Gliederung
1. Einführung und Fragestellung 3
2. Der Caesarkopf aus Tusculum 4
2.1. Fundort und Erhaltungszustand 4
2.2. Beschreibung des Kopfes 4
2.3. Bildnisbestimmung 5
3. Vergleich mit ausgewählten Repliken des Typus Aglie 7
4. Vergleich mit dem Typus Chiaramonti Camposanto 9
5. Der Tusculumer Kopf als spätrepublikanisches Porträt 11
6. Zusammenfassung 12
7. Quellen und Literaturverzeichnis 13
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1. Einführung und Fragestellung
In der Porträtforschung steigerte sich seit dem 19. Jahrhundert die Zahl der Köpfe, die mal mehr mal weniger überzeugend als Caesar betitelt wurden, ins Unüberschaubare. J.J. Bernoulli, einer der ersten, nach A. Mongez und E.Q.Visconti, 1 der sich mit dem Problem der Caesarporträts umfassend beschäftigte, zählte 1882 bereits 60 als Caesar identifizierte Köpfe. 2 In den 100 Jahren nach dieser Zählung kamen weitere 70 Köpfe hinzu. Stilistische Untersuchungen ergaben, dass all diese Porträts postum entstanden sind. Die Zeitspanne reicht von der antiken Kaiserzeit und der Renaissance bis hin zum 17., 18. und 19. Jahrhundert. Auch moderne Fälschungen reihten sich darunter.
1977 beschränkte K. Fittschen die Zahl der antiken Caesarporträts auf die Repliken der Bildnistypen Aglie und Camposanto- Chiaramonti. 3 In der neueren Forschung wird diese Eingrenzung weitgehend vertreten. 4 Dem für den Bildnistypus Aglie namensgebenden Caesarkopf aus Tusculum soll in dieser Arbeit das Hauptinteresse gelten. Folgende Fragen sollen in diesem Zusammenhang geklärt werden: Welche Indizien sprechen für eine Identifizierung als Caesar? Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt es zu seinen Repliken sowie zum zweiten Bildnistyp Camposanto-Chiaramonti ? Wie fügt sich der Kopf in die Porträtkunst der Späten Republik ein?
Besondere Beachtung bei der Klärung der Fragen soll den physiognomische Charakteristika sowie den mimischen Besonderheiten und der damit verbundenen Wirkungsweise des Gesichtes geschenkt werden. Schließlich folgt diese bei antiken Porträts oft programmatischen Gesichtspunkten.
Grundlage für die Identifizierung des Tusculumer Kopfes sind neben wenigen antiken Personenbeschreibungen vor allem die zahlreich überlieferten Münzporträts; besonders jene, die noch zu Lebzeiten des Diktators entstanden sind. Sie sollen für die Datierung des Kopfes hilfreich sein, ebenso wie Vergleiche mit dem zweitem Bildnistyp und den Repliken des Typus Aglie.
Inschriftliche Angaben gibt es im Zusammenhang mit Caesarporträts nur wenige.
1 A. Mongez; E.Q. Visconti, Iconografie romaine 3 (1824).
2 J. J. Bernoulli Römische Ikonografie (Berlin 1882).
3 K. Fittschen, Katalog der antiken Skulpturen in Schloß Erbach (Berlin 1977), S. 33 4 W. R. Megow: Porträtmiszellen, in: RM 94 (1987), S. 96; F. S. Johansen: The Portraets in Marble of Gaius Iulius Caesar: A review (Malibu 1987), S.17; M. R. Hofter: Zum Porträt des C. Iulius Caesar, in: Festschrift für N. Himmelmann (Mainz 1989)S. 335
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2. Der Caesarkopf aus Tusculum
2.1. Fundort und Erhaltungszustand
Der Fundort des Kopfes befindet sich auf dem antiken Forum der mittelitalienischen Stadt Tusculum. Man entdeckte ihn dort 1825. Die Stadt, unweit von Rom auf den westlichen Ausläufern der Albanerberge gelegen, war in der Zeit der späten Republik Rückzugspunkt reicher Römer, die sich in der Umgebung Land kauften und darauf Villen errichteten. Marcus Tullius Cicero oder Gaius Iulius Caesar sind nur einige Namen der zahlreichen berühmten Gutsbesitzer im antiken Tusculum.
Der auf dem Forum der Stadt ausgegrabene Kopf wurde nach seiner Entdeckung in das Castello di Aglie nahe Turin gebracht, wo ihn M. Borda 1940 wiederentdeckte und schließlich der Turiner Antikensammlung übergab. Dort wird er heute noch aufbewahrt. Der Erhaltungszustand des Kopfes ist vergleichsweise gut. Abgesehen von einer leichten Verwitterung der Oberfläche sind nur leichte Überarbeitungsspuren auf der linken Seite sichtbar.
2.2. Beschreibung des Kopfes
Der Kopf aus Tusculum ist extrem lang und dürr. Seine lange Nase und die eingefallenen, faltendurchfurchten Wangen bestärken den Eindruck. Hinzu kommt der langgezogene, dürre, fast storchartige Hals. Er ist in der Mitte von zwei alterkennzeichnenden Venusringen durchzogen. Weitere Altersmerkmale sind im Gesicht ausgeprägt: Über den schmalen, leicht geschwungen Lippen graben sich tiefe Nasolabialfalten in das Gesicht. Zwei vertikale und zwei horizontale Falten sind über der Nasenwurzel zu sehen. Sie bilden sich durch das angestrengte Zusammenziehen der Augenbrauen. Zusammen mit den offenen, aber nicht aufgerissenen Augen, die leicht zur linken Seite schauen und etwas nach oben gerichtet sind, bewirkt diese Mimik einen angespannten und konzentrierten Blick. Augenpartie und Stirn, welche von zwei deutlich sichtbaren Horizontalfalten durchzogen ist, sind somit in Bewegung. Damit stehen sie im Kontrast zu der nahezu unbewegten unteren Gesichtshälfte.
Als wohl deutlichstes Altersmerkmal des Kopfes fällt der stark zurückgewichene Haaransatz auf. Durch schwungvolles Vorkämmen der seitlichen Haare und der wenigen verbliebenen am Oberhaupt versucht man, ihn zu kaschieren.
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Corina Winkler, 2005, Der Caesarkopf aus Tusculum, Munich, GRIN Publishing GmbH
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