- II -
Inhaltsverzeichnis
1 Erfordernis eines Controllings im F E-Bereich 1
1.1 F E als strategisches Instrument 1
1.2 Effektivität und Effizienz von F E-Aktivitäten 1
2 Synthese aus „F E“ und „Controlling“ 2
2.1 Aspekte der Forschung und Entwicklung 2
2.2 Controlling im weiteren Sinne 4
2.3 Charakteristika des F E-Controllings 4
3 Evolution des F E-Controllings 5
3.1 Operatives F E-Projektcontrolling 5
3.2 Operatives Bereichs- und Programmcontrolling 6
3.3 Marktzielorientiertes F E-Controlling 6
3.3.1 Prozesskostenrechnung in F E 7
3.3.2 Target Costing in seiner „Reinform“ 8
3.4 Strategisches F E-Controlling 9
3.5 Innovationscontrolling 10
3.5.1 Product Lifecycle Costing 10
3.5.2 Performance Measurement und Balanced Scorecard 11
4 Rolle des F E-Controllings in Vergangenheit und Zukunft 12
5 Literaturverzeichnis 14
- 1 - 1 Erfordernis eines Controllings im F&E-Bereich
1.1 F&E als strategisches Instrument
Spätestens seit der EU-Osterweiterung des Jahres 2004 finden sich klassische Industrieländer wie die Bundesrepublik in einem veränderten Wettbewerbsumfeld wieder. Vor allem bei Gütern von geringer technologischer Komplexität sind hier die neuen Mitgliedstaaten durch ihr niedriges Lohnniveau im Vorteil 1 . Damit Unternehmen der klassischen Industrieländer dieser Entwicklung nicht zum Opfer fallen, sind sie darauf angewiesen, laufend hochqualitative Produkt- und Prozessinnovationen hervorzubringen 2 . Bereits im Jahre 1983 konstatieren Blohm und Danert, dass „die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen […] in Zukunft mehr denn je durch [ihre] Innovationspolitik bestimmt [wird]“ 3 . Die wachsende Bedeutung von Innovationen führt dazu, dass auch der Bereich Forschung und Entwicklung (F&E) als deren Grundlage 4 zunehmend wichtiger wird. Dies drückt sich darin aus, dass die deutschen Ausgaben für F&E von 1995 bis 2005 um knapp die Hälfte gestiegen sind 5 . Ferner bilden neue Produkte einen immer größeren Anteil am Unternehmensumsatz 6 . Dementsprechend ist die Rolle der F&E als strategisches Instrument zur langfristigen Sicherung der Unternehmensexistenz allgemein anerkannt.
1.2 Effektivität und Effizienz von F&E-Aktivitäten
Die aus der geschilderten Entwicklung resultierende Akzeleration der Innovationsschübe impliziert eine Abnahme der Verweildauer von Produkten auf dem Markt, d.h. eine Verkürzung der Produktlebenszyklen 7 . Diese Kontraktion der Marktzyklen ist insofern problematisch, als dass weniger Zeit zur Amortisation der F&E-Aufwendungen zur Verfügung steht 8 . Damit ist es nicht mehr finanzierbar, im F&E-Bereich Effektivitäts- und Effizienzdefizite durch höhere Ausgaben zu kompensieren. Hieraus erwächst die Forderung nach einem F&E-Management, das diese Defizite beseitigt 9 . Ein solches F&E-Management mit zeitnahen, entscheidungsrelevanten Informationen zu versorgen, ist Aufgabe des F&E-
1 Siehe Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie: Bayern und die EU-Osterweiterung (Stand: Mai 2004), S. 5 - 10,
http ://www.stmwivt.bayern.de/pdf/europa/EU-Osterweiterung.pdf, 19. August 2006.
2 Vgl. Mayer, Elmar und Konrad Liessmann: F+E-Controllerd ienst, Stuttgart 1994, V ff.
3 Blohm, Hans und Günter Danert: Forschungs- und Entwicklungsmanagement, Stuttgart 1983, V.
4 Vgl. Brockhoff, Klaus: Forschung und Entwicklung, München 1999, S. 35 - 47.
5 Institut der deutschen Wirtschaft Kö ln (Hrsg.): Industrie treibt Forschungsmotor an, in: iwd, 31. Jg. (2005), Nr. 48, S. 8.
6 Vgl. Strecker, Andreas: Prozesskostenrechnung in Forschung und Entwicklung, München 1991, S. 1.
7 Vgl. Krüger, Detlev: Zeitcontro lling in der industriellen Forschung und Entwicklung, Hamburg 1998, S.16.
8 Siehe Bürgel, Hans-Dietmar, Christine Haller und Markus Binder: F&E-Management, München 1996, S. 275 - 280.
9 Vgl. Specht, Günther, Christoph Beckmann und Jenny Amelingmeyer: F&E-Management, Stuttgart 2002, S. 18.
- 2 -Controllers 10 . Die Schnittmenge zwischen F&E-Manager und F&E-Controller wird als „F&E-Controlling“ bezeichnet (vgl. 2.2) und ist Gegenstand dieser Arbeit 11 .
2 Synthese aus „F&E“ und „Controlling“
Die spezifische Bedeutung des Ausdrucks „F&E-Controlling“ ergibt sich als Durchschnittsmenge der Begriffe „Controlling“ und „Forschung und Entwicklung“ 12 . Bevor also auf die Charakteristika des F&E-Controllings eingegangen werden kann, müssen zunächst die Begriffe „F&E“ und „Controlling“ analysiert werden.
2.1 Aspekte der Forschung und Entwicklung
Forschung und Entwicklung kann verstanden werden als eine systematische Kombination von Produktionsfaktoren, welche die Gewinnung neuen Wissens ermöglichen soll 13 . Einzelne Aspekte dieser Definition werden nun eingehender diskutiert.
Wichtigster „Produktionsfaktor“ im Rahmen der F&E ist das menschliche Wissen. Als Grundlage kreativer Tätigkeiten ist es als essenziell für die Generierung von Inventionen anzusehen. Für die „Neuheit“ von Wissen ist unmaßgeblich, ob das Wissen - im Sinne einer Weltneuheit - objektiv neu ist. Vielmehr kommt es auf die subjektive Neuheit an, d.h. darauf, ob das Wissen für den Entscheidungsträger neu ist 14 . Unter „Wissen“ wird in diesem Zusammenhang natur- und ingenieurwissenschaftliches Wissen verstanden. Somit ist etwa die Marktforschung nicht als Teil der F&E anzusehen. An dem Wort „ermöglichen“ wird deutlich, dass F&E-Vorhaben nicht immer den gewünschten Erfolg bringen und somit risikobehaftet sind.
Bezüglich des Risikos werden verschiedene Kategorien unterschieden 15 . Ein technisches Risiko äußert sich in der Unsicherheit darüber, ob eine technische Lösung für das gestellte Problem gefunden werden kann. Zudem liegt ein Zeitrisiko insofern vor, als dass die Aufgabe u.U. nicht im Rahmen der dafür vorgesehenen Zeit realisiert werden kann 16 . Da unklar ist, welche Kosten im Rahmen eines F&E-Projektes anfallen werden, besteht weiterhin ein Kostenrisiko. Schließlich ist unsicher, ob der Markt ein neues Produkt akzeptiert und inwieweit er dieses honoriert. Dieses Verwertungsrisiko wird oft auch als Marktrisiko
10 Siehe Werner, Hartmut: Strategisches Forschungs- und Entwicklungs-Controlling, Wiesbaden 1997, S. 19.
11 Vgl. Horváth, Péter: Contro lling, München 2006, S. 19.
12 Siehe Eilhauer, Hans-Dieter: F&E-Contro lling, Wiesbaden 1993, S. 1.
13 Vgl. Brockhoff, Klaus: Forschung und Entwicklung, S. 48 ff.
14 Vgl. Mauermair, Josef-Wolfgang: Strategisches Controlling der industriellen Forschung und Entwicklung, Neub iberg 1996, S. 37.
15 Vgl. Specht, Günther, Christoph Beckmann und Jenny Amelingmeyer: F&E-Management, S. 26.
16 Vgl. Werner, Hartmut: Strategisches Forschungs- und Entwicklungs-Controlling, S. 11.
- 3 -bezeichnet 17 . Als Verfahren zur Risikoidentifikation bieten sich beispielsweise die Szenario-Technik oder die SWOT-Analyse an 18 .
In Anlehnung an das von der OECD herausgegebene Frascati-Handbuch VI 19 empfiehlt sich eine - nicht ganz trennscharfe - Kategorisierung der F&E in Grundlagenforschung, angewandte Forschung und (experimentelle) Entwicklung 20 . Die Unterteilung der F&E ist insofern von Relevanz, als dass sie sich auf die Strategieformulierung und die Budgetaufteilung im F&E-Bereich auswirkt 21 .
Grundlagenforschung ist jene Art von Forschung, welche eines realen Verwertungsaspekts entbehrt 22 . Dadurch, dass keine praktischen Verwertbarkeit der Forschungsergebnisse gefordert ist, wird eine Einengung der Kreativität vermieden 23 . Jedoch besteht keine völlige Ziellosigkeit, da ein allgemein formuliertes technisches Ziel vorgegeben ist, das es im Rahmen der Forschungstätigkeit zu spezifizieren gilt.
Angewandte Forschung bezieht sich vornehmlich auf konkrete Anwendungsmöglichkeiten der Forschungsergebnisse und greift auf die Erkenntnisse der Grundlagenforschung zurück.
Grundlagenforschung wird beinahe ausschließlich von öffentlichen Institutionen betrieben; industrielle Unternehmen hingegen sind für gewöhnlich nur auf dem Gebiet der angewandten Forschung tätig 24 . Da Industrieunternehmen im Fokus der vorliegenden Arbeit stehen, wird im Folgenden der Begriff „Forschung“ im Sinne von „angewandter Forschung“ verwendet.
Die (experimentelle) Entwicklung gliedert sich auf in die Neuentwicklung wirtschaftlich nutzbarer Produkte und Prozesse einerseits und deren Weiterentwicklung andererseits 25 . Ein wesentliches Merkmal der Entwicklungsphase ist das Experimentieren; auch wenn nicht jede Entwicklungstätigkeit experimenteller Art ist 26 . Daher wird oft der Ausdruck „experimentelle Entwicklung“ verwendet.
17 Siehe Siegwart, Hans und Ursula Kloss: Erfassung und Verrechnung von Forschungs- und Entwicklungskosten, Bern 1984, S. 7.
18 Heck, Marco: Ris ikobewusstes F&E-Programm-Management, München 2003, S.145 f.
19 Vgl. OECD: Frascati Manual 2002 - Proposed Standard Practice for Surveys on Research and Experimental Development -, Paris 2002, S. 30 und S. 75 - 81.
20 im Englischen spricht man von basic research, applied research und experimental development.
21 Vgl. Brockhoff, Klaus: FuE-Contro lling, in Küpper, Hans-Ulrich und Alfred Wagenhofer (Hrsg.) : Hand wörterbuch Unternehmensrechnung und Controlling, Stuttgart 2002, S. 598 ff.
22 Siehe Gabler Wirtschafts lexikon: Forschung und Entwicklung, Wiesbaden 2004, S. 1088.
23 Siehe Claus ius, Eike H.J.: Contro lling in Forschung und Entwicklung, Frankfurt a.M. 1993, S. 9 - 15.
24 Vgl. Specht, Günther, Christoph Beckmann und Jenny Amelingmeyer: F&E-Management, S. 15.
25 Vgl. Mauermair, Josef-Wolfgang: Strategisches Controlling der industriellen Forschung und Entwicklung, S. 40.
26 Siehe Stifterverband für d ie deutsche Wissenschaft (Hrsg.): Frascati Handbuch II, Essen 1971, S. 13.
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Peter Kleusberg, 2006, Controlling der Forschung und Entwicklung industrieller Unternehmen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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