Inhalt
Seite :
1. Einleitung 1
2. Die „Waldeinsamkeit“
2.1. Der junge Dichter 2
2.2. Die poetische Welt der Elementargeister 3
2.3. Der Verlust 4
3. Die „Waldeinsamkeit“ als eine Kulisse des Shakespeareschen 7
„Sommernachtstraum“
3.1. Heines literarische Darstellung im Vergleich zu den 9
Illustrationen von Johann Heinrich Füssli
4. Schlussbemerkung 12
5. Literaturverzeichnis 13
6. Abbildungsverzeichnis 14
7. Anhang 15
II
1. Einleitung
Die „Waldeinsamkeit“ von Heinrich Heine wurde im Oktober 1851 innerhalb des Gedichtbandes „Romanzero“ veröffentlicht. Der „Romanzero“ besteht aus drei Büchern, wobei das zweite Buch mit der Überschrift „Lamentationen“ den Kern des Zyklus bildet. Vergleichbar ist der Aufbau dieses Gedichtbandes mit dem eines Altares, wodurch die „Lamentationen“ als Mittelstück seitlich von der historisch-mythologischen Vorgeschichten, den „Historien“ (erstes Buch), und der folgenden Nachgeschichte, den „Hebräischen Melodien“ (drittes Buch), eingerahmt wird.
Da sich innerhalb des zweiten Buches das lyrische Ich in direkter Selbstdarstellung über sein Leben äußert, das seit 1848 zunehmend von der Krankheit des Dichters geprägt ist, erhält es einen sehr persönlichen Charakter. 1
Die „Waldeinsamkeit“ ist das erste Gedicht der „Lamentationen“, worin seine Bedeutung in diesem Teil schon angezeigt wird. Es bildet den Eingang zu dem Kern des Werkes und kann somit auch als ein Prolog bezeichnet werden. 2
Der Titel „Waldeinsamkeit“ lässt vermuten, dass es sich hier um eine Isolierung des lyrischen Ichs in eine menschenscheue, romantische Welt handeln könnte.
Das Gedicht umfasst insgesamt 39 Strophen und lässt sich, wie auch das Gesamtwerk, in drei Abschnitte unterteilen. Auch hier liegt das Hauptgewicht wieder auf dem Mittelteil (Strophe 3-31). Eingebunden wird dieser Teil mit dem Gegensatz von Jugend, Gesundheit und Hoffnung zu Beginn des Gedichtes und Alter, Krankheit und Verlust am Ende des Gedichtes. 3 Während dieser Arbeit soll das Hauptaugenmerk auf dem Mittelteil des Gedichtes liegen, also auf Heines Leben mit dem Elementargeistern. Helmut Koopmann schrieb in seinem Aufsatz, dass Heine „die Beschreibung einer romantischen Welt, wie wir sie plastischer nicht aus der ‚Harzreise’ kennen“ und „die Kulisse, die hier entfaltet wird, [sagt] dabei nichts über eine individuell erlebte Waldeinsamkeit aus[sagt], sondern beschreibt diese formelhaft, wie dergleichen Szenerien in der Romantik immer beschrieben sind“. 4 Diese Aussage soll anhand von Heines Aufsätzen „Elementargeister“ (1835) und „Shakespeares Mädchen und Frauen“ (1838) näher beleuchtet und auch kritisch hinterfragt werden.
1 Bartelt, Frauke: Entstehung und zeitgenössische Aufnahme des „Romanzero“ von Heinrich Heine. Diss. Christian-Albrecht-Universität zu Kiel. Kiel 1973. S. 34.
2 Koopmann, Helmut: Heines „Romanzero“. In: Zeitschrift für deutsche Philologie 97. 1978. Sonderheft. S. 55ff.
3 Bartelt 1973. S. 44.
4 zitiert nach: Koopmann 1978. S.58.
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2. Die „Waldeinsamkeit“
Zunächst möchte ich mich dem Inhalt des Gedichtes widmen, wobei ich mir die Frage gestellt habe, warum Heinrich Heine die „Waldeinsamkeit“ als Einführung in die „Lamentationen“, dem persönlichsten Buch des Romanzero, gewählt hat.
2.1. Der junge Dichter
In der Anfangsstrophe besinnt sich das lyrische Ich zurück auf seine Jahre als junger Dichter, wobei er diese Zeit fast zu glorifizieren scheint. Fast ironisch zeigt sich Heine als romantische Jünglingsgestalt, die „wohl“ einen Kranz aus glänzenden Blumen auf dem Haupt trug, welcher mit einem Zauber behaftet war. Der Kranz weist ihn als Dichter aus und steht gleichermaßen für Größe, Glanz, Erfolg und Können, womit die vergangenen Jugendjahre hier deutlich idealisiert werden. 6 Das Wörtchen „wohl“ im zweiten Vers bestätigt diese Aussage, wenn stattdessen Worte wie: vielleicht, wahrscheinlich oder vermutlich eingesetzt werden. Weiterhin wird mit dem Kranz aus Blumen auch eine für die Romantik charakteristische Naturverbundenheit gleich zu Beginn des Gedichtes hervorgehoben. Bereits in der zweiten Strophe legt sich ein Schatten über diese Zeit. Zwar wird der Erfolg des jungen Dichters geehrt, doch „gelbe[r] Menschenneid“ ließ ihn vor der vertrauten äußeren Welt fliehen in eine „grüne Waldeinsamkeit“.
