I Inhaltsverzeichnis
I Inhaltsverzeichnis
I Inhaltsverzeichnis II
II Abbildungsverzeichnis. IV
III Tabellenverzeichnis. IV
IV Abkürzungsverzeichnis V
1 Einleitung 1
1.1 Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit 2
1.2 Vorgehensweise der Untersuchung 2
1.3 Methodik. 3
2 Wirtschaftliche Entwicklung. 4
2.1 Wandel von einer geschlossenen zu einer offenen Volkswirtschaft. 4
2.1.1 Zeit vor der Schuldenkrise 1982 4
2.1.2 Von der Schuldenkrise 1982 zur Finanzkrise 1994 5
2.1.3 Von der Finanzkrise bis heute 8
2.2 Derzeitige gesamtwirtschaftliche Situation. 9
2.2.1 Bruttoinlandsprodukt 10
2.2.2 Arbeitsmarkt 11
2.2.3 Außenwirtschaft 12
2.2.4 Preisniveaustabilität. 14
2.2.5 Zwischenfazit: Gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht. 15
3 Bewertung der Öffnung des Marktes 16
3.1 Makroökonomische Situation. 17
3.2 Abhängigkeit von internationalen Entwicklungen. 18
3.3 Struktur der Wirtschaft 20
3.4 Struktur der Bevölkerung 22
3.4.1 Nachfrage nach qualifizierter Arbeit 23
3.4.2 Angebot an qualifizierten Arbeitskräften. 23
3.4.3 Veränderte Arbeitsmarktbedingungen. 24
3.5 Zwischenfazit: Die Liberalisierung und ihre Auswirkungen. 25
4 Finanzkrise 1994/1995 und Risikobeurteilung. 28
4.1 Wirtschaftspolitische Situation vor der „Tequila-Krise“ 28
4.2 Hintergründe der Finanzkrise 29
4.2.1 Verhalten von Regierung, Zentralbank und Investoren 29
4.2.2 Auswirkung der Dollarisierung 30
4.3 Folgen einer Währungsabwertung in der Theorie. 31
II
I Inhaltsverzeichnis
4.4 Auswirkungen der Währungsabwertung in Mexiko 32
4.5 Reformen im Banken- und Finanzsektor nach der Krise. 34
4.6 Untersuchung der aktuellen Krisenanfälligkeit Mexikos. 35
4.6.1 Indikatoren zur Bewertung der Krisenanfälligkeit eines Landes 35
4.6.2 Beurteilung der relevanten Indikatoren Mexikos 36
5 Wachstumschancen Mexikos. 41
5.1 Wachstumstreiber einer Volkswirtschaft 41
5.1.1 Bevölkerungswachstum 41
5.1.2 Humankapital 42
5.1.3 Investitionsquote 42
5.1.4 Offenheit gegenüber der Weltwirtschaft. 42
5.2 Sektoren mit Erfolgspotentialen. 43
5.3 Herausforderungen 45
6 Deutschland und Mexiko 47
6.1 Wirtschaftliche Beziehungen 47
6.2 Kulturelle Unterschiede und Auswirkungen aufs Geschäftsleben 49
6.2.1 Auswertung der Expertenmeinungen 49
6.2.2 Charakterisierung der Mexikaner 52
6.2.3 Einordnung in die Kulturdimensionen nach Hofstede 54
6.2.4 Einordnung in die Kulturdimensionen nach Trompenaars. 56
6.3 Vergleich der mexikanischen und deutschen Kultur 59
6.4 Ratschläge für einen erfolgreicheren Umgang beider Kulturen. 59
7 Fazit 61
V Literaturverzeichnis VI
VI Anhang XVII
III
II Abbildungsverzeichnis
II Abbildungsverzeichnis
Abbildung 2-1 BIP Wachstum 9
Abbildung 3-1 BIP/Kopf nach Regionen 21
Abbildung 4-1 Veränderung des realen Wechselkurses und der realen Zinsrate 37
Abbildung 4-2 Rating für Mexiko 40
Abbildung 5-1 Wettbewerbsfähigkeit 44
III Tabellenverzeichnis
Tabelle 1 Wichtigste Teilbereiche des mexikanischen Außenhandels (2000-2005) 14
Tabelle 2 Entwicklung der US-Importe nach Exportländern 19
Tabelle 3 Ausländische Direktinvestitionen in Mexiko 48
Tabelle 4 Deutsche und mexikanische Kulturstandards 59
IV
IV Abkürzungsverzeichnis
IV Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung Bd. Band
BIP Bruttoinlandsproduktes BIZ Bank für Internationale Zusammenarbeit BCR Business Competitive Ranking BFAI Bundesanstalt für Außenwirtschaft BMZ Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung BNE Bruttonationaleinkommen bspw. beispielsweise bzw. beziehungsweise ca. zirka CIA Central Intelligence Agency DCRI Deka Country Risk Indicator ed. editor (engl. für Herausgeber) engl. Englisch et al. et alii (lateinisch für und weitere) f. folgende ff. fortfolgende F&E Forschung und Entwicklung FAZ Frankfurter Allgemeine Zeitung FDI Foreign Direct Investment Formel-G Foresight Model for Evaluating Long-term Growth GATT General Agreement on Tariffs and Trade GCI Growth Competitiveness Index GCR Global Competitiveness Report HDI Human Development Index Hrsg. Herausgeber i.A. in Anlehnung IWF Internationaler Währungsfond Jg. Jahrgang MCI Monetary Conditions Index Mio. Millionen Mrd. Milliarden NAFTA North American Free Trade Area
V
IV Abkürzungsverzeichnis
no. number (engl. für Nummer) Nr. Nummer NPL nonperforming loans (engl. für Not leidende Kredite) OECD Organisation for Economic Cooperation and Development p.a. per annum (lateinisch für pro Jahr) PAN Partido Acción Nacional PEMEX Petroléos Mexicanos PRI Partido Revolucionario Institucional p. page (engl. für Seite) pp. pages (engl. für Seiten) PPP purchasing power parity (engl. für Kaufkraftparität) S. Seite s. siehe u.a. unter anderem UMIE upper middle income economy UNCTAD United Nations Conference on Trade and Development US United States USA United States of America vgl. vergleiche vol. volume (engl. für Ausgabe) WEF World Economic Forum www world wide web z.B. zum Beispiel
VI
1 Einleitung
1 Einleitung
Mexiko ist mit seinen ca. 107 Millionen Einwohnern 1 das größte spanischsprachige Land der Welt und gilt laut Definition des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik als Schwellenland.
