Gliederung:
Ι. Ausgangslage vor 1921 und Problemstellung 2
ΙΙ. Darstellung. 4
1. Über die Reparationsfrage zum Beginn der Erfüllungspolitik 4
2. Die Oberschlesienfrage. 6
3. Der Weg zur Konferenz von Genua 7
4. Das Scheitern der Konferenz von Genua und der Vertrag von Rapallo. 9
5. Das Ende der Erfüllungspolitik. 12
6. Die Besetzung des Ruhrgebiets 14
7. Der Beginn der Ära Stresemann 16
8. Der Abbruch des passiven Widerstandes und der Weg zum Dawes-Plan 17
ΙΙΙ. Schlussbetrachtung: Deutsche Strategien während der Krise von 1921 bis
1923 20
Literaturverzeichnis : 22
1
Ι. Ausgangslage vor 1921 und Problemstellung
Der jungen Demokratie der Weimarer Republik wurde, nachdem sie aus der Revolution von 1918/1919 hervorgegangen war, keine ruhige Zeit beschert, in welcher man die Erfahrungen des Ersten Weltkrieges hätte verarbeiten können. Das Gegenteil war der Fall.
Außenpolitisch war die Situation erdrückend. Durch den Versailler Vertrag wurden Deutsch-land dermaßen harte Bestimmungen auferlegt, dass die daraus entstandenen Probleme als nahezu unlösbar erschienen. Neben den äußerst schmerzhaften Gebietsabtretungen, dem Verlust aller Kolonien und der massiven Reduzierung des Heeres sowie der Waffenbestände, war die Verpflichtung Deutschlands zu Reparationszahlungen an die Siegermächte der entscheidende Aspekt des „Diktatfriedens“, als welcher er von der deutschen Bevölkerung angesehen wurde.
Vor allem Frankreich, welches während der Verhandlungen auf der Pariser Friedenskonferenz sogar noch tiefere Einschnitte in die Struktur der Großmacht Deutschland gefordert hatte, betrieb nach Abschluss des Vertrages eine rigorose Revisionspolitik, deren Ziel es war, das eigene Sicherheitsbedürfnis durch möglichst starke Schwächung Deutschlands zu befriedigen. Wenn es jedoch im Europa der Nachkriegszeit einen Staat gab, der den französischen Machtbestrebungen entgegen und zugunsten des Erhalts Deutschlands als Großmacht und seiner Wirtschaftskraft agierte, dann war dies England. Die Briten verfolgten eine Politik, die der Maxime folgte, dass das Gleichgewicht der Mächte auf dem Kontinent erhalten bleiben müsste, weshalb man sich klar gegen die Vormachtsstellung Frankreichs auf Kosten Deutschlands wandte.
Aus dieser Konstellation heraus lassen sich schon die Schwierigkeiten erahnen, die den Staaten Europas im Ringen um eine vernünftige Nachkriegsordnung bevorstanden. Nach dem Inkrafttreten des Versailler Vertrages am 10.1.1920 begann dann auch eine Phase schwerster außenpolitischer Auseinandersetzungen und dauernder Krisen, welche durch den Konflikt um die Höhe der Reparationsverpflichtungen Deutschlands ab 1921 eine zusätzliche Verschärfung erfuhr.
2
Ziel dieser Arbeit soll es sein, die außenpolitische Entwicklung der Jahre 1921 bis 1923 darzustellen, wobei der gegebene Rahmen selbstverständlich nur eine Beschränkung auf die wesentlichen Ereignisse erlaubt. Darüber hinaus möchte ich mich der Frage widmen, welche Strategien Deutschland in dieser wechselvollen Zeit verfolgte und inwieweit erst die „neue“ Form der Außenpolitik Gustav Stresemanns den Wandel im Umgang mit den Alliierten brachte, woraufhin ab 1924 eine Entspannung einsetzte.
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ΙΙ. Darstellung
1. Über die Reparationsfrage zum Beginn der Erfüllungspolitik
Im Versailler Vertrag vom 28.6.1919 war zwar festgelegt worden, dass Deutschland Reparationen an die Alliierten zu leisten habe, die Höhe der deutschen Gesamtschuld sowie die Art und Weise der Zahlung waren aber nicht geregelt worden. Ohne Deutschland miteinzubeziehen, berieten die Alliierten in der Folgezeit auf insgesamt 23 Konferenzen den Gesamtbetrag der Reparationen sowie die Höhe der Annuitäten, bis man sich schließlich auf der Konferenz in Paris, die im Januar 1921 stattfand, auf eine Gesamtsumme von 226 Mrd. Goldmark einigte, die in einem Zeitraum von 42 Jahren geleistet werden sollte. 1 Im Falle einer Ablehnung von deutscher Seite wurden rigorose Sanktionen in Form von Besetzung deutscher Städte angedroht.
