Inhalt
1. Einleitung. 3
2. Die Mutterrolle im Wandel der Geschichte. 3
3. Das Frauenbild der Nationalsozialisten 4
3.1 Das allgemeine Frauenbild 5
3.2 Das Bild der „deutschen Mutter“ 6
4. Der Mutterkult im Dritten Reich und die Mittel seiner Umsetzung. 7
4.1 Deutsches Frauenwerk 7
4.2 Ehestandsdarlehen 8
4.3 Muttertag 9
4.3.1 Kurze Geschichte des Muttertags 9
4.3.2 Der Muttertag und seine Instrumentalisierung im
Nationalsozialismus S. 9
4.4 „Ehrenkreuz der deutschen Mutter“ 11
4.4.1 Die „Schlachten“-Metapher 11
4.4.2 Voraussetzungen für den Erhalt des Mutterkreuzes 12
4.4.3 „Kaninchenorden“ - Das Mutterkreuz im Volksmund 13
4.4.4 Das Mutterkreuz als Kontrollinstrument und
Repressionsmittel S. 14
4.5 Die Sonderrolle der SS 15
5. Schlussbemerkung -
Erfolg des nationalsozialistischen Mutterkultes 16
Literaturverzeichnis S. 18
Anhang
2
1. Einleitung
Denkt man an das Mutterbild des Nationalsozialismus, so fällt einem unweigerlich das „Mutterkreuz“ als Prämie für viele Kinder ein. Auch die Vorbilder populärer Nazi-Frauen wie Magda GOEBBELS mit ihren sieben Kindern kommen einem in den Sinn. Aber war eine hohe Zahl an Kindern schon alles, was die Nationalsozialisten von einer guten Mutter erwarteten? Und kann das bloße Viel-Gebären schon als ein politischer Akt gelten?
In dieser Arbeit soll eingebettet in ein Konzept von Mütterlichkeit als sozialer Konstruktion gezeigt werden, wie grundlegend der Mutterkult der Nationalsozialisten für die Rolle der Frau in der damaligen Zeit war. Ich werde mich besonders auf die Mittel konzentrieren, die die NS-Führung zum Erreichen ihrer politischen Ziele einsetzte. Es soll deutlich werden, welch wichtigen Stellenwert der Mutterkult in seiner Verflechtung mit der Gesamtideologie des Nationalsozialismus einnahm.
2. Die Mutterrolle im Wandel der Geschichte
So selbstverständlich und natürlich, wie es uns erscheint, ist unsere Vorstellung einer Verbindung von Muttersein und Mutterliebe mitnichten. Selbst in unserer eigenen Kultur entwickelte sich dieses Verständnis von Mutterschaft erst spät. Die Erwartungen der Gesellschaft an die einzelne Frau in ihrer Rolle als Mutter sind eng mit politischen, ökonomischen und sozialen Bedingungen und Entwicklungen verknüpft. Mit der Aufklärung setzte auch bezüglich des Frauen- und Mutterbildes eine Entwicklung ein, die in verhältnismäßig kurzer Zeit zu einem tiefgreifenden und bis heute andauernden Wandel führte.
In vorindustrieller Zeit war eine über die bloße Versorgung hinausgehende, emotional aufgeladene Form der Bindung zwischen Mutter und Kind nicht üblich, da die Frau aus ökonomischen Gründen gar keine Zeit hatte, sich näher mit dem Kind zu beschäftigen und die hohe Kindersterblichkeitsrate zudem eine innige Beziehung als emotional ‚unökonomisch‘ erscheinen ließ. Die Frau war noch nicht auf das Haus und die Rolle als Mutter beschränkt, sondern war vollwertige Arbeitskraft neben dem Mann, die zum Unterhalt der Familie beizutragen hatte.
