2
Inhalt
1 Einleitung 3
2 Konflikte 5
2.1 Die Ebenen eines Konflikts 5
2.2 Konfliktformen und -ursachen 6
2.3 Das Konflikteskalationsmodell nach Friedrich Glasl 8
2.4 Konflikte aus Sicht der Mediation 10
3 Mediation 11
3.1 Die Grundprinzipien der Mediation 12
3.2 Die Mediationsphasen 13
3.3 Techniken der Gesprächsführung in der Mediation 14
3.4 Mögliche Ergebnisse einer Mediation 17
3.5 Mediation als Lernprozess 18
4 Familienmediation 18
4.1 Anwendungsbereiche der Familienmediation 19
4.2 Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an der Familien
mediation 20
4.2.1 Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in den ver
schiedenen Mediationsphasen 21
4.2.2 Mediationstechniken mit Kindern und Jugendlichen in der
Familienmediation 22
4.3 Ein Fallbeispiel „Familie Knatsch“ 23
4.3.1 Die Ausgangssituation von Familie Knatsch 24
4.3.2 Der Mediationsprozess 24
4.3.3 Die Lösungsoptionen 29
4.4 Familienmediation anstatt Gerichtsverfahren? 30
4.5 Grenzen der Familienmediation 31
5 Fazit 32
6 Quellenverzeichnis 34
3
1 Einleitung
Wie oft sind wir als Menschen in einen Konflikt verwickelt und wie oft meinen wir genau zu wissen was Ursache und Grund für den Konflikt sind und wer der Schuldige ist? Unserem Gegenüber geht es dabei komischerweise meist genauso und so gestaltet sich so mancher Konflikt äußerst schwierig und endet häufig unbefriedigend. Neben den unzähligen Auseinandersetzungen, die wir selbst erfolgreich lösen können, gibt es auch solche die ungelöst bleiben oder sich immer weiter verschlimmern. Dies resultiert meist daraus, dass die Beteiligten nicht wissen, wie sie den Konflikt lösen sollen oder keine akzeptable Lösung finden. Reichen die eigenen Möglichkeiten objektiv oder subjektiv nicht mehr aus um einen Streit beizulegen, so wird die Hilfe Dritter benötigt. Um ein altes Sprichwort etwas abzuändern: Wenn zwei sich streiten, hilft der Dritte. Das ist eine sehr vereinfachte Weise um auszudrücken worum es bei Mediation geht. Eine offizielle Definition von Mediation kann dies genauer verdeutlichen: „Mediation ist ein außergerichtliches interdisziplinäres Verfahren der Konfliktbearbeitung, in dem neutrale Dritte die Konfliktbeteiligten darin unterstützen, ihren Streit einvernehmlich zu lösen“ (www.infomediation.ch o Schweizer Dachverband Mediation).
Gegenstand dieser Arbeit ist die konstruktive Konfliktbearbeitung durch Mediation. Zu Beginn wird demgemäß das Thema Konflikte behandelt. Es werden die Ebenen eines Konflikts dargestellt und geschildert, wie diese den Konflikt und die Konfliktbearbeitung beeinflussen. Anschließend wird aufgezeigt, welche Konfliktformen es gibt und wodurch Konflikte ausgelöst werden können. In einem weiteren Schritt wird das Konflikteskalationsmodell von Friedrich Glasl vorgestellt. Zum Abschluss des Kapitels wird beschrieben, wie Konflikte in der Mediation gesehen werden und wie diese Sichtweise zur konstruktiven Lösung von Konflikten beitragen kann.
Das folgende Kapitel widmet sich der Mediation. Es wird das Konzept der Mediation erläutert und die einzelnen Phasen behandelt. Außerdem werden die Techniken der mediativen Gesprächsführung exemplarisch erläutert und die möglichen Ergebnisse einer Mediation vorgestellt. Im Weiteren wird Mediation als ein Prozess des Lernens und der Weiterentwicklung konzipiert und auf die nachhaltige Wirkung von Mediation hingewiesen.
4
Der dritte Teil der Arbeit befasst sich mit einem speziellen Anwendungsbereich der Mediation
- der Familienmediation. Nachdem beschrieben wurde wo und wie Familienmediation angewendet werden kann, wird besonders auf die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen eingegangen. Hierbei wird die Beteiligung nach den Phasen des Verhandlungsprozesses unterschieden und im Anschluss werden kurz die Mediationstechniken im Umgang mit Kindern und Jugendlichen angesprochen.
Darauf wird der mögliche Ablauf einer Familienmediation an einem selbst ausgedachten Fallbeispiel demonstriert. Hierbei handelt es sich um einen frei erfundenen Konfliktfall der so genannten „Familie Knatsch“. Anhand des Beispiels werden die Phasen der Mediation durchlaufen und erarbeitet, wie eine Lösung für „Familie Knatsch“ aussehen könnte. Im Anschluss wird erörtert inwieweit Familienmediation eine sinnvolle Alternative zum Gerichtsverfahren darstellt. Zum Abschluss werden die Grenzen der Familienmediation aufgezeigt und Ausschlusskriterien für ihren Einsatz formuliert.
5
2 Konflikte
Jeder Mensch ist in seinem Leben in Konflikte involviert. Sie sind unvermeidbar und beeinflussen unser Leben und unseren Alltag mitunter sehr. Manche Konflikte können von den Beteiligten selbst gelöst werden, andere drohen zu eskalieren und bedürfen dem Einschreiten Dritter. Es gibt viele Ursachen für das Entstehen und die Entwicklung von Konflikten, auf die im Folgenden eingegangen werden soll.
2.1 Die Ebenen eines Konflikts
In Abbildung 1 sind die Ebenen eines Konflikts dargestellt. An der Oberfläche befindet sich der Sachkonflikt. Dieser ist für alle sichtbar und stellt dar worum sich offiziell gestritten wird. Im Konflikt selbst äußert sich das in den unterschiedlichen Positionen die eingenommen werden. Meine Position zeigt dem anderen an was ich will und die Position des anderen zeigt mir an was sie/er will. Unter der Oberfläche liegt der Hintergrund des Konfliktes und somit alles, was den Konflikt und dessen Austragung beeinflusst. Dieser ist nicht für alle sichtbar, jedoch umso wichtiger, da er die Antworten darauf enthält warum sich gestritten wird. So zeigen mir meine Gefühle, Interessen, Bedürfnisse etc. warum ich etwas will. Um zu wissen
6
warum der andere etwas will, muss ich wiederum seine Interessen und Bedürfnisse kennen und verstehen. Kenne ich diese jedoch nicht und teilt mein Gegenüber sie mir nicht mit, so bewegen wir uns weiterhin auf der Ebene des Sachkonflikts, auch wenn dieser vielleicht gar nicht das eigentliche Problem darstellt.
In der Gewaltfreien Kommunikation nach Dr. Marshall Rosenberg wird davon ausgegangen, dass jeder Mensch Bedürfnisse hat, die befriedigt werden müssen (vgl. http://www.gewaltfreifrankfurt.de/frame.html, S. 14/15). Sie sind die Motivation für unser Handeln. Unsere Bedürfnisse und Interessen bringen uns also dazu gewisse Positionen einzunehmen und diese zu vertreten. Schwierigkeiten ergeben sich, wenn ein Konflikt über die verschiedenen Positionen ausgehandelt wird, ohne dass die dahinter liegenden Bedürfnisse, Gefühle, etc. beachtet werden, diese den Konflikt aber maßgeblich beeinflussen. Auf diese Art und Weise wird es sehr schwierig eine zufrieden stellende Lösung für alle Beteiligten zu finden. Das ist erst dann möglich, wenn über die Interessen verhandelt wird, denn trotz unterschiedlicher Positionen können die Interessen vereinbar sein und es kann eine Gewinner-Gewinner Lösung (s. Kapitel 3.4) gefunden werden.
Tatsächlich werden Konflikte oft ausgetragen ohne die eigentlichen Interessen zu berücksichtigen. Dies geschieht nicht nur, weil der Gegenüber den Hintergrund des anderen nicht kennt, sondern weil wir uns oft selbst nicht darüber im Klaren sind, welche Aspekte unser Handeln beeinflussen und wieso wir etwas eigentlich wollen. So sind sich Menschen, die sich in einem Konflikt befinden, manchmal gar nicht im Klaren darüber weshalb sie die eine oder andere Position vertreten. Im Mediationsprozess wird versucht den Teilnehmern bewusst zu machen warum etwas für sie selbst oder für den anderen wichtig ist und welches Bedürfnis damit befriedigt werden soll (vgl. Dulabaum, 2003, S.42f.). Das Prinzip der Mediation ist daher: Weg von den Positionen – hin zu den Interessen.
2.2 Konfliktformen und -ursachen
Generell wird zwischen einem intrapersonalen Konflikt, einem Konflikt innerhalb einer Person und einem interpersonalen oder sozialen Konflikt, unterschieden. Intrapersonale Konflikte sind „Konflikte zwischen Lebenszielen, Wertorientierungen, divergierenden Pflichten und Interessen, divergierenden Normorientierungen, divergierenden Einschätzungen Dritter usw.“ (Montada, 2001, S. 62). Sie entstehen zum Beispiel bei der Prioritätenwahl. Immer wenn wir im Leben vor einer wichtigen Entscheidung stehen müssen wir abwägen, welcher Weg der
7
Richtige für uns ist und wo wir unsere Prioritäten setzen. Dabei kann es zur Konkurrenz unterschiedlicher Interessen kommen.
Bsp. Einerseits habe ich meiner Freundin ein schönes Wochenende nur für uns beide
versprochen – andererseits hat mein Kumpel nachgefragt, ob ich ihm spontan beim
Umzug helfen kann und ich hatte ihm doch gesagt, dass er mich jederzeit fragen kann.
Was soll ich jetzt bloß machen?
Bei diesem intrapersonalen Konflikt handelt es sich um einen Konflikt zwischen verschiedenen Pflichten. Das Versprechen gegenüber der Freundin steht im Gegensatz dazu dem Freund zu helfen. Solche Konflikte können für eine Person sehr belastend sein. Nicht zuletzt da die Gefahr besteht, dass sich der Konflikt bei einer „falschen“ Entscheidung zu einem sozialen Konflikt (mit der Freundin oder dem Freund) entwickeln könnte.
Soziale Konflikte entstehen zwischen einzelnen Personen oder „größeren sozialen Einheiten“ (Montada, 2001, S. 63). Diese können von Kleingruppen über große Verbände bis zu Staaten reichen. Ein Konflikt kann hierbei in verschiedenen Kombinationen entstehen, etwa zwischen einer Einzelperson und einem Verband oder zwischen zwei Gruppen etc…. Voraussetzung ist eine gewisse Beziehung zwischen den Beteiligten in der Interaktion und Kommunikation stattfindet. Je mehr Interaktion stattfindet, desto mehr Potential für Konflikte entsteht (vgl. ebd.). Daher ist es nicht verwunderlich, dass es in Partnerschaften und Familien häufig zu Unstimmigkeiten kommt, da dort die Interaktionen normalerweise sehr zahlreich und vielfältig sind.
Zustande kommen soziale Konflikte durch die tatsächliche oder angenommene Unvereinbarkeit von Zielen. Dabei erfährt mindestens eine Seite eine Gefährdung, Behinderung oder Verletzung ihrer Bedürfnisse durch die andere Seite (vgl. S. 67). Die Konfliktgegenstände sind unterschiedlich und unbegrenzt: Unterschiedliche Meinungen oder Ansprüche, verletzende Aussagen, unterschiedliche Wert- oder Glaubensvorstellungen, Beziehungsdefinitionen, Normen, Regeln, Eifersucht, Neid, Verteilung von Gütern, Gerechtigkeitsvorstellungen u.v.a.m…. Jeder Mensch ist im täglichen Leben mit unzähligen sozialen Konflikten direkt oder indirekt konfrontiert. Viele solcher Konflikte können selbständig gelöst werden, es gibt jedoch auch Situationen in denen die Parteien nicht mehr in der Lage sind ihren Konflikt zu klären. In einem solchen Fall kann es zur Eskalation kommen.
Quote paper:
Ines Weihing, 2007, Mediation und Familienmediation - Partner statt Gegner beim Lösen von (familiären) Konflikten, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Mediation zwischen Therapie und Beratung am Beispiel der Trennungs- un...
Pedagogy - Miscellaneous Topics
Termpaper, 20 Pages
Mediation - Allgemeine Grundlagen der Mediation und die Anwendung nach...
Termpaper, 26 Pages
Mediation von Umgangskonflikten bei Trennung und Scheidung
Termpaper, 21 Pages
Bindungstheorie und Bindungsforschung
Bedeutung der Väter als Bindun...
Scholary Paper (Seminar), 18 Pages
"Wir alle spielen Theater" - Wie die menschliche Tragödie ge...
Sociology - Classics and Theoretical Directions
Termpaper, 13 Pages
Personalentwicklung für und durch das Management von Projekten
Business economics - Personnel and Organisation
Scholary Paper (Seminar), 24 Pages
Mediation als Instrument zur Lösung von Konflikten als Alternative zum...
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 20 Pages
Pragmatische Axiome und Störungen menschlicher Kommunikation
Termpaper, 25 Pages
Ästhetik der politischen Farben - Farbenlehre als Mittel der politisch...
Termpaper, 15 Pages
Die Rolle des Mediators in Mediationsverfahren
Sociology - Individual, Groups, Society
Termpaper, 10 Pages
Zu: Paul Watzlawick, Menschliche Kommunikation - Formen und Störungen
Termpaper, 26 Pages
Konfliktbewältigungsstrategien
Business economics - Business Management, Corporate Governance
Termpaper, 18 Pages
Die ökologischen Aspekte des Marketings
Business economics - Marketing, Corporate Communication, CRM, Market Research
Research Paper (Pre-University), 12 Pages
Ines Weihing's text Mediation und Familienmediation - Partner statt Gegner beim Lösen von (familiären) Konflikten is now available as a printed book
Ines Weihing has published the text Mediation und Familienmediation - Partner statt Gegner beim Lösen von (familiären) Konflikten
Ines Weihing has uploaded a new text
Mediation als Wendepunkt in Beziehungen
Hilfreiche Interventionen
Ernst Feistauer, Marcella Zauner-Grois
Schüler und Lehrer im Konflikt
Neue Strategien für ein respek...
Malte Mienert, Heidi Vorholz
Konflikt - Kooperation - Konsens
Über die Mediation hinaus: Das...
Cristina Lenz, Michael Salzer, Friedrich Schwarzinger
0 comments