Inhaltsverzeichnis
I. Vorstellung des Berliner Modells (Theorie) Seite 3-9
II. Anwendung des Berliner Modells auf eine Unterrichtsstunde Seite 9-14
in der 7.Klasse an einem Gymnasium im Fach Englisch
Thema : Landeskunde GB
III. Literaturverzeichnis Seite 15
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I.)
Entstehungsgeschichte und Entstehungsanlass
Das Berliner Modell (auch: „lehr-lern-theoretische Didaktik“) wurde von Paul Heimann in Abgrenzung gegen die bildungstheoretische Didaktik Wolfgang Klafkis entwickelt. Heimann wollte ein praktisches Entscheidungsmodell entwerfen, welches dem Lehrenden ermöglicht auf rein empirischer, mithin wertfreien Basis seinen eigenen Unterricht zu theoretisieren und so getroffene didaktische Entscheidungen empirisch zu analysieren. Es soll Lehrern dabei helfen, möglichst viele, den Unterricht beeinflussende Faktoren zu berücksichtigen bzw. überhaupt erst in den Blick zu bekommen. Auf diese Weise soll gezieltes und geplantes Lehren und Lernen ermöglicht werden.
Wie bereits erwähnt ist der Schöpfer dieses Modells, der damals in Berlin lehrende Erziehungswissenschaftler Paul Heimann (1901-1967). Er stellte dieses Modell erstmals in der Form eines Aufsatzes 1962 vor. Bereits 1965 erschien unter Mitarbeit seiner beiden Assistenten Gunther Otto und Wolfgang Schulz das Buch „Unterricht - Analyse und Planung“, das auch viele Beispiele zu dem Ansatz enthält. Paul Heimanns wissenschaftliches Lebenswerk hat zwei Schwerpunkte, das Problem der modernen Medien und einer zeitgemäßen Lehrerbildung. Doch wie kam es eigentlich zu der Entstehung des Modells, was war der eigentliche Entstehungsanlass?
Heimann hielt die bisherige Lehrerausbildung für praxisfern. Dem Lehrer sollte keine Theorie vermittelt werden, die er dann später mehr oder weniger lückenhaft in der Praxis umsetzen konnte, vielmehr sollte das praktische Handeln selbst als „Praktikum“ in das Studium der Theorie integriert werden. Der Lehrer sollte selbst die Theoriebildung ( im Sinne von „Anschauung von Praxis“) vollziehen. 1960 wurde das „Didaktikum“ an der Pädagogischen Hochschule in Berlin eingeführt. Das zwang Heimann, seine Gedanken bis hin zu einem didaktischen Modell auszuformen.
Ein zweiter Anlass dazu war die Kritik an Klafkis bildungstheoretischem Modell. Heimann hielt den Bildungsbegriff für ungeeignet, als Dreh- und Angelpunkt von Unterrichtsplanung zu dienen. Er warf den Vertretern dieser Didaktik „Stratosphärendenken“ vor. Das Ziel der Bildung durch Unterricht wird zwar grundsätzlich gutgeheißen, jedoch sei es zweckmäßig, darauf die Unterrichtsplanung aufzubauen. Dadurch werde ein Auseinanderfallen von Theorie und Praxis begünstigt. Ein guter Unterricht ist für Heimann „kein Selbstzweck, sondern Mittel“ 1 , den Schülern eine Ausgangslage für ihren Lernprozess zu schaffen.
1 Wilhelm H. Peterßen Handbuch Unterrichtsplanung S.90
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Das Modell wurde von Wolfgang Schulz, ein ehemaliger Mitarbeiter Heimanns, in den 1980er Jahren zum Hamburger Modell weiterentwickelt. Schulz wendet sich von der rein deskriptiven Unterrichtsanalyse ab, und entwickelt ein normatives Modell kritischen Unterrichts, der es den Schülern ermöglichen soll sich von überflüssiger Herrschaft zu befreien und in größtmöglicher Selbstbestimmung zu leben.
Das Modell
Das Berliner Modell möchte helfen, unter Berücksichtigung der je unterschiedlichen Bedingungen und Situationen, zu sinnvollen Entscheidungen über das „Was“, „Wohin“, „Warum“, und „ Wie“ in einer Gruppe zu kommen. Es gibt Hilfen zur Analyse und Planung einzelner Schritte und zur nachträglichen Reflexion und Auswertung Arbeitseinheiten oder Gruppenstunden. Durch systematische Unterrichtsanalysen auf empirischer Basis stellte Heimann so genante „formale Kostanten“ (auch Kategorien) des Unterrichts fest, die zeitunabhängig in jedem Unterricht vorkommen. Die so ermittelten Konstanten könnten bei der Planung von Unterricht als Richtschnur dienen. Heimann bestimmte sechs solcher Konstanten in zwei Feldern: Er war der Meinung man bräuchte zwei Bedingungsfelder, die anthropologisch- psychologischen Vorraussetzungen und die persönlich sozial kulturellen Vorraussetzungen aller Beteiligten, d.h. die der Mitglieder und die des Leiters. Wie der Name schon sagt bezeichnen die Bedingungsfelder die Bereiche, die dem Handeln des Lehrers Vorraussetzungen bzw. Bedingungen vorgeben. Anthropologisch-psychologische Faktoren sind diejenigen, welche von den Lehrern und Schülern eingebracht werden, wie z.B. der Lernstatus oder der Reifestand. Bei den sozialkulturellen Faktoren spricht man u.a. von den finanziellen verfügbaren Mitteln. Es lassen sich nun unter dem Gesichtspunkt der Bedingungsfaktoren folgende Fragen formulieren:
• Wo findet das Treffen statt?
• Welche räumlichen Bedingungen gibt es?
• Wie viel Zeit steht zur Verfügung?
• Was ist sonst noch unverändert vorgegeben?
• Wer hat von außen welche Einfluss- und Kontrollrechte? (z.B. Hausmeister stellt Strom ab)
• Wie alt sind die Schüler, in welcher Entwicklungsstufe befinden sie sich?
• Welche Interessen haben die Schüler vermutlich?
• Welche Einstellung/ Motivation, Aufnahmebereitschaft?
• Vorerfahrung aller Beteiligten?
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• In welchem Lebensraum leben die Schüler, und was ergibt sich daraus( Einstellungen, Fähigkeiten)?
• Wie ist die Zusammensetzung der Gruppe, wer führt, hat Einfluss? Wie ist das Klima?
• Wie ist das Verhalten und die Beziehungen der Teilnehmer und Leiter untereinander? Weiterhin benötigt man vier Entscheidungsfaktoren (Entscheidungsfelder). Die Absichten oder Ziele, die Inhalte bzw. Gegenstände, die Methoden/ Wege und die Mittel/ Medien. Heimann hat sich hierbei bewusst für den Namen Entscheidungsfelder entschieden, da der Lehrer hier bestimmte Entscheidungen zu treffen hat. Es sind also in diesem Rahmen keine feststehenden Faktoren.
Bei den Entscheidungsfaktoren könnte man sich mit folgenden Fragen beschäftigen, die eine wichtige Rolle spiele könnten: Die Absichten, die Ziele, die angestrebt werden:
• Was möchte ich (möchten wir) erreichen? Worum geht es?
• Woher kommen diese Ziele, wie begründen sie sich?
• Wie passen diese Ziele auf den Bedingungsrahmen, auf unser aller Vorraussetzungen?
• Sind diese Ziele denkbar, oder müssen sie im Blick auf Bedingungen und Vorraussetzungen verändert werden?
Man verfolgt grundsätzlich im Unterricht folgende Zielsetzung: Zum einen sollen die kognitiven Ziele, die Vermittlung von Kenntnissen/ Fakten, verfolgt werden zum anderen die affektiven Ziele wie z.B. die Aufnahