsgebieten durchgeführt und zur Analyse der heutigen Qualität und Verbreitung der Migrantenökonomie in den Untersuchungsräumen wurde eine qualitative und quantitative Kartierung vorgenommen. Mittels dieser Vorgehensweise können die aus der Theorie abgeleiteten Funktionen und Potenziale überprüft und so die Bedeutung der Migrationsökonomie für die Quartiersentwicklung herausgestellt sowie Aussagen über die Entwicklung von Migrantenökonomie im Quartier getroffen werden. (s.Abb.1) Das methodische Vorgehen stützt sich folglich auf verschiedene qualitative und quantitative Methoden der empirischen Sozialforschung. Neben einer Literatur- und Internetanalyse wurden eine Sekundäranalyse qualitativer und quantitativer Daten, Experten- und Unternehmerinterviews sowie eine quantitative und qualitative Kartierung vorgenommen. Fol- gend werden die Methoden kurz vorgestellt:
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Literatur- und Internetrecherche
Für die inhaltliche Auseinandersetzung erfolgte eine interdisziplinäre Literatur- und Internetrecherche. Es wurden Bibliographien, Monographien und Aufsätze ausgewertet. Bei der Internetrecherche wurden online zugängliche Informationen über die Thematik recherchiert. Mittels der Literatur- und Internetrecherche wurde der aktuelle Stand der theoretischen Forschung und praktischen Diskussion („state-of-the-art“-Analyse) zusammengetragen. Aufgrund des jungen Forschungsfeldes besteht zum Thema „Migrantenökonomie“ wenig Literatur und Datenmaterial. Die Heterogenität der Migrantenökonomie hinsichtlich ethnischer Zugehörigkeit und Diversität der Wirtschaftssegmente spiegelt sich in den vielfältigen, selektiven soziologischen und wirtschaftswissenschaftlichen Untersuchungen wieder und erschwert einen Überblick über die Entwicklung und Struktur von Migrantenökonomie. Als Grundlagen für die theoretische Auseinandersetzung mit Migrantenökonomie wurden im Wesentlichen folgende qualitativen und quantitativen Forschungen ausgewertet:
Sekundäranalyse qualitativer und quantitativer Daten Um die bauliche, soziale und ökonomische Entwicklung der Untersuchungsräume rückblickend rekonstruieren zu können, wurde eine Se-kundäranalyse qualitativer und quantitativer Daten durchgeführt. Zum einen wurde ein repräsentatives Sample von Medienprodukten zu den Untersuchungsräumen ausgewertet (Pressespiegel) und zum anderen wurden die im Zusammenhang mit den Untersuchungsräumen entwickelten Dokumente und Erhebungen (Dokumentensammlung) ausgewertet.
Die Auswertung der Medien erfolgt analog folgender Fragen:
• Welche weiteren (Sekundär-) Themen werden thematisiert?
• In welcher Weise wird auf das Quartier Bezug genommen?
• Welche Zuschreibungen werden über das Medium transportiert (in Bild und Text)?
Ausgewertet wurde ein repräsentatives Sample von Medienprodukten zu den Themen: „Schanzenviertel“, „Reiherstiegviertel/Wilhelmsburg“ und „Migrantenökonomie“. In einem ersten Schritt erfolgte eine Auswahl und Kategorisierung der zu untersuchenden Medien (Print-, Onlinemedien) sowie die Festlegung eines begrenzten, zeitlichen Untersuchungsrahmens.
Im Besonderen konzentrieren sich die Auswertungen auf Artikel der Lokalpresse der Hamburger Printmedien. Nach STEGMANN (1997) werden darunter Zeitungen und Zeitschriften verstanden,
• deren überwiegender Teil der Auflage im Hamburger Stadtgebiet abgesetzt wird (Hamburgbezogene Adressatenorientierung),
• deren Themenstruktur durch eine Hamburgbezogene Berichterstattung gekennzeichnet ist (Hamburgbezogene Sachorientierung) und/oder
• die ihre (Lokal-)Redaktion mit Sitz in Hamburg haben (Hamburgbezogene Autor- bzw. Verlegerorientierung). Dementsprechend wurden das Hamburger Abendblatt, die Hamburger Morgenpost und die taz ausgewertet. Darüber hinaus werden überregionale Zeitungen und Zeitschriften hinzugezogen, wie die Zeit, die Welt und der Spiegel.
Für die Rekonstruktion der baulichen, sozialen und ökonomischen Entwicklung der Untersuchungsgebiete und zur Analyse des Wirkungszusammenhanges mit der dort ansässigen Migrantenökonomie wurden folgende Dokumente und Materialien verwendet, die sowohl qualitative Informationen und als auch quantitative Daten beinhalten. Schanzenviertel
• GEWOS GmBH 1982: Vorbereitenden Untersuchungen Hamburg St. Pauli-Nord Schulterblatt Teil A+B
• Projektgruppe „Wohnen im Stadtteil“ 1982: Der Schulterblatt -Ein Viertel verändert sich. Hamburg 1982
• Institut für Geographie Hamburg 1997: Lokale Ökonomie im Hamburger Schanzenviertel. Universität Hamburg, Institut für Geographie, Arbeitsbereich Wirtschaftgeographie. Arbeitsberichte Februar 1997
• Walter, Gerd / Läpple, Dieter 2000: Im Stadtteil arbeiten. Beschäftigungswirkung wohnungsnaher Betriebe. Gutachten im Auftrag der Stadtentwicklungsbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg. Hamburg, Mai 2000
• Steg Hamburg: Unveröffentlichtes Gewerbekataster 2003
• Steg Hamburg: Quartiersnachrichten Schanzenviertel. Vierteljährliche Veröffentlichung (Nr. 23 Juli 2000 - Nr. 42 Dezember 2005)
• Steg Hamburg: Schanze. Zeitung für das Quartiersmanagement. (Nr. 01 Februar 2000 - Nr. 14 April 2004)
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Reiherstiegviertel
Eine Einführung in die Dokumentensammlung bezüglich Inhalt, Art und Aussagekraft der Informationen erfolgt jeweils am Anfang der Kapitel des jeweiligen Untersuchungsraums.
