Deutsche Sporthochschule Köln
Hauptseminar: Kindheit im Wandel
Bedeutung und ethische Konsequenzen sportlicher Höchstleistungen im Kindes- und Jugendalter
von Meike Hentschel
2005
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 2
2. Das Verständnis von Kindheit ... 2
3. Äußere Einflüsse – Eltern, Trainer und Gesellschaft ... 3
4. Lebensbedingungen und -inhalte ... 5
5. Pro und Contra des Kinderhochleistungssports ... 6
6. Pädagogische Verantwortung ... 8
7. Vorschläge für einen humaneren Kinderhochleistungssport ... 9
8. Schluss ... 11
1. Einleitung
Immer wieder tauchen in den Medien Berichte aus dem Leistungssport über „geschundene“ und „gepeinigte“ Kinder auf 1. Besonders betroffen sind Kinder, die in kompositorischen Sportarten wie Kunstturnen, Rhythmische Sportgymnastik, Eiskunstlauf etc. aktiv sind. Der Kinderhochleistungssport ist nicht erst in den letzten Jahren ein kontrovers diskutiertes Thema geworden. Diese Thematik wird schon seit etlichen Jahren aufgeworfen und immer wieder von Kritikern angegriffen, sowie von Befürwortern verteidigt. Im Diskurs um den Kinderleistungssport geht es den Kritikern immer darum, die Gefahren für die jungen Akteure zu verdeutlichen.
Die Befürworter (deren Anzahl deutlich zurückgeht) wollen die sich dadurch eröffnenden Möglichkeiten aufzeigen. Die Äußerungen derjenigen, die den Kinderhöchstleistungssport ablehnen, reichen von „Leistungsknecht“, „Muskelmaschine“ und „Leistungsroboter“ bis hin zu einem „Mängelwesen mit Orientierungslosigkeit“. Im Gegenzug sprechen die Befürworter davon, dass dem Kind neue Möglichkeiten aufgezeigt werden um Erfahrungen zu sammeln und somit ihre Kindheit intensiv auszuleben.
Diese Arbeit beschäftigt sich zunächst mit den Argumenten der Befürworter des Kinderhochleistungssport und denen, die diese Art von Sport ablehnen. Weiterhin zeigt sie Kompromisse, Möglichkeiten und Lösungsvorschläge, mit denen der Hochleistungssport für beide Parteien zufriedenstellend ausgeübt werden kann.
2. Das Verständnis von Kindheit
Kindheit, wie wir sie heute erleben (dürfen), gab es nicht immer.
Die Stellung des Kindes in der Gesellschaft hat sich im letzten Jahrhundert gravierend verändert. Den Kindern wurde eine lange Zeit stetig wachsender Schonraum eingerichtet, der sie von den Bereichen des Erwachsenenlebens fernhalten, und ihnen eigene Inhalte zuweisen sollte. Eine klare Definition der Begriffe Kind oder Kindheit ist aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich. Einerseits wird Kindheit durch eine Vielzahl an Faktoren bestimmt, die außerdem ständiger Veränderung unterliegen. Andererseits verhindert die Anerkennung des Individuums eine `Vereinheitlichung´ des Kindes. Das Kind gibt es nicht.
Jedes Kind unterscheidet sich durch seine Individualität von anderen Kindern. Allerdings finden sich einige Gemeinsamkeiten bei Heranwachsenden, die den Begriff Kind prägen2.
Zum einen befinden sich Kinder in einem dauernden und unaufhörlichen Prozess der Veränderung sowohl in physischer als auch in psychischer Hinsicht. Zum anderen haben Kinder im Vergleich zu Erwachsenen einige Mängel, die in der Entwicklung immer mehr zurücktreten.
Diese sind erst einmal die kognitiven Fähigkeiten. Das heißt, sie verfügen über weniger Wissen und Erfahrung und haben weniger Verständnis und Überblick bei Urteilen und Entscheidungen. Dann ist die Persönlichkeit weniger ausgeprägt bzw. die Ich-Identität. Das meint, dass Kinder Unsicherheiten in Bezug auf die eigene Person und die soziale Rolle haben. Auch sind Kinder sind im Hinblick auf Schutz, Erziehung und Ausbildung abhängig von Erwachsenen. Kinder haben spezielle Sorgen und Probleme: sowohl ihr biologisches Wachstum als auch die emotionalkognitive Entwicklung stellt sie immer wieder vor komplizierte Erkenntnisse.
[...]
1 DER SPIEGEL, 43/1994 und 52/1994
2 Weischenberg, Katharina: Kindheit im modernen Hochleistungssport, S. 61
Quote paper:
Meike Hentschel, 2004, Bedeutung und ethische Konsequenzen sportlicher Höchstleistungen im Kindes- und Jugendalter, Munich, GRIN Publishing GmbH
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