Danksagung 2
Widmen möchte ich diese Diplomarbeit meinem Vater, Frank-Michael Jamrowski.
Er ist ein tapferer, intelligenter und sehr humorvoller Mensch, den ich unheimlich lieb habe.
Zudem rettet er mich pünktlich zu Monatsanfang vor dem offiziellen Bankrott.
Danksagung 3
Bei Herrn Prof. Dr. Ulrich Wagner möchte ich mich dafür bedanken, dass er die Arbeit in kürzester Zeit durchgeschaut hat und seine Anmerkungen wertvoll waren. Als Anleiter versteht er es, zu einer selbständigen Herangehens- und Arbeitsweise hin zuführen. Herrn Dipl.-Psych. Oliver Christ bin ich dankbar für die Unterstützung bei der Präsentation der Diplomarbeit. Zudem hat er als engagierter Mitarbeiter der AG etwas von seiner Zeit abgezwackt und mir eine Einführung in das Verfahren der Mehrebenenanalyse gegeben. Frau Dipl.-Psych. Hinna Wolf vom Institut für Konflikt- und Gewaltforschung in Bielefeld war für Fragen stets offen. Zudem hat sie eine anschauliche Art, verzwickte Sachverhalte interessant zu vermitteln. Die Zusammenarbeit mit ihr habe ich als motivierend emp-funden.
Meiner Kommilitonin Kirsten Koffre danke ich nicht nur für ihren Sachverstand, sondern auch dafür, dass sie eine verdammt gute Freundin ist. Egal, ob es um Anregung, Diskussion oder Motivation ging, sie war immer da.
Meinem Hiwi-Kollegen Felix Eschenburg danke ich dafür, dass er mich in R eingearbeitet hat und jederzeit ansprechbar war. Sein Enthusiasmus für ungewöhnliche Software trieb mich zwar kurzzeitig in den Wahnsinn, erwies sich jedoch im Nachhinein als arbeitserleichternd. Ja, ich werde OpenOffice behalten und nein, Linux kommt mir derzeit nicht auf den PC.
Unserem gemeinsamen Arbeitgeber Dr. Hans-Onno Röttgers danke ich für die Möglichkeit einer sehr flexiblen Arbeitszeitgestaltung. Er ist einfach der beste Chef von allen. Meinen Freunden Katja MacPherson und Thomas Gröger danke ich dafür, dass ich meine Präsentation vortragen durfte sowie für Korrekturlesen und Diskussionen über Fremdenfeindlichkeit.
Bei Herrn Langer möchte ich mich für seine kleinen italienischen Verhältnisse (sprich sein unschlagbares Organisationstalent) und wohltuende Menschlichkeit bedanken.
Inhaltsverzeichnis 4
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 13
1.1 Zentrale Fragestellung der vorliegenden Arbeit. 15
2 Theorie: Stand der Forschung. 16
2.1 Definition relevanter Begriffe. 16
2.2 Theorien über den Einfluss variierender Ausländeranteile auf
Fremdenfeindlichkeit und Herleitung der zentralen Hypothese. 19
2.3 Empirische Befunde zu Einflussfaktoren auf Fremdenfeindlichkeit
und Herleitung der weiteren Hypothesen. 28
2.3.1 Einflussgrößen der Demographie. 28
2.3.1.1 Region (West- beziehungsweise Ostdeutschland) 28
2.3.1.2 Gemeindetyp. 30
2.3.1.3 Geschlecht. 32
2.3.1.4 Alter 33
2.3.1.5 Bildungskontext. 35
2.3.1.5.1 Schulausbildung 35
2.3.1.5.2 Berufsausbildung. 37
2.3.2 Einflussgrößen der Desintegration 39
2.3.3 Politische Einflussgrößen. 42
2.3.4 Einfluss der Persönlichkeit. 44
2.3.5 Einfluss des Intergruppenkontakts 46
2.3.6 Der gemeinsame Einfluss diverser Drittvariablen auf Fremdenfeindlichkeit. 48
3 Methode 50
3.1 Hintergrund des GMF-Survey und Untersuchungsanlass. 50
3.2 Stichprobengenerierung. 51
3.3 Stichprobengewichtung. 53
3.4 Zeitlicher Rahmen und Durchführung der Interviews. 54
3.5 Fragebogendesign. 54
3.6 Beschreibung der Messinstrumente. 55
3.6.1 Kriterium: Fremdenfeindliche Einstellungen. 56
3.6.2 Hauptprädiktor: Ausländeranteil im Landkreis. 57
3.6.3 Potentiell verzerrende Drittvariablen 58
Inhaltsverzeichnis 5
3.6.3.1 Kategorie Demographie. 58
3.6.3.1.1 Drittvariable Region. 58
3.6.3.1.2 Drittvariable Gemeindetyp. 60
3.6.3.1.3 Drittvariable Alter. 61
3.6.3.1.4 Drittvariable Bildung. 61
3.6.3.2 Kategorie Desintegration. 63
3.6.3.2.1 Drittvariablen Relative Deprivation und
Wirtschaftliche Desintegration. 64
3.6.3.2.2 Drittvariable Politisch-gesellschaftliches
Machtlosigkeitsempfinden. 70
3.6.3.2.3 Drittvariablen Soziale Isolation und
Generelle sozial-emotionale Desintegration. 71
3.6.3.3 Kategorie politische Korrelate. 72
3.6.3.3.1 Drittvariable Politische Einstellung. 73
3.6.3.3.2 Drittvariablen des Nationalgefühls. 74
3.6.3.3.3 Drittvariablen des Nationalstolzes. 74
3.6.3.4 Kategorie Persönlichkeit. 75
3.6.3.5 Kategorie Intergruppenkontakt. 75
3.6.3.5.1 Drittvariable Möglicher Intergruppenkontakt. 76
3.6.3.5.2 Drittvariable Tatsächlicher Intergruppenkontakt. 76
3.7 Methodisches Vorgehen. 76
4 Ergebnisse. 80
4.1 Beschreibung der Stichproben. 80
4.1.1 Gewichtete Gesamtstichprobe. 81
4.1.2 Gewichtete Stichprobe A 81
4.1.3 Gewichtete Stichprobe B. 82
4.1.4 Stichprobenverteilungen hinsichtlich demographischer Merkmale. 82
4.2 Statistische Kennwerte und interne Konsistenzen der Messinstrumente. 84
4.2.1 Statistische Kennwerte des Kriteriums Fremdenfeindliche Einstellungen. 84
4.2.2 Statistische Kennwerte des Hauptprädiktors Ausländeranteil im Landkreis 86
4.2.3 Statistische Kennwerte der Variablen der Demographie. 86
4.2.4 Statistische Kennwerte der Variablen der Desintegration 87
Inhaltsverzeichnis 6
4.2.4.1 Relative Deprivation. 87
4.2.4.2 Wirtschaftliche Desintegration. 91
4.2.4.3 Politisch-gesellschaftliches Machtlosigkeitsempfinden. 92
4.2.4.4 Soziale Isolation. 94
4.2.4.5 Generelle sozial-emotionale Desintegration. 95
4.2.5 Statistische Kennwerte der Variablen der Politik. 96
4.2.5.1 Politische Einstellung. 97
4.2.5.2 Nationalgefühl. 97
4.2.5.3 Nationalstolz. 99
4.2.6 Statistische Kennwerte der Persönlichkeitsvariable (Autoritarismus) 101
4.2.7 Statistische Kennwerte der Variablen des Intergruppenkontakts 102
4.2.7.1 Möglicher Intergruppenkontakt. 102
4.2.7.2 Tatsächlicher Intergruppenkontakt. 103
4.3 Überprüfung der Hypothesen. 105
4.3.1 Prüfung auf Linearität des fokussierten Zusammenhangs. 105
4.3.2 Zusammenhang zwischen Hauptprädiktor und Kriterium. 105
4.3.3 Einfluss des Hauptprädiktors auf das Kriterium unter
Ber ücksichtigung von Drittvariablen. 106
4.3.3.1 Einfluss des Hauptprädiktors auf das Kriterium unter
separater Berücksichtigung demographischer Drittvariablen 108
4.3.3.2 Einfluss des Hauptprädiktors auf das Kriterium unter
separater Berücksichtigung desintegrativer Aspekte. 111
4.3.3.3 Einfluss des Hauptprädiktors auf das Kriterium unter
separater Berücksichtigung politischer Korrelate. 115
4.3.3.4 Einfluss des Hauptprädiktors auf das Kriterium unter
der Berücksichtigung von Persönlichkeit (Autoritarismus) 117
4.3.3.5 Einfluss des Hauptprädiktors auf das Kriterium unter
separater Berücksichtigung von Intergruppenkontakt-Indikatoren. 119
4.3.4 Zusammenfassung der bisherigen Ergebnisse 121
4.3.5 Einfluss des Hauptprädiktors auf das Kriterium unter simultaner
Ber ücksichtigung aller beziehungsweise einer Auswahl an Drittvariablen. 122
4.4 Testung auf Unterschiede zwischen den Teilstichproben 124
Inhaltsverzeichnis 7
4.5 Ergebnisse der Mehrebenenanalysen 126
4.6 Zusammenfassender Überblick aller bisher dargestellten Ergebnisse. 132
5 Diskussion. 135
5.1 Kritische Betrachtung der Befunde. 135
5.2 Zu den Hypothesen. 138
5.2.1 Hypothese 1. Zum erwarteten negativen Zusammenhang zwischen
Ausl änderanteil im Landkreis und fremdenfeindlichen Einstellungen. 138
5.2.2 Hypothese 2. Zum Einfluss der demographischen Drittvariablen
auf den fokussierten Zusammenhang. 138
5.2.3 Hypothese 3. Zum Einfluss desintegrativer Aspekte
auf den fokussierten Zusammenhang. 140
5.2.4 Hypothese 4. Zum Einfluss politischer Korrelate
auf den fokussierten Zusammenhang. 142
5.2.5 Hypothese 5. Zum Einfluss der Persönlichkeit
auf den fokussierten Zusammenhang. 143
5.2.6 Hypothese 6. Zum Einfluss von Intergruppenkontakt
auf den fokussierten Zusammenhang. 145
5.2.7 Hypothese 7. Zum gemeinsamen Einfluss aller beziehungsweise
einer Auswahl an Drittvariablen auf den fokussierten Zusammenhang. 146
5.3 Einschränkungen der Untersuchung und Ausblick. 147
6 Literatur 150
Tabellenverzeichnis 8
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1. Items der Skala "Fremdenfeindliche Einstellungen" 57
Tabelle 3. Einzelitem Alter der Teilnehmer. 61
Tabelle 4. Einzelitem Schulbildung der Teilnehmer. 62
Tabelle 5. Einzelitem Berufsausbildung der Teilnehmer. 63
Tabelle 6. Einzelitems des Subtraktions-Index: Individuelle Relative Deprivation. 67
Tabelle 7. Gesamtindex Relative Deprivation:Subtraktions-Index und Einzelitems 67
Tabelle 8. Einzelitems des Index "Wirtschaftliche Desintegration" 70
Tabelle 9. Items der Skala "Politisch-gesellschaftliches Machtlosigkeitsempfinden" 71
Tabelle 10. Items der Skala "Soziale Isolation" 72
Tabelle 11. Items der Skala "Generelle sozial-emotionale Desintegration" 72
Tabelle 12. Einzelitem Politische Einstellung. 73
Tabelle 13. Einzelitem Nationalgefühl I. 74
Tabelle 14. Einzelitem Nationalgefühl II. 74
Tabelle 15. Einzelitem Nationalstolz I. 74
Tabelle 16. Einzelitem Nationalstolz II. 75
Tabelle 17. Items der Skala "Autoritarismus" 75
Tabelle 18. Items der Skala "Möglicher Intergruppenkontakt" 76
Tabelle 19. Items der Skala "Tatsächlicher Intergruppenkontakt" 76
Tabelle 21. Stichprobenzusammensetzung hinsichtlich demographischer Merkmale. 84
Tabelle 22. Darstellung der internen Konsistenzen, Mittelwerte und
Standardabweichungen : Skala "Fremdenfeindliche Einstellungen" 85
Tabelle 23. Antwortverhalten in Prozent: Einzelitems der
Skala "Fremdenfeindliche Einstellungen" 86
Tabelle 24. Prozentuale Verteilung der 10 Kategorien des Gemeindetyps. 88
Tabelle 25. Darstellung der internen Konsistenzen, Mittelwerte und
Standardabweichungen : Gesamtindex "Relative Deprivation" 89
Tabelle 26. Antwortverhalten in Prozent: Einzelitem (3)
des Gesamtindex "Relative Deprivation" 91
Tabelle 27. Antwortverhalten in Prozent: Einzelitem (4)
des Gesamtindex "Relative Deprivation" 91
Tabelle 28. Antwortverhalten in Prozent: Einzelitem (5)
des Gesamtindex "Relative Deprivation" 92
Tabellenverzeichnis 9
Tabelle 29. Darstellung der internen Konsistenzen, Mittelwerte und
Standardabweichungen: Skala "Politisch-gesellschaftliches Machtlosigkeitsempfinden".. 94 Tabelle 30. Antwortverhalten in Prozent: Einzelitems der Skala
"Politisch-gesellschaftliches Machtlosigkeitsempfinden".................................................... 95 Tabelle 31. Darstellung der internen Konsistenzen, Mittelwerte und
Standardabweichungen: Skala "Soziale Isolation"............................................................. 95 Tabelle 32. Antwortverhalten in Prozent: Einzelitems Skala "Soziale Isolation"................ 96 Tabelle 33. Darstellung der internen Konsistenzen, Mittelwerte und
Standardabweichungen: Skala "Generelle sozial-emotionale Desintegration".................. 96 Tabelle 34. Antwortverhalten in Prozent: Einzelitems
Skala "Sozial-emotionale Desintegration".......................................................................... 97 Tabelle 35. Antwortverhalten in Prozent: Einzelitem "Nationalgefühl I"............................. 99 Tabelle 36. Antwortverhalten in Prozent: Einzelitem "Nationalgefühl II".......................... 100 Tabelle 37. Antwortverhalten in Prozent: Einzelitem "Nationalstolz I".............................. 101 Tabelle 38. Antwortverhalten in Prozent: Einzelitem "Nationalstolz II"............................. 101 Tabelle 39. Darstellung der internen Konsistenzen, Mittelwerte und
Standardabweichungen: Skala "Autoritarismus".............................................................. 102 Tabelle 40. Antwortverhalten in Prozent: Einzelitems Skala "Autoritarismus"..................103 Tabelle 41. Darstellung der internen Konsistenzen, Mittelwerte und
Standardabweichungen: Skala "Möglicher Intergruppenkontakt".....................................103 Tabelle 42. Darstellung der internen Konsistenzen, Mittelwerte und
Standardabweichungen: Skala "Tatsächlicher Intergruppenkontakt"............................... 104 Tabelle 43. Antwortverhalten in Prozent: Einzelitems
Skala "Möglicher Intergruppenkontakt"............................................................................ 105 Tabelle 44. Antwortverhalten in Prozent: Einzelitems
Skala "Tatsächlicher Intergruppenkontakt"...................................................................... 106 Tabelle 45. Ergebnisse der bivariaten Regressionen als Zusammenhangsmaß
von Ausländeranteil und fremdenfeindlichen Einstellungen für alle Stichproben.............107 Tabelle 46. Ergebnisse der bivariaten Regressionen als Zusammenhangsmaß
von Ausländeranteil und fremdenfeindlichen Einstellungen für die Teilstichproben,
getrennt nach west- und ostdeutschen Befragten ........................................................... 108 Tabelle 47. Ergebnisse der multiplen Regressionen zum Einfluss von Ausländeranteil
auf fremdenfeindliche Einstellungen: Unter separater Berücksichtigung demographischer
Drittvariablen, getrennt nach west- und ostdeutschen Befragten (Stichprobe A).............111 Tabelle 48. Ergebnisse der multiplen Regressionen zum Einfluss von Ausländeranteil
auf fremdenfeindliche Einstellungen: Unter separater Berücksichtigung demographischer
Drittvariablen, getrennt nach west- und ostdeutschen Befragten (Stichprobe B).............112
Tabellenverzeichnis 10
Tabelle 49. Ergebnisse der multiplen Regressionen zum Einfluss von Ausländeranteil
auf fremdenfeindliche Einstellungen: Unter separater Berücksichtigung desintegrativer
Drittvariablen, getrennt nach west- und ostdeutschen Befragten (Stichprobe A).............114 Tabelle 50. Ergebnisse der multiplen Regressionen zum Einfluss von Ausländeranteil
auf fremdenfeindliche Einstellungen: Unter separater Berücksichtigung desintegrativer
Drittvariablen, getrennt nach west- und ostdeutschen Befragten (Stichprobe B).............115 Tabelle 51. Ergebnisse der multiplen Regressionen zum Einfluss von Ausländeranteil
auf fremdenfeindliche Einstellungen: Unter separater Berücksichtigung politischer
Drittvariablen, getrennt nach west- und ostdeutschen Befragten (Stichprobe A).............117 Tabelle 52. Ergebnisse der multiplen Regressionen zum Einfluss von Ausländeranteil
auf fremdenfeindliche Einstellungen: Unter separater Berücksichtigung politischer
Drittvariablen, getrennt nach west- und ostdeutschen Befragten (Stichprobe B).............118 Tabelle 53. Ergebnisse der multiplen Regression zum Einfluss von Ausländeranteil
auf fremdenfeindliche Einstellungen: Unter Berücksichtigung der Autoritarismusneigung,
getrennt nach west- und ostdeutschen Befragten (Stichprobe A).................................... 119 Tabelle 54. Ergebnisse der multiplen Regression zum Einfluss von Ausländeranteil
auf fremdenfeindliche Einstellungen: Unter Berücksichtigung der Autoritarismusneigung,
getrennt nach west- und ostdeutschen Befragten (Stichprobe B).................................... 119 Tabelle 55. Ergebnisse der multiplen Regressionen zum Einfluss von Ausländeranteil
auf fremdenfeindliche Einstellungen: Unter separater Berücksichtigung der Einzelitems
zum möglichen und tatsächlichen Intergruppenkontakt, getrennt nach west- und
ostdeutschen Befragten (Stichprobe A)........................................................................... 121 Tabelle 56. Ergebnisse der multiplen Regressionen zum Einfluss von Ausländeranteil
auf fremdenfeindliche Einstellungen: Unter separater Berücksichtigung der Einzelitems
zum möglichen und tatsächlichen Intergruppenkontakt, getrennt nach west- und
ostdeutschen Befragten (Stichprobe B)........................................................................... 122 Tabelle 57. Ergebnisse der multiplen Regressionen zum Einfluss von Ausländeranteil
auf fremdenfeindliche Einstellungen: Unter simultaner Berücksichtigung aller
beziehungsweise einer Auswahl an Drittvariablen, getrennt nach west- und
ostdeutschen Befragten (Stichprobe A)........................................................................... 124 Tabelle 58. Ergebnisse der multiplen Regressionen zum Einfluss von Ausländeranteil
auf fremdenfeindliche Einstellungen: Unter simultaner Berücksichtigung aller
beziehungsweise einer Auswahl an Drittvariablen, getrennt nach west- und
ostdeutschen Befragten (Stichprobe B)........................................................................... 125 Tabelle 59. Ergebnisse des Chi-Quadrat-Tests (Variablen Geschlecht und Region) ..... 127 Tabelle 60. Gruppenstatistiken und Ergebnisse der Testung auf Mittelwertsunterschiede
zwischen den Teilstichproben (Variable Alter) ................................................................ 127 Tabelle 61. Gruppenstatistiken und Ergebnisse der Testung auf Mittelwertsunterschiede
zwischen den Teilstichproben (Variable Schulabschluss)................................................ 127 Tabelle 62. Ergebnisse der Mehrebeneanalysen mit fremdenfeindlichen Einstellungen
als Kriterium an der Gesamtstichprobe (Gruppe der westdeutschen Befragten)............. 131 Tabelle 63. Ergebnisse der Mehrebeneanalysen mit fremdenfeindlichen Einstellungen
als Kriterium an der Gesamtstichprobe (Gruppe der ostdeutschen Befragten)............... 132
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1. Das vollständig hierarchisch lineare Modell aus Snijders und Bosker.
