- I -
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis. II
Abk ürzungsverzeichnis III
1 Einleitung. 1
1.1 Problemstellung und Zielsetzung. 1
1.2 Gang der Untersuchung 2
2 Kulturwirtschaft und Kulturgüter 3
2.1 Abgrenzung und Definition der Kulturwirtschaft 3
2.2 Volkswirtschaftliche Bedeutung der Kulturwirtschaft 4
2.3 Eigenschaften von Kulturgütern 7
2.4 Eigenschaften digitaler Güter. 8
2.5 Rechtliche Grundlagen. 9
2.6 Digital Rights Management (DRM) 10
3 Vergleichende Analyse ausgewählter Branchen der Kulturwirtschaft 11
3.1 Methodik 11
3.2 Auswirkungen der Digitalisierung auf die Musikindustrie. 12
3.2.1 Veränderungen der Wertschöpfungskette. 12
3.2.2 Veränderungen der Wettbewerbsstruktur. 17
3.2.3 Stand der Digitalisierung und zukünftige Entwicklungen 23
3.3 Auswirkungen der Digitalisierung auf die Filmindustrie. 26
3.3.1 Veränderungen der Wertschöpfungskette. 26
3.3.2 Veränderungen der Wettbewerbsstruktur. 31
3.3.3 Stand der Digitalisierung und zukünftige Entwicklungen 37
3.4 Auswirkungen der Digitalisierung auf den Literaturmarkt. 40
3.4.1 Veränderungen der Wertschöpfungskette. 40
3.4.2 Veränderungen der Wettbewerbsstruktur. 44
3.4.3 Stand der Digitalisierung und zukünftige Entwicklung 49
4 Schlussbemerkung 52
Anhang 55
Literaturverzeichnis 56
- II -
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Entwicklung des Kultursektors und Verlagsgewerbes im Vergleich
Zum Bruttoinlandsprodukt 1995-2000
Abbildung 2: Die Stellung des Kultursektors im Branchenvergleich 1999
Abbildung 3: Traditionelle Wertschöpfungskette der Musikindustrie.
Abbildung 4: Auswirkungen der Digitalisierung auf die Branchenstruktur der
Musikindustrie
Abbildung 5: Traditionelle Wertschöpfungskette der Filmindustrie
Abbildung 6: Auswirkungen der Digitalisierung auf die Branchenstruktur der
Filmindustrie
Abbildung 7: Traditionelle Wertschöpfungskette der Buchindustrie
Abbildung 8: Auswirkungen der Digitalisierung auf die Branchenstruktur der
Buchindustrie
Abbildung A-1: Windowing Strategie der Filmindustrie
Abbildung A-2: Verteilung der Marktanteile in der Filmindustrie
- III - Abkürzungsverzeichnis
BIP Bruttoinlandsprodukt CD Compact Disc CRM Customer Relationship Management DRM Digital Rights Management DSL Digital Subscriber Line DVD Digital Versatile Disc EU Europäische Union GDP Gross Domestic Product GG Grundgesetz IFPI International Federation of the Phonographic Industry MB Mega Byte MP3 Motion Picture Experts Group Audio Layer 3 MPAA Motion Picture Association of America MPEG Motion Picture Experts Group PC Personal Computer PDAs Personal Digital Assistant UMTS Universal Mobile Telecommunications System UrhG Urheberrechtsgesetz VOD Video on Demand WIPO World Intellectual Property Organisation
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
Das Internet und die fortschreitende Digitalisierung von Geschäftsprozessen haben zu erheblichen Veränderungen der bestehenden Wirtschaftsstrukturen geführt. So entstand mit den neuen Technologien und Geschäftsmodellen des Internets eine eigene Industrie, die „New Economy“. Aber auch in der „Old Economy“ bewirken die Digitalisierung und das Internet grundlegende Veränderungen in den bestehenden Wertschöpfungsketten und Marktstrukturen. 1 Von dieser Entwicklung sind im Besonderen Güter betroffen, die vollständig digitalisierbar sind und daher nicht nur über das Internet vertrieben, sondern auch darüber ausgeliefert werden können. 2 Hierunter fallen auch die Güter der Kulturwirtschaft. Am ausgeprägtesten waren die Auswirkungen der Digitalisierung in den letzten Jahren in der Musikindustrie zu beobachten. Zum einen liegt Musik schon seit der Einführung der Compact Disc (CD) in digitaler Form vor, und zum anderen wurde durch die Entwicklung des MP3 Formates 3 und von File Sharing Netzwerken wie Napster eine Infrastruktur zum Austausch von Musik über das Internet geschaffen. Die Folgen dieser Entwicklung für die Musikbranche sind verheerend. Die Nutzerzahlen von File Sharing Netzwerken explodierten geradezu und erfreuen sich bis heute sehr großer Beliebtheit. Eine kürzlich erschienene Studie bestätigt sogar, dass die Nutzerzahlen von File Sharing Netzwerken in Deutschland weiterhin steigen. 4 Die Absatzzahlen von CDs hingegen fielen kontinuierlich. Im Jahr 2003 verzeichnete die Deutsche Musikindustrie noch einen Umsatzrückgang von fast 20%. 5 Erst 2004 ließen sich durch eine Erweiterung von legalen Musikangeboten im Internet und durch umfassende rechtliche Maßnahmen gegen illegale Musikdownloads erste positive Signale erkennen. 6