Experteninterviews
Experteninterviews kommen in den verschiedensten Forschungsfeldern zum Einsatz, oft im Rahmen eines Methodenmix. In Anlehnung an MEUSER/NAGEL 1991 wird der Expertenbegriff methodologisch aufgefasst, indem eine Person zum Experten wird, weil sie durch ihre Position in einer Institution oder durch ihr unterstelltes Sonderwissen, zum Experten im Rahmen des Forschungsinteresses wird. Der Expertenstatus wird somit auf eine vom Forscher verliehene spezifische Fragestellung begrenzt. Implizit wird angenommen, dass die jeweilige Person über ein Wissen verfügt, das sie zwar nicht alleine besitzt, das jedoch nicht jedem in dem interessierenden Handlungsfeld zugänglich ist. (Meuser/Nagel 1991: 443f) Experten werden somit als „Funktionsträger innerhalb eines organisatorischen oder institutionellen Kontextes“ (Meuser/Nagel 1991: 444) verstanden. Die Autoren nennen zwei Kriterien für die Qualifikation einer Person zum Experten. Als Experte ist nach MEUSER/NAGEL (1991: 443) ansprechbar:
Als Experten durch ihre institutionalisierte Kompetenz dienen für die Diplomarbeit jene Menschen, die Aussagen über die soziale, bauliche und ökonomische Entwicklung der Untersuchungsräume treffen können oder über Informationen zu der Entstehungs- und Handlungslogik von Migrantenökonomien in den Quartieren verfügen. Sie dienen neben der Medien- und Inhaltsanalyse als weitere Datenquelle für die Analyse der Untersuchungsräume Schanzenviertel und Reiherstiegviertel.
Die Experten wurden anhand eines offenen, leitfadengestützten Interviews befragt. In Anlehnung an erprobte Verfahren wurden die relevanten Fragekomplexe vorab in einem Interviewleitfaden (siehe Anhang) konkret definiert und gegliedert. So kann eine größtmögliche „Vollständigkeit“ und „Vergleichbarkeit“ der Interviews erreicht werden. „Eine leitfadenorientierte Gesprächsführung wird beidem gerecht, dem thematisch begrenzten Interesse des Forschers an dem Experten und auch dem Expertenstatuts des Gegenübers.“ (Meuser/Nagler 1991: 448) Der Leitfaden stellt keine Festlegung über die Reihenfolge der zu behandelnden Themen dar, vielmehr orientierten sich die Gespräche an den Themenkomplexen, die in ihrer Reihenfolge dem Gesprächsverlauf frei angepasst werden konnten. (vgl. u.a. Diekmann 2001: 446f.)
Bei den Experteninterviews steht das für die Fragestellung relevante Expertenwissen im Zentrum des Interesses. Da es für die Diplomarbeit wichtig war, die soziale und ökonomische Entwicklung der Untersuchungsräume sowie die Entstehung und Verbreitung der Migrantenökonomien zu rekonstruieren, erfolgte die Auswahl der Interviewpartner an-hand ihres Involvierungsgrades in die Prozesse des Quartiers bzw. in das Milieu der Migrantenökonomien. So konnten anhand der Literatur- und Medienanalyse drei Expertengruppen ermittelt werden, welche über die vorgenannten Informationen verfügen: 1) Die Stadtentwicklungsgesellschaft Hamburg (Steg), 2) Das Institut Stadt- und Regionalökonomie/soziologie der TU Hamburg-Harburg/HCU und 3) Unternehmer ohne Grenzen e.V. (UuG).
Folgende Kriterien liegen der Auswahl zugrunde:
• Zugang zu Informationen, Zusammenhängen und Hintergründen über die Entwicklung des Quartiers und der Migrantenökonomie vor Ort
• Spezifisches Orts- und Detailwissen zu den Prozessen und Entwicklungen des Quartiers und der Migrantenökonomie
• „Gestalter“ der Quartiersentwicklung bzw. der Entwicklung von Migrantenökonomien
Innerhalb der Expertengruppen wurden anhand der oben angeführten Fragestellung die jeweiligen Schlüsselpersonen ermittelt, die mit einem leitfadengestützten Interview (s. Anhang) befragt wurden. Folgend werden kurz die einzelnen Expertengruppen und Schlüsselpersonen vorgestellt:
Stadtentwicklungsgesellschaft Hamburg (Steg) Die Stadterneuerungs- und Stadtentwicklungsgesellschaft Hamburg wur-
de 1989 vom Senat der Freien und Hansestadt Hamburg als städtische Gesellschaft gegründet. Sie ist seitdem als anerkannter treuhänderischer Sanierungsträger in zahlreichen Sanierungsgebieten sowie als Stadtteilentwickler und Quartiersmanager tätig. Gleich nach ihrer Gründung ü-
bernahm die Steg die Betreuung der im Schanzenviertel bestehenden Sanierungsgebiete („Eimsbüttel S1 Schanzenviertel/Weidenallee“ 1980; „St. Pauli Nord S2 Schulterblatt“ 1986). 1999 wurde als Baustein der „integrierten Stadtteilentwicklung“ zusätzlich zu den bestehenden Sanierungsgebieten ein Quartiersmanagement für das Schanzenviertel auf vier Jahre begrenzt eingerichtet. An die Steg wurden u.a. die Aufgaben ge- stellt, die Sauberkeit und Sicherheit im öffentlichen Raum zu verbessern
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und Lösungsprobleme für die Drogenproblematik im Viertel zu finden, um so das Quartier für Familien und Haushalte mit Kindern attraktiver zu gestalten und das Image des Stadtteils zu verbessern. Förderung und Vernetzung der bestehenden kleinteiligen Quartiersökonomie stellte ebenfalls ein Inhalt des Managements dar. Folgende Experten wurden interviewt:
