2
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Begriffsklärung „Verfolgung“ 3
2.1. Kann man den Holocaust mit Terrorismus gleichsetzen? 3
3. Vorbedingungen für den Holocaust 4
4. Die Situation der Niederlande in der NS-Besatzungszeit 5
5. Endlösung der europäischen Judenfrage in den Niederlanden 6
5.1. Judenverfolgung und „Arisierung“ 6
5.2. Der „Joodse Coördinatiecommissie“ und der „Joodse Raad“ 9
5.3. Deportation 12
6. Fazit 13
7. Literatur S 15
3
1. Einleitung
Betrachtet man den Holocaust in Europa während des Zweiten Weltkrieges, ist es nahezu unglaublich wie viele Menschen durch Deportationen und Massenvernichtungen ums Leben gekommen sind. Hierbei stellt sich die Frage wie es möglich war, in so vielen verschiedenen Ländern, so viele Menschen in so kurzer Zeit zu vernichten. Ebenfalls stellt sich die Frage, ob die Deutschen dies alleine geschafft haben oder ob sie vielleicht Unterstützung aus den einzelnen Ländern bekommen haben. Auf diese Fragen möchte ich am Beispiel der Niederlande während der NS-Besatzungszeit näher eingehen und versuchen eine Antwort zu finden.
2. Begriffsklärung „Verfolgung“
Bevor ich jedoch mit meiner Ausarbeitung beginne, möchte ich den Begriff der Verfolgung klären. Dabei handelt es sich um eine aktive Politik staatlicher oder halbstaatlicher Institutionen zur Unterdrückung bestimmter Bevölkerungsgruppen. Dazu zählen unter anderem die totale Entrechtung und Enteignung, physische Attackierung bis hin zur Deportierung und Ermordung von Bevölkerungsgruppen. Der Begriff Verfolgung geht also über den Begriff der Diskriminierung hinaus. Diskriminierung bedeutet lediglich die rechtliche Ungleichheit oder soziale Benachteilung. Zwar ist es möglich, dass auch diese staatlich wird, jedoch ist sie in gleichen Maßen gesellschaftlich bedingt. 1
2.1 Kann man den Holocaust mit Terrorismus gleichsetzen? Besonders in der heutigen Zeit kommt bei dem Gedanken der Verfolgung und des Massenmordes in der NS-Zeit schnell der Vergleich zum Terrorismus. Hierzu ist jedoch anzumerken, dass man im Dritten Reich nicht von Terrorismus sprechen kann, da der Terror in der Regel nicht zielgerichtet ist, sondern zur Durchsetzung politischer Ziele und hauptsächlich zur Einschüchterung der Gegner dient. Da die nationalsozialistische Verfolgungspolitik eindeutig die Vernichtung der europäischen Juden als Ziel hatte, kann man nicht von Terrorismus im Dritten Reich sprechen. 2
1 Pohl, D.: Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933 - 1945. S. 1
2 Vgl. ebd. S. 2
4
3. Vorbedingungen für den Holocaust
Der Ursprung für die Verbrechen im Dritten Reich liegt im „[…]radikalisierten Glauben an die Ungleichwertigkeit von Menschen.“ 3 Seit dem es den Glauben gibt, dass Menschen mit bestimmter Religion, Abstammung oder ähnlichem, weniger wert seien als andere Menschen, also der Rassismus „erfunden“ wurde, wurde ebenso der erste Schritt für den Holocaust gelegt. Das Zentrum der nationalsozialistischen Verfolgungspolitik im Zweiten Weltkrieg war der Antisemitismus. 4
Wie die Geschichte beweist, ist die rassistische Einstellung also keine Erfindung des Nationalsozialismus. Schon seit dem Mittelalter gab es in weiten Teilen der Bevölkerung Vorurteile gegenüber Juden. Häufig kam es dadurch schon damals zu Restriktionen, Vertreibungen und andere Formen der gewalttätigen Verfolgung gegen Juden. Seit der Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert begann die Eugenik und die Rassenbiologie immer mehr an Popularität dazu zu gewinnen. Man war der Ansicht, vermeintliche menschliche Fehlentwicklungen rassisch erklären zu können. Des Weiteren war man der Meinung, dass eine Tendenz zur Kriminalität vererbbar und angeboren sei. 6 Mit dem Versailler Vertrag, in dem es unter anderem um das Rückgängigmachen der Ostgrenzziehung der Deutschen im Ersten Weltkrieg ging, gewann die „rassistische Variante des Nationalismus“ die Oberhand. 7
Ein weiterer Motivationsfaktor für den Holocaust, vor allem in Osteuropa während des Zweiten Weltkrieges, war der Antislawismus. 8 Dieser besagte, dass das Leben eines Osteuropäers nicht so viel wert sei als das eines Westeuropäers. Der Antislawismus ist, ähnlich wie der Antisemitismus, ein Gemisch aus verschiedenen Vorurteilsstrukturen. Beim Antislawismus richten sich die Vorurteile gegen Osteuropäer. 9