Doch nicht nur die Musikindustrie ist von den Auswirkungen der Digitalisierung betroffen. Auch andere Bereiche der Kulturwirtschaft unterliegen zunehmend der voranschreitenden Digitalisierung. Durch eine stetige Zunahme von breitbandigen In-
1 Vgl.Bauer, A. W., et al. (2001), S. V
2 Vgl. Peter, S. (2002), S. 5
3 MP3 steht für Motion Picture Experts Group Audio Layer 3 und ist ein vom Fraunhofer Institut
entwickeltes Verfahren zur Komprimierung von Audiodaten.
4 Vgl. Sullivan, B. (2005)
5 Vgl. Kuri, J. (2004)
6 Vgl. International Federation of the Phonographic Industry (2004a), S. 4; Vgl. International Federation
of the Phonographic Industry (2005b), S. 5
ternetzugängen und verbesserten Komprimierungstechnologien werden File Sharing Netzwerke immer häufiger zum Tauschen von Filmen verwendet. 7 Und auch der Markt für elektronische Bücher (E-Books) stieg in den vergangenen Jahren stark an. 8 Im Gegensatz zur Musikindustrie können diese Branchen aber aus der vergangenen Entwicklung und aus den Fehlern der Musikindustrie lernen und versuchen die Digitalisierung zu ihren Gunsten zu nutzen.
Die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit ist daher, die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Kulturwirtschaft näher zu untersuchen. Hierbei werden im Speziellen die Musikindustrie, die Filmindustrie sowie der Literaturmarkt als bedeutende Gebiete herausgegriffen. Ausgehend von den Entwicklungen in der Musikindustrie wird anschließend versucht, Parallelen und Unterschiede zur Filmindustrie und zum Literaturmarkt herauszustellen, um die weitere Entwicklung dieser Branchen abschätzen zu können.
1.2 Gang der Untersuchung
Aufgrund einer uneinheitlichen Definition des Gebietes der Kulturwirtschaft in Literatur und Politik wird im nachfolgenden Kapitel zunächst eine Abgrenzung und Definition der Kulturwirtschaft herausgearbeitet. Zudem wird auf die volkswirtschaftliche Bedeutung der Kulturwirtschaft eingegangen, um die Relevanz des diskutierten Themas zu unterstreichen. Anschließend werden spezifische Eigenschaften von Kulturgütern sowie von digitalen Gütern herausgearbeitet. Dies erscheint wichtig, da sich diese Gütergruppe stark von anderen Gütern unterscheidet und maßgeblich den Gegenstand dieser Arbeit determiniert. Kapitel zwei schließt mit einer Betrachtung der rechtlichen Grundlagen in der Kulturwirtschaft und einem Überblick über digitale Rechteverwaltung. Vor dem Hintergrund der Probleme mit illegalen Kopien und Internet-Tauschbörsen in den Kulturwirtschaften erscheint dieser kurze Exkurs vonnöten.
Kapitel drei erläutert kurz die Methodik, die der Analyse in dieser Arbeit zugrunde liegt. In Kapitel vier werden die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Musikindustrie, die Filmindustrie sowie den Literaturmarkt analysiert. Die Analyse wird anhand von
7 Vgl. Filmförderungsanstalt (2004), S. 23
8 Vgl. Bogaty, N. (2005); Vgl. Milliot, J. (2004), S. 15
Porters Konzepten der Wertschöpfungskette und der Branchenstrukturanalyse durchgeführt. Zudem werden Parallelen und Unterschiede zwischen den einzelnen Industrien herausgearbeitet. Es sei darauf hingewiesen, dass aufgrund der hohen Dynamik und Komplexität des Betrachtungsgegenstandes, es trotz stetiger Bemühungen um Vollständigkeit und Aktualität nicht ausgeschlossen ist, dass vereinzelte Aspekte in der vorliegenden Arbeit keine Berücksichtigung gefunden haben. Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung und Beurteilung der Ergebnisse in Kapitel fünf.