Julia Dettmer, Dipl.-Ing. Stadtplanung, seit 1998 bei der Stadtentwicklungsgesellschaft Hamburg. Julia Dettmer ist von 1999 bis 2003 im ehemaligen „Untersuchungsgebiet St. Pauli Nord / Eimsbüttel Süd“ tätig gewesen. Das Gebiet befindet sich im heutigen Bereich der Piazza im Schanzenviertel. Zeitgleich hat sie für das Quartiersmanagement gearbeitet und das Beteiligungsprojekt „Kinder und Verkehr“ sowie die ersten „Schanzenspiele“ im Juni 2002 durchgeführt. Darüber hinaus wohnt sie seit sechs Jahren im Quartier, wodurch sie zu der beruflichen Perspektive auch aus Sicht der Anwohner den Stadtteil und seine Veränderungen bewerten kann, wodurch sie als Gesprächspartner besonders interessant ist. Stefan Kreutz, Dipl.-Ing. Stadtplanung, seit 2000 bei der Stadtentwicklungsgesellschaft Hamburg. Nach mehrjähriger Arbeit im Bereich der Bürgerbeteiligung und Quartiersentwicklung in Hamburg-Wilhelmsburg sowie im Bereich der Wirtschaftsförderung im Bezirksamt Altona ist Stefan Kreutz seit September 2000 bei der Steg. Dort ist er u.a. für quartiersbezogene Projekte der Gewerbeentwicklung und des Standortmarketings verant-wortlich. Im Schanzenviertel war Stefan Kreutz von 2000 bis 2003 bei der Quartiersentwicklung mit dem Schwerpunkt Öffentlichkeitsarbeit und Gewerbeentwicklung beschäftigt. Durch den Arbeitsschwerpunkt hat er sich intensiv mit der Stadtteilökonomie vor Ort auseinandergesetzt und die gegenseitigen Beeinflussungen von Veränderungen im Quartier und Gewerbeentwicklung bewusst wahrgenommen. Seine beruflichen Erfahrungen in Wilhelmsburg zeichnen ihn zusätzlich als Experte aus. Ulf Spiecker, Dipl.-Ing. Städtebau und Stadtplanung, seit 1993 bei der Stadtentwicklungsgesellschaft Hamburg. Ulf Spiecker hat nach einer Ausbildung als Landschaftsgärtner und dem Studium der Stadtplanung als Verkehrs-und Anwaltsplaner für (Verkehrs-)Initiativen gearbeitet. Bei der Steg war er bisher im Karolinenviertel, in Altona-Nord und in Ottensen tätig, be-vor er im Juni 2000 ins Schanzenviertel kam, wo er seitdem das Sanierungsgebiet „St. Pauli Nord S2 Schulterblatt“ betreut. Nach sechs Jahren intensiver Arbeit im Schanzenviertel, zu der ebenfalls die wöchentliche Sprechstunde im Stadtteilbüro gehört, ist Ulf Spiecker hinsichtlich der Entwicklungen und Veränderungen im Quartier hochgradig sensibilisiert. Zudem hat er über die Arbeit im Stadtteilbüro unmittelbaren und z.T langjährigen Kontakt zu Anwohnern und Unternehmern vor Ort
Umfeld wurden ebenfalls Migrantenökonomien als eine besondere Art der Unternehmen hinsichtlich ihrer inneren Organisation und Unter-
1 Heute Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU)
nehmensführung analysiert. Eines der vier Untersuchungsräume des Gutachtens stellt das Schanzenviertel dar. Das Institut Stadt- und Regionalsoziologie an der TU Hamburg-Harburg 2 führte die „Qualifikations- und Potenzialanalyse der Hamburger Elbinsel“ (2002) im Rahmen der "Entwicklungspartnerschaft Elbinsel" im EU-Programm EQUAL 3 sowie die wissenschaftliche Begleitung dieses Projektes (2005) durch. In diesem Zusammenhang wurde sich intensiv mit den sozialen und ökonomischen Strukturen der Elbinsel aus-einandergesetzt mit einem Schwerpunkt auf das Thema der Migrantenökonomie. Darüber hinaus wurde eine qualitative Evaluation des ESF 4 -Projektes eines Informations- und Beratungszentrums für ausländische Existenzgründer und Betriebe „Unternehmer ohne Grenzen e.V.“ durchgeführt.
Toralf González, Dipl.-Soziologe, seit 1997 am Institut für Stadt- und Regionalökonomie/ Stadt- und Regionalsoziologie. Toralf González studierte Soziologie und Städtebau/Stadtplanung in Hamburg. Neben einer freiberuflichen Tätigkeit wirkte er seit 1997 in unterschiedlichen Forschungsprojekten am Institut mit. Er war an dem Gutachten „Im Stadtteil arbeiten“ beteiligt und führte die Unternehmensbefragungen auch bei Migrantenbetrieben durch. Zudem hat er die Projektbearbeitung sowohl für die „Qualifikations- und Potenzialanalyse“ als auch für die wissenschaftliche Begleitung der "Entwicklungspartnerschaft Elbinsel" durchgeführt. Ebenso war er für die Evaluation von „Unternehmer ohne Grenzen“ zuständig in dessen Rahmen 16 Migranten zu ihren Unternehmen befragt wurden. Toralf González hat aufgrund seiner direkten und persönlichen Auseinandersetzung mit Migrantenbetrieben ein umfangreiches Expertenwissen auf dem Gebiet. Neben seinem Expertenwissen über Migrantenökonomien und Milieus weist er umfangreiche Kenntnisse über Wilhelmsburg und das Reiherstiegviertel auf, was dadurch verstärkt wird, dass er seit 2002 im Reiherstiegviertel lebt und zudem zu einem Thema promoviert, dass im Quartier verortet ist. Unternehmer ohne Grenzen e.V. (UoG) Der Verein „Unternehmer ohne Grenzen“ wurde im Jahr 2001 von
mehreren Hamburger Firmeninhabern unterschiedlichster Branche und Nationalität gegründet, um Menschen mit Migrationshintergrund bei der Existenzgründung und Betriebsführung zu beraten und zu qualifizieren. Das Projekt wurde von 2001 bis 2004 aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds gefördert. In den fünf Jahren, die der Verein besteht, wurden über 2000 Migranten aus über 80 Ländern beraten. Neben dem daraus
resultierenden Expertenwissen über Migranten als Unternehmer weisen „Unternehmer ohne Grenzen“ mit ihren Standorten im Schanzenviertel und im Reiherstiegviertel darüber hinaus Kenntnisse über die regionalen Unterschiede der Migranten und ihrer Betriebe auf.
