Gliederung
Seite
1. Einleitung 1
2. Der Zweck der Kurzgeschichte 2
3. Der Ich-Erzähler 3 - 4
4. Das Prinzip der Einfachheit und Klarheit 4 - 5
5. Die Bedeutung des Plots 5 - 7
6. Die exotische Kurzgeschichte 7 - 9
7. Schluss 9 – 10
8. Literaturangaben 11
1. Einleitung
William Somerset Maugham, welcher von 1874 bis 1965 lebte, war einer der erfolgreichsten britischen Kurzgeschichten-Autoren (vgl. Göller & Hoffmann, 1973, S.19) und hat die Entwicklung dieser Gattung in England in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg in starkem Maße beeinflusst ( vgl. Borgmeier, 2002, S. 389 ).
Seine Kurzgeschichten erinnern an mündlich erzählte Geschichten mit dramatischer Struktur, denen ein ausgeprägter Plot zugrunde liegt ( vgl. Borgmeier, 2002, S. 389 ). Sein handlungsbetontes Erzählen unterscheidet ihn von einigen anderen Repräsentanten der modernen Kurzgeschichten, wie Katherine Mansfield oder Virginia Woolf, die der äußeren Handlung weniger Wert als der Inneren beimaßen. Viele seiner Kurzgeschichten zeichnen sich dadurch aus, dass sie an exotischen Schauplätzen spielen, wie auch die in dieser Hausarbeit zu untersuchende Geschichte “The Lotus Eater“, die erstmals im Jahre 1935 erschien.
Somerset Maugham, hat nicht nur eine große Zahl an Kurzgeschichten verfasst, sondern auch viele Überlegungen zur Theorie der Kurzgeschichte angestellt. Seine Vorstellungen darüber, wie eine Kurzgeschichte zu sein hat, wurden von ihm präzise formuliert, an vielerlei Stellen schriftlich festgehalten und in seinen eigenen Kurzgeschichten zur Umsetzung gebracht.
Diese Arbeit möchte verschiedene Aspekte dieser theoretischen Überlegungen mit der Kurzgeschichte “The Lotus Eater“, in Verbindung bringen. Es soll um die Frage gehen, wie Somerset Maugham sein Konzept der Kurzgeschichte in diesem konkreten Fall umgesetzt hat. In Betracht gezogen werden Maughams Auffassung vom Zweck einer Kurzgeschichte, seine Präferenz der Einfachheit und Klarheit und die Vorteile, welche er in der Verwendung eines Ich-Erzählers sieht. Weiterhin befasst sich diese Arbeit mit Maughams Betonung der Bedeutsamkeit des Plots und des geradlinigen Erzählens, sowie mit seiner Vorliebe für exotische Geschichten.
2. Der Zweck der Kurzgeschichte
Der Zweck, den Autoren mit dem Verfassen von Kurzgeschichten nach Somerset Maugham erfüllen sollten, liegt in der Unterhaltung. „Das wahre Ziel des belletristischen Autors ist nicht zu belehren, sondern Vergnügen zu bereiten.“ ( Somerset Maugham,1954, S. 188 ) Der Autor solle Entertainment bieten und nicht versuchen, den Leser in seiner Meinung zu beeinflussen.
“I have never pretended to be anything but a story-teller. I have little patience with those writers who preach or philosophise. I think it much better to leave philosophy to the philosophers, and social reform to the social reformers.” (Somerset Maugham, Creatures of Circumstance, 1947 ) Mit seiner Forderung nach Unterhaltung als einzigem Ziel der Kurzgeschichte missachtet Maugham all die Kurzgeschichten, welche mit einer anderen Zielsetzung verfasst wurden. So kann neben der Unterhaltung beispielsweise auch die Anregung zum Nachdenken oder die Ausübung von Kritik im Vordergrund stehen. Es stellt sich zudem die Frage, ob es einem Autoren nicht gestattet sein sollte, gleichzeitig auch Philosoph oder Reformer zu sein. Auch ist eine Verbindung verschiedener Zielsetzungen denkbar, was wohl in den meisten Fällen geschieht. So hat z.B. die Kurzgeschichte „The Murder of the Mandarin“, welche aus dem Jahre 1907 stammt und von Arnold Bennett verfasst wurde, durchaus Unterhaltungscharakter kritisiert jedoch auch die viktorianische Gesellschaftsordnung.
Es stellt sich die Frage, ob William Somerset Maugham mit seiner Kurzgeschichte “The Lotus Eater“ nicht auch verschiedene Zielsetzungen verfolgte, welche ihm möglicherweise auch nicht bewusst waren. “The Lotus Eater“ ist zweifelsohne eine unterhaltsame Geschichte. Sie regt jedoch auch zum Nachdenken und Diskutieren über moralische Fragen an, wie z.B. „Ist Wilsons Entscheidung, nur für sein eigenes Glück zu leben, moralisch vertretbar?“ oder „Ist es überhaupt möglich, sein Glück im kompletten Nichtstun zu finden?“ Auch wenn der Erzähler vorgibt, dass er anders als Wilson handeln würde und Wilsons letzte sechs Lebensjahre sehr abschreckend verlaufen, ist keine direkt formulierte Moral vorhanden. Dennoch findet, meiner Ansicht nach, in gewissem Maße eine Belehrung des Lesers statt, da Wilson als Negativbeispiel angeführt, wenn auch nicht verurteilt wird.
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Jennifer Reuter, 2004, Maughams Theorie der Kurzgeschichte und ihre Umsetzung in "The Lotus Eater", Munich, GRIN Publishing GmbH
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