3
Für die Aufzucht der Kinder war jede andere Person genauso gut wie die leibliche Mutter geeignet. 1
Im Zuge der umfassenden politischen, wirtschaftlichen und sozialen Umwälzungen des 18. und 19. Jahrhunderts - Aufklärung, Französische Revolution, Industrialisierung, Aufstieg des Bürgertums - konnten sich auch die Anforderungen, die man an das Verhältnis zwischen Mutter und Kind stellte, weitreichend verändern. Durch die wirtschaftliche Möglichkeit des Bürgertums, dass nur der Mann durch Erwerbsarbeit die ganze Familie versorgte, wurde die Frau ins Haus zurückgedrängt. Fortan war ihre einzige Aufgabe das Gebären und Aufziehen von Kindern. Der Begriff „Mutterliebe“ entstand erstmals und wurde schnell verknüpft mit Begriffen wie „Aufopferung“ und „freudiger Hingabe“. 2 Auch die aufkommende Praxis der Liebes- oder doch wenigstens Neigungsheirat machte die hingebungsvolle Aufopferung an die „Früchte der Liebe“ zur Pflicht. 3 Mit der Durchsetzung der bürgerlichen Lebensformen und Werte wurde diese Frauenrolle im Laufe des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts auf die gesamte Gesellschaft übertragen. 4 Auch Arbeiterinnen und Bäuerinnen sollten ihre vermeintlich natürliche Aufgabe nun darin sehen, sich in liebevoller Hingabe um ihre Kinder zu kümmern - was aufgrund ihrer ökonomischen Situation zu einem Konflikt zwischen Rollenerwartung und Realität führen musste. Die Erwartungen, die die Gesellschaft den Frauen entgegenbrachte, entwickelten sich in einer - bis heute - andauernden Linie immer weiter und waren bis zum Ende der Weimarer Republik tief in den Köpfen der Menschen verwurzelt.
3. Das Frauenbild der Nationalsozialisten
Betrachtet man das Frauenbild der Nationalsozialisten, so muss man bedenken, dass dies nicht als genuine, plötzliche Erfindung zu sehen ist, sondern sich als Kontinuität der traditionellen Rollenvorstellungen darstellt. Die Nationalsozialisten erweiterten das vorhandene Frauenbild lediglich um ihre spezifisch rasseideologischen Komponenten, während sie das Verständnis von der
1 vgl. STEIN/SPROLL, S. 6 ff; LANDWEER, S. 13 ff.
2 vgl. STEIN/SPROLL, S. 16; LANDWEER, S. 14 f.
3 vgl. STEIN/SPROLL, S. 16.
4 vgl. STEIN/SPROLL, S. 19 f, 25 f.
4
Bestimmung der Frau als Hausfrau und Mutter als herrschenden Konsens in der Gesellschaft aufgreifen und fortführen konnten.
3.1 Das allgemeine Frauenbild
Die Nationalsozialisten erweiterten das traditionelle bürgerliche Rollenbild der „passiven, aufopfernden und untertänigen Hausmutter“ 5 um die Funktion der Frau als „Erhalterin der arischen Rasse“. Die Zukunft des deutschen Volkes wurde so in die Verantwortung der Frau gelegt, deren einzige Aufgabe das Gebären von möglichst vielen, „rassenreinen“ Kindern - am besten Söhnen - war. HITLER selbst erklärte 1934 in einer Rede: „Das Programm unserer nationalsozialistischen Frauenbewegung [enthält] eigentlich nur einen einzigen Punkt, und dieser Punkt heißt: das Kind […].“ 6 Daher galt „[e]ine Frau, die keine Kinder hatte oder wollte, […] nicht als richtige Frau […].“ 7
Das Frauenbild der Nationalsozialisten war also ausschließlich ein Mutterbild, welches vollkommen im Dienste der politischen Ideologie stand. Einzig angemessener Beruf und gleichzeitig Berufung der Frau war somit die Ehe, deren alleiniger Zweck die Fortpflanzung und nicht das individuelle Glück der Partner war. Sie war als „Grundlage und Keimzelle der Volksgemeinschaft“ in höchstem Maße politisch. 8 Logische Konsequenz aus der Auffassung der Ehe als „Fortpflanzungsgemeinschaft“ war, dass der Zugang zu Verhütungsmitteln im Dritten Reich erschwert wurde, Abtreibung eine schwere Straftat war (ab 1943 stand darauf die Todesstrafe!) und mangelnder Wille zur Fortpflanzung bzw. Unfruchtbarkeit zum Scheidungsgrund erklärt wurde. 9 Gleichzeitig wurde Sexualität - vor allem bei der Frau - nur auf den Zeugungsaspekt beschränkt. 10 Musste eine Frau aus finanziellen Gründen doch einer Erwerbstätigkeit nachgehen, so waren für die Nationalsozialisten nur „weibliche“ Berufsfelder wie Pflege, Erziehung, Hauswirtschaft o.ä. akzeptabel, da sie die Frau bzw. das junge Mädchen vor der Heirat auf die Mutterrolle vorbereiteten. 11 Das von den
5 MUES, S. 9.
6 zit. nach MICKEL/WIEGAND, S. 354.
7 WEYRATHER, S. 17.
8 vgl. MÜHLFELD /SCHÖNWEISS, S. 50.
9 vgl. ORTMANN, Kap. 3.3.1.
10 vgl. DAMMER, S. 234.
11 vgl. WITTMANN, S. 36 ff.
5
Nationalsozialisten propagierte Idealbild der Frau war „die ‚deutsche‘ Bäuerin mit zehn Kindern“ 12 . 13
3.2 Das Bild der „deutschen Mutter“
Die Reduktion der Frau auf ihre Rolle als Mutter wurde von den Nationalsozialisten extrem positiv dargestellt: nicht als Abwertung, sondern als immense Aufwertung und Quasi-Religion. Die viel beschworene „deutsche Mutter“ war ein beinahe übernatürliches Wesen, dass sich in hingebungsvoller Liebe für ihre Kinder (und ihren Mann) aufopferte. Dies wurde immer wieder unglaublich pathetisch, wenn nicht gar schwülstig betont. Eine zeitgenössische Autorin dazu: „Erhaben über alle materialistische Wertung gibt die deutsche Mutter dem Begriff der Mütterlichkeit einen fast übernatürlichen Sinn. Muttersein umfaßt nicht nur das Leibliche, sondern in vollem Umfange auch das geistige Muttersein und Mutterwerden.“ 14 In den Augen der Nationalsozialisten war „Mutterschaft […] keine private und persönliche Angelegenheit mehr, sondern Staatsangelegenheit und religiöse Handlung zugleich.“ 15 Es ist anzunehmen, dass unabhängig vom politischen Hintergrund viele Frauen diese vermeintliche Aufwertung dankbar annahmen, da die Nationalsozialisten „[d]urch ihre Frauenpolitik […], indem sie Mutterschaft und Opferbereitschaft der Frauen belobigten und mystifizierten, den wunden Punkt des Frauseins [trafen]. Das, was Frauen sowieso unbeachtet zu tun hatten: Kinder gebären, Hausarbeit verrichten etc., erfuhr eine offizielle, wenn auch nur scheinbare Anerkennung“ 16 - zumal immer wieder betont wurde, dass die Frau keinesfalls schlechter sei als der Mann, sondern nur vollkommene andere Aufgaben im Rahmen der funktionierenden Volksgemeinschaft habe; der Kooperationsaspekt wurde in den Vordergrund gerückt. 17 Dass die Frau trotz dieser Überhöhung nur Mittel zum Sohn und demzufolge die Tochter nur Mittel zu zukünftigen Söhnen war 18 - und damit im Grunde eben doch weniger wert -, blieb in der Öffentlichkeit in dieser Explizitheit unausgesprochen.
12 WEYRATHER, S. 17.
13 Hierzu eine Abbildung im Anhang: Adolf WISSEL: Kalenberger Bauernfamilie.
14 A. ZÜHLKE: Frauenfrage - Frauenarbeit im Dritten Reich. Leipzig, 1934, S. 10 f, zit. nach
MÜHLFELD/SCHÖNWEISS, S. 128.
15 WEYRATHER, S. 7.
16 DAMMER, S. 244.
17 vgl. KRUG, Kap. 3.
18 vgl. WITTMANN, S. 39.
6
Arbeit zitieren:
Katrin Naujokat, 2003, Das Mutterbild des Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag GmbH
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