Kazim Abaci, Dipl.-Volkswirt und Sozialökonom, Geschäftsführer und Gründungmitglied von „Unternehmer ohne Grenzen e.V.“.
Kazim Abaci war als Assistent bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft beschäftigt bevor er 1999 von der Steg im Rahmen eines EU-Projektes für die Beratung von
2 Seit 01.01.2006 Hafen City Universität Hamburg (HCU)
3 Die „Entwicklungspartnerschaft Elbinsel“ ist ein Projekt im Rahmen der aus dem Europäischen Sozialfonds geförderten Gemeinschaftsinitiative EQUAL, die darauf abzielt, neue Wege zur Bekämpfung von Diskriminierung und Ungleichheiten von Arbeitenden und Arbeitsuchenden auf dem Arbeitsmarkt zu erproben. (www.euqal-de.de) 4 Europäischer Sozialfond. Vgl. http://www.esf-hamburg.de; http://ec.europa.eu/employment_social/esf2000/index_de.html
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gründungswilligen Migranten sowie für deutsch-türkische Infoveranstaltungen gewonnen werden konnten. Nach ehrenamtlicher Tätigkeit mit bis zu 60 anderen migrantischen Unternehmern eröffnete er mit den Mitteln des Fonds und der Unterstützung der damaligen Stadtentwicklungs-, der Wirtschafts- und der Sozialbehörde die erste Beratungsstelle am Standort St. Pauli. Aufgrund seiner langjährigen Beratungstätigkeit in der Sternschanze weist er exklusives Expertenwissen über die Gründungsarten und Unternehmertypen in diesem Gebiet auf. Metin Harmanci, Dipl.-Soziologe und Personalentwickler, seit 2003 bei „Unternehmer ohne Grenzen e.V.“. Metin Harmanci ist seit 3 Jahren bei UoG am Standort Reiherstiegviertel beschäftigt. Als Diplom-Soziologe und Personalentwickler ist er in der Beratung und dem Coaching bestehender Betriebe tätig und Ansprechpartner für Fragen der Betriebswirtschaft, des Marketings und in allen finanziellen Angelegenheiten. Darüber hinaus ist er für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig und bereitet die Themen „Migrantenökonomie“ und „Migranten und Selbstständigkeit“ analytisch auf. Metin Harmanci verfügt durch seine Tätigkeiten im Quartier nicht nur ein explizites Wissen über die dortigen Migrantenökonomien, sondern er hat ebenfalls an den Projekten der EP Elbinsel zur Beratung und Qualifizierung von Migrantenbetrieben sowie bei dem Existenzgründerprojekt auf der Veddel mitgewirkt. (s.Kap.11) Auswertung der Experteninterviews
Die Ergebnisse der Experteninterviews liefern Erkenntnisse zum „Überindividuell-Gemeinsamen, Aussagen über gemeinsam geteilte Wissensbestände, Relevanzstrukturen, Wirklichkeitskonstruktionen, Interpretationen und Deutungsmustern.“ (Meuser/Nagel 1991: 452) Die Auswertung der Experteninterviews orientiert sich an thematischen Einheiten, wobei die Äußerungen im Kontext der institutionellen Handlungsbedingung gesehen werden. Ausgewertet wurden die transkribierten Einzelinterviews nach der Methode der interpretativen Auswertungsstrategie nach MEUSER/NAGEL (1991: 455ff). Folgende sechs Auswertungsschritte werden von MEUSER/NAGEL vorgeschlagen und für die Auswertung der Experteninterviews angewendet: Transkription, Paraphrase, Überschriften, Thematischer Vergleich, Soziologische Konzeptualisierung und Theoretische Generalisierung. Das Auswertungsverfahren nach MEUSER/NAGEL hat sich als überaus fruchtbar erwiesen. Möglich war auf diesem Wege eine Typisierung des Materials vorzunehmen und die Erkenntnisse der Experteninterviews zusammenzubringen. Mit den durchgeführten Experteninterviews wird kein Anspruch auf Repräsentativität erhoben. Unternehmensbefragung
Um die Entwicklung von Migrantenökonomie im Quartier aus der Akteursperspektive zu analysieren, wurden migrantische Unternehmer als Akteure vor Ort interviewt. Die Auswahl der Gesprächspartner erfolgte nach den folgenden Kriterien:
Die Unternehmer wurden dabei so ausgewählt, dass ein vielfältiges Spektrum von Qualitäts-, Branchen- und Unternehmertypen befragt werden konnten. Dadurch wird der Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Unternehmerpersönlichkeiten und Biographien Rechnung getragen und eine möglichst differenzierte Sichtweise auf die Untersuchungsthematik ermöglicht.
Die Auswahl der zu befragenden Unternehmer erfolgte mit vorheriger Rücksprache der Experten, um die vorgenannten Kriterien hinsichtlich der potenziellen Interviewpartner zu erörtern. Im Reiherstiegviertel erfolgte die Kontaktaufnahme über Metin Harmanci von UoG, da bereits im Schanzenviertel die Erfahrung gemacht wurde, dass die Gesprächsbereitschaft sehr gering und das Misstrauen verhältnismäßig hoch waren. Hinzukam ein hohes Maß an terminlicher Unzuverlässigkeit. So wurden 70% der vorher vereinbarten Interviewtermine nicht eingehalten und auch im Vorfeld nicht abgesagt. Zugesagte Rückmeldungen bezüglich gemeinsamer Terminabsprachen sind ebenfalls nicht erfolgt. Die mit hohen zeitlichen Kosten verbundenen terminlichen Schwierigkeiten konnten durch eine vorherige Anmeldung von UoG vermieden werden.
Um die subjektive Problemsicht der einzelnen Akteure herauszuarbeiten, wurden problemzentrierte leitfadenorientiertes Interviews (s. Anlage) durchgeführt. Das problemzentrierte Interview zielt nach WITZEL (2000: 1) auf „eine möglichst unvoreingenommene Erfassung individueller Handlungen sowie subjektiver Wahrnehmungen und Verarbeitungsweisen gesellschaftlicher Realität.“ „Problemzentrierung“ bedeutet, dass sich das Interview an einer gesellschaftlich relevanten Problemstellung orientiert, deren objektive Rahmenbedingungen vorab untersucht wurden, um die Darlegungen der Interviewten verstehen und am Problem orientierte Fragen bzw. Nachfragen stellen zu können. Während des Gespräches kann so die subjektive Sichtweise des Befragten herausgearbeitet und die Kommunikation auf das Forschungsproblem zugespitzt werden. Das problemzentrierte Interview beinhaltet eine prinzipielle Offenheit des Interviewers gegenüber der Empirie, wodurch der Erhebungs- und Auswertungsprozess durch ein induktives-deduktives Wechselverhältnis. (vgl. Witzel 2000: 2f) Das heißt, es könne sowohl aus der Allgemeinheit Rückschlüsse auf den Einzelfall als auch vom Einzelfall auf die Allgemeinheit abgeleitet werden.
Bei der Auswahl der Unternehmer wurde neben den oben genannten Kriterien und einer möglichst heterogenen Auswahl ebenfalls darauf Wert gelegt, Betriebe auszuwählen, die nach den Ergebnissen der Kartierung als repräsentativ für die Quartiere stehen können oder nach Aussage der Experten als Schlüsselpersonen im Quartier fungieren. Im Schanzenviertel wurde zudem besonders darauf Wert gelegt, dass die Unternehmer seit längerer Zeit dort ansässig sind, um ihre Reaktionen auf die Veränderungen im Quartier ermitteln zu können. Die Unternehmer wurden anonymisiert, da die Mehrzahl der Unternehmer nur auf dieser Basis bereit waren, ein Interview zu geben. Die Aufzeichnung der Gespräche zur anschließenden Transkription wurde bei zwei Interviews verweigert.
Im Schanzenviertel wurden drei Betriebe befragt: Ein türkischer Lebensmitteländler, eine türkische Einzelhändlerin des nicht-täglichen Bedarfs und ein italienischer Feinkosthandel mit gastronomischem Bereich. Im Reiherstiegviertel wurden ein türkischer Einzelhändler des nicht-
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täglichen Bedarfs, ein türkischer Einzelhändler des täglichen Bedarfs, ein türkischer Inhaber eines Gastronomiebetriebes und die Inhaberin eines portugiesischen Cafés befragt. Da die Befragten in den Unternehmer-portraits (s.Kap.7.6.2; 8.7.2) ausführlich dargestellt werden, kann an dieser Stelle auf eine weiterführende, detaillierte Beschreibung der Interviewpartner verzichtet werden. Auswertung der Unternehmerinterviews
Die Auswertung der Unternehmerinterviews erfolgt mittels einer qualitativen Inhaltsanalyse. In Anlehnung an KROMREY (2001: 298) wird unter Inhaltsanalyse eine „Forschungstechnik, mit der man aus jeder Art von Bedeutungsträgern durch systematische und objektive Identifizierung ihrer Elemente Schlüsse ziehen kann, die über das einzelne analysierte Dokument hinaus verallgemeinerbar sein sollen“ verstanden. Die Methode der Inhaltsanalyse will Kommunikation analysieren, indem sie die Sprache, Texte, Bilder, symbolisches Material auswertet und sie als Teil des Kommunikationsprozesses begreift. Durch Aussagen „über das zu analysierende Material will sie Rückschlüsse auf bestimmte Aspekte der Kommunikation ziehen, Aussagen über den ‚Sender’ (z.B. dessen Absichten), über Wirkungen beim ‚Empfänger’ o.ä. ableiten.“ (Mayring 2003: 12) Das Material wurde unter den theoretischen Fragestellungen systematisch untersucht, wobei die Ergebnisse vor dem jeweiligen Theo-riehintergrund interpretiert wurden. Ziel der Inhaltsanalyse war es, über die Strukturierung und Analyse des Textmaterials, Aussagen über die Wechselwirkung von Quartier als gesellschaftlichem Raum und Migrantenökonomien sowie Einblicke über das unterschiedliche unternehmerische Denken und Handeln der Befragten unter Einbeziehung des Quartierskontextes zu erhalten. Quantitative und qualitative Kartierung
Zur Untersuchung der Gewerbestruktur der Untersuchungsräume sowie zur Analyse der Art und Verbreitung der Migrantenökonomien wurde eine quantitative und qualitative Kartierung des Gewerbes vorgenommen. Dafür wurden in beiden Untersuchungsräumen zwei repräsentative Straßenabschnitte gewählt, in denen sich die höchste Geschäftsdichte befindet und wie in den Experteninterviews ermittelt werden konnte, sich die grundlegendsten strukturellen Veränderungen vollzogen haben und die größten Differenzen hinsichtlich des Qualitätsniveaus bestehen. Bei der Bestandsaufnahme wurden die straßenseitigen Erdgeschossnutzungen kartiert, da die dort ansässigen Stadtteil- und Quartiersbetriebe den größten Einfluss auf die Angebotsstruktur, die Nutzungsvielfalt und die Wirkung auf das Straßenbild aufweisen. Bei der quantitativen Gewerbeerhebung wurden die Geschäfte nach Branchen kategorisiert. (s.Abb.5)
Abb. 5 Brancheneinteilung der Stadtteil- und Quartiersbetriebe. Quelle: Eigene Darstellung nach Steg 2003
Die Einteilung der Branchen erfolgte in Anlehnung an die Unterteilungen des Gewerbekatasters der Steg. (vgl. Steg 2003) Zum Ein-zelhandel des täglichen Bedarfs gehören neben Lebensmittelgeschäften u.a. auch Drogeriemärkte, Bäcker und Kioske. Personbezogene Dienstleistungen sind neben Frisören auch Wettbüros, Spielhallen und Call-Shops. Die Unterscheidungen in der Gastronomie wurden anhand des Angebotes und der Ausstattung vorgenommen. So werden zu der Un-terkategorie „Kneipe“ ausschließlich Betriebe gezählt, die nur Getränke und keine Nahrungsmittel anbieten, während in Cafés und Bars ebenfalls Essen gereicht wird, ihre Primärfunktion jedoch im Konsumieren von Getränken liegt.
Über die Kartierung der Branche, die in den meisten Fällen von außen absehbar war, wurde ebenfalls die Nationalität des Inhabers kartiert. Da aufgrund der vorherigen Auseinandersetzung mit Migrantenökonomien davon auszugehen war, dass die äußere Erscheinung eines Geschäftes nur bedingt einen Rückschluss über die Nationalität des Inhabers zulässt, wurde eine direkte Befragung der Mitarbeiter/Inhaber bezüglich des Migrationshintergrundes des Unternehmers vorgezogen. Mit der vielfach misstrauischen, abweisenden und z.T auch feindseligen Reaktion auf die Nachfrage wurde in der Form nicht gerechnet. Dies erschwerte die Forschungsarbeit und erhöhte den zeitlich und emotionalen Aufwand der Erhebung ungemein.
Mit der qualitativen Kartierung wurde die Qualität der vorhandenen Gewerbe in den Untersuchungsräumen dokumentiert, um so ihre Funktionen und Wirkungen auf das Quartier und seine Bewohner analysieren zu können. Daher erfolgte eine Einteilung nicht nur nach Branche und Nationalität, sondern ebenfalls nach qualitativen Gesichtspunkten. Dabei wurde die Angebots- und Versorgungsqualität, die äußere Erscheinung
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und die Zielgruppe des Geschäftes anhand der folgenden Fragen analysiert. (s.Abb.6)
Über eine Bewertung der Angebots- und Versorgungsqualität und der äußeren Erscheinung wurden die Geschäfte den Qualitätskategorien niedrig, mittel und höher zugeordnet. (s.Abb.7)
Abb. 7 Qualitätskategorien und Milieuzuordnung des Gewerbes. Quelle: Eigene Darstellung
Neben der Angebots- und Versorgungsqualität und der äußeren Erscheinung wurde anhand der Fragestellungen erörtert, ob sich die Geschäfte einer bestimmten Zielgruppe zuordnen lassen. Anhand der jeweiligen Auseinandersetzungen mit den Entwicklungen der
Untersuchungsräume und den Expertengesprächen konnte das Vorhandensein unterschiedlicher Milieus in den Untersuchungsräumen ermittelt werden, zu denen sich über die Analyse der Zielgruppe bestimmte Unternehmen zuordnen ließen.
Anhand der qualitativen und quantitativen Kartierung der deutschen und migrantischen Stadtteil- und Quartiersbetriebe können Aussagen über die Funktionen und Wirkungsweisen beider Unternehmenstypen im Quartier analysiert werden.
1.
Migrantenökonomie zwischen Nische und Markt
„Der Döner Kebab hat mehr zur Integration der Türken in Deutschland beigetragen als alle Bemühungen von Intellektuellen.“ (Seidel 2001) Die Entstehung von Migrantenökonomie in Deutschland begann mit der Arbeitskräfteanwerbung in den 1950er Jahren. Mit den Anwerbevereinbarungen wurde die systematische Zuwanderung nach Deutschland eingeleitet, die auch nach Beendigung der Anwerbung 1973 bis heute fortbesteht. Seit Anfang der 1980er Jahre nimmt die Selbstständigkeit unter der ausländischen Bevölkerung kontinuierlich zu und verstärkt sich weiter seit der geänderten Gesetzgebung 1 Anfang der 1990er Jahre. (vgl. Goldberg/Sen 1997: 65)
Heute sind Migrantenökonomien zu einem charakteristischen Merkmal deutscher Großstädte geworden. Mit ihren Angeboten im Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistungen erweitern sie die städtische Angebots- und Nutzungsvielfalt und prägen das Konsumverhalten der Städter ebenso wie das Warensortiment der Supermärkte. Die Verbreitung von Migrantenökonomien beschränkt sich nicht mehr auf einzelne Stadträume, sondern hat sich nahezu auf das gesamte Stadtgebiet ausgeweitet. Im Zuge dessen haben sich die Betriebe hinsichtlich Branche und Qualität differenziert entwickelt und weisen eine Vielzahl von Erscheinungs-formen auf.
1.1 Bedeutungsgewinn der Migrantenökonomie
Trotz ihrer langen Entstehungsgeschichte und weiten Verbreitung sind Migrantenökonomien in Deutschland ein aus wirtschafts- und kommunalwissenschaftlicher Sicht sehr junges Forschungsthema. Erst ab Mitte der 1990er Jahre wurde in Deutschland begonnen sich intensiv mit der Thematik zu befassen. Vor dem Hintergrund der Verfestigung von struktureller Arbeitslosigkeit von Migranten und deren räumliche Konzentration wurde festgestellt, dass sich die ausländischen Selbstständigen aus ihrer ethnischen Nische gelöst und zu Anbietern von Arbeitsplätzen entwickelt haben. (vgl. Floeting u.a. 2005: 3) In dem Zusammenhang wurde der besondere Charakter der Migrantenökonomie durch ihre Einbettung in wirtschaftliche und sozio-kulturelle Zusammenhänge für die Integration von Zuwanderern entdeckt. Neben ihrem ökonomischen Nutzen als Arbeits- und Ausbildungsplatzgeber (vgl. ifm 2005) sind es gerade die sozialen Funktionen, welche die Migrantenökonomie zu einem wichtigen Forschungs- und Handlungsfeld für kommunale Akteure gemacht haben. In Anbetracht der anhaltenden und gerade wieder hochaktuellen Diskussion um Integration und die Entstehung von „Parallelgesellschaften“ wird vor allem die integrative Wirkung von Migrantenökonomie thematisiert. (vgl. Schuleri-Hartje 2005) Damit ging eine Neubewertung und veränderte Wahrnehmung von Migrantenökonomie einher. Die Sichtweise einer Nischen- und Armutsökonomie wandelte sich hin zu einem „ernstzunehmenden Faktor lokaler Ökonomie“ (Leicht 2005b).
1 Durch die geänderte Regelung des Aufenthaltsstatus für Nicht-EU-Bürger seit dem 01.01.1991 verbessern sich für viele Migranten die rechtlichen Rahmenbedingungen zur Aufnahme einer Selbstständigkeit. Anfang der 1960er Jahre hatten nur wenige Türken einen gesicherten Aufenthaltsstatus, wodurch die Möglichkeiten einer Existenzgründung stark eingeschränkt waren. (vgl. BMI 2006)
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1.2 Strukturelle Merkmale und Besonderheiten
Die Migrantenökonomie in Deutschland stellt einen sehr dynamischen und stark zunehmenden Wirtschaftszweig dar. Mit 286.000 ausländischen Unternehmern stellen die Migranten 7% der Selbstständigen in Deutschland und verzeichnen einen Gesamtumsatz von rund 44 Mrd. Euro. Mit über 600.000 Beschäftigten stellen sie 3-4% aller Arbeitsplätze in Deutschland. (vgl. ifm 2005: 13)
Die größten Gruppen selbstständiger Migranten stellen die Italiener mit 16%, die Türken mit 15% und die Griechen mit 9% Anteil an der Migrantenökonomie in Deutschland dar. (vgl. ifm 2005: 5) Die Griechen und Italiener sind mit rund 50% der unternehmerischen Tätigkeit stark auf den gastronomischen Bereich fixiert, während nur ein Drittel der Türken dort aktiv ist. Türkische Unternehmer sind stärker auf die Handelsbranche sowie personen- und haushaltsorientierte Dienstleistungen ausgerichtet. (vgl. Burgbacher 2004: 17f). Die Türken, Griechen und Italiener sind sowohl im handwerklichen Bereich als auch bei den unternehmensnahen und freiberuflichen Dienstleistungen stark unterrepräsentiert. (vgl. ifm 2005: 12) Die größten Betriebe befinden sich in den Branchen verarbeitendes Gewerbe, Großhandel und Gastronomie; die kleinsten Unternehmen sind Einzelhandelsbetriebe. (vgl. Burgbacher 2004: 19)
Insgesamt weisen die Migrantenökonomien eine starke Heterogenität auf. Branchenverteilung, Bildungsgrad, Gründungsalter, Nutzung von Förderung und Beratung, sozialem Kapital und Grad der Ethnisierung hängen stark von der jeweiligen Nationalität und ihrer Einwanderungsgeschichte nach Deutschland ab. Verallgemeinernde Aussagen zu „der“ Migrantenökonomie können auch aufgrund des begrenzten Datenmaterials demnach nicht getroffen werden.
1.3 Definition und Begriffsabgrenzung
Der Begriff der „Migrantenökonomie“ wird in der Literatur synonym und zum Teil überschneidend mit den Termini „ethnische Ökonomie“, „Zuwanderer-Ökonomie“ oder „Migrationsökonomie“ verwendet. Die Definitionen, die hinter den Formulierungen stehen, weichen in Abhängigkeit der Autoren graduell voneinander ab. Zur Vereinfachung und Vermeidung von Begriffsüberschneidung und Irritationen wird in der Arbeit ausschließlich der Begriff „Migrantenökonomie“ verwendet, der folgend definiert wird. Von der Vielzahl der unterschiedlichen, zum Teil unklar abgegrenzten Definitionen wird die für die vorliegende Untersuchung wesentliche Variante vorgestellt und daraus eine eigene Begriffseingrenzung abgeleitet.
Vorherrschend in der sozioökonomischen Diskussion ist die Definition von Migrantenökonomie nach FLOETING / HENCKEL vom Deutschen Institut für Urbanistik. Sie definieren „ethnische Ökonomie“ als „selbst- ständigeErwerbstätigkeit von Personen mit Migrationshintergrund in Deutschland und abhängige Beschäftigung in von Personen mit Migrationshintergrund geführten Betrieben (...), die in einem spezifischen Migrantenmilieu verwurzelt sind.“ (Floeting/Henckel 2003: 68, ebs.: Floeting u.a. 2005: 3; Schuleri-Hartje u.a. 2005: 21) Durch den von den Autoren gewählten Begriff der „ethnischen Ökonomie“ und den als Bedingung eingeschlossenen Bezug zu einem „spezifischen Migrantenmilieu“ wird der Fokus von vornherein auf kulturelle Besonderheiten dieser Unternehmensform gelegt und diese vorab zur Bedingung und damit zur Eigenschaft des Untersuchungsge- genstands gemacht. Damit werden per Definition Teile der selbstständi-
gen Tätigkeit von Migranten von der Betrachtung und Forschung ausgeschlossen.
Um dies zu vermeiden wird folgend jede Form der selbstständigen Erwerbstätigkeit von Migranten und Personen mit Migrationshintergrund unter dem Begriff der Migrantenökonomie zusammengefasst. Die Angestellten von Migrantenunternehmen, die „abhängige Beschäftigung in von Personen mit Migrationshintergrund geführten Betrieben“, (Floeting/Henckel 2003: 68) werden ebenfalls als Teil der Migrantenökonomie verstanden. Da die Migrantenökonomie hinsichtlich ihrer Wirkung auf die Quartiersentwicklung analysiert wird, stehen der räumliche Bezug der Betriebe und ihre lokale Eingebundenheit im Vordergrund der Untersuchung. Unter-suchungsgegenstand sind demnach Stadtteil- und Quartiersbetriebe, die von Personen mit Migrationshintergrund geführt werden. Die Einbettung in ein ethnisches Milieu und die Ausprägung kultureller und ethnischer Besonderheiten werden nicht von vornherein als konstituierender Bestandteil der Migrantenökonomie verstanden. Vielmehr stellen der Grad der „Ethnisierung“ der Migrantenökonomien und ihre Auswirkungen auf die Entwicklung von Unternehmen und Quartier einen wesentlichen Schwerpunkt der vorliegenden Forschungsarbeit dar. Daher wird ausschließlich der Begriff „Migrantenökonomie“ oder „Migrationsökonomie“ verwendet. Die Bezeichnung „ethnische Ökonomie“ bleibt Un-ternehmensformen vorbehalten, die vordergründig und nachweislich durch ethnische Faktoren in ihrer Struktur und unternehmerischen Handeln geprägt sind.