Abbildung 2. Subtraktions-Index: N 1340.
Abbildung 3. Subtraktions-Index: N 1329.
Abbildung 4. Wirtschaftliche Desintegration: N 1315.
Abbildung 5. Wirtschaftliche Desintegration: N 1296.
Abbildung 6. Politische Einstellung: N 1308.
Abbildung 7 Politische Einstellung: N 1283
Hypothesenverzeichnis 12
Hypothesenverzeichnis
Hypothese 1: Zusammenhang zwischen dem objektiven Ausländeranteil im Landkreis und fremdenfeindlichen Einstellungen......................................................... 27 Hypothese 2: Zum Einfluss einzelner demographischer Drittvariablen
auf den fokussierten Zusammenhang.......................................................... 38 Hypothese 3: Zum Einfluss einzelner desintegrativer Aspekte
auf den fokussierten Zusammenhang.......................................................... 42 Hypothese 4: Zum Einfluss einzelner politischer Korrelate
auf den fokussierten Zusammenhang.......................................................... 44 Hypothese 5: Zum Einfluss der Autoritarismusneigung
auf den fokussierten Zusammenhang.......................................................... 46 Hypothese 6: Zum Einfluss einzelner Intergruppenkontakt-Indikatoren
auf den fokussierten Zusammenhang.......................................................... 48 Hypothese 7: Zum Einfluss aller beziehungsweise einer Auswahl an Drittvariablen auf den fokussierten Zusammenhang.......................................................... 49
1 Einleitung 13
1 Einleitung
Die vorliegende Diplomarbeit knüpft an den Datensatz des GMF-Survey (2002) an. Unter anderem ist es das Anliegen dieser Repräsentativumfrage zu erfassen, ob Angehörige unterschiedlicher sozialer, religiöser und ethnischer Gruppen in Deutschland Anerkennung erfahren oder ob sie mit Abwertung konfrontiert sind. Abwertende bis feindselige Mentalitäten gegenüber Fremdgruppen werden im GMF-Survey über ein breit angelegtes Konzept erfasst. Dieses Konzept basiert auf verschiedenen Einzelelementen, die zu dem Syndrom der „Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ (GMF) zusammengefasst sind. Das Konstrukt Fremdenfeindlichkeit stellt eines dieser Elemente dar und steht in Verbindung mit variierenden Ausländeranteilen im Fokus dieser Diplomarbeit. Fremdenfeindlichkeit: Betrachtet man folgende Ergebnisse des GMF-Survey, so erschließt sich ein erster Eindruck über das aktuelle Ausmaß an Fremdenfeindlichkeit in der BRD: Knapp 60% der Befragten gaben an, dass sie in ihrer Umgebung Zeuge ablehnender Äußerungen über Ausländer wurden. Weiterhin vertraten fast 28% der Teilnehmer die Auffassung, dass Ausländer in ihre Heimatländer zurückgeschickt werden sollten, wenn die Arbeitsplätze knapp werden und mehr als 55% stimmten der Aussage zu, dass in Deutschland zu viele Ausländer leben (Wagner et al., 2002). Ausländeranteil: Setzt man diese von breiten Teilen der deutschen Bevölkerung getragenen Aussagen in Relation zu langfristigen Entwicklungstrends hinsichtlich variierender Ausländeranteile in Europa, so wird die wachsende Rolle interethnischer Verständigung deutlich: Die Abteilung für Bevölkerungsfragen der UNO-Hauptabteilung für Wirtschaftliche und Soziale Angelegenheiten (2000) prognostiziert, dass die Bevölkerung fast aller europäischen Länder ohne Zuwanderung sinken wird und die betroffenen Staaten deshalb auf „Bestanderhaltungsmigration“ angewiesen sein werden. Der Begriff der Bestanderhaltungsmigration bezieht sich dabei auf die erforderliche Zuwanderungsrate aus dem Ausland, die gewährleistet, dass die Bevölkerung eines Landes nicht aufgrund niedriger Geburten- und hoher Sterblichkeitsraten abnimmt oder überaltert. Da es sich bei den im Folgenden genannten Zahlen um Prognosen handelt, ist allerdings zu beachten, dass die Geburtenrate in den nächsten Jahrzehnten wieder ansteigen könnte. Jedoch halten die meisten Experten es für wenig wahrscheinlich, dass ein Niveau erreicht wird, wel- ches den arbeitsfähigen Anteil der Bevölkerung der betroffenen Länder in absehbarer Zu-
1 Einleitung 14
kunft sichern könnte. Sollten also die vom heutigen Standpunkt aus notwendigen Zu-wanderungsbewegungen in Europa stattfinden, so könnten die nach 1995 einge-wanderten Personen und deren Nachkommen im Jahr 2050 einen beachtlich hohen Anteil an der Gesamtbevölkerung stellen. Dieser könnte in Deutschland bei bis zu 30% liegen. Fremdenfeindlichkeit und Ausländeranteil: Befunde der Deutschen Shell Studie (2000) zeigen, dass insbesondere fremdenfeindlich eingestellte Jugendliche den Ausländeranteil an der Gesamtbevölkerung außerordentlich stark überbewerten. Weiterhin ist auffällig, dass generell viele Deutsche den Anteil ausländischer Mitbürger gravierend überschätzen. So veröffentlichte die Friedrich-Ebert-Stiftung (2000) die Ergebnisse einer Repräsentativumfrage, in der über ein Drittel der Befragten bereits heute einen Ausländeranteil zwischen 11% und 20% vermuteten, rund ein Viertel der Teilnehmer diesen auf 21% bis 30% ansetzten und ein Zehntel angab, der Anteil an Ausländern liege bei 45%. Tatsächlich liegt der gegenwärtige Ausländeranteil in Deutschland bei circa 10%, in Frankreich bei circa 7% und in Großbritannien bei circa 4% (vergleiche Münz und Ulrich, 2000). Das bedeutet zwar, dass im Vergleich zu anderen großen europäischen Staaten in der BRD mit Abstand die meisten Ausländer leben, doch wie aufgezeigt wird die Anzahl bei weitem überschätzt. Als unbestritten gilt jedoch, dass Deutschland bereits heute ein Ein-wanderungsland ist. Die jährliche Zuwanderung nach Deutschland betrug 1998 circa 800.000 Personen bei einer Bevölkerungszahl von rund 80 Millionen und lag damit höher als die Rate des klassischen Einwanderungslandes Kanada (173.000 bei 30 Millionen Einwohnern).
Wie empirische Befunde belegen, wurde dieser Tatsache auf gesellschaftlicher und politischer Ebene bisher wenig Rechnung getragen. Denn auch wenn sich in jüngster Zeit unter dem Druck der Wirtschaft und durch die Nachfrage nach bestimmten beruflichen Qualifikationen ein Umdenken andeutet, liegt Deutschland laut Analysedaten der Eurobarometer-Studie (1997) in Hinblick auf fremdenfeindliche Einstellungen im Vergleich von 15 EU-Staaten an viert schlechtester Stelle (siehe dazu Wagner und van Dick, 2001).
1 Einleitung 15
1.1 Zentrale Fragestellung der vorliegenden Arbeit
Seit langem hält sich auf gesellschaftspolitischer Ebene die theoretische Annahme, dass diskriminierende Einstellungen gegenüber Fremdgruppen mit deren relativer Größe ansteigen. So veröffentlichte beispielsweise der Spiegel (Ausgabe Nr. 37) 1991 einen Leitartikel mit dem Titel „Einwanderungsland Deutschland", welcher sich kritisch mit der Thematik wachsender Fremdenfeindlichkeit bei steigendem Ausländeranteil auseinander setzte. Auf dem Titelblatt dieser Ausgabe war ein übervolles Schiff abgebildet. Diese mehr oder weniger implizite Botschaft des Titelblatts („das volle Boot“) trifft im Kern eine häufig und besonders in Wahlkampfzeiten bemühte Behauptung: Fremdenfeindlichkeit sei die zwangsläufige Folge einer - durch zu viele Ausländer in der unmittelbaren Lebensumgebung hervorgerufene - Überfremdung (siehe dazu Friedrich-Ebert-Stiftung, 1998). In diesem Sinne forderte die NPD in ihrem Parteiprogramm 2003, dass „Deutschland wieder deutsch werden muss“ und lädt weiterhin zu Demonstrationen mit dem Titel „Heimreise statt Einwanderung - denn deutsche Kinder braucht das Land“ ein. Auf politischer Ebene wird die oben genannte Mutmaßung allerdings durchaus nicht nur von rechtsextremen Parteien wie der NPD propagiert.
Der Denkansatz des „vollen Bootes“ spiegelt sich ferner in verschiedenen politikwissenschaftlichen und soziologischen Theorien wieder, die sich mit dem Zusammenspiel zwischen Ausländeranteil und ethnischen Vorurteilen beschäftigen. An dieser Stelle ist anzumerken, dass es national wie international kaum empirische Studien gibt, die diese beiden Variablen explizit in Verbindung miteinander betrachten.
Aus diesem Grund ist es das Ziel der vorliegenden Untersuchung, basierend auf den umfangreichen Daten des GMF-Survey 2002, den Zusammenhang zwischen dem Ausländeranteil im Landkreis und fremdenfeindlichen Einstellungen für Deutschland zu bestimmen. Dabei soll dem Faktum, dass eine statistische bivariate Korrelation sich bekanntermaßen durch verschiedene Arten von Drittvariableneffekten erheblich verändern kann, in der späteren Analyse besondere Beachtung geschenkt werden.
2 Theorie und Empirie 16
2 Theorie: Stand der Forschung
Der erste Schritt der Konzeptualisierung dieser Arbeit bestand darin, Literatur zum Thema Fremdenfeindlichkeit im Allgemeinen und zum Zusammenhang zwischen Ausländeranteil und ethnischen Vorurteilen im Besonderen zu sichten. Darauf aufbauend werden in diesem Teil zu dieser Thematik bestehende Theorien exemplarisch kurz umrissen. Für jede der Theorien wird dargelegt, welche Annahmen sich aus ihr in Bezug auf den fokussierten Zusammenhang folgern lassen. Da sich die erste und zentrale Hypothese dieser Diplomarbeit besonders auf zwei der hier genannten Theorien stützt, wird diese zum besseren Verständnis im Anschluss an diesen Teil abgeleitet. Bereits in der Einleitung wurde angemerkt, dass der im Fokus stehende Zusammenhang noch durch weitere Drittvariablen beeinflusst sein könnte beziehungsweise sogar ein Artefakt darstellt. Unter dem Begriff Artefakt versteht man landläufig fehlerhafte Forschungsergebnisse, die zum Beispiel durch Stichproben-, Interviewer-, Instrumenten- oder auch Situationseffekte entstehen können. In vorliegender Arbeit wird dieser Begriff im Sinne von Drittvariableneffekten verstanden, die es zu entdecken gilt. Damit eine möglichst präzise Aussage über den Zusammenhang getroffen werden kann, sollen deshalb eine Vielzahl potentieller Einflussfaktoren in den Analysen berücksichtigt werden. Voraussetzung dafür ist, eine sinnvolle Auswahl an in Frage kommenden Drittvariablen zu erzielen. Aus diesem Grund wird die vorhandene Literatur hinsichtlich bereits untersuchter Einflussfaktoren auf Fremdenfeindlichkeit betrachtet. Zunächst sollen zum besseren Verständnis weitere für diese Arbeit relevante Begrifflichkeiten geklärt werden.
2.1 Definition relevanter Begriffe
Der Begriff der Fremdenfeindlichkeit oder synonym auch der Ausländerfeindlichkeit ist weitgehend vage definiert (siehe auch Zick, 1997, Seite 34). Diese Uneindeutigkeit ergibt sich teilweise aus unklaren Definitionen bezogen auf die Frage, wer als Mitglied einer fremden Gruppe (Outgroup) und wer als Mitglied der eigenen Gruppe (Ingroup) betrachtet werden kann. So ist es beispielsweise denkbar, dass Zuwanderer der ersten Generation von Einheimischen als fremd wahrgenommen und beurteilt werden, während sich die nachfolgenden Generationen beispielsweise durch Assimilation rein äußerlich nicht mehr
2 Theorie und Empirie 17
von der Ursprungsbevölkerung unterscheiden. So verfügen in der BRD zum Beispiel viele türkisch stämmige Personen über die deutsche Staatsbürgerschaft und sind bereits in der zweiten oder dritten Generation in Deutschland geboren.
In der vorliegenden Arbeit bezieht sich der Begriff Fremdenfeindlichkeit primär auf andere Ethnien, die als Outgroup betrachtet werden könnten. In Anlehnung an die Konzeption des Syndroms der „Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ wird davon ausgegangen, dass das Konstrukt Fremdenfeindlichkeit materielle als auch kulturelle Aspekte umfasst. Damit wird die Ablehnung ethnischer Fremdgruppen nicht nur als (vermutete) Konkurrenz um (knappe) Ressourcen von Arbeitsplätzen, Positionen und dergleichen interpretiert, sondern basiert ferner auf der Annahme der kulturellen Rückständigkeit (siehe Pettigrew und Meertens, 1995; Frindte, 1999; Wagner, van Dick und Zick, 2001). Fremdenfeindlichkeit kann sich auf verschiedene Arten äußern, von ablehnenden Einstellungen und Vorurteilen bis hin zu diskriminierendem und gewalttätigem Verhalten gegenüber anderen ethnischen Gruppen. Der Begriff des Vorurteils wird häufig als negative Einstellungen gegenüber Minderheiten generell verwendet. So können Vorurteile sich zum Beispiel gegen Ausländer oder Menschen anderer Hautfarbe, Angehörige anderer Religionen, Homosexuelle, Behinderte und auch psychisch Kranke richten. In diesem Zusammenhang bietet sich folgende Definition an:
„…prejudice will be regarded as any or all of the following: the holding of derogatory social attitudes or cognitive beliefs, the expression of negative affect, or the display of hostile or discriminatory behaviour towards members of a group on account of their membership of that group.” Brown (1995, Seite 8).
Brown verzichtet damit auf die von anderen Autoren vorgenommene Betonung, dass Vorurteile „falsch”, „irrational“ oder „ungerechtfertigt“ sind (Allport, 1954; Jones, 1972; Worchel et al., 1988). Er begründet dies dadurch, dass Vorurteile einerseits nicht auf ihre objektive Richtigkeit überprüft werden und andererseits verschiedene Gruppen unterschiedliche Ansichten darüber haben können, was angemessen, richtig oder falsch ist. Somit bietet Brown eine eher breite Auslegung des Begriffs, wobei dessen zentrales Merkmal auf der Abwertung von Menschen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe basiert. Ethnische Vorurteile können folglich als negative und diskriminierende Einstellungen gegenüber den Angehörigen von Gruppen fremder Herkunft verstanden
2 Theorie und Empirie 18
werden. Die Zuordnung zu einer Gruppe erfolgt dabei über die nationale Herkunft, welche meist über den Namen, Akzent und das äußere Erscheinungsbild abgeleitet wird. An dieser Stelle ist wieder auf die Schwierigkeit einer eindeutigen Zuordnung zu Eigen- und Fremdgruppe hinzuweisen. Da sich diese Diplomarbeit mit Fremdenfeindlichkeit beschäftigt, wird der Begriff der Fremdenfeindlichkeit im Weiteren synonym zu negativ besetzten ethnischen Vorurteilen verwendet. Ferner ist anzumerken, dass sich das Konstrukt Fremdenfeindlichkeit in der vorliegenden Arbeit auf fremdenfeindliche Einstellungen und nicht auf tatsächlich ausgeführtes Verhalten bezieht.
Weiterhin lässt sich feststellen, dass die wenigen Studien, die sich vornehmlich mit den Auswirkungen variierender Ausländeranteile befassen, dies häufig in Verbindung mit dem Konstrukt Rassismus tun. Insbesondere Studien aus den USA erforschen meist rassistisch motivierte Vorurteile der weißen gegenüber der schwarzen Bevölkerung. Daher definieren viele dieser Studien die Zugehörigkeit zu der In- und Outgroup über die Hautfarbe. In Bezug auf Deutschland kann hingegen angenommen werden, dass allgemeinere ethnische Vorurteile häufiger vorkommen als rein rassistisch motivierte. Dies ergibt sich bereits aufgrund dem verhältnismäßig geringeren Anteil an dunkelhäutigen Personen in der BRD. In Deutschland richten sich fremdenfeindliche Einstellungen folglich häufiger gegen Gastarbeiter und deren Nachkommen (etwa aus der Türkei, dem ehemaligen Jugoslawien und Italien) sowie gegen Spätaussiedler (etwa aus der ehemaligen Sowjetunion, Polen und Rumänien), ergo überwiegend gegen andere Ethnien.
Durch die unterschiedliche Akzentuierung der Vorurteilsforschung im nordamerikanischen gegenüber dem europäischen Raum ergibt sich, dass für die vorliegende Arbeit auch Studien herangezogen werden, die ausschließlich rassistisch motivierte Vorurteile untersucht haben. Deshalb soll an dieser Stelle zum besseren Verständnis versucht werden, die Begriffe Fremdenfeindlichkeit und Rassismus voneinander abzugrenzen. In Bezug auf das Konstrukt Rassismus besteht ebenfalls keine allgemein akzeptierte Definition. Viele Kontroversen über die Bedeutung des Wortes erklären sich aus verschiedensten weiten und engen Auslegungen. Eine recht verbreitete Definition bietet Memmi (1987): „Der Rassismus ist die verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tatsächlicher oder fiktiver Unterschiede zum Nutzen des Anklägers und zum Schaden seines Opfers, mit der seine Privilegien oder seine Aggressionen gerechtfertigt werden sollen.“ Memmi (1987, Seite 164).
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Diese gebräuchliche - jedoch sehr weite - Erklärung ermöglicht keine besonders präzise Abgrenzung der beiden Konstrukte. Da sich diese Arbeit auf den GMF-Survey 2002 stützt, soll daher eine Arbeitsdefinition dieser Konzeption verwendet werden. Das Konzept der „Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ versteht Rassismus in einem enger gefassten und eindeutiger umgrenzten Sinn. Der Begriff wird hier definiert als Einstellungen und Verhaltensweisen von Personen, die auf der Grundlage einer konstruierten „natürlichen Höherwertigkeit“ der Eigengruppe die Mitglieder fremder Herkunft abwerten. Folglich kann Rassismus als der Versuch interpretiert werden, eine auf biologischen Unterschieden fest gemachte Dominanz gegenüber „unterlegenen“ Fremdgruppen auszuüben (vergleiche Hraba et al., 1989).
2.2 Theorien über den Einfluss variierender Ausländeranteile auf Fremdenfeindlichkeit und Herleitung der zentralen Hypothese
In diesem Abschnitt werden insgesamt fünf Theorien beziehungsweise Sichtweisen umrissen, die sich mit der Thematik des Einflusses variierender Ausländeranteile auf ethnische Vorurteile beschäftigt haben.
Einer der ältesten Ansätze geht auf Moreno (1934) zurück, dessen Schülerin Criswell (1942) die bekannte, jedoch nur selten überprüfte „Saturation-Point-Hypothese“ konzeptuell formulierte. Diese geht von der Annahme aus, dass eine Mehrheit einen kleinen Anteil einer Minderheit problemlos assimiliert, die Überschreitung bestimmter Sättigungsschranken dagegen zu einer konflikthaften Spaltung der Gesamtgruppe führt. In Bezug auf den Zusammenhang zwischen der relativen Größe einer Fremdgruppe und ethnischen Vorurteilen würde dieser Ansatz demnach folgern:
„Je höher der objektive Ausländeranteil, desto größer ist die Gefahr, die obere Sättigungsschranke zu überschreiten und - aufgrund der konflikthaften Spaltung - desto größer ist die Gefahr des Ansteigens fremdenfeindlicher Einstellungen.“
Wie bereits veranschaulicht, hält sich die Kernaussage des zumindest ab einem gewissen Punkt „zu vollen Bootes“ dieser Hypothese beharrlich (siehe dazu auch Taylor, 1998, 2000; Quillian, 1996; Fossett und Kiecolt, 1989).
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Von einer konträren Annahme hinsichtlich der Ursachen möglicher Spaltungsmechanismen geht die „Unterlegenheitstheorie“ (Gottlieb und Ten Houten, 1965) aus. Diese nimmt an, dass Minderheiten sich aufgrund ihrer zahlenmäßigen Unterlegenheit in einem Zu-stand der Identitätsbedrohung befinden. Um den inneren Zusammenhalt der Eigengruppe - die Binnenkohäsion - zu stärken und so das Gefühl der Bedrohung zu senken, kann es laut dieser Theorie zu einer Absonderung der Minderheit von der Mehrheit kommen. Die Unterlegenheitstheorie prognostiziert als Folge einer solchen Entwicklung die Erhöhung von Ressentiments der Mehrheit gegenüber der Minderheit. Hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen variierenden Ausländeranteilen und fremdenfeindlichen Einstellungen würde sich aus diesem Ansatz ableiten lassen:
„Je geringer der objektive Ausländeranteil, desto größer ist - aufgrund der durch den Bedro-hungszustand hervorgerufenen Absonderung der Minderheit - die Gefahr des Ansteigens diskriminierender Einstellungen seitens der Mehrheit.“
In Hinblick auf die Unterlegenheitstheorie gibt es einige Befunde, die in ihrem Sinne interpretiert werden können. So ging zum Beispiel Dollase (2001) im Rahmen einer vergleichenden Städtestudie aus dem Jahr 2000 der Frage nach, ob sich das interethnische Konfliktpotential in Schulklassen mit einem hohen Ausländeranteil erhöht oder erniedrigt. Es wurde ersichtlich, dass insbesondere in Hauptschulklassen mit geringem bis gar keinem Ausländeranteil die Kontaktablehnung seitens der deutschen Schüler höher ausfiel, als in den Klassen mit größerem Anteil. Die Unterlegenheitstheorie würde dieses Ergebnis folgendermaßen interpretieren: Durch die wahrgenommene Bedrohung steigt in Klassen mit sehr geringem Anteil die Binnenkohäsion der, vorwiegend aus türkischen Schülern bestehenden, Minderheit enorm an und löst den oben beschriebenen Prozess aus.
Dieser Befund steht in Einklang mit dem nächsten zu nennenden Ansatz, der empirisch gut untermauerten „Opportunitätstheorie“ (Hallinan und Smith, 1985). Diese basiert auf der These, dass die Menge positiver interethnischer Kontakte von den tatsächlich vor-handenen Interaktionsmöglichkeiten (der Opportunität) abhängt. Des Weiteren sagt diese Theorie für Angehörige der Minderheitsgruppe eine höhere Anzahl positiver interethnischer Kontakte als für Angehörige der Mehrheitsgruppe vorher. Begründet wird diese Annahme folgendermaßen: Aufgrund ihrer Größe verfügt eine Mehrheit über eine geringe- re Binnenkohäsion, weswegen sie sich von der zahlenmäßig kleineren Minderheit weniger
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bedroht fühlt und problemloser in Untergruppen zerfällt. Dies wiederum kann zu einer stärkeren Koalition von Teilen der Mehrheits- mit der Minderheitsgruppe führen. Dieser Ansatz würde bezüglich des fokussierten Zusammenhangs demnach folgern:
„Je höher die Opportunität für tatsächlichen Intergruppenkontakt - also je höher der objektive Ausländeranteil - desto höher die Anzahl positiver interethnischer Kontakte, insbesondere für die Minderheit.“ Und: „Je größer die Koalition von Teilen der Mehrheits- mit der Minderheitsgruppe ausfällt, desto niedriger ist die Ausprägung von Fremdenfeindlichkeit.“ Bezüglich der für die Minderheit prognostizierten höheren Menge an positiven Kontakten fand die genannte Untersuchung von Dollase (2001) ebenfalls Bestätigung. Wie angeführt beurteilten deutsche Schüler ihre türkischen Mitschüler in Klassen mit geringerem Ausländeranteil schlechter als in Klassen mit höherem Anteil. Türkische Schüler hingegen bewerteten ihre deutschen Mitschüler generell gut und berichteten über mehr Freundschaften.
Die Opportunitätstheorie geht augenscheinlich von ähnlichen Annahmen aus wie die weitaus ältere „Kontakthypothese“ (Williams, 1947; Allport, 1954). Diese stellt von allen genannten Ansätzen den am umfangreichsten untersuchten dar. Die Kontakthypothese wurde erstmals nach dem zweiten Weltkrieg formuliert, als sich in den USA die Menschenrechtsbewegung gründete. Die grundlegende Annahme dieser Theorie ist, dass der unmittelbare Kontakt zwischen Angehörigen von Mehr- und Minderheiten Vorurteile reduziert. Gordon Allport postulierte in seinem Buch „Die Natur des Vorurteils“ (1954) folgende optimale Bedingungen, unter denen Kontakt zwischen den Angehörigen unterschiedlicher Gruppen besonders günstige Auswirkungen auf den Abbau negativer Einstellungen hat:
• die Beteiligten verfügen in einer persönlichen Kontaktsituation über den gleichen Status,
• sie verfolgen gemeinsam dasselbe Ziel,
• sie versuchen dieses Ziel miteinander umzusetzen, anstatt zu konkurrieren,
• der Intergruppenkontakt wird durch Autoritäten (wie zum Beispiel durch Lehrer, Vorgesetzte und Politiker) unterstützt.
Im Hinblick auf den Zusammenhang zwischen variierenden Ausländeranteilen und fremdenfeindlichen Einstellungen würde dieser Ansatz folglich ableiten:
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„Je mehr Möglichkeiten für tatsächlichen Intergruppenkontakt - ergo je höher der objektive Ausländeranteil - desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für tatsächlich stattfindenden Intergruppenkontakt und desto niedriger ist die Ausprägung fremdenfeindlicher Einstellungen (insbesondere unter den optimalen Bedingungen).“
Vielfach replizierte empirische Studien bestätigen, dass sich fremdenfeindliche Einstellungen mit zunehmendem Intergruppenkontakt verringern (siehe dazu die Meta-Analyse von Pettigrew und Tropp, 2000). Betrachtet man allerdings Befunde zum Einfluss von Intergruppenkontakt auf Fremdenfeindlichkeit in Verbindung mit variierenden Ausländeranteilen, so liegen zumindest teilweise uneinheitliche Ergebnisse vor. In Bezug auf Deutschland konnten Wagner et al. (2002) durch Strukturgleichungsmodelle basierend auf den Daten des GMF-Survey belegen, dass Intergruppenkontakt die unterschiedliche Vorurteilsneigung von West- und Ostdeutschen mediiert. Demographische Daten zeigen diesbezüglich auf, dass der Ausländeranteil im Osten Deutschlands erheblich geringer ausfällt als im Westen (circa 2% versus circa 10%). Jedoch präsentieren eine Vielzahl repräsentativer Meinungsumfragen (Hoffmann-Lange, 1996; Deutsche Shell Studie, 2000) sowie bundesweite Kriminalstatistiken ein insgesamt höheres Ausmaß fremdenfeindlicher Einstellungen und Gewalttaten in Ostdeutschland. Die oben genannten Befunde sprechen für den - in diesem Fall durch den höheren Ausländeranteil gegebenen - Einfluss von Intergruppenkontakt auf den Abbau von Fremdenfeindlichkeit.
Andererseits belegen Studien aus den USA, dass ein prozentualer Anstieg der schwarzen Bewohner in einem Wohnbezirk gleichzeitig mit einer Erhöhung rassistisch motivierter Vorurteile der weißen Bevölkerung einhergeht. Mittels hierarchischer Regressionen überprüfte Taylor (1998; 2000) diese Befunde und fand, dass:
„...white negativity swells as the local black population share expands.“ Taylor (1998, Seite 512).
Allerdings ist darauf hinzuweisen, dass hinsichtlich rassistischer Vorurteile der weißen gegenüber der schwarzen Bevölkerung in den USA ein regionales Süd-Nichtsüdstaaten-Gefälle besteht. Dabei ist die Vorurteilsneigung in den südlichen Bundesstaaten stärker ausgeprägt als im Rest des Landes. Oben genannte Autorin deckte diesbezüglich
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Folgendes auf: Unter der Kontrolle des prozentualen Anstiegs des Anteils schwarzer Einwohner in einem Wohnviertel reduzierte sich das Ausmaß der regionalen Unterschiede um über die Hälfte. Taylor fand weiterhin heraus, dass ein prozentualer Anstieg von Personen asiatischer oder hispanischer Herkunft in einem Wohnbezirk nicht gleichermaßen zu einer erhöhten Vorurteilsneigung der europäisch stämmigen Einwohner führte. Es waren sogar gegenläufige Effekte zu verzeichnen. Nach Hood und Morris (1998) gilt dieses Ergebnis allerdings nur für legale Einwanderer und nicht für Personen, die sich illegal in den USA aufhalten.
Pettigrew (2003) kommt zu der Ansicht, dass die beschriebenen Divergenzen in der Vorurteilsneigung der weißen Bevölkerung gegenüber den afroamerikanischen Einwohnern einerseits und den asiatischen beziehungsweise hispanischen Einwohnern andererseits jedoch eher fehlerhafte Ausnahmen bilden. Er führt an, dass der Anteil der asiatisch beziehungsweise hispanisch stämmigen Bevölkerung in der Konzentration generell wesentlich geringer ausfällt, als der Anteil der Afroamerikaner. In Gegenden, in denen dies nicht der Fall ist, finden sich häufig ähnliche Muster der Vorurteilsausprägung wie in Bezug auf die schwarze Bevölkerung. Hood und Morris (1997) konnten in diesem Zusammenhang zeigen, dass europäisch stämmige Bewohner des Bundesstaates Kalifornien, welcher die höchste Personendichte mit asiatischem beziehungsweise hispanischem Hintergrund aufweist, diesen gegenüber auch erhöhte Vorurteilswerte erkennen ließen. Diese Ergebnisse stehen deutlich im Widerspruch zu den aus der Kontakthypothese abgeleiteten Annahmen hinsichtlich der Auswirkung eines hohen Ausländeranteils auf die Vorurteilsneigung. Und auch wenn sie den meisten Befunden der sozialpsychologischen Forschung in diesem Bereich widersprechen, so stehen sie doch mit einigen politikwissenschaftlichen und soziologischen Befunden in Einklang.
Pettigrew (2003) weißt dazu auf eine aktuell vielfach diskutierte Erklärungsmöglichkeit hin, die sich mit dem Phänomen der so genannten „subjektiven Bedrohung“ befasst. Bezüglich ethnischer Vorurteile ist damit gemeint, wie eine Mehrheit - oder Teile dieser - die von ihr wahrgenommene Wahrscheinlichkeit einschätzt, mit Minderheiten in Konkurrenz um Arbeitsplätze oder andere Güter zu stehen. Fällt die Beurteilung hoch aus, kann es dazu kommen, dass die Mehrheitsgruppe sich von Minderheit bedroht sieht und eher zu Ressentiments neigt.
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So sehen auch Stephan und Stephan (2000) in der, auf der Wahrnehmung der Bedrohung basierenden Intergruppenangst, eine denkbare Erklärung für die Abwertung von Fremden. Die Autoren unterschieden dabei verschiedene Aspekte von Bedrohung, von denen angenommen wird, dass sie zur Ausbildung von Vorurteilen beitragen:
• Gefühle der Bedrohung wichtiger kultureller Werte der eigenen Gruppe (symbolic threats),
• Gefühle persönlicher Bedrohung durch Mitglieder fremder Gruppen (intergroup anxiety),
• Auswirkungen negativer stereotyper Erwartungen über die Mitglieder fremder Gruppen (negative stereotypes).
In Bezug auf die genannten Befunde von Taylor (1998; 2000) ließe sich nun folgern, dass subjektive Bedrohung und Intergruppenkontakt „konkurrierende“ Einflussfaktoren auf ethnische Vorurteile darstellen. Betrachtet man Befunde auf aggregierter Datenebene aus den Vereinigten Staaten, so zeigt sich, dass in Gegenden mit einer niedrigeren Dichte an nicht-europäisch stämmigen Einwohnern der Einfluss von Intergruppenkontakt oft eine maximale Vorurteilsreduzierung ermöglicht. In Gegenden mit einer höheren Konzentration nicht-europäisch stämmiger Einwohner wäre es denkbar, dass erhöhte Bedrohungsgefühle die positiven Effekte des Intergruppenkontakts übertreffen. Ein in diesem Zusammenhang interessanter Befund, der sich mit dem Phänomen der subjektiven Bedrohung befasst, stammt von Semyonov et al. (2003). Die Autoren prüften basierend auf den repräsentativen Umfragedaten des ALLBUS (1996) folgende Hypothese:
„Die subjektive Bedrohung durch eine Fremdgruppe mediiert den Zusammenhang zwischen der relativen Größe dieser und fremdenfeindlichen Einstellungen“. Nach Baron und Kenny (1986) stellen Mediatorvariablen einen generativen Mechanismus dar, durch die eine unabhängige Zielvariable in der Lage ist, einen Einfluss auf eine abhängige Variable auszuüben. Das bedeutet, während Moderatoren erklären, wann und unter welchen Bedingungen bestimmte Effekte auftreten, spezifizieren Mediatoren, wie und warum diese Effekte auftreten. In Bezug auf die oben genannte Annahme würde das bedeuten, dass die subjektive Bedrohung einen generativen Mechanismus darstellt, durch
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den die relative Größe einer Fremdgruppe überhaupt erst in der Lage ist, einen Einfluss auf fremdenfeindliche Einstellungen auszuüben.