„Als Schwellenländer werden Länder bezeichnet, die [innerhalb der Gruppe von Entwicklungsländern auf dem Weg zur Industrialisierung] einen überdurchschnittlichen Stand der menschlichen Entwicklung erreicht haben und über die Wettbewerbsvoraussetzungen verfügen, um diesen Entwicklungsstand in Zukunft halten oder weiter ausbauen zu können. In der Regel verfügen sie über gefestigte demokratische Strukturen und offene politische Systeme.“ 2
Nach den Einteilungskriterien der Weltbank 3 gehört Mexiko zu den Upper Middle Income Economies (UMIE) 4 , zeichnet sich durch einen hohen Rang im Human Development Index (HDI) 5 aus und verfügt über ein investment grade rating 6 . Seit 1994 ist das Land Mitglied in der Organisation for Economic Cooperation and Development (OECD) 7 , einem Verbund von dreißig demokratischen Marktwirtschaften. Während sein bedeutsamer Rohstoffreichtum 8 herausragt, ist seine Gesellschafts- und Wirtschaftsstruktur sozial sehr unausgeglichen.
Nachdem Mexiko bis in die 70er Jahre von politischer und wirtschaftlicher Stabilität gekennzeichnet war, kam es in den 80er und 90er Jahren zu mehreren Krisen, die das Land erschütterten und tief greifende Veränderungen im Wirtschaftsbereich hervorbrachten.
1 Vgl. United Nations, 2004
2 Stamm, 2004, S.7
3 Low income (BNE/Kopf<875 US-Dollar/Jahr), lower middle income (BNE/Kopf=876-3.465 US-Dollar/Jahr), upper middle income (BNE/Kopf=3.466-10.725US-Dollar/Jahr), high income ( BNE/Kopf>10.726US-Dollar/Jahr) (vgl. World Bank, 2005)
4 Englisch für Volkswirtschaften mit gehobenem mittleren Pro-Kopf-Einkommen (Vgl. World Bank, 2005)
5 Vgl. United Nations Development Programme, 2005
6 Englisch für Sehr gute bis gute Anleihen (vgl. Hirmer, 2006)
7 Englisch für Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
8 Mexiko ist mit einer Produktion von ca. 3.700 Barrel/Tag nach Saudi-Arabien, Russland, USA und Iran der fünftgrößte Ölproduzent der Welt und mit einer Reserve von 13 Milliarden Barrel auf Platz 14 (BP, 2006, S.8)
1
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit
Diese Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und den Folgen des Wandels der mexikanischen Wirtschaft von einer staatsgesteuerten zu einer der offensten Ökonomien der Welt. Wie anhand der Arbeit deutlich werden soll, ist es durch den Kurswechsel und die Finanzkrise der 90er Jahre in der Wirtschaftsstruktur und in der Bevölkerung zu tief greifenden Veränderungen gekommen.
Neben der Bewertung des Kurswechsels wird die aktuelle Krisenanfälligkeit eingeschätzt und das Wachstumspotential Mexikos untersucht. Die Verbindung zwischen Deutschland und Mexiko wird hinsichtlich der Frage analysiert, inwiefern kulturelle Unterschiede das Geschäftsverhalten beeinflussen und welche Maßnahmen die geschäftlichen Beziehungen verbessern könnten.
Die Arbeit soll dem Leser einen Überblick über die Wirtschaftsentwicklung und kulturellen Hintergründe des Standortes Mexiko geben. Unter diesen Gesichtspunkten könnte sie deutschen Unternehmen als mögliche Grundlage für Investitionsentscheidungen dienen. Um den Rahmen der Arbeit nicht zu sprengen, läßt die Arbeit die steuerlichen, rechtlichen und politischen Gesichtspunkte weitestgehend unberücksichtigt.
1.2 Vorgehensweise der Untersuchung
Zur Einführung in die Thematik wird zunächst auf die historischen Ereignisse auf dem Weg Mexikos von einer staatsgesteuerten zu einer offenen Volkswirtschaft zusammenfassend eingegangen und die aktuelle gesamtwirtschaftliche Situation dargestellt.
Das dritte Kapitel bewertet die makroökonomische Entwicklung und analysiert die Auswirkungen der Öffnung des Marktes auf die Struktur der Wirtschaft und Bevölkerung.
Kapitel vier beschäftigt sich mit den Hintergründen der letzten Finanzkrise und den im Gegenzug vom Staat unternommenen Maßnahmen. Die derzeitige Situation wird hinsichtlich der Krisenanfälligkeit des Landes analysiert.
