Inhalt
1. Einleitung 3
2. Was ist Rhetorik? - Eine Definition. 3
3. Historische Entwicklung der Rhetorik
3.1 Entstehung und Beginn der Rhetorik in Griechenland 4
3.2 Das Ideal vom „perfectus orator“ - Rhetorik bei den Römern 5
3.3 Christliches Mittelalter und die „artes liberales“ 6
3.4 Humanismus und Renaissance - zurück zu Cicero. 7
3.5 Die Rhetorik im Schatten der Aufklärung. 7
3.6 Rhetorik der Gegenwart 8
4. Allgemeine Rhetorik
4.1 Die klassischen Redegattungen 9
4.2 Produktstadien einer Rede. 10
4.2.1 Inventio: Das Auffinden der Argumente 10
4.2.2 Dispositio: Die Gliederung des Vortrags 10
4.2.3 Elocutio: Der sprachliche Ausdruck 11
4.2.4 Memoria: Das Einprägen der Rede 11
4.2.5 Actio: Der Vortrag. 12
4.3 Argumentationslehre. 12
4.3.1 Topik - Das Grundmuster der Argumentation 12
4.3.2 Syllogismus und Enthymem 15
4.4 Stilmittel der Rhetorik 15
4.4.1 Redeschmuck. 16
5. Ein Fazit - Demokratie und freie Rede 18
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1. Einleitung
„Am Anfang war das Wort“ und am Anfang gab es einfach einen guten Redner oder die gute Rednerin. Der erste Rhetoriker kam danach und er beobachtete einfach nur. Warum stimmt man denen einfach zu? Warum setzen sich ihre Meinungen durch? Warum versteht jeder was sie meinen? Dies war die Geburtsstunde der Rhetorik. Sie ist die älteste Kommunikationswissenschaft. Ihre Anfänge liegen im antiken Griechenland. Auch die heutige rhetorische Theorie basiert auf den antiken Rhetorikern.
Bewusst oder unbewusst, wir alle verwenden in unserer alltäglichen Artikulation Bausteine der rhetorischen Theorie und Praxis. Die wenigsten sind aber in der rhetorischen Beredsamkeit geübt oder geschult. Welche Einteilungsgebiete einer Rede gibt es? Wie gestaltet sich die rhetorische Argumentationslehre? Wie schmücke ich meine Rede aus? Warum ist der, in der Antike formulierte, ethisch-moralische Anspruch der Rhetorik heute immer noch von Bedeutung? Auf diese Fragen möchte die vorliegende Arbeit eingehen. Ziel ist es nicht einen allumfassenden detaillierten Einblick zu geben, sondern vielmehr soll ein Grundriss über die wesentlichen Teile der rhetorischen Historie und Systematik, also der Allgemeinen Rhetorik gezogen werden.
Wesentliche wissenschaftliche Grundlage der Darstellung ist das von Gerd Ueding verfasste Kompendium „Klassische Rhetorik“, das „Studienbuch Rhetorik“ als Curriculum der Rhetorik-Kurse der Universität Salzburg sowie das von Gert Ueding und Bernd Steinbrink verfasste Werk „Grundriss der Rhetorik“.
2. Was ist Rhetorik? - Eine Definition
Der Gebrauch von rhetorischer Theorie und Praxis erfolgt heutzutage in unterschiedlichen Kontexten und Bedeutungen. In modernen Gesellschaften sind öffentliche Debatten und die Diskussion kontroverser Fragen die wichtigsten Instrumente um Entscheidungen herbeizuführen. Dies ist zugleich die Voraussetzung für eine rhetorische Lehre überhaupt, denn der Begriff der Rhetorik lässt sich als zusammenfassendes Prinzip für die Theorie und Praxis der menschlichen Beredsamkeit festhalten. Diese findet in allen öffentlichen wie privaten, in mündlicher wie schriftlicher Form statt.
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Bevor man die Rhetorik systematisch erfasst, ist sie als Erfahrungswissenschaft zu verstehen, die auf einer Beobachtung rhetorischer Sprechakte beruht. So schlussfolgerte bereits Aristoteles, „man kann die Ursache untersuchen, weshalb die einen Erfolg erzielen aufgrund der Gewohnheit, die anderen durch Zufall; alle möchten aber wohl zugeben, dass etwas Derartiges bereits Aufgabe einer Theorie ist“ (Aristoteles in Ueding 2000b, S.7). Aus diesen Erkenntnissen und Hypothesen der Betrachtung menschlicher Beredsamkeit wurden die Regeln und Techniken der Rhetorik als Theorie abgeleitet. Die Systematik der Rhetoriktheorie versucht die Allgemeine Rhetorik zu beschreiben.
Die Rhetorik als Praktische Disziplin beschreibt die Angewandte Rhetorik. Als Teil der Sprechwissenschaft und Sprecherziehung bedient sie sich des historisch entstandenen Systems rhetorischer Theorie und widmet sich der Bildung, Übung und Verfeinerung wirkungsorientierten Sprechens in Bezug auf verbale Äußerungen aber auch auf das nonverbale Verhalten der Kommunikation. (Vgl. Ueding 2000b, S. 7 ff.)
3. Historische Entwicklung der Rhetorik
3.1 Entstehung und Beginn der Rhetorik in Griechenland
Die Ausbildung der Rhetorik fand im antiken Griechenland statt. Im 5. vorchristlichen Jahrhundert setzte sich, nach dem Sturz der Tyrannenherschaft das Modell der attischen Demokratie durch. Politische Auseinandersetzungen wurden jetzt öffentlich und in großen Volksversammlungen ausgetragen. Analog hierzu führte die Neuordnung der Verhältnisse zu Spannungen und Streitigkeiten in der Bevölkerung. Diese Interessensgegensätze wurden in vielen Gerichtsprozessen behandelt. Da es für den Erfolg in einer solchen Verhandlung auf die Wirksamkeit und die Überzeugungskraft der Rede über den eigenen Standpunkt ankam, wurden diese oftmals von einem Fachmann, einem „Logographen“ geschrieben. (Ueding/Steinbrink 2005, S.13)
Hier lässt sich der eigentliche Beginn der Entwicklung rhetorischer Theorie setzen. Es waren die Sizilianer Korax und dessen Schüler Teisias, die anlässlich eines Rechtsstreits eine Argumentationslehre und ein Dispositionsschema der Gerichtsrede einführten. Aus der Schule der beiden Sizilianer ging der Athener Gorgias von Leontini (etwa 480 - 380 v. Chr.), einer der bekanntesten Rhetoren der damaligen Zeit hervor. Für Gorgias stand die Kunstfertigkeit der Rede im Vordergrund, weniger die Frage nach der Wahrheit.
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Bei ihm lässt sich auch die Metapher der „Rede als Waffe“ finden. Er erkannte, dass ein guter Redner der schwächeren Sache zum Sieg verhelfen könne. Im späteren Streit der Philosophenschulen attackierte Sokrates (470-399 v. Chr.) Rhetoren wie Gorgias als käufliche Lehrer der Weisheit - als „Sophisten“. Sokrates ging es um die Erkenntnis des wahren Guten im Menschen. Ihm wird die Mäeutik 1 , die „Hebammenkunst“, zugeschrieben. Auch Platon (427-347 v. Chr.) vertrat nicht die sophistische Lehre. In seinem Werk „Gorgias“ kritisiert er die bestehende Rhetorik als Schmeichelei, die nur den Leuten nach dem Mund rede. (vgl. Kolmer/Rob-Santer 2002, S.21f. )
Mit der „Rhetorik“ schrieb Aristoteles (384-322 v. Chr.) das wohl folgenreichste und bedeutendste antike Lehrbuch zur Redelehre. Aufgabe der Rhetorik sei „ nicht … zu überreden, sondern zu erkennen, was … jeder Sache an Überzeugendem zugrunde liegt.“ (Aristoteles, I,1,14 1355b) Aristoteles weist der Rhetorik eine Mittelstellung zwischen Dialektik und Philosophie zu. In seiner Darstellung beschränkt sich Aristoteles nicht nur auf Systematik der Rhetorik, sondern schenkt auch der Zuhörerpsychologie (Trias: Sache-Redner-Hörer) Aufmerksamkeit.
3.2 Das Ideal vom „perfectus orator“ -Rhetorik bei den Römern
Ähnlich wie in Griechenland, verhalf auch im antiken Rom die Praxis der öffentlich ausgetragenen Debatte, der Rhetorik zum Durchbruch. Innenpolitische
Auseinandersetzungen während der Zeit der römischen Republik bereiteten hierzu die Voraussetzung: „Die politische Entscheidungsgewalt lag in den Händen des Senats (…), und musste vor diesem höchsten Gremium durch gemeinsames Berastschlagen und gegenseitige Überzeugung die Entscheidung herbeigeführt werden, so galt es oftmals in einem zweiten Zuge, die jeweiligen Entschließungen den Bürgern öffentlich zu vermitteln.“ (Ueding 2000a, S. 38)
Während der politischen Machtkämpfe zwischen Cäsar und seinen Widersachern entstand von Marcus Tullius Cicero (106-34 v. Chr.) das Hauptwerk „Über den Redner“ (De oratore). Cicero schuf die Grundlage für eine umfassende Lehre der Beredsamkeit.
1 Mäeutik; eine von Sokrates entwickelte Methode, bei der durch geschicktes Fragen die im Partner unentdeckten, ihm aber nicht bewussten richtigen Antworten und Einsichten herauf geholt werden sollen.
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In seinem Idealbild vom perfectus orator (dem perfekten Redner) stellte er den Rhetoriker auf ein grundlegendes Fundament bestehend aus
umfassender Allgemeinbildung und moralischen Verantwortungsbewusstsein. (vgl. Kolmer/Rob-Santer 2002, S.23)
Nach der Ansicht Ciceros wird niemand „… ein in jeder Hinsicht vollkommener Redner sein können, wenn er sich nicht Kenntnisse von allen wichtigen Gegenständen und Wissenschaften angeeignet hat. Denn aus der Erkenntnis der Sachen muss die Rede erblühen und hervorströmen.“ (Cicero in Ueding 2000a, S. 42). Diese Persönlichkeitsideale leben in tradierter Form bis in unsere heutige Zeit fort.
Nach Cicero war es Quintilian (ca. 30-96), der mit dem Lehrwerk „Die Ausbildung des Redners“ (Instituto oratoria) das umfangreichste Lehrbuch der Antike anfertigte. Er fasste das gesamte rhetorische Wissen der Antike zusammen. In seinem Ideal des vir bonus (des guten Menschen) entwickelte er ethische und moralische Grundlagen der rhetorischen Glaubwürdigkeit und Verantwortung. Für Quintilian bot die Rhetorik die Grundlage der Erziehung zum gebildeten und moralisch urteilenden Menschen. In Rom wurde eigens für ihn ein Lehrstuhl für Rhetorik eingerichtet. (vgl. Kolmer/Rob-Santer 2002, S. 24)
3.3 Christliches Mittelalter und die „artes liberales“
Mit dem Beginn der Epoche des Mittelalters setzte eine Periode des allgemeinen kulturellen Niedergangs ein. Zwar gehörte die Rhetorik zu dem schon in der Spätantike gebildeten Lehrgebäude der sieben freien Künste (septem artes liberales) 2 an, doch die auf theologischen Dogmen basierende scholastische Schulwissenschaft 3 reduzierte die Philosophie und damit auch die Rhetorik allein auf Logik und Anerkennung von christlichen Glaubenswahrheiten. Die Kontinuität des antiken Streites zwischen Philosophen und Rhetorikern konnte so im Mittelalter nicht fortgesetzt werden.
2 Der Begriff der artes liberales (der freien Künste) geht auf Seneca (4 v. - 65 n. Chr) zurück. Er beschrieb damit die Bildungsdisziplinen des Mittelalters. Die in das trivium (Dreiweg) aus Grammatik, Rhetorik und Dialektik sowie das quadrivium (Vierweg) aus Mathematik, Geometrie, Astronomie und Musik unterteilt waren.
3 Scholastik; eine auf der antiken Philosophie fußende, christliche Dogmen verarbeitende philosophische und theologische Schule des Mittelalters.
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Arbeit zitieren:
Thomas Schnabelrauch, 2006, Rhetorik - Eine Einführung in Historie und Systematik, München, GRIN Verlag GmbH
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