Die Ergebnisse dieser Studie unterstützten allerdings nicht die bereits angedeutete Annahme, dass mit einem Anstieg des objektiven Ausländeranteils gleichzeitig die subjektiv wahrgenommene Bedrohung und somit fremdenfeindliche Einstellungen zunehmen. Interessanterweise konnten die Autoren jedoch einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem wahrgenommenen Ausländeranteil und der wahrgenommenen Bedrohung belegen. Der wahrgenommene Ausländeranteil mediiert den Zusammenhang zwischen der subjektiven Bedrohung und fremdenfeindlichen Einstellungen:
„Je höher der subjektiv wahrgenommene Ausländeranteil, desto höher das subjektive Gefühl von Bedrohung und desto höher die Ausprägung fremdenfeindlicher Einstellungen.“ Diese Hypothese wurde durch die Daten signifikant bestätigt.
Pettigrew (2003) merkt weiterhin an, dass die beschriebene Logik der subjektiv wahrgenommenen Bedrohung in Verbindung mit Intergruppenkontakt einen lohnenden Forschungsansatz darstellt. Jedoch sei die konfligierende Wirkung beider Faktoren als Erklärungsmodell für das Entstehen fremdenfeindlicher Einstellungen zu vereinfacht. Seiner Meinung nach gestaltet sich das Zusammenwirken der beiden Prädiktoren besonders aus zwei - auf verschiedenen Ebenen anzusiedelnden - Gründen wesentlich komplexer: Zum einen durch den Einfluss von Variablen auf der Makroebene und zum anderen durch den Einfluss von Variablen auf der Mikroebene.
So ist bezogen auf die Ergebnisse von Taylor (1998; 2000) anzunehmen, dass diese möglicherweise durch auf der Makroebene anzusiedelnde Faktoren beeinflusst wurden, wie zum Beispiel durch die auch aktuell noch immer stattfindende (Rassen-) Trennung in den USA. Eine tragende Rolle könnte diesem Aspekt insofern beigemessen werden, als dass Segregation die Wirkmöglichkeiten des bedeutsamen und auf der Mikroebene anzusiedelnden Faktors Intergruppenkontakt limitiert. Durch dieses Argument erscheint die ge-fundene unterschiedliche Vorurteilsausprägung der europäisch stämmigen Einwohner gegenüber der afroamerikanischen versus der asiatischen und hispanischen Bevölkerung nochmals in einem anderen Licht.
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Die Relevanz der Verbindung beider Ebenen, der Makro- und der Mikroebene, soll an einem weiteren Befund verdeutlicht werden: Wagner und van Dick (2001) fanden auf aggregierter Datenebene, dass mit steigender Anzahl von Nicht-EU-Angehörigen in einem Land fremdenfeindliche Einstellungen unter den Einwohnern zunehmen. Auf den ersten Blick scheinen diese Ergebnisse die verbreitete Annahme des „zu vollen Boots“ zu bestätigen. Dabei ist allerdings zu beachten, dass Aggregatdaten durch Zusammenfassung entstehen, also über Summierung und durch Bildung von Durchschnitts- oder Anteilswerten. Die oben genannten Autoren trugen diesem Faktum Rechnung und konnten in selbiger Studie belegen, dass sich der Anteil von Nicht-EU-Ausländern in einem Land nicht automatisch auf die Vorurteilsneigung der Bevölkerung auswirkt. Besonders ungünstige Auswirkung auf fremdenfeindliche Einstellungen zeigte ein erhöhter Anteil von Nicht-EU-Ausländern vor allem dann, wenn die Befragten keinen unmittelbaren Kontakt zu diesen Gruppen hatten. Einen sehr viel geringeren Effekt zeigte die Zunahme des Nicht-EU-Ausländeranteils, wenn die Befragten freundschaftlichen Kontakt zu Ausländern pflegten. Diese Ergebnisse veranschaulichen im Sinne der Kontakthypothese, dass der aktive Umgang mit Zuwanderern bestimmt, wie sich dieser im eigenen Überzeugungssystem niederschlägt. Weiterhin betonen sie die Notwendigkeit, dass künftige Forschung ihren Fokus auf die Verbindung zwischen der Mikro- und Makroanalyseebene richten sollte. Das bedeutet, dass auf aggregierten Daten basierende Befunde mit solchen auf individuellen Daten beruhenden verbunden werden müssen, um die Gefahr von Verzerrungen und Fehlinterpretationen zu minimieren.
Aus diesem Grund werden die Ergebnisse aus den in dieser Arbeit verwendeten Standardregressionen nochmals mittels Mehrebenenanalysen überprüft. Durch dieses Vorgehen wird berücksichtigt, dass der verwendete Datensatz - wie auch zahlreiche andere in der sozialwissenschaftlichen Forschung analysierte Datensätze - eine hierarchische Struktur aufweisen. Das statistische Verfahren der Mehrebenenanalyse erlaubt es, Daten unterschiedlichen Aggregierungsniveaus gemeinsam zu analysieren, also Daten von Individuen sowie Daten von den Kontexten, in denen diese Individuen leben. Basierend auf den bisher angeführten Theorien und Befunden soll nun die erste und zentrale Hypothese der vorliegenden Diplomarbeit abgeleitet werden. Da die Kontakthypo-
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these am besten empirisch untermauert ist, wird in ihrem Sinne - als auch im Sinne der Opportunitätstheorie - eine negative Beziehung zwischen der objektiven Größe des Ausländeranteils im Landkreis und den fremdenfeindlichen Einstellungen der Befragten angenommen. Konkret wird also vermutet, dass ethnische Vorurteile mit steigendem Prozentanteil an Ausländern (und den damit gegebenen Möglichkeiten zu Intergruppenkontakt) sinken.
1 Anmerkung: In vorliegender Diplomarbeit wird (in Bezug auf bivariate Regressionsgewichte) von einem schwachen ne-
gativen Zusammenhang ab ß ≥ -.10, einem mittleren negativen Zusammenhang ab ß ≥ -.30 und einem starken nega-
tiven Zusammenhang ab ß > = - .50. ausgegangen.
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2.3 Empirische Befunde zu Einflussfaktoren auf Fremdenfeindlichkeit und Herleitung der weiteren Hypothesen
Um untersuchen zu können, inwieweit der fokussierte Zusammenhang unter der Berücksichtigung diverser Einflussfaktoren bestehen bleibt, bestand ein weiterer Schritt im Vorgehen darin, potentiell verzerrende Drittvariablen anhand vorliegender empirischer Be-funde zu identifizieren. Letztendlich erfolgte die Auswahl der für die spätere Analyse relevanten Drittvariablen in Abhängigkeit davon, ob die ausgewählten Konstrukte im GMF-Survey erfasst wurden.
Wie bereits geschildert, betrachten zahlreiche Studien aus dem Bereich der Vorurteilsforschung mögliche Einflussfaktoren nur hinsichtlich ihrer Wirkung auf Fremdenfeindlichkeit und nicht explizit in Verbindung mit variierenden Ausländeranteilen. Die in diesem Zusammenhang als wichtig erachteten Forschungsergebnisse und Implikationen für die vorliegende Arbeit werden im folgenden Teil dargestellt.
Da eine Fülle empirisch untersuchter Einflussfaktoren auf Fremdenfeindlichkeit bekannt ist, wird die Menge der einzelnen Drittvariablen in Kategorien gebündelt. Aus Gründen der Nachvollziehbarkeit werden die verbleibenden Hypothesen im Anschluss an jede Kategorie abgeleitet.
2.3.1 Einflussgrößen der Demographie
2.3.1.1 Region (West- beziehungsweise Ostdeutschland)
Hinsichtlich des regionalen Einflusses auf fremdenfeindliche Tendenzen wurde bereits darauf hingewiesen, dass sich im deutschen Raum wesentliche systematische Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschen zeigen. Wagner et al. (2003) werteten Daten basierend auf drei Studien (ALLBUS, 1996; Deutsche Shell Studie, 2000; eigene Studie der Autoren, 1992) aus und es zeigte sich übereinstimmend ein positiver Zusammenhang zwischen der Region (West- versus Ostdeutschland) und ethnischen Vorurteilen.