Auf der darauf folgenden Londoner Konferenz, die Anfang März 1921 abgehalten wurde, sollte Deutschland den Pariser Beschlüssen zustimmen. Die alliierten Forderungen hatten jedoch in Deutschland zu großer Entrüstung geführt und wurden sowohl von der Politik als auch von der Wirtschaft abgelehnt. 2 Deshalb entschloss sich die deutsche Regierung zur Ausarbeitung eines Gegenvorschlags, der Reparationsleistungen in Höhe von nur 50 Mrd. Goldmark vorsah. Dies war aus alliierter Sicht völlig ungenügend und führte schließlich aufgrund der unnachgiebigen deutschen Haltung zum Inkrafttreten der Sanktionen. So kam es zur Besetzung der Städte Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort. 3
Die Entscheidung der Reparationsfrage war damit aber noch einmal vertagt worden. In weiteren Beratungen während der folgenden Wochen beschlossen die Alliierten eine Absenkung der Gesamtschuld auf 132 Mrd. Goldmark, welche in Annuitäten von etwa 3 Mrd. Goldmark geleistet werden sollten. Währenddessen begann sich in Deutschland ein Klima zu entwikkeln, welches geprägt war durch unreflektierte Empörung über die alliierten Positionen. Dies schwächte die Regierung Fehrenbach zunehmend und machte sie schließlich außenpolitisch nahezu handlungsunfähig. 4
1 Eberhard Kolb, Die Weimarer Republik. München 6 2002, S. 46.
2 Peter Krüger, Die Außenpolitik der Republik von Weimar. Darmstadt 1 1985, S. 122.
3 Heinrich August Winkler, Weimar 1918-1933. München 3 1998, S. 147.
4 Krüger, Außenpolitik der Republik von Weimar, S. 126.
4
Am 27. April 1921 überreichte man die neuen alliierten Forderungen. Da die deutsche Außenpolitik sich nun vollständig in die Ecke gedrängt fühlte, suchte man den Kontakt zu den USA, die ja als Hauptgläubiger der Siegerstaaten ein großes Interesse an einer Regelung der Reparationen hatten. Der Versuch, Amerika als Vermittler zu gewinnen, scheiterte jedoch, was der Regierung sozusagen den „Todesstoß“ versetzte. Mangels Perspektiven demissionierte das Kabinett Fehrenbach am 4.5.1921. 5
Die nun existierende Regierungskrise verschärfte sich noch einmal, als zwei Tage später, am 6.5.1921, das „Londoner Ultimatum“ in Berlin eintraf. Neben den bereits bekannten Reparationsbestimmungen enthielt es auch Forderungen zur Vorantreibung der Entwaffnung Deutschlands, sowie zur Aburteilung deutscher Kriegsverbrecher. 6 Deutschland wurde sechs Tage Zeit zur Annahme gegeben, andernfalls drohte man mit der Besetzung des Ruhrgebiets. Dieser für Deutschland enorm wichtige Wirtschaftsraum war seit Kriegsende ins Visier der französischen Regierung geraten, deren Gebietsforderungen durch den Versailler Vertrag nicht erfüllt worden waren. Insofern spekulierte Frankreich auf eine Nichtannahme des Ultimatums durch Deutschland, um auf diese Weise den Versailler Vertrag nachträglich zu seinen Gunsten zu revidieren. 7
Unter dem Druck dieser Situation wurde am 10.5.1921 der Zentrumspolitiker Joseph Wirth zum Reichskanzler ernannt, dessen Minderheitskabinett noch am selben Tag die Annahme des Londoner Ultimatums im Reichstag durchsetzen konnte.
Mit dem Amtsantritt der Regierung Wirth und der Annahme des Ultimatums begann eine neue Phase der deutschen Außenpolitik, die der „Erfüllungspolitik“, welche bis zum November 1922 andauern sollte. Man agierte nun nach neuen Prinzipien. Wirth hatte erkannt, dass eine Verweigerungshaltung gegenüber den Siegermächten Deutschland mehr schadete als nutzte. Gleichzeitig war er jedoch der Ansicht, „daß das Londoner Ultimatum die deutsche Leistungsfähigkeit bei weitem überstieg“. 8 Insofern war man der Meinung, dass die einzige Alternative darin bestand, „die Reparationsforderungen soweit irgendmöglich zu erfüllen, um ihre Undurchführbarkeit zu beweisen“. 9
5 Winkler, Weimar 1918-1933, S. 155f.
6 Winkler, Weimar 1918-1933, S. 156.
7 Kolb, Weimarer Republik, S. 46.
8 Winkler, Weimar 1918-1933, S. 157.
9 Krüger, Außenpolitik der Republik von Weimar, S. 132.
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Arbeit zitieren:
Hannes Langhammer, 2004, Die Außenpolitik der Weimarer Republik zwischen 1921 und 1923, München, GRIN Verlag GmbH
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