Auffällig ist hier die Gegenüberstellung der Farben gelb und grün. Das Bild des Menschen, welcher gelb vor Neid wird, ist bekannt und auch Goethe sagte über diese Farbe folgendes: „eine heitere, muntere und sanfte Farbe; aber sie gleitet leicht ins Unangenehme“ 7 Der Farbe grün hingegen wird ein vermittelnder Charakter zugesprochen.
5 diese, sowie auch die folgenden Strophen, zitiert nach: Heine, Heinrich: Romanzero. Mit einem Nachwort von Joseph A. Kruse und zeitgenössischen Illustrationen. Frankfurt am Main 1981. S. 107-113.
6 Bartelt 1973. S.45.
7 zitiert nach: Hg.: Biedermann, Hans : Knaurs Lexikon der Symbole. München 1998. S. 162.
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In ihr vereinigen sich Sinnbilder wie Freiheit, Ruhe und Erwartung. Eigenschaften, die das lyrische Ich nur in Abgeschiedenheit von der heimischen Welt zu finden scheint. 8
2.2. Die poetische Welt der Elementargeister
Der zweite und umfangreichste Abschnitt ist meiner Meinung nach wieder in drei Teilabschnitte zu gliedern. In der dritten bis fünften Strophe wird der Übertritt des Poeten aus der vertrauten, bodenständigen Welt hinein in die Welt des Waldes beschrieben, wobei ein Bezug zu der anscheinenden, realen Welt noch immer vorhanden ist.
Beim Lesen fällt auf, dass der Dichter hier das Waldleben beinahe hierarchisch unterteilt. Zwar lebt er frei mit Geistern und Tieren, doch Feen und Hochwild scheinen eine gesonderte Stellung einzunehmen, denn sie nahten sich ihm ohne „Scheu“ und „Zagnis“. Die Aufnahme in dieses Reich gilt als etwas Besonderes und ist nicht jedem gewährt.
Der Jäger bedroht die Tierwelt und der Vernunftmensch bedroht mit Sinn für Wirklichkeit und Erklärbarkeit die Existenz der Feen. Die Tiere und insbesondere die „Elementargeister“ 9 bilden eine gesonderte Gesellschaftsform, die der Sagenwelt und des Volksglaubens. So bekommt hier das Hochwild eine Botenfunktion zwischen der geistlichen und menschlichen Welt. Sie gelten als sanfte Tiere und symbolisieren Wiedergeburt und Neuanfang. 10 Festzuhalten mit Hinsicht auf den Schluss des Gedichtes ist das Reh, welches in der Bedrohung lebt, einem Jäger zum Opfer zu fallen.
In den folgenden 24 Strophen baut sich dem Leser eine sehr detailliert und farbig beschriebene Welt auf, in der sich die „Elementargeister“ um den Dichter tummeln. Hierin bekommen Luftgeister, in Gestalt von Elfen, Erdgeister, repräsentiert durch Zwerge, Wassergeister, in Gestalt von Nixen, und der Feuergeist, symbolisiert durch die Salamander, ihr Gastspiel. 11 Alle Figuren bilden Elemente von Heines Dichtung und sind somit auch ein
8 Biedermann 1998. S.171f.
9 Heine, Heinrich: Elementargeister. In: Sämtliche Schriften in 7 Bänden. Hg. Klaus Briegleb. München 1976. Bd.5. S. 311- 374.
10 Biedermann 1998. S . 194 -197.
11 Heine 1976. Bd. 5. S. 311- 343.
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großer Bestandteil seines Lebens gewesen, was die ausführliche Darstellung dieser Welt der Illusion erklärt.
„Ich, der ich mich am liebsten damit beschäftige, Wolkenzüge zu beobachten, metrische Wortzauber zu erklügeln, die Geheimnisse der Elementargeister zu erlauschen und mich in die Wunderwelt alter Märchen zu versenken...“ 12
Auffällig ist, dass der Dichter in diesem Abschnitt vollständig isoliert zu sein scheint, so dass dieses Reich die Realität komplett ersetzt.
Die Strophen 30 und 31 bilden wieder ein Zwischenstadium, in dem der Dichter sich wehmütig an die Zeit der feenhaften Poesie zurückerinnert, aber nicht mehr in ihr verweilt.
Der herausklingenden Sehnsucht, welche mit „O, schöne Zeit!“ am Anfang der Strophen noch verstärkt wird, steht die Trunkenheit von Impressionen und Empfindungen gegenüber. Für den Erzähler war es ein Dasein der Vollkommenheit, in der sich selbst die Bäume „zu grünen Triumphespforten zu wölben schienen“.
2.3. Der Verlust
Die Strophen 32 bis 39 bilden den Abschluss des Gedichtes. Dem zuvor bekränzten Dichter wurde sein Kranz, oder auch seine Poesie, genommen.
Der Erzähler befindet sich nun in einer Zeit, in der seine Welt der „Elementargeister“ und damit auch seine wirkliche Poesie vergangen ist.
12 zitiert nach: Heine, Heinrich: Ludwig Börne. Eine Denkschrift. In: Heine. Bd.6. S.114.
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Arbeit zitieren:
Nanni Harbordt, 2006, Die Bildlichkeit in Heinrich Heines Waldeinsamkeit, München, GRIN Verlag GmbH
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