Gliederung
1. Einleitung 1
2. Geschichte der skandinavischen Wohlfahrtsstaaten 1
2.1. Entstehung und Entwicklung bis Mitte der 90er Jahre. 1
2.2. Situation nach den Reformen von 1994 bis heute 4
3. Der Arbeitsmarkt und seine Besonderheiten in Schweden 4
3.1. Grundprinzipien des Modells des „Volksheims“ 4
3.2. Passive Arbeitsmarktpolitik 5
3.3. Aktive Arbeitsmarktpolitik. 7
4. Ausblick 10
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1. Einleitung
Die ständig ansteigende hohe Arbeitslosigkeit stellt seit Jahren eines der größten Probleme aller OECD Länder dar. Betrug die durchschnittliche Arbeitslosenquote aller OECD Länder 1973 noch 3 Prozent, so stieg diese auf durchschnittlich 7,8% im Jahr 1993, konnte jedoch bis Ende der 90er Jahre wieder auf durchschnittliche 6,2% gesenkt werden. (HELLSTRÖM (2006), S. 314)
Mit der Unterzeichung des „Nationale[n] Aktionsplan[s] für Beschäftigte“ im Jahr 2000 (BERTELSMANN STIFTUNG (2000), S. 172) setzt der schwedische Staat die über 100jährige lange Tradition beim Einsatz von Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik (AAMP) fort. Besonders angesichts der demografischen Entwicklungen und der generell schwachen konjunkturellen Lage Mitte der 90er Jahre, die zu einem plötzlichen und steilen Anstieg der Arbeitslosenzahlen in Skandinavien führte, standen und stehen noch immer die Mittel der AAMP im Zentrum der Politik. (HELLSTRÖM (2006), S. 314)
Nicht zuletzt der Erfolg der skandinavischen Politik macht diese zu einem Denkmodell ganz Europas. Die politische Erfahrung mit den Effekten von AAMP und deren Wirkungsweise auf die einbezogenen Arbeitslosen sollen hier in wesentlichen Grundzügen dargestellt werden.
2. Geschichte der skandinavischen Wohlfahrtsstaaten
2.1. Entstehung und Entwicklung bis Mitte der 90er Jahre
Die lange Tradition der AAMP begann in Schweden schon im Jahre 1906 mit der Errichtung des ersten öffentlichen Arbeitsamts als ein Element des ersten Sozialvertrags (FRIESEL (2006), S. 47), worauf 1918 die ersten Qualifizierungsmaßnahmen für Arbeitslose durchgeführt wurden. (KRÖGER/ VAN SUNTUM (1999), S. 125)
Eine systematische AAMP ist ab den frühen 50er Jahren zu erkennen. Diese Phase ist durch die zwei Ökonomen Rehn und Meidner geprägt, die in ihrem Hauptwerk „Fackföreningsrörelsen och den fulla sysselättningen“ ein gesamtwirtschaftliches Modell entwickelten, welches auf dem Zusammenspiel einer restriktiven, globalen Fiskal-, einer solidarischen Lohn-, einer selektiven Wachstumspolitik und einer forcierten AAMP beruht. Durch die solidarische Lohnpolitik - d.h. gleicher Lohn für Alle - sollen unrentable Unternehmen aus dem Markt gedrängt und so der Strukturwandel beschleunigt werden. Die profitablen Unternehmen profitieren von
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den vergleichsweise günstigen Lohnkosten und können so mögliche Engpässe an qualifizierten Arbeitskräften schneller wieder schließen. Die freigesetzten Arbeitnehmer garantiert man durch Maßnahmen der AAMP und
Lohnkostensubventionen Arbeit und Erwerbseinkommen im privaten Sektor. Das Wachstum der zukunftsträchtigen und gesellschaftlich erwünschten
Bedarfsbereiche wird durch eine restriktive Fiskalpolitik gefördert. (SCHMID (1989), S. 75f.) Das skandinavische Modell des Wohlfahrtsstaates wurde so zum Leitbild für die Sozialpolitik vieler kontinental-europäischer Staaten, da es auf unvergleichliche Weise Vollbeschäftigung mit einer umfassenden sozialen Sicherung und einem geringen Maß an sozialer Ungleichheit vereint. (PFAU-EFFINGER (2004), S. 32)
