Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Die kritische Theorie der Gesellschaft 3
2 1 Grundannahmen 3
2.2. Die nachbürgerliche Kultur 3
2.3. Der autoritäre Sozialcharakter 4
2.4. Der totalitäre Kapitalismus 5
2.5. Die Ideologiekritik der kritischen Theorie 5
3. Horkheimer: Grundannahmen und Ideologiekritik 6
3.1. Die Dialektik der Aufklärung als aufklärerische Ideologiekritik 6
3.2. Horkheimers Ideologiebegriff 7
3.3. Horkheimers Ideologiekritik 8
3.4. Kritik am ökonomischen Materialismus Wissenssoziologie
Liberalismus und Positivismus 8
4. Habermas: Die Überwindung von Horkheimers Standpunkten 9
4.1. Habermas Ideologiekritik: Technik und Wissenschaft als Ideologie 10
4.2. Die Theorie des kommunikativen Handelns 11
4.3. Die Kritik an der Dialektik der Aufklärung 12
5. Die Bedeutung der Ideologiekritik der kritischen Theorie für die Pädagogik 13
5.1. Ideologiekritik und pädagogische Wissenschaft 13
5.2. Ideologiekritik und die pädagogische Praxis 14
6. Schlussbemerkung 15
Quellenangaben 16
1
1. Einleitung
Die kritische Theorie der Gesellschaft, die im Frankfurter Institut für Sozialforschung ihren institutionellen Rahmen fand, ist eine der bedeutendsten sozialphilosophischen Theorien des letzten Jahrhunderts. Diese Theorie soll hier zunächst in ihren Grundzügen dargestellt werden, bevor genauer auf die Ausprägungen der Theorie nach Horkheimer und Habermas eingegangen wird. Besonderes Augenmerk soll auf den Themenkomplex Ideologiekritik und ihre Bedeutung für die Pädagogik gelegt werden.
Die kritische Theorie der Gesellschaft wurde im Frankfurter Institut für Sozialforschung entwickelt, das 1924 in Frankfurt am Main gegründet wurde, um eine fächerübergreifende Sozialforschung zu etablieren. Diese Forschung orientierte sich stark an den Theorien von Karl Marx. Es sollte eine umfassende Gesellschaftstheorie entwickelt werden, v. a in bezug auf drei Themenkomplexe: die Analyse der Beziehung von materieller und geistiger Kultur, die Frage nach der Vermittlung von sozioökonomischen Strukturen und den sozialpsychologischen Dispositionen der Menschen und die politisch- ökonomische Problematik, z. B. die Frage nach Planwirtschaft oder Kapitalismus. In der späteren Ausprägung der Theorie wurde auch die abendländische Vernunfttradition Gegenstand der Kritik. Die kritische Theorie sah sowohl die Subjekte als auch die Objekte aller Wissenschaft als gesellschaftlich begründet an, was die Notwendigkeit der Reflexion ihrer Handlungsbedingungen nach sich zieht. Dadurch grenzt sie sich von der traditionellen Theorie ab, die eine Trennung von wissenschaftlichem Objekt und dem betrachtenden Subjekt voraussetzt. (vgl. Dubiel 1988, S. 17- 22).
Im Folgenden soll besonders auf die „Dialektik der Aufklärung“ von Horkheimer und Adorno eingegangen werden, wie auch auf Horkheimers Aufsatz „Ideologie und Handeln“. Hauptsächlich aus diesen beiden Quellen sollen die Grundlagen von Horkheimers Auffassung über Ideologiekritik herausgearbeitet werden, die dann mit Habermas` Positionen – vor allem bezogen auf seine Werke „Theorie des kommunikativen Handelns“ und „Technik und Wissenschaft als Ideologie“ – verglichen werden.
2
2. Die kritische Theorie der Gesellschaft
2.1. Grundannahmen
Die kritische Theorie sieht sich als eine Theorie des totalitären Spätkapitalismus. Sie beruht auf der Grundannahme, dass die Bestimmungsmerkmale der liberalistischen Deutungsmuster historisch durch den Übergang zu einer totalitären Gesellschaftsordnung außer Kraft gesetzt wurden. Diese liberalistischen Deutungsmuster leben also nur noch als Bewusstseinsform weiter, der aber keine Entsprechung in der Gesellschaft zu Grunde liegt. Dadurch wurde die Weltanschauung des Liberalismus zur Ideologie. Der Liberalismus wird durch das Selbstverständnis der bürgerlichen Gesellschaften im 19. Jahrhundert charakterisiert, das die Trennung von ökonomischer und politischer Sphäre, das Prinzip von Eigentum, „freier“ Arbeit und Tausch (von Gütern wie von Arbeitskraft), Gewaltenteilung und Repräsentativsystem sowie die Annahme der formalen Gleichheit aller Bürger einschloss. Der Wert des Individuums hing somit von seiner Leistung ab. Die kritische Theorie sieht sich als Theorie der gegenwärtigen Gesellschaft, die – unter anderem - den Übergang von der späten Weimarer Republik zur totalen NS- Gesellschaft zu erklären versucht. In diesem Übergang wurden die liberalistischen Merkmale nach und nach abgeschafft. Der Spätkapitalismus wurde verstanden als totale Gesellschaftsform nach der Ära des liberalen Kapitalismus; durch seine totalitären Formen sollte sich der Kapitalismus in der Krise selbst stabilisieren. (vgl. Dubiel 1988, S. 23- 25).