3 Vgl. ebd. S.3f.
4 Vgl. ebd. S.4
5 Vgl. ebd.
6 Vgl. ebd. S.5
7 Vgl. ebd. S.3
8 Anmerkung: In meiner Ausführung werde ich nicht weiter auf den Holocaust in Osteuropa und den Antislawismus eingehen, sondern mich nur auf Westeuropa bzw. auf die Niederlande beschränken.
9 Vgl. Pohl, D.: Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933 - 1945. S.5f.
5
Die von mir oben aufgeführten Ideologeme waren zwar wichtige Voraussetzungen, jedoch sind sie keine ausreichenden Bedingungen für den Massenmord, der in der NS-Besatzungszeit durchgeführt wurde. Dieser kam erst durch spezifische Bedingungen zustande, auf welche ich in meiner weiteren Ausführung am Beispiel der Niederlande noch eingehen werde.
4. Die Situation der Niederlande während der NS-Besatzungszeit Am 10. Mai 1940 begann der Westfeldzug der Wehrmacht und somit auch der Einmarsch der deutschen Wehrmacht in die Niederlande. 10
Zu diesem Zeitpunkt lebten in den Niederlanden über 140 000 Juden und ca. 20 000 so genannte „Halb- und Vierteljuden“. Des Weiteren lebten ungefähr 22 000 ausländische Juden in den Niederlanden, worunter etwa 15 000 Flüchtlinge aus Deutschland waren. 11 Durch den Urbanisierungsprozess, der im 18. Jahrhundert einsetzte lebten alleine 80 000 Juden in Amsterdam, rund 16 000 in Rotterdam, jeweils 2 000 in Haarlem und Utrecht und 2 600 im nördlich gelegenen Groningen. 12
Nur drei Tage nach der Besetzung flohen das niederländische Königshaus und die Minister nach London. Am 14. Mai 1940 kapitulierten die niederländischen Streitkräfte. 13 Die Bevölkerung der Niederlande verhielt sich zum größten Teil den niederländischen Juden gegenüber und außenpolitisch neutral. Umso größer war die Verzweiflung und das Entsetzen, welches durch die militärische Kapitulation bei der niederländischen Bevölkerung, vor allem bei den niederländischen Juden, ausgelöst wurde. 14 Es folgten etliche Fluchtversuche der Juden nach England und in den Süden der Niederlande. Weiterhin begingen Dutzende von ihnen aus Angst vor politischer Verfolgung Selbstmord. 15
Anders als in Belgien und Frankreich wurde in den Niederlanden anstatt einer Militäreine deutsche Zivilverwaltung ins Leben gerufen. Diese setzte sich aus
10 Vgl. Hilberg: Die Vernichtung der europäischen Juden, Band 2. S.599
11 Vgl. Benz (Hg.): Lexikon des Holocaust. S.159
12 Vgl. Hirschfeld: Niederlande. In: Benz (Hg.): Dimension des Völkermords - Die Zahl der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus. S.138
13 Vgl. Gutman (Hg.): Enzyklopädie des Holocaust. Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden, Band 2. S.999
14 Vgl. Hirschfeld: Niederlande. In: Benz (Hg.): Dimension des Völkermords - Die Zahl der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus. S.139
15 Vgl. Gutman (Hg.): Enzyklopädie des Holocaust. Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden, Band 2. S.999f.
Arbeit zitieren:
Anne Posselt, 2006, Die Niederlande und der Holocaust, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Parfum, donc souvenir? - Bedeutung und Einfluss von Geruch(ssinn) in &...
Romanistik - Französisch - Literatur
Hausarbeit, 14 Seiten
Jura - Europarecht, Völkerrecht, Internationales Privatrecht
Seminararbeit, 19 Seiten
Von den Reforminitiativen der Siebziger Jahre zur Einheitlichen Europä...
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Anne Posselt's Text Die Niederlande und der Holocaust ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Anne Posselt hat den Text Die Niederlande und der Holocaust veröffentlicht
Anne Posselt hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare