Inhaltsangabe
1 Einleitung 3
2 Die vier Elemente in der Stadt Tomi. 3
a Ungeregeltes Auftreten 3
b Ständige Präsenz 5
3 Die Funktionen der vier Elemente im Roman „Die letzte Welt“ 6
a Das Feuer 6
3.1.1 Zerstörung und Tod durch Feuer 6
3.1.2 Feuer als Abwehrmittel Nasos. 7
3.1.3 Feuer als Übermittler der Geschichten Nasos 8
b Das Wasser 8
3.1.4 Wasser als Bedrohung 9
3.1.5 Leben am Meer als Gewohnheit. 9
3.1.6 Wasser als metaphorisches Element. 10
3.1.7 Nasos Prophezeiung: Weltuntergang durch Flut. 10
b Die Erde 11
3.1.8 Unterscheidung Rom - Tomi 12
c Die Luft 13
3.1.9 Abgrenzung Tomis von der Außenwelt 14
3.1.10 Luft als Übermittler 14
4 Das Zusammenwirken der Naturelemente im Roman 15
a Einbindung der Elemente als sprachliche Mittel 15
b Inhaltliche Gemeinsamkeiten der Elemente 16
5 Die vier Elemente aus historischen Blickwinkeln 17
6 Zusammenfassung 19
7 Literaturverzeichnis 20
1 Einleitung
„Ein Orkan, das war ein Vogelschwarm hoch oben in der Nacht; ein weißer Schwarm, der rauschend näher kam und plötzlich nur noch die Krone einer ungeheuren Welle war, die auf das Schiff zusprang. [...] Ein Orkan, das war die Reise nach Tomi.“ 1 Dies ist ein Ausschnitt aus dem Anfang des Romans „Die letzte Welt“ von Christoph Ransmayr. Nicht zufällig ist bereits in diesen ersten Zeilen von einem heftigen Zusammenstoß zweier Naturelemente die Rede. Das Wasser wird dabei durch die Luft, genauer gesagt durch aufgewirbelte Luft in Form eines Orkans, zur lebensgefährlichen Bedrohung für die Menschen auf einem Schiff. Um welches Schiff es sich dabei handelt und woher dieses Schiff kommt, das erfährt der Leser im ersten Abschnitt des Romans noch nicht. Er erfährt aber, dass sich dieses Schiff auf der Reise nach Tomi befindet und dass ein Orkan auf dieser Reise etwas Selbstverständliches ist. Christoph Ransmayr setzt bewusst am Romananfang die Elemente Luft und Wasser ein, damit der Leser die chaotischen Naturverhältnisse unmittelbar mit der Stadt Tomi in Zusammenhang bringt. Noch bevor die Hauptperson Cotta erwähnt und mehr über Tomi erzählt wird, wird die Naturgewalt der Gegend um die noch geheimnisvolle Stadt sichtbar. Im Folgenden wird genauer untersucht werden, in welcher Weise die Naturelemente Luft und Wasser das Leben in Tomi beeinflussen und welche Bedeutungen die Elemente Feuer und Erde tragen. Weiterhin wird dargestellt werden, wie die vier Elemente im Roman zusammenwirken.
2 Die vier Elemente in der Stadt Tomi a Ungeregeltes Auftreten
Bei der Stadt Tomi handelt es sich um keine „normale“ Stadt, wie man sich eine Durchschnittskleinstadt vorstellen würde. Dem Leser wird bereits auf den ersten Seiten gezeigt, dass vor allem Jahreszeiten und die Naturelemente völlig ungeregelt in Tomi auftreten: „Denn in Tomi hatte man sich von der Welt abgewandt, um das Ende des zweijährigen Winters zu feiern“ (S.9). Ein zweijähriger Winter oder eine lange Trockenheit ist für die Stadt Tomi nichts Außergewöhnliches. Auch die Bewohner dieser Stadt haben sich an die chaotischen Verhältnisse, was den Jahreszyklus betrifft, gewöhnt. So sieht man zum Beispiel den Seiler auch an Frosttagen barfuss laufen (S.9). Blickt man genauer auf den Ablauf der Jahreszeiten im Roman so erkennt man folgenden Ablauf: 2
1 Im Folgenden wird zitiert: Ransmayr, Christoph: Die letzte Welt. Frankfurt am Main 1991, S.7-8.
2 Epple, Thomas: Christoph Ransmayr, Die letzte Welt: Interpretation von Thomas Epple. München 1992, S.99.
Am Anfang des Romans ist vom Ende eines zweijährigen Winters die Rede. Bis zum fünften Kapitel werden keine neuen Aussagen über die Jahreszeit getroffen. Erst am Anfang des fünften Kapitels ist vom Frühling die Rede, der allerdings auch nicht mit viel Sonnenschein und bunten Frühlingsblumen erwacht. Wie es in Tomi kaum anders zu erwarten ist „[kommt] der Mai [...] blau und stürmisch“ (S.97). Extreme Jahreszeiten und ein völlig ungeregeltes Auftreten der Naturelemente sind es, was die Stadt Tomi ausmacht. So folgt auf den ewigen Winter und den stürmischen Frühling im sechsten bis neunten Kapitel ein langer heißer Sommer mit viel Trockenheit: „Das Jahr wurde trocken und heiß wie keines zuvor in den Breiten der eisernen Stadt“ (S.119). Doch auch die plötzliche Hitze macht den Einwohnern Tomis nicht zu Schaffen. Sie sind es gewohnt, sich auf schnell wechselnde oder ewig andauernde Jahreszeiten einzustellen. Auch als der heiße Sommer und die damit verbundene Trockenheit einsetzt „begannen sich die Menschen [...] in die Temperaturen einer unbegreiflichen Wetterlage zu fügen wie zu anderen Zeiten in den Frost und die Eisstürme“ (S.122). Am Ende des neunten Kapitels haben die Bewohner Tomis dann schließlich auch den extremen Sommer hinter sich gebracht und der Herbst setzt, wie in Tomi nicht anders zu erwarten, mit extrem viel Regen ein, der auch in den folgenden Kapitel das dominierende Wetterelement ist. Im vierzehnten Kapitel des Romans schließt sich dann der Jahreskreis und der Winter kehrt nach Tomi zurück, dieses Mal allerdings nicht mit starken Eis- und Schneefällen, sondern mit Regen und milden Temperaturen: „Der Winter blieb ohne Schnee. Kein Rauhreif verglaste die Zweige.“ (S.267). Christoph Ransmayr lässt den Leser somit einen
kompletten Jahreszyklus in Tomi miterleben, was aber nicht gleichzeitig bedeutet, dass es sich zeitlich um ein Jahr handeln muss. In der Stadt Tomi dauert selten eine Jahreszeit genauso lang wie die Vorherige. Es können nach einmal Frühling, Sommer, Herbst und Winter auch schon Jahre vergangen sein.
b Ständige Präsenz
Die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft sind für die Stadt Tomi und ihre Bewohner immer gegenwärtig. So sind Stellen im Roman, an denen diese ständige Präsenz der Elemente deutlich wird, keine Seltenheit: „Vor den kleinen Fenstern blähten sich Leinenvorhänge und gaben im Rhythmus der Windstöße den Blick frei über das Dickicht des Gartens, hinab in die milchweiße Tiefe. Unter diesem Weiß musste das Meer liegen. [...] Auf den Borden, auf den Stühlen, auf einem Bett lag feiner, weißer Sand, der auch unter den Schritten knirschte [...].“ (S. 16) Der Wind steht in Tomi nie still, immer wieder ist zum Beispiel von wehenden Stofffetzen oder sogar von Orkanen die Rede. Das Wasser in Form des Schwarzen Meeres ist für die Bewohner Tomis immer präsent (ob in negativer Form als Bedrohung für die Stadt oder in positiver Form als Arbeitsort für die Fischer) und auch die Erde findet sich vor allem in Form von Steinen und Sand in der ganzen Stadt und auch sogar in den Häusern. Das Feuer ist zwar nicht in dem Maße allgegenwärtig, wie die anderen drei Elemente, spielt aber dennoch im Zusammenhang mit der Stadt Tomi und vor allem mit der Person Naso eine besondere Rolle (was später noch genauer erläutert wird) und taucht in einer für eine „normale Kleinstadt“ unübliche Häufigkeit auf. Auch wenn die Elemente nicht immer eine Gefahr darstellen und nicht immer in extremer Form auftreten, umgeben und beeinflussen Sie dennoch die „letzte Welt“ (Tomi) und ihre Bewohner.
3 Die Funktionen der vier Elemente im Roman „Die letzte Welt“ Das Feuer 3 a
Das Naturelement Feuer ist bei genauerer Betrachtung das Element mit den kontroversesten Bedeutungen. Zum einen wurde und wird das Feuer bei vielen Völkern als heilig, reinigend oder erneuernd angesehen. So werden in einigen Ländern eigens Feuergottheiten verehrt, zum Beispiel „Agni“ in Indien und „Hestia in Griechenland. Auch in der Bibel begegnen einem verschiedene Bilder, in denen Gott oder Göttliches mit dem Element Feuer symbolisiert wird. Das bekannteste Symbol ist wahrscheinlich das des brennenden Dornenbuschs. Zum anderen wird das Feuer aber auch oft mit etwas Bösem und Zerstörerischem assoziiert. Auch die griechische Naturphilosophie konnte sich nicht klar darüber werden, ob Feuer eher als etwas Positives oder eher als etwas Negatives gedeutet werden sollte. Sie verstand dieses Element entweder als den Ursprung allen Seins oder auch in engem Zusammenhang mit Krieg, Teufel, Hölle oder göttlichem Zorn. Im Roman „Die letzte Welt“ schreibt Christoph Ransmayr dem „rotem Element“ (wie das Feuer auch oft genannt wird) mehrere Bedeutung zu , die sowohl im positiven als auch im negativen Handlungszusammenhang stehen und die eine Auffälligkeit gemeinsam haben: ihre Verbindung zur Figur Naso!
3.1.1 Zerstörung und Tod durch Feuer
Während die Elemente Luft und Wasser besonders am Anfang des Romans bereits dazu beitragen, die Landschaft und Stimmung Tomis näher zu erläutern, wird dem Leser erst vom Feuer erzählt, als es im Roman um die Figur Naso geht. Zum ersten Mal erscheint das Element Feuer in Cottas Gespräch mit Nasos Knecht Pythagoras, den Cotta bei seiner Ankunft in Trachila begegnete. Cotta erzählt in dieser Szene Pythagoras von seiner anstrengenden Reise, geht aber nur genauer auf das Feuer ein, das er vor vielen Jahren in Rom in Nasos Haus hatte brennen sehen. Cotta erzählt dabei von Asche, Rauch, weinenden Frauen und von Naso selbst. Das Feuer scheint für Cotta ein Bild zu sein, das ihn anscheinend schockiert hat und ihm somit im Gedächtnis geblieben ist. Er bringt es stark mit der Zerstörung der Bücher und der Verbannung Nasos in Verbindung, denn „[es] war Nasos letzter Tag in Rom.“ (S.18) Dieses Feuer an der Piazza del Moro kann als eine Art Startereignis im Bezug auf Cottas Reise gesehen werden. Von diesem Zeitpunkt aus fängt Cottas Leben an, sich von Grund auf zu verändern.
3 Vgl.: Becker, Udo: Lexikon der Symbole. Freiburg im Breisgau 1992, S.87.
Arbeit zitieren:
Stefanie Stang, 2006, Die vier Elemente im Roman 'Die letzte Welt' von Christoph Ransmayr, München, GRIN Verlag GmbH
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