2.2. Die nachbürgerliche Kultur
Um die nachbürgerliche Kultur zu erklären, stellte Horkheimer in Auseinandersetzung mit der marxistischen Theorie zunächst eine materialistische Theorie der Kultur auf, die sich auf die Weimarer Republik bezog. Sie besagt, dass die kulturellen Bewusstseinsformen von den ökonomischen Verhältnissen zwar abhängig sind, aber trotzdem einen gewissen Eigensinn besitzen. Er geht also von einem Verhältnis zwischen Basis und Überbau aus. Es muss eine Vermittlung zwischen diesen beiden Sphären geben, die durch das individuelle Bewusstsein geschieht. Es stellt sich also die Grundfrage, wie sich die ökonomischen Verhältnisse ins kollektive Bewusstsein umsetzen. Dies wird mit den Mitteln einer materialistisch reflektierten Sozialpsychologie zu erklären versucht. Es sollten also Fragestellungen der politischen Ökonomie mit der psychoanalytischen Sozialpsychologie verbunden werden. (vgl. Dubiel 1988, S. 25- 29).
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Im NS- System hat sich jedoch das Verhältnis von der Basis zum Überbau - u. a. wegen der Abschaffung des bürgerlichen Individualismus durch die Führerideologie, die Monopolisierung der Wirtschaft und die Aufhebung einer relativ selbstständigen Sphäre der Kultur - verändert, wodurch die materialistische Theorie der Kultur ihre Grundlage verloren hat. (vgl. Dubiel 1988, S. 29f).
2.3. Der autoritäre Sozialcharakter
Nachdem die marxistische Revolution der Arbeiterklasse, für die alle theoretischen Kriterien erfüllt waren, in den 20er Jahren nicht stattgefunden hatte und statt dessen die Arbeiter für das nationalsozialistische Regime mobilisiert wurden, suchte der Kreis um Horkheimer hierfür eine sozialpsychologische Erklärung. Die Psychoanalyse Freunds wurde in die marxistische Theorie integriert. Erich Fromm stellte die Grundannahme auf, dass sich Freuds Theorie auch auf Gruppen anwenden lässt und sich Bewusstseinsformen von Klassen als Reaktionen auf unbewusste Triebreaktionen erklären lassen. Der Sozialcharakter der Klassen wird als abhängig von den klassenspezifischen Lebensverhältnissen gesehen. Er erklärte dies durch die gesellschaftliche Veränderbarkeit des Sexualtriebes, der zwar eine konstante Grundlage hat, sich aber nur in spezifischen gesellschaftlichen Formen äußert. Dies beeinflusst die Enstehung des individuellen Charakters und – wegen der gesellschaftlichen Beeinflussung – auch die Enstehung von klassenspezifischen Charakterprägungen. Fromm sieht den „proletarischen Sozialcharakter“ als geprägt durch ein solidarisches, ambivalenzfreies, liebendes Ich an, während dem „bürgerliche Sozialcharakter“ als typische Merkmale Sparsamkeit und Statusneid zugeschrieben werden. Durch eine Studie des Instituts für Sozialforschung über das Arbeiterbewusstsein unter der Leitung von Fromm wurde diese Annahme allerdings empirisch widerlegt, da 70% der Befragten ambivalente Charakterstrukturen aufwiesen und weder als autoritär noch als revolutionär eingestuft werden konnten. Dies wurde als Erklärung dafür gesehen, dass es in der Arbeiterklasse kaum Widerstand gegen das NS- Regime gab. (Dubiel 1988, S. 40- 46).
Ebenfalls in den Themenkomplex des autoritären Sozialcharakters fällt die Annahme der kritischen Theorie, dass v. a. im Faschismus der gesellschaftliche Zwang blind und kritiklos hingenommen werde. Adorno erklärte dies durch den Übergang von familiären Aufgaben auf die Gesellschaft, wodurch Formen gesellschaftlicher Autorität nicht mehr vermittelt durch den Vater, sondern unmittelbar auf das Kind trafen. Der gesellschaftliche Zwang wird also als unmittelbar erlebt und nicht mehr im Ich reflektiert, was zur Ich- Schwächung und zu
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Veronika Donn, 2006, Die Ideologiekritik der kritischen Theorie und ihr Bezug zur Pädagogik, Munich, GRIN Publishing GmbH
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