2 Kulturwirtschaft und Kulturgüter
2.1 Abgrenzung und Definition der Kulturwirtschaft
Da der Terminus Kulturwirtschaft wesentlich den Inhalt dieser Arbeit determiniert soll hier zunächst eine Abgrenzung und nähere Definition der Kulturwirtschaft erfolgen. Weder in der Literatur, noch in der politischen Diskussion, gibt es jedoch eine einheitliche Abgrenzung des kulturwirtschaftlichen Sektors. So wurde im Jahre 2004 in Deutschland diesbezüglich eine länderübergreifende Kommission zur Definition der Kulturwirtschaft eingesetzt, um die Vergleichbarkeit von Daten zwischen den einzelnen Bundesländern sicherzustellen. 9 Die Abgrenzungsschwierigkeiten der Kulturwirtschaft ergeben sich aus der Tatsache, dass die Kulturwirtschaft aus sehr vielen unterschiedlichen Wirtschaftszweigen besteht und es oft Uneinigkeit über die Zurechnung von Randgruppen, wie z.B. Zulieferindustrien gibt. 10 Zudem wird die Kulturwirtschaft häufig auch nur undifferenziert in Zusammenhang mit anderen Dienstleistungsbereichen betrachtet. 11 Ein weiteres Problem der Kulturwirtschaft ist, dass diese aus einer Kombination von privatwirtschaftlichen Unternehmen, staatlichen Einrichtungen und gemeinnützigen Organisationen besteht. 12
Die World Intellectual Property Organisation (WIPO) fasst unter dem Begriff „cultural industries“ alle Bereiche zusammen, die Kulturgüter in industriellem Rahmen produzieren. (“’Cultural industries’ refers to those industries which produce products that have
9 Vgl. Schleswig-Holsteinischer Landtag (2004), S. 6
10 Vgl. World Intellectual Property Organisation (2003), S. 22
11 Vgl. Schleswig-Holsteinischer Landtag (2004), S. 6
12 Vgl. Söndermann, M. (2002), S. 3-4
culturally significant content that is reproduced on an industrial scale.”) 13 In der vorlie-
genden Arbeit werden schwerpunktmäßig die wirtschaftlichen Auswirkungen der
Digitalisierung betrachtet. Daher sollen im Folgenden, in Anlehnung an die Definition
der WIPO, hauptsächlich die Bereiche der Kulturwirtschaft näher betrachtet werden, die
privatwirtschaftlich organisiert sind. Als Kernbereiche der Kulturwirtschaft werden fol-
gende Sektoren zugrunde gelegt:
Musikwirtschaft
Filmwirtschaft
Darstellende Kunst
Buchmarkt
Kunstmarkt
Rundfunk und TV
Diese Definition erfolgt in Anlehnung an eine von der Europäischen Union (EU) festge-
legten Kategorisierung der Kulturwirtschaft. 14
2.2 Volkswirtschaftliche Bedeutung der Kulturwirtschaft
In der Vergangenheit wurde den Bereichen der Kulturwirtschaft eine recht geringe wirt-
schaftliche Bedeutung zugemessen. Sie wurden eher als „ Orchideenfelder
angesehen , die wohl kaum einen nennenswerten Beitrag zur Bruttowertschöpfung, zur
wirtschaftlichen Leistung einer Gesellschaft beitragen können.“ 15 Doch in den letzten
Jahren hat sich die Einstellung zur Kulturwirtschaft grundlegend geändert. In vielen
Bereichen wird die Kulturwirtschaft heute sogar als einer der wichtigsten Wachstums-
und Beschäftigungsmotoren gesehen. So veröffentlichte die EU im Juli 2003 einen Re-
port , in dem sie der Kulturwirtschaft eine signifikante Rolle in der Schaffung neuer
Arbeitspl ätze bescheinigt. („Culture has an economic dimension, contributing to the
GDP it is also classified among the sectors playing a significant role in the creation of
new jobs, as well as in rural and urban development. ) 16 Und auch Untersuchungen der
World Intellectual Property Organisation bestätigten, dass die Bedeutung der Kultur-
wirtschaft bisher unterschätzt wurde. Einige Langzeitstudien bestätigen sogar, dass die
13 World Intellectual Property Organisation (2003), 18
14 Vgl. Söndermann, M. (2002), 7-8
15 Ibid., 1
16 European Parliament (2003), 15
Kulturwirtschaft höhere Wachstums- und Beschäftigungsraten aufweist als der Industriedurchschnitt. 17
Leider konnten keine aktuellen Untersuchungen gefunden werden, welche die Entwicklung der Kulturwirtschaft in Deutschland detailliert untersuchen. Söndermann 18 konnte jedoch durch eine detaillierte Analyse der Kulturwirtschaft bis zum Jahre 2000 zeigen, dass diese eine volkswirtschaftlich wichtige Stellung einnimmt und zunehmend an Bedeutung gewinnt. So zeigt Söndermann auf, dass die Kulturwirtschaft in Deutschland von 1995 bis 2000 ein signifikant größeres Wachstum aufwies, als andere Wirtschaftsbereiche. Das Verlagswesen jedoch, das mit ca. 30% einen großen Teil der Kulturwirtschaft ausmacht, entwickelte sich eher unterdurchschnittlich. Dennoch kann der Kultursektor als eine zunehmend wichtige volkswirtschaftliche Größe angesehen werden. Dies bestätigt auch der Vergleich mit anderen Branchen. So erreichte der Kul-turwirtschaftssektor 1999 schon fast das Niveau der Chemieindustrie. 19 Gesamtwirtschaftlich gesehen lag der Anteil der Kulturwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahre 2000 bei ca. 1,7%. 20
17 Vgl. World Intellectual Property Organisation (2003), S. 11-12
18 Vgl. Söndermann, M. (2002)
19 Vgl. Ibid., S. 10-12
20 Vgl. Ibid., S. 12
Abbildung 3: Entwicklung des Kultursektors und Verlagsgewerbes im Vergleich zum
Bruttoinlandsprodukt 1995-2000
Entwicklung der realen Bruttowertschöpfung, 1995 = 100%
Quelle: Söndermann, M. (2002), S. 11
Abbildung 4: Die Stellung des Kultursektors im Branchenvergleich 1999
Angaben in Mrd. Euro
Quelle: Söndermann, M. (2002), S. 12
2.3 Eigenschaften von Kulturgütern
Kulturgüter besitzen spezielle Eigenschaften, die es erschweren, diese Güter den normalen Gesetzmäßigkeiten des Marktes zu unterwerfen. Während normale, physische Güter durch den Konsum aufgebraucht werden, können Kulturgüter mehrfach konsumiert werden ohne einen Qualitätsverlust zu erleiden. So kann Musik viele Male angehört werden oder ein Buch von mehreren Menschen nacheinander gelesen werden. 21 Diese Eigenschaft wird als Nicht-Rivalität des Konsums bezeichnet und beschreibt eine wesentliche Eigenschaft von öffentlichen Gütern. Um jedoch als öffentliches Gut zu gelten, muss auch die zweite Eigenschaft von öffentlichen Gütern erfüllt sein, die Nicht-Ausschließbarkeit des Konsums. Nicht-Ausschließbarkeit des Konsums impliziert hierbei, dass man niemanden vom Konsum des Gutes ausschließen kann und daher auch keine Kontrolle darüber hat, wer das Gut konsumiert. Aufgrund ihrer speziellen Eigenschaften können öffentliche Güter nicht über den normalen Marktmechanismus koordiniert werden, da die Nicht-Rivalität eine Knappheit des Gutes verhindert und die Nicht-Ausschließbarkeit eine angemessene Entlohnung des Produzenten nicht ermöglicht. 22
Wenn man Kulturgüter betrachtet ergibt sich unweigerlich eine direkte Verknüpfung mit Medien, denn Kulturgüter sind in der Regel immer an ein bestimmtes Medium ge-bunden. Nach Faulstich kann das Medium als „technischer Kanal“ aufgefasst werden, der den Inhalt, das eigentliche Kulturgut, transportiert. 23 Ein Medium kann hierbei eine CD, ein Buch, aber auch ein Lied im iTunes 24 Format sein, das über das Internet verbreitet wird. Entscheidend hierbei ist, dass der eigentliche Wert des Kulturgutes immer im Inhalt liegt und nicht beim Medium.
Eben diese Verbindung mit einem bestimmten Medium entscheidet darüber, ob ein Kulturgut als öffentliches Gut behandelt werden muss. Wenn durch die Eigenschaften des Mediums, an welches ein Kulturgut gebunden ist, eine Ausschließbarkeit erreicht werden kann, dann wird dieses Gut handelbar. Kulturgüter sind demnach im Grundsatz
21 Vgl. Schaaf, J. /Hofmann, J. (2003), S. 3
22 Vgl. Cornes, R. /Sandler, T. (1996), S. 8-10
23 Vgl. Faulstich, W. (2004c), S. 13
24 iTunes ist das Internet Musikportal von Apple. Apple stellt die Songs in einem proprietären Format,
dem iTunes Format, zur Verfügung
öffentliche Güter, können aber durch die Bindung an ein bestimmtes Medium, welches die Ausschließbarkeit ermöglicht, zu privaten, handelbaren Gütern werden.
Eine weitere Eigenschaft von Kulturgütern, auf die hier aber nicht im Näheren eingegangen werden soll, ist das Faktum, dass es sich bei Kulturgütern um Erfahrungsgüter handelt. Dies hat zur Folge, dass die Qualität des Gutes erst im Moment des Konsums ermittelt werden kann. 25
2.4 Eigenschaften digitaler Güter
Da im Rahmen dieser Arbeit die Auswirkungen der Digitalisierung auf Kulturgüter untersucht werden, soll nachfolgend kurz auf die spezifischen Eigenschaften von digitalen Gütern eingegangen werden.
Digitale Güter sind nach Quah Güter, die in Form von Nullen und Einsen in digitaler Form repräsentiert werden können. 26 Kotkamp nennt drei wesentliche Eigenschaften digitaler Güter: Unzerstörbarkeit, Umwandelbarkeit und Reproduzierbarkeit. 27 Unzerstörbarkeit bedeutet in diesem Zusammenhang, dass digitale Güter durch den Gebrauch keiner Abnutzung unterliegen. Nur die Medien, die als Träger digitaler Güter dienen, können einer Abnutzung durch Gebrauch unterliegen. Diese Eigenschaft impliziert die oben beschriebene Nicht-Rivalität des Konsums. Umwandelbarkeit beschreibt die Eigenschaft, dass digitale Güter sehr leicht manipulierbar sind oder zu neuen Produkten zusammengefügt werden können. Reproduzierbarkeit stellt die Tatsache heraus, dass digitale Güter zu sehr geringen Kosten dupliziert werden können. Zudem können von digitalen Gütern perfekte Kopien geschaffen werden, die nicht mehr vom Original zu unterscheiden sind.
Als eine weitere wichtige Eigenschaft von digitalen Gütern stellt Wilke die Komprimierbarkeit heraus. 28 So wird es durch die Digitalisierung und entsprechende Datenreduktionsverfahren möglich, die benötigten Informationen zur Übertragung oder Darstellung eines digitalen Gutes zu reduzieren.
25 Vgl. Hutter, M. (2002), S. 7
26 Vgl. Quah, D. (2002), S. 6
27 Vgl. Kotkamp, S. (2001), S. 8
28 Vgl. Wilke, J. (1999), S. 751-752
2.5 Rechtliche Grundlagen
Da Kulturgüter, wie vorangehend schon beschrieben, Charakteristika von öffentlichen Gütern aufweisen, werden künstlerische, literarische und wissenschaftliche Werke speziell durch das Urheberrechtsgesetz (UrhG) geschützt. 29 Der Urheber besitzt das „geistige Eigentum“ am Werk und das Urheberrechtsgesetz billigt ihm eine Reihe von Verwertungsrechten zu. Zu diesen Verwertungsrechten zählen insbesondere das Recht auf Vervielfältigung, das Verbreitungsrecht, sowie das Recht Bearbeitungen seines Werkes zu verwerten. 30 Allerdings sieht das UrhG zum Schutz der grundgesetzlich geregelten Presse-, Rundfunk-, und Informationsfreiheit (Art. 5 GG) eine Reihe von Schranken für die Ausübung der Verwertungsrechte vor. 31 Als die hier im Kontext bedeutendsten, sollen exemplarisch die Zitierfreiheit und das Recht der Vervielfältigung zum privaten und wissenschaftlichen Gebrauch genannt werden. Auch nach der Novellierung des Urheberrechtsgesetzes zum 13. September 2003 wird das Recht des Konsumenten auf private Vervielfältigung beibehalten. Allerdings wird das Umgehen von Kopierschutzmechanismen unter Strafe gestellt. 32 Die Novellierung des Gesetzes setzt im Wesentlichen die „Richtlinie zum Urheberrecht in der Informationsgesellschaft“ der Europäischen Union um. Diese Richtlinie wurde auf Basis von internationalen Verträgen der World Intellectual Property Organisation (WIPO) vorgelegt. Sie dient der Harmonisierung von Urheberrechtsbestimmungen in verschiedenen Ländern und der Anpassung der Gesetze an das digitale Informationszeitalter. 33