1.4 Entstehungstheorien und Erklärungsansätze Um zu analysieren, wie sich Migrantenbetriebe in Quartieren entwickeln und welche Rolle dem spezifischen Quartiersmilieu sowie dem unternehmerischen Denken und Handeln zukommt, werden einleitend die in der sozio-ökonomischen Literatur vorherrschenden Entstehungstheorien und Erklärungsansätze von Migrantenökonomien vorgestellt. Anhand der strukturellen Daten, die neben den qualitativen Zugängen der Theorie einen quantitativen Überblick über Wesen und Verbreitung der Migrantenökonomie in Deutschland vermitteln, werden die Entste-hungstheorien und Erklärungsansätze hinsichtlich ihrer Aussagekraft analysiert. Anhand der bewerteten Erklärungsansätze werden erste Einschätzungen des unternehmerischen Denkens und Handelns der Migrantenunternehmer vorgenommen sowie ihre mögliche Beeinflussbarkeit gegenüber äußeren Einflüssen abgeleitet. In der Literatur lassen sich kulturelle und strukturelle Erklärungsansätze unterscheiden. Kulturelle Erklärungsansätze „heben die Besonderheiten „Ethnischer Ökonomie“ hervor und machen ihre Entstehung und Funktionsweise an kulturellen Besonderheiten der ethnischen Gruppe fest.“ (Fischer 2001: 30) Zu ihnen lassen sich das Kulturmodell und der Ressourcenansatz zählen. Strukturelle Erklärungsmodelle leiten hingegen die Entstehung und Funktionsweise aus den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ab, die Betriebsgründungen von Migranten fördern oder erschweren. Zu ihnen werden das Ergänzungs- bzw. Nischenmodell sowie das Reaktionsmodell gerechnet. Der Interaktionsansatz versucht hingegen ethnische und strukturelle Ansätze zu verknüpfen. (vgl. u.a. Goldberg/Sen 1997: 66ff; Hillmann 2001: 43; Fischer 2001: 35ff; Floeting/Henckel 2003: 72f; Schuleri-Hartje u.a. 2005: 23ff)
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Das Kulturmodell setzt als Erklärungsansatz bei den kulturellen Unterschieden an, die zwischen Herkunfts- und Aufnahmeland bestehen. So werden die Werte und kulturellen Normen der Zuwanderer, die sie aus ihrem Herkunftsland importieren, als ausschlaggebend für ihr wirtschaftliches Verhalten in der Aufnahmegesellschaft gesehen. Ausländische Selbstständigkeit wird als ein „Festhalten an traditionellen Verhaltensweisen (…) aus der Herkunftsregion“ und einer so genannten „Basar-Mentalität“ erklärt. (Wiebe 1984: 325; zit. in: Golberg/Sen 1997: 69) Demzufolge haben bestimmte Kulturen eher Präferenzen für selbstständige Geschäftsaktivitäten als andere. (vgl. Fischer 2001: 31) Die Studie der Schader-Stiftung und des Difu belegen diese Annahme damit, dass die Selbstständigenquote in Griechenland und der Türkei Ende der 1990er Jahre bei rund 30% und in Italien bei 25% lag, während in Deutschland nur 10% Selbstständige waren. Aus diesen statistischen Werten wird eine „Mentalität der Selbstständigkeit“ abgeleitet. (vgl. Schuleri-Hartje 2005: 25) Die Kritik am Kulturmodell beruht auf der Einseitigkeit des Erklärungsversuches, ausländische Selbstständigkeit anhand den vom Aufnahme-land abweichenden kulturellen Werten und Normen abzuleiten. Andere Faktoren wie die strukturelle Situation im Aufnahmeland in rechtlicher, ökonomischer und sozialer Hinsicht sowie individuelle Handlungsmotive werden nicht berücksichtigt. Daher reicht auch eine reine Gegenüberstellung der Selbstständigenquote in ausgewählten Ländern nicht aus, um eine „Mentalität der Selbstständigkeit“ nachzuweisen, wenn die divergierende gesamtgesellschaftliche Situation in den Ländern nicht in die Betrachtungen mit einbezogen wird. „Das Kulturmodell beruht auf einer fest gefügten, von dem Herkunftsland bestimmten und unveränderbaren Kultur, die daher auch eine durch Erfahrungen in der Aufnahmegesellschaft bedingte Verhaltensänderung, wirtschaftliche Neuorientierung etc. nicht erwarten läst.“ (Goldberg/Sen 1997: 69) Somit wird von dem Modell weder eine unterschiedliche Branchenwahl noch das unternehmerische Verhalten der zweiten Generation von Migranten erklärt. (vgl. Goldberg/Sen 1997: 69f; Schuleri-Hartje u.a 2005: 26) Das Modell weist allein für sich genommen einen geringen Erklärungswert hinsichtlich der Entstehungs- und der Funktionsweise von Migrantenökonomien auf.
Im Ressourcenansatz finden sich weniger zugespitzt Hinweise darauf, dass die kulturelle Prägung des Herkunftslandes Auswirkungen auf die unternehmerischen Aktivitäten von Zuwanderern besitzt. Es wird davon ausgegangen, dass innerhalb einer ethnischen Community spezifische, ethnische Ressourcen vorhanden sind, die für die Unternehmensgründung und -Führung genutzt werden. „Ethnische Ressourcen“ werden von den Anhängern dieses Erklärungsansatzes als zentrale Faktoren bei der Entstehung und Etablierung von Migrantenunternehmen angesehen. Als Ressourcen werden alle Formen von Solidarität und gegenseitiger Unterstützung z.B. in sozialer oder finanzieller Hinsicht, spezifische ethnische Traditionen und Werte wie Arbeitstugend und Konsumgewohnheiten, aber auch Ehre, Vertrauen, Solidarität und Loyalität sowie spezifische, ethnisch kooperative Strukturen in der Wirtschaftstätigkeit bezeichnet. Besonders der stärkere Familienverbund, der für die Rekrutierung von Arbeitskräften und im Zuge der Kapitalbeschaffung genutzt werden kann, wird als ethnisches Merkmal betrachtet. Als typische Beispiele des Ressourcenansatzes dienen der Handel mit ethnischen Waren oder das Angebot von ethnischen Speisen und Getränken, da die Migranten in diesem Fall direkt von ihren ethnischen Spezifika profitie- ren können. (vgl. u.a. Goldberg/Sen 1997: 69; Fischer 2001: 33)
Arbeit zitieren:
Anna Becker, 2006, Quartiersentwicklung mit Migrantenökonomie - die Entwicklung von Migrantenökonomie im Quartier, München, GRIN Verlag GmbH
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