In den 80er Jahren hatten die meisten europäischen Nationen mit einer steigenden Sockelarbeitslosigkeit zu kämpfen. Die skandinavischen Länder konnten jedoch durch eine aktive Strukturpolitik und eine Re-Konzentierung der Arbeitsmarktpolitik auf marktorientierte Mobilitätsförderung, intensive
Arbeitsvermittlung vor Ort und die Förderung der beruflichen Qualifikation erfolgreich einen stabilen Arbeitsmarkt aufrechterhalten. (SCHMID (1989), S. 76) In Schweden lag die Arbeitslosenquote in diesem Zeitraum zwischen 1,2% und 3,5% und somit auf dem niedrigen Niveau der 60er und 70er Jahre. Die Beveridge-Kurve, also das Verhältnis zwischen Arbeitslosen und freien Stellen, konnte ebenso konstant gehalten werden. (BJÖRKLUND (1996), S. 159)
Ende der 80er Jahre konfrontierte der einsetzende demographische Wandel und der damit einhergehende Wandel der Familienstruktur die skandinavischen Länder ebenso wie die restlichen europäischen Staaten mit neuen Herausforderungen. Gleichzeitig stellte sich eine europaweite Krise in der Wirtschaft und den Arbeitsmärkten ein, die auch in den ehemals so vorbildlichen skandinavischen Ländern, die Arbeitslosigkeit zu einem Massenproblem werden ließen. (PFAU-EFFINGER (2004), S. 33)
So stieg die Arbeitslosenquote in Dänemark und Schweden erstmals auf die durchschnittliche europäische Grenze von knapp unter 10%. Die finnische Arbeitslosenquote, die besonders stark von dem Zusammenbruch seiner ehemaligen Märkte betroffen war, explodierte auf ein Niveau von 16,7%. Weitaus weniger betroffen war Norwegen, die mit 6,1% Arbeitslosen immer noch weit unter dem Durchschnitt der europäischen Staaten lagen. (PFAU-EFFINGER (2004), S. 33)
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Abb.1: Entwicklung der Arbeitslosenquote in skandinavischen Ländern zwischen 1990 und 2003.
Quelle: NOSOSCO (2003), S. 74.
Der Anstieg der Erwerbslosigkeit wird in schwedischen Untersuchungen v.a. auf strukturelle Ursachen zurückgeführt. Hier lassen sich drei Argumente anführen: erstens sei die Lohnersatzrate in Schweden im internationalen Vergleich als hoch einzuschätzen und zweitens könne die Dauer der staatlichen Unterstützung durch die Teilnahme an Programmen der AAMP verlängert werden. Als dritte Ursache werden die gesetzlichen Regelungen zum Kündigungsschutz aufgeführt, die eine Einstellung von Arbeitskräften in Konjunkturaufschwungphasen behindern können. (KRÖGER/ VAN SUNTUM (1999), S. 104)
Als weitere Ursache für den Anstieg der Erwerbslosigkeit lässt sich ein drastischer Beschäftigungsrückgang sowohl in absoluten Zahlen als auch in Relation zu der Wohnbevölkerung feststellen. Von 1991 bis 1994 sank die absolute Zahl der Beschäftigten um ca. 12,5% und der Anteil der Erwerbstätigen an der Gesamtbevölkerung ging von über 83% im Jahr 1990 auf unter 71% im Jahr 1997 zurück. (KRÖGER/ VAN SUNTUM (1999), S. 105f.) So fiel der konjunkturelle Einbruch in Schweden und den skandinavischen Ländern im Vergleich zu den anderen europäischen Ländern stärker aus.
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Arbeit zitieren:
Alexandra Braun, 2006, Arbeitsmärkte in Skandinavien, München, GRIN Verlag GmbH
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