Neben den Rechten, die dem Urheber des Werkes zustehen, gibt es noch die so genannten Leistungsschutzrechte. Exemplarisch beschrieben werden hierbei im Folgenden die Rechte der Tonträger- und der Filmhersteller. 34 Durch den finanziellen Einsatz und das Risiko, das diese bei der Reproduktion eines Werkes eingehen, werden auch ihnen Schutzrechte zugebilligt, die allerdings weniger umfangreich sind wie die der Urheber. An einer CD hält also der Urheber der Musik die „geistigen Rechte“ und der CD-Produzent die Rechte an dem physischen Gut CD. 35
29 Vgl. Veddern, M. (2004), S. 15
30 Vgl. Hoeren, T. (2004), S. 271
31 Vgl. Ibid., S. 279; Für eine ausführliche Beschreibung aller Schranken vgl. §§ 45-63 UrhG
32 Vgl. Bundesministerium der Justiz (2004), S. 1
33 Vgl. Hoeren, T. (2004), S. 255-256
34 Für eine weitergehende Beschreibung der Leistungsschutzrechte vgl. Hoeren, T. (2004), S. 264-271
35 Vgl. Veddern, M. (2004), S. 26-30
Zusammenfassend kann man bemerken, dass das Urheberrecht versucht den Konflikt zwischen dem Wunsch der Konsumenten nach möglichst preiswerten und frei verfügbaren Kulturgütern und der Notwendigkeit einer finanziellen Kompensation der Produzenten zu lösen. Das Urheberrecht soll demzufolge ein Gleichgewicht herstellen, in dem sowohl der Anreiz zur optimalen Kulturgüterproduktion gegeben ist, als auch ein optimaler Verteilungs- und Ausbreitungsgrad gewährleistet wird.
2.6 Digital Rights Management (DRM)
Durch die Bindung von Kulturgütern an bestimmte Medien war es in der Vergangenheit möglich, die Urheberrechte der Produzenten weitgehend durchzusetzen. Durch die physischen Eigenschaften der Medien entstanden dem Konsumenten bei der Reproduktion erhebliche Kosten oder er musste Qualitätsverluste in Kauf nehmen. Durch die Digitalisierung wird es nun aber möglich qualitätsverlustfreie Kopien zu sehr geringen Kosten herzustellen. Hiermit wird die Ausschließbarkeit des Konsums untergraben und Kulturgüter erhalten wieder den Charakter von öffentlichen Gütern. 36 Eben an diesem Punkt setzt Digital Rights Management (DRM) an. DRM versucht aber nicht nur die technische Ausschließbarkeit bei digitalen Gütern wiederherzustellen, sondern bietet auch ein Instrument um Rechte zu überwachen und zu verwalten. („The second-generation of DRM covers the description, identification, trading, protection, monitoring and tracking of all forms of rights usages over both tangible and intangible assets including management of rights holders relationships.” 37 )
DRM Systeme setzen verschiedene Technologien ein, um Kulturgüter vor illegalem Kopieren zu schützen und die Nutzung illegaler Kopien zurückzuverfolgen. So werden z.B. digitale Wasserzeichen und Signaturen verwendet um die Authentizität von Inhalten, Systemkomponenten und Nutzern zu gewährleisten. Verschlüsselungs- und Kopierschutztechnologien werden eingesetzt um das Kopieren von Inhalten zu unterbinden. Auch manipulationssichere Hard- und Softwarebausteine sollen dazu beitragen, den Missbrauch zu erschweren. Oft werden DRM Systeme zusätzlich mit Zahlungssystemen gekoppelt oder in E-Commerce Lösungen implementiert. 38 Auf die genaue
36 Vgl. Kay, R. (2003), S. 33
37 Ianella, R. (2001)
38 Vgl. Bechtold, S. (2004), S. 334
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Diplom Kaufmann; Master of Computing Markus Mayer, 2005, Kulturwirtschaft im Wandel - Eine vergleichende Analyse der Auswirkungen von Digitalisierung auf ausgewählte Branchen der Kulturwirtschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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