Mit einer Beurteilung der Wachstumspotentiale Mexikos und einer Auswahl erfolgsversprechender Branchen befasst sich das fünfte Kapitel.
Nach einer Untersuchung der Beziehung Deutschlands zu Mexiko folgt eine Analyse der grundlegenden Unterschiede beider Kulturen und ihrer Auswirkungen auf die Geschäftsbeziehungen in Kapitel sechs.
Die Arbeit endet mit einem Fazit in Kapitel sieben.
2
1 Einleitung
1.3 Methodik
Um eine vielseitige Betrachtung dieses Themas zu ermöglichen, werden im Rahmen der vorliegenden Arbeit praxis- sowie theoretisch orientierte Instrumente verwendet.
Als Basis für die Untersuchung der wirtschaftlichen Entwicklung dient eine vielfältige nationale wie internationale Fachliteratur. Zur Situationsanalyse des Wirtschaftsstandorts Mexiko und Erforschung seiner Krisenanfälligkeit und seines Potentials stehen darüber hinaus Statusberichte aus Zeitschriften, Zeitungen und dem Internet bei. Außerdem werden Studien von internationalen Organisationen ausgewertet.
Vom Autor eingeholte Expertenmeinungen von Deutschen und Mexikanern sollen einen praktischen Bezug zur Auswertung des Einflusses der grundlegenden kulturellen Unterschiede auf die Geschäftstätigkeit herstellen. Die schriftlichen Antworten bzw. G esprächsverläufe sind im Anhang aufgeführt.
Da sich die Untersuchung auf ein fremdsprachiges Land bezieht, existieren in der Literatur viele englische und spanische Fachbegriffe. Der Autor versucht die Begriffe entweder ins Deutsche zu übersetzen oder die treffenden Übersetzungen aus der deutschsprachigen Fachliteratur zu übernehmen, wenn eine Nichtverfälschung des fremdsprachigen Ausdrucks, nach dem Ermessen des Autors, gewährleistet werden kann.
3
2 Wirtschaftliche Entwicklung
2 Wirtschaftliche Entwicklung
Mexiko war schon vor Ankunft der Spanier sowohl kulturell, als auch technisch und wissenschaftlich eines der am weitesten entwickelten Länder auf dem neuen Kontinent. 9 Während seiner Kolonialzeit (1535-1822) stellte der Reichtum an Bodenschätzen die große Bedeutung für Spanien dar. 10 Die Zeit nach der Unabhängigkeit 1822 war geprägt von Aufständen, Kriegen und Umstürzen, die durch eine Revolution (1910-1920) zu Ende gingen. 11 Die folgende politische und wirtschaftliche Stabilität, die bis in die späten 70er Jahre reichte, wurde durch ein binnenmarktzentriertes und vom Staat gesteuertes Wirtschaftsmodell erreicht, das jedoch in den 80er Jahren grundlegenden Veränderungen unterzogen werden musste. In diesem Kapitel wird Mexikos Wandel zu einer offenen Volkswirtschaft dargestellt und die gegenwärtige gesamtwirtschaftliche Situation analysiert.
2.1 Wandel von einer geschlossenen zu einer offenen Volkswirtschaft
2.1.1 Zeit vor der Schuldenkrise 1982
Die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg war geprägt durch stabiles Wachstum , das durch Einnahmen aus dem Öl-Sektor und wirtschaftlichem Protektionismus gesichert wurde. Die Politiker sahen Importsubstitution 12 als Grundlage des Industrialisierungsprozesses und schützten die heimische Industrie durch Zölle und Einfuhrquoten. 13 Hintergrund dieses Gedankens war der Versuch, das Land durch eine aktive Wirtschaftspolitik und Ankurbelung der eigenen Industrie unabhängig von Importen aus den industrialisierten Ländern zu machen. 14 Neben einer niedrigen Inflationsrate und einer geringen Auslandsverschuldung kam es in den zwei Jahrzehnten zu einem Wirtschaftsaufschwung von ca. 6% pro Jahr 15 , wovon nach späteren Untersuchungen ca. 1/3 der Importsubstitutionsstrategie zugerechnet werden können. 16
Zu Beginn der 70er Jahre verzeichnete das Wirtschaftswachstum leichte Rückgänge und die Importsubstitution konnte nur noch durch hohe öffentliche Ausgaben, die über
9 Vgl. Encarta, 2006
10 Vgl. Encarta, 2006
11 Vgl. Encarta, 2006
12 Darunter versteht man den Ersatz von Importen durch im Inland selbst produzierte Güter
13 Vgl. Müller-Ohlsen, 1974, S.18f.
14 Vgl. Hesse, 1968, S.641ff.
15 Vgl. Müller-Ohlsen, 1974, S.16
16 Vgl. Thorp, 1998, S.161
4
2 Wirtschaftliche Entwicklung
Auslandskredite finanziert wurden, gehalten werden. Um wirtschaftlich den Ansprüchen einer zunehmenden Bevölkerung gerecht werden zu können und Wirtschaftswachstum zu erreichen, mussten von Jahr zu Jahr mehr Importe getätigt werden, da die verarbeitende Industrie aufgrund der zuvor betriebenen Protektion ineffektiv und technologisch veraltert war. 17 Die dadurch steigenden Leistungsbilanzdefizite und hohen Inflationsraten verstärkten den Abwertungsdruck auf die Regierung. 1976 war die lange Periode der Wechselkursstabilität beendet und der Peso wurde gegenüber dem US-Dollar abgewertet. 18
Ende der 70er Jahre wurden bedeutende Erdölvorkommen im Golf von Mexiko entdeckt und bis Anfang der 80er Jahre stiegen die Ölpreise, wodurch es zu höheren Umsätzen aus Erdölexporten kam 19 , die das Vertrauen in die Wirtschaft stärkten und den mexikanischen Staat und seine Unternehmen zur weiteren Aufnahme von ausländischen Krediten motivierten. 20 Nachdem man im Sommer 1982 den Spitzenplatz unter den Verschuldungsländern eingenommen hatte 21 und der Dollarwechselkurs 22 und die Inflationsrate 23 ebenfalls Höchststände erreichten, erklärte die Regierung ihre Zahlungsunfähigkeit, wodurch eine Schuldenkrise ausgelöst wurde, die sich auf andere lateinamerikanische und asiatische Länder ausweitete. 24 Als relevante Faktoren werden die Überbewertung des Pesos, die einen Importboom und Kapitalflucht auslösten und die staatliche Kreditaufnahme im Ausland ausgemacht, die das Haushaltsdefizit vergrößerte. Außerdem werden die 1982 stark gefallenen Ölpreise und die gestiegenen internationalen Zinssätze als Gründe für die Krise gesehen. 25
2.1.2 Von der Schuldenkrise 1982 zur Finanzkrise 1994
Der 1982 angetretene Präsident de la Madrid sorgte für einen grundlegenden Kurswechsel und verfolgte während seiner Amtszeit bis 1988 die Realisierung eines international geforderten Anpassungs- und Stabilisierungsprogramms und die Öffnung der Wirtschaft nach außen.
17 Vgl. Beck, 1999, S.2ff.
18 Vgl. Encarta, 2006
19 Die Einnahmen stiegen von ca. 300 Mio. US-Dollar in 1976 auf ca. 14 Mrd. US-Dollar in 1981 (vgl. Smith, 1990, S.138)
20 Vgl. Blecker, 1996, S.10
21 Die Staatsverschuldung stieg von ursprünglich 5 Mrd. US-Dollar (1970) auf 106 Mrd. US-Dollar (1982) an (vgl. Blecker, 1996, S.48)
22 Der Dollarwechselkurs kletterte zwischen 1981 und 1982 von 26 Pesos auf 80 Pesos (vgl. Lehr, 1983, S.124)
23 Die Inflationsrate stieg zwischen 1981 von 29% auf 80% an (vgl. Lehr, 1983, S.124)
24 Vgl. Lehr, 1983, S.124
25 Vgl. Lustig, 1994, S.42
5
2 Wirtschaftliche Entwicklung
Das vom Internationalen Währungsfond (IWF) geforderte Stabilisierungsprogramm sah z.B. die Reduktion des Haushaltsdefizits, Importdrosselung und Exportförderung, eine striktere Geldpolitik zur Verringerung der Inflation, sowie eine erneute Abwertung des Pesos vor. 26 Dieses Sparprogramm hatte bedeutende Auswirkungen auf die Bevölkerung, die zu einem großen Teil arbeitslos wurde und Tätigkeiten im informellen Sektor 27 aufnehmen musste, um zu überleben. Für die verbliebenen Arbeitnehmer waren deutlich gefallene Reallöhne die Folge. 28
Während sich der Kurswechsel auf einen Großteil der Bevölkerung kritisch auswirkte, sorgten die Privatisierungen und Deregulierungen für einen Rückgang der staatlichen Einflussnahme auf die Wirtschaft. 29 Durch den Beitritt Mexikos zum General Agreement on Tariffs and Trade (GATT) 30 im Jahre 1986 wurde die neue Richtung auch außenwirtschaftlich eingeschlagen. Ziel war es, über internationalen Konkurrenzdruck die Steigerung der Produktivität zu erreichen. 31
Der 1988 angetretene Präsident Salinas intensivierte die Reformen sowohl in der Binnen- wie in der Außenwirtschaft. Der Finanz- und Handelssektor wurde liberalisiert und Mobilitätsbeschränkungen von Foreign Direct Investment (FDI) 32 durch neue Reformen und Gesetze 33 weitestgehend abgeschafft. 34 Des Weiteren wurden Handelshemmnisse wie Zölle und Einfuhrquoten weitestgehend zurückgefahren und Begrenzungen in der Emission von Geldmarktpapieren und Unternehmensanleihen gelockert. 35 Die Privatisierung der Staatsunternehmen wurde fortgesetzt und das Konzept auf die Banken und die Landwirtschaft übertragen, wo ejido-Parzellen, die traditionelle indianische Form des gemeinsamen Grundbesitzes in Mexiko, in Privateigentum umgewandelt wurden. 36
26 Vgl. Lustig, 1994, S. 49
27 Unter dem informellen Sektor versteht man nach Definition des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ): „…Kleinstbetriebe, meist auch Einpersonen- oder Familienbetriebe,
die außerhalb der staatlich festgelegten Regeln wirtschaften.“ (BMZ, 2006)
28 Vgl. Fleet, 1996, S.121
29 Vgl. Fleet, 1996, S.124
30 Englisch für 1948 gegründetes Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen, heutige Welthandelsorganisation
31 Vgl. Fleet, 1996, S.124
32 Englisch für ausländische Direktinvestitionen
33 Wie z.B. das „Reglamento de Ley para Promover La Inversion Mexicana y Regular la Inversion Extranjera“ (vgl. Lecuona, 1996, S.88)
34 Bis 1993 wurden Restriktionen von FDI in 91% aller Sektoren abgeschafft (vgl. Lecuona, 1996, S.88)
35 Vgl. Lecuona, 1996, S.88
36 Vgl. Lecuona, 1996, S.89
6
2 Wirtschaftliche Entwicklung
Durch das Zusammenspiel dieser Maßnahmen konnte die Inflation unter Kontrolle gebracht werden und ein Teil des vorher in das Ausland abgewanderte Kapital zu Beginn der 90er Jahre nach Mexiko zurückgeholt werden. Dort konnte es zum Aufbau von modernen Industriebetrieben eingesetzt werden, die die mexikanischen Exporte ansteigen ließen. 37
Die neue weltmarktintegrierte und exportorientierte Wirtschaftspolitik wurde durch die Aufnahme in die OECD und den Verbund Mexikos mit den United States of America (USA) 38 und Kanada zur North American Free Trade Area (NAFTA) 39 verstärkt, die im Januar 1994 in Kraft trat 40 und seitdem die größte Freihandelszone der Welt darstellt. Dieter Boris, der die neoliberale Politik Mexikos zwischen 1982 und 1994 untersucht hat, deutet den Beitritt zur NAFTA als Möglichkeit für Mexiko, den Kurs der Liberalisierung abzusichern und unumkehrbar zu machen. 41
Im Jahr des NAFTA Beitritts kam es schließlich zu zwei Ereignissen mit bedeutsamen Folgen. Im südlichen Bundesstaat Chiapas rebellierten bewaffnete Zapatisten 42 , die das ländlich-kleinbäuerliche Mexiko im Zuge der Modernisierungen diskriminiert und benachteiligt sahen, und durch den NAFTA Zusammenschluss eine noch höhere Abhängigkeit von den USA befürchteten. 43 Außerdem wurden der Partido Revolucionario Institucional (PRI) 44 Präsidentschaftskandidat Donaldo und der PRI-Generalsekretär Ruiz ermordet. Diese politischen Ereignisse beunruhigten das Land und verunsicherten die internationalen Investoren. 45
Nachdem PRI-Ersatzkandidat Zedillo im Dezember 1994 die Präsidentschaft übernahm, brach aufgrund eines hohen Haushaltsdefizits und der gestiegenen Auslandsschulden 46 eine folgenschwere Währungskrise aus. Durch das gesunkene Vertrauen der Anleger und den massiven Abzug des ausländischen Kapitals war die mexikanische Regierung nicht mehr im Stande, den fixierten Pesokurs gegenüber dem US-Dollar aufrecht
37 Vgl. Lecuona, 1996, S.87
38 Englisch für Vereinigte Staaten von Amerika
39 Englisch für Nordamerikanisches Freihandels abkommen
40 Vgl. NAFTA, 1994b, Frequently Asked Questions
41 Vgl. Boris, 1996, S.25f.
42 Indianische Bauern aus dem Süden Mexikos (der Begriff geht auf den mexikanischen Revolutionsführer Zapata zurück)
43 Vgl. Encarta, 2006
44 Spanisch für Partei der Institutionellen Revolution
45 Vgl. Encarta, 2006
46 Es kam Ende 1994 zu einem Haushaltsdefizit von 30 Mrd. US-Dollar und einem Anstieg der Auslandsschulden auf über 120 Mrd. US-Dollar (vgl. Calvo et al., 1996, S.242)
7
2 Wirtschaftliche Entwicklung
zu erhalten, und musste den Kurs schließlich abwerten. Mit einem ca. 47,8 Mrd. US-Dollar großen Unterstützungspaket der USA, der Bank für Internationale Zusammenarbeit (BIZ) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) konnte eine Schuldenkrise verhindert werden. Trotzdem stürzte das Land in eine starke Rezession, und die Währungsabwertung sorgte für einen Reallohnverlust der Arbeitnehmer. 47
2.1.3 Von der Finanzkrise bis heute
Bei den Parlamentswahlen 1997 und den Präsidentschaftswahlen 2000 kam es zum ersten Mal seit 1929 zum Regierungsverlust der Staatspartei PRI und Vicente Fox von der konservativen Partei Partido Acción Nacional (PAN) konnte als Sieger hervorgehen. Das von der OECD gelobte Programm des neuen Präsidenten, das eine weit reichende Steuer- und Wirtschaftsreform mit Privatisierungen im (noch staatlichen) Energiesektor und eine geplante Verfassungsänderung zur Verbesserung der Indio Rechte vorsah, konnte jedoch aufgrund der fehlenden absoluten Mehrheit im Senat nur teilweise umgesetzt werden. 48 Trotzdem blieb die Regierungspartei PAN auch bei den im Juli 2006 durchgeführten Präsidentschaftswahlen die stärkste Partei, was den gelungenen Stabilisierungsprozess Mexikos bestätigt und die Voraussetzung für eine Fortsetzung des Kurses der Liberalisierung ist. 49
Beim Blick auf die wichtigen Komponenten des Wirtschaftswachstum Mexikos vor der Liberalisierung fällt die Bedeutung der Rohölerträge auf, die zwischenzeitlich ca. 80% der gesamten Exporterlöse (1982) ausmachten. In der Zeit bis 2003 ging ihr Anteil auf ca. 11% zurück, obwohl sich die täglichen Fördermengen volumentechnisch erhöhten. 50 Die Begründung für diese Asymmetrie liegt in der wachsenden Bedeutung der Industriegüter und Lohnveredelung, deren Anteil an den Gesamterlösen in der Zeit nach der Liberalisierung von 50% in 1988 auf 85% der totalen Exporterlöse in 2003 anstieg. 51
Abbildung 2-1 stellt die Höhen und Tiefen grafisch dar, die Mexiko seit dem Ende der 70er Jahre auf wirtschaftlicher Ebene durchlebt hat, und verdeutlicht, dass den Krisen und den GATT- und NAFTA Beitritten zunächst für kurze Zeit negatives Wirtschaftswachstum folgten, ehe das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wieder anstieg. In Kapitel drei und vier werden die Folgen der Liberalisierung bzw. der Finanzkrise näher untersucht und die makroöko-
47 Vgl.
48 Vgl. Encarta, 2006
49 Vgl. Encarta, 2006
50 Vgl. Economagic, 2006
51 Vgl. Duscha, 2004
8
2 Wirtschaftliche Entwicklung
nomischen Rahmendaten hinsichtlich der Gefahren eines erneuten Wirtschaftsabschwungs ausgewertet.
2.2 Derzeitige gesamtwirtschaftliche Situation
Nach der Darstellung der wirtschaftlichen Entwicklung wird dem Leser in diesem Abschnitt ein Überblick über die gegenwärtige wirtschaftliche Lage gegeben. Um die gesamtwirtschaftliche Stabilität zu überprüfen, wird der Erreichungsgrad der vier wichtigsten wirtschaftspolitischen Ziele untersucht, die für gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht 52 vorausgesetzt werden. Dazu zählen angemessenes Wirtschaftswachstum, das an der realen Zunahme des Bruttoinlandsproduktes (BIP) gemessen wird, Vollbeschäftigung, außenwirtschaftliches Gleichgewicht, worunter eine ausgeglichene Leistungsbilanz verstanden wird, und Preisniveaustabilität, durch die die Kaufkraft erhalten werden soll. 53
52 z.B. in Deutschland sind die wesentlichen Ziele zur Erreichung von gesamtwirtschaftlichem Gleichgewicht in
§ 1 Satz 2 StWG des „Gesetzes zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft“ von 1967
rechtlich festgelegt worden (vgl. Gabler, 2001g, S. 3537) 53 Vgl. Gabler, 2001g, S. 3538f.
9
2 Wirtschaftliche Entwicklung
Diese vier wirtschaftspolitischen Ziele werden auch „magisches Vieleck“ genannt, da sich aufgrund ihrer gegenseitigen Konkurrenz Konflikte ergeben können (z.B. Preisniveaustabilität und hoher Beschäftigungsgrad). 54 Da sich nicht alle Ziele gleichzeitig erfüllen lassen, sollte der Staat eine bestmögliche Kombination für das Wohl des Landes anstreben.
2.2.1 Bruttoinlandsprodukt
Unter Wirtschaftswachstum versteht man die Zunahme der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit einer Ökonomie. Als Indikator wird das BIP verwendet. Es umfasst die im Inland entstandene wirtschaftliche Leistung und entspricht dem Wert aller in einer Periode hergestellten Waren und Dienstleistungen abzüglich der Güter, die als Vorleistungen bei der Produktion verbraucht wurden. 55
Mit einem in 2005 auf 768 Mrd. US-Dollar geschätzten BIP zu Marktpreisen verzeichnete das Land die dreizehntgrößte Wirtschaftsleistung der Welt. 56 Das BIP/Kopf lag nach offizieller Wechselkursumrechnung 2005 bei ca. 7.297 US-Dollar, was international Platz 64 bedeutet. Nach der für internationale Vergleiche verwendeten purchasing power parity (PPP) 57 betrug das BIP ca. 1.062 Mrd. US-Dollar und das BIP pro Kopf ca. 10.185 US-Dollar. 58 Gegenüber dem US-Dollar ist der Peso nach dem Kaufkraftvergleich 59 unterbewertet, denn 2005 konnten für 7,78 Pesos gleich viele Warenwerte gekauft werden wie in den USA für einen Dollar 60 , bei einem offiziellen Wechselkurs von 10,75 Pesos/US-Dollar (2005). 61 Auf die Auswirkungen einer unterbewerteten Währung wird in Kapitel vier näher eingegangen.
Eine Erweiterung der wirtschaftlichen Aktivitäten führte 2004 zu einem realen BIP Wachstum von 4,2%. Dieses wurde innenwirtschaftlich durch eine Ausweitung des Konsums und der Investitionen, außenwirtschaftlich durch höhere Nachfrage nach in Mexiko
54 Vgl. Gabler, 2001e, S. 2522
55 Vgl. Gabler, 2001h, S. 4257f.
56 Vgl. IWF, 2006
57 Englisch für Kaufkraftparität
58 Vgl. IWF, 2006
59 Nach dem Kaufkraftvergleich lassen sich Kaufkraftverhältnisse zweier Länder mit freien Währungen vergleichen (vgl. Gabler, 2001c, S. 2112)
60 Berechnung nach Kaufkraftpariätentheorie: nominaler Wechselkurs * (Preis eines gegebenen Warenkorbs im Inland / Preis des gegebenen Warenkorbs im Ausland) = 10,75 * (768 / 1.062) = 7,78 (vgl. Deutsche Bun- 2004, S.30)
61 Vgl. Banco de Mexico, 2006, S.138
10
2 Wirtschaftliche Entwicklung
gefertigten Gütern und höheren Rohölpreisen erreicht. 62 2005 fiel das Wachstum auf 3% zurück, wobei die Gründe hier in geringeren Steigerungsraten aus den Umsätzen von Industriegütern und Rückgängen bei den Umsätzen von Agrarprodukten liegen. 63 Eine grafische Darstellung der das Wirtschaftswachstum wesentlich beeinflussenden Indikatoren ist in Anhang 7 zu finden.
Das BIP entstand in Mexiko 2004 zu 69% aus Dienstleistungen (Sektor beinhaltet 58% aller Beschäftigten), zu 27% aus Industrieller Produktion (24% aller Beschäftigten) und zu 4% aus Landwirtschaft (18% aller Beschäftigten). 64 Nach der Verwendungsrechnung setzte es sich zu 68,5% aus Privaten Konsumausgaben, zu 11,7 % aus Konsumausgaben des Staates und zu 21,7 % aus Bruttoinvestitionen zusammen. Der negative Saldo aus Export-Import betrug 1,9% des BIP. 65
2.2.2 Arbeitsmarkt
Durch den Anstieg des BIPs ist es in den letzten Jahren zu positiven Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt gekommen. Die offizielle Arbeitslosenquote ist von 3,9% in 2004 auf 3,6% in 2005 zurückgegangen, und die formelle Beschäftigung um 4,6% auf 12,8 Millionen gestiegen. 66 Trotz der Steigerung dominiert den ca. 43 Millionen Personen starken Arbeitsmarkt weiterhin der stärker wachsende informelle Sektor. 67 Dieser wird besonders genährt durch das Bevölkerungswachstum, die geringe Arbeitsproduktivität, und vor allem das hohe Bildungsdefizit.
Das Bevölkerungswachstum liegt nach Schätzungen der Deutschen Bank in den nächsten 15 Jahren bei ca. 1,4% p.a. und nimmt damit von 34 untersuchten Ländern mit Wachstumspotential den dritten Platz ein. 68 Die Arbeitsproduktivität 69 , durch die der produktive Beitrag eines jeden Beschäftigten international vergleichbar ist, konnte zwar gesteigert werden, jedoch geschah dieses auf geringerem Niveau als in anderen Schwellenländern. Laut einer OECD-Statistik beträgt sie in Mexiko etwa 1/3 des OECD Durch-
62 Vgl.
63 Vgl. Banco de Mexico, 2006, S.18f.
64 Vgl. Statistisches Bundesamt, 2006
65 Vgl. Statistisches Bundesamt, 2006
66 siehe Anhang 7
67 Vgl. BFAI, 2006
68 Vgl. Bergheim, 2005 S.29
69 Darunter versteht man das Verhältnis des gesamtwirtschaftlichen Produktionsergebnisses zur Einsatzmenge an Arbeitsleistung (vgl. Gabler, 2001, S.246f.)
11
2 Wirtschaftliche Entwicklung
schnitts. 70 Mexikos Humankapital ist rückständig. Das zeigt sich beim Vergleich der durchschnittlichen Anzahl von Ausbildungsjahren pro Kopf, wo Mexiko mit 7,9 Jahren in der Gruppe 25-64 jährigen den zweitschlechtesten Platz der OECD Länder belegt. 71
Die Gründe für die niedrige Arbeitsproduktivität und das rückständige Humankapital werden in Kapitel drei näher untersucht.
2.2.3 Außenwirtschaft
In diesem Abschnitt werden die Beziehungen Mexikos mit dem Ausland untersucht und die Frage beantwortet, ob man Mexiko außenwirtschaftliches Gleichgewicht bescheinigen kann. Ökonomisches Instrument zur Abbildung der Verflechtung einer Volkswirtschaft mit dem Ausland ist die Zahlungsbilanz. Diese umfasst für einen bestimmten Zeitraum alle grenzüberschreitenden Waren- und Kapitalströme und ist nach der Richtlinie des IWFs aufgebaut. Danach enthält sie eine Leistungsbilanz und eine Kapitalbilanz. 72 Die Leistungsbilanz setzt sich aus dem Warenverkehr, den Dienstleistungen, den Arbeits-und Kapitaleinkommen, sowie den laufenden Übertragungen zusammen. 73 Die Kapitalbilanz erfasst alle Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland. 74
Außenwirtschaftliches Gleichgewicht liegt nach der klassischen Außenwirtschaftstheorie dann vor, wenn die Leistungsbilanz ausgeglichen ist. In der monetären Außenwirtschaftstheorie, bei der im Gegensatz zur realen/güterwirtschaftlichen Außenwirtschaftstheorie die Rolle des Geldes im zentralen Blickfeld steht, wird zwischen kurzfristigem außenwirtschaftlichen Gleichgewicht, bei dem ein Gleichgewicht auf dem Devisenmarkt vorliegt, und langfristigem außenwirtschaftlichen Gleichgewicht unterschieden, bei dem keine Veränderung der Nettoauslandsverschuldung mehr erfolgt. 75
Der Leistungsbilanzsaldo setzt sich aus den Salden der Teilbilanzen zusammen. Diese umfassen die Handelsbilanz, die Dienstleistungsbilanz, die Bilanz der Erwerbs - und Vermögenseinkommen, sowie die Übertragungsbilanz. 76 Das Leistungsbilanzdefizit von
70 Vgl. OECD, 2006
71 Vgl. Bergheim, 2005, S.17
72 Vgl. IWF, 1993, S.37ff.
73 Die Leistungsbilanz ist positiv, wenn die Exporte die Importe übersteigen (vgl. IWF, 1993, S.38)
74 Unter einem Kapitalimport versteht man eine Zunahme der Verpflichtungen gegenüber dem Ausland bzw. eine Abnahme der Forderungen gegenüber dem Ausland. Ein höherer Kapitalimport als Kapitalexport (negati- Kapitalnettoexport) wird im Gegensatz zur Leistungsbilanz in der Kapitalbilanz größer null dargestellt (vgl.
IWF, 1993, S.40)
75 Vgl. Gabler, 2001a, S.357
76 Vgl. IWF, 1993, S.38
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2 Wirtschaftliche Entwicklung
7,2 Mrd. US-Dollar in 2004 konnte durch ein gesunkenes Handelsbilanzdefizit und den um ca. 20% gestiegenen Gastarbeiterüberweisungen in 2005 auf 5,7 Mrd. US-Dollar verringert werden. Dadurch beträgt das Defizit 0,8% des BIPs und ist seit 1998 (3,8% des BIPs) stetig gefallen. 77
Die Kapitalbilanz listet alle Veränderungen im Bestand an Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland auf. Eine für Mexiko sehr wichtige Größe für die gesamte Zahlungsbilanz sind die Direktinvestitionen, denn hier verzeichnet das Land mit 182 Mrd. US-Dollar den größten Bestand in Lateinamerika 78 . Die Kenngröße gilt als wichtiger Indikator für die Globalisierung, da sie im Gegensatz zu den vorrangig der Geldanlage dienenden Portfolioinvestitionen in der Regel direkte, stabile, und langfristige Verflechtungen durch den Erwerb oder Aufbau von Betriebsstätten, Immobilien oder Tochterunternehmen zwischen den beteiligten Volkswirtschaften abbildet. 79 Mexikos Nettoneuverschuldung fiel 2005 mit 286 Millionen US-Dollar vergleichsweise gering aus. Während der öffentliche Sektor seine Auslandsschulden um 10,1 Mrd. US-Dollar abbauen konnte, lag die Nettoverschuldung des privaten Sektors bei 1,6 Mrd. US-Dollar. Außerdem flossen 8,7 Mrd. US-Dollar aus dem Ausland an den Mexikanischen Staat für sein Projekt Pidirega, das eine Infrastrukturverbesserung durch den Ausbau des elektrischen Netzes im Landesinneren über mehrere tausend Kilometer vorsieht. 80
Zusammengefasst liegen die Netto Kapitalimporte bei rund 13,8 Mrd. US-Dollar. Durch das Leistungsbilanzdefizit in Höhe von 5,7 Mrd. US-Dollar kommt es somit nach Abzug von Fehlern und Ungenauigkeiten (Restposten) zu einem Zahlungsbilanzüberschuss von ca. 7,1 Mrd. US-Dollar, der u.a. zu steigenden Devisenreserven führt. 81
Dem Land lässt sich kurz- und langfristig außenwirtschaftliches Gleichgewicht bescheinigen, da sich die Nettoauslandsverschuldung innerhalb der vergangenen zehn Jahre nicht erhöht hat, sondern prozentual zum BIP von Jahr zu Jahr abgenommen hat. Außerdem verfügt Mexiko mittlerweile wieder über hohe Devisenreserven, die auf die Währung eine stabilisierende Wirkung haben. Neben den in diesem Abschnitt behandelten Faktoren für außenwirtschaftliches Gleichgewicht beschäftigt sich die monetäre Außenhandelstheorie auch mit den Auswirkungen von Zahlungsbilanzungleichgewichten auf die Wechselkurse. 82 Eine nähere Analyse dieses Punktes ist in Kapitel vier zu finden.
77 Vgl. Banco de Mexico, 2006, S.159
78 Vgl. UNCTAD, 2005, S.3
79 Vgl. Gabler, 2001b, S.940f.
80 Vgl. Banco de Mexico, 2006, S.45 ff.
81 Ende Dezember 2005 lag der Bestand bei 68,8 Mrd. US-Dollar (vgl. Banco de Mexico, 2006, S.158)
82 Vgl. Gabler, 2001f, S.2654
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2 Wirtschaftliche Entwicklung
Abschließend stellt Tabelle 1 die wesentlichen Werte des mexikanischen Außenhandels dar. In Anhang 9 sind weitere grafische Auswertungen von Einflussfaktoren auf den mexikanischen Außenhandel zu finden.
2.2.4 Preisniveaustabilität
Preisniveaustabilität ist die Voraussetzung für Unternehmen, ihre Erlöse und Kosten langfristig berechnen zu können und bedeutet als viertes wirtschaftspolitisches Ziel, dass eine stabilitätskonforme Inflation von null bis ca. zwei Prozent p.a. die Kaufkraft erhalten soll. Sie wird über die Veränderung von Preisindizes gemessen. 83
Im Jahre 2005 kam es mit einem Preisanstieg von 3,3% zu der niedrigsten Inflationsrate des Landes seit den 70er Jahren. 84 Seit der schweren Wirtschaftskrise Mitte der 90er Jahre, bei der die Inflationsrate zwischenzeitlich bis auf 50% stieg, hat sich die Geldpolitik u.a. durch den Umstieg von einem festen zu einem flexiblen Wechselkurs stabilisiert. Dem mexikanischen Notenbankchef Ortiz zufolge war es nicht leicht, der Geldpolitik Glaubwür-
83 Vgl.
84 Vgl. Banco de Mexico, 2006, S.62 ff.
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Torben Schmiedeknecht, 2006, Die Bewertung der Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Mexiko von einer staatsgesteuerten zu einer offenen Volkswirtschaft und seine Bedeutung für Deutschland unter Berücksichtigung kultureller Unterschiede, München, GRIN Verlag GmbH
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