2 Theorie und Empirie 29
Die Friedrich-Ebert-Stiftung (1998) veröffentlichte in diesem Zusammenhang einen Bericht basierend auf den Daten einer repräsentativen Umfrage, dem ALLBUS (1996). Auch bei dieser Auswertung ergaben sich bedeutsame Unterschiede bezogen auf die geographische Lage des Wohnorts in Verbindung mit fremdenfeindlichen Einstellungen: Die ostdeutschen Befragten wiesen durchschnittlich auch dann ein höheres Maß an Fremdenfeindlichkeit auf, wenn Unterschiede des Alters, Geschlechts, Gemeindetyps sowie des Bildungsniveaus berücksichtigt wurden. Das heißt, Ostdeutsche mit vergleichbarer Bildung und ähnlichem Wohnumfeld ließen im Mittel stärkere fremdenfeindliche Tendenzen erkennen als Westdeutsche.
Betrachtet man diese Befunde stellt sich die Frage, ob Fremdenfeindlichkeit in der BRD möglicherweise ein ostdeutsches Phänomen darstellt. Derzeit wird diesbezüglich eine Vielfalt denkbarer Erklärungen kontrovers diskutiert. Wagner et al. (2003) testeten in der oben genannten Untersuchung die Hypothese, dass der regionale Einfluss auf Fremdenfeindlichkeit zu großen Teilen über bestehende Kontaktmöglichkeiten- beziehungsweise Erfahrungen aufgeklärt werden kann. Es wurde deutlich, dass sich unter der Berücksichtigung des Einfluss von Intergruppenkontakt der bestehende positive Zusammenhang zwischen der geographischen Lage des Wohnorts und Fremdenfeindlichkeit erheblich verringerte (von r = .16 auf r = .04). Das heißt, dass Ostdeutsche die direkten Kontakt zu Ausländern hatten, im Durchschnitt kaum fremdenfeindlicher eingestellt waren als Westdeutsche. Die Autoren betonen weiterhin, dass die tatsächlichen Wahrscheinlichkeiten für Ostdeutsche, regelmäßige Begegnungen mit Ausländern zu haben, unter der Berücksichtigung des regional unterschiedlich hohen Ausländeranteils erheblich geringer sind als für Westdeutsche.
Wie aus den angeführten Befunden erkennbar, besteht demnach für Deutschland insgesamt weder ein einheitliches Bild hinsichtlich des prozentualen Ausländeranteils noch hinsichtlich fremdenfeindlicher Tendenzen. Es ist also anzunehmen, dass die spätere Analyse einen engen Zusammenhang zwischen Region und Ausländeranteil ergeben wird. Daher soll bereits an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass eine getrennte Analyse des Zusammenhangs zwischen dem Ausländeranteil im Landkreis und den fremdenfeindlichen Einstellungen der Befragten für West- und Ostdeutschland als sinnvoll und notwen- dig erachtet wird.
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2.3.1.2 Gemeindetyp
Die im letzten Punkt angeführte Empirie zum Einfluss der Region illustriert, dass eine Voraussetzung für Intergruppenkontakt (und somit für ein geringeres Maß an fremdenfeindlichen Einstellungen) tatsächlich vorhandene Interaktionsmöglichkeiten mit Ausländern sind. Diese Möglichkeiten hängen wiederum direkt mit dem objektiv vorhandenen Ausländeranteil zusammen. Die Drittvariable Gemeindetyp gibt Aufschluss darüber, ob eine Person in einem Kern- oder Randgebiet (also im städtischen oder im ländlichen Raum) lebt und beinhaltet Informationen über die Höhe der Einwohnerzahl dieses Gebiets. Es kann demnach davon ausgegangen werden, dass der Gemeindetyp, ebenso wie die Region, als grober Indikator für die mit ihr zusammenhängenden Kontaktwahrscheinlichkeiten in Betracht gezogen werden kann.
Des Weiteren stehen raumstrukturelle Gegebenheiten, wie die Art und Größe des Gemeindetyps zudem in Verbindung mit dem schulischen - und damit einhergehend meist mit dem beruflichen - Bildungsniveau. In städtischen Gebieten liegt der Bildungsdurchschnitt in der Regel höher als in ländlichen Gebieten und zwischen dem Grad an Bildung und ethnischen Vorurteilen besteht ein empirisch belegter negativer Effekt. Da der Bildungskontext in vorliegender Arbeit jedoch eine eigene Kategorie von Drittvariablen darstellt, wird dieser Aspekt detailliert unter Punkt 2.3.1.5 erläutert. Laut einer auf den ALLBUS-Daten (1996) basierenden Untersuchung der Friedrich-Ebert-Stiftung (1998), wiesen Personen die in größeren Städten leben, unter sonst ähnlichen Bedingungen (bezogen auf Alter, Geschlecht und Bildung) im Durchschnitt ein erheblich geringeres Maß an Fremdenfeindlichkeit auf als diejenigen, die in kleineren Gemeinden leben. Da in den meisten Großstädten der Ausländeranteil deutlich höher ausfällt als in ländlichen Gegenden, spricht dieser Befund tendenziell für den positiven Einfluss von Intergruppenkontakt. Wetzels und Greve (2001) stellten fest, dass zwischen den Jahren 1996 und 1999 in Bezug auf die quantitative Verbreitung fremdenfeindlicher Einstellungen in der BRD keine Zunahme zu verzeichnen war, jedoch eine Verlagerung in ländliche Gebiete stattfand. Laut den Autoren sei Fremdenfeindlichkeit kein - wie häufig vermutet - typisches Großstadtphänomen, sondern im ländlichen Raum weit verbreitet (siehe dazu auch Deutsche Shell Studie, 2000).
2 Theorie und Empirie 31
Versucht man den Gemeindetyp in Relation mit Fremdenfeindlichkeit zu betrachten, indem man Städte und Gemeinden gegenüberstellt, darf das bereits erwähnte West-Ost-Gefälle hinsichtlich schwankender Ausländeranteile in Deutschland nicht unberücksichtigt bleiben. Laut Wetzels und Greve (2001), die fremdenfeindliche Einstellungen und Gewalt unter Jugendlichen untersuchten, schwankten die Anteile junger Migranten in deutschen Städten erheblich, zum Beispiel zwischen 1% in Leipzig und 42% in Stuttgart. Diese stark variierenden Ausländeranteile der Regionen sind - im Sinne der Kontakthypothese - auch als Hinweis auf die unterschiedlichen soziale Kontexte Jugendlicher zu interpretieren. Wie bereits aufgezeigt, dürfte ohne die Möglichkeit des unmittelbaren Kontakts ein Abbau von Vorurteilen schwerer sein und diese Annahme fanden die Autoren bestätigt. So zeigte sich, dass junge Deutsche in Leipzig im Mittel deutlich stärker fremdenfeindlich eingestellt waren als Gleichaltrige aus Stuttgart.
In Bezug auf den Zusammenhang zwischen dem Ausländeranteil in städtischen Gebieten und fremdenfeindlichen Tendenzen existieren noch weitere Einflussfaktoren. Zwar ist der Ausländeranteil besonders in westdeutschen Großstädten deutlich höher als auf dem Land und daraus folgernd bestehen höhere Wahrscheinlichkeiten für Intergruppenkontakt, doch ist auch hier der Einfluss von Makrovariablen nicht zu unterschätzen. Wie bereits unter Punkt 2.2 erläutert, können bezüglich des fokussierten Zusammenhangs auch Aspekte der „Segregation“ - oder der „Gettoisierung“ - von Bedeutung sein. An dieser Stelle soll die Bedeutung des Wortes Segregation kurz erläutert werden. Dieser Begriff wird häufig als räumliche Ungleichverteilung von Individuen nach bestimmten Merkmalen definiert. Die Ungleichverteilung kann sich auf sozial relevante Merkmale wie die Einkommensverhältnisse als auch auf ethnische Merkmale wie beispielsweise die Hautfarbe von Personen beziehen.
In diesem Zusammenhang beschäftigten sich Anhut und Heitmeyer (2000) in ihrem Buch „Bedrohte Stadtgesellschaft“ mit der Frage nach den Auswirkungen gesellschaftlicher Desintegrationsprozesse auf soziale und ethnisierte Konflikte. Der Einfluss verschiedener Formen von Desintegration auf Fremdenfeindlichkeit stellt in dieser Arbeit ebenfalls eine eigene Kategorie von Drittvariablen dar und wird daher unter Punkt 2.3.2 ausführlich be-handelt. An dieser Stelle sei deshalb nur angemerkt, dass sich die Desintegrationsforschung primär mit Konflikten um knappe Ressourcen und umkämpfte Rangordnungen befasst.
Arbeit zitieren:
Jessica Jamrowski, 2004, Beruht der Zusammenhang zwischen objektivem Ausländeranteil im Landkreis und fremdenfeindlichen Einstellungen auf Artefakten?, München, GRIN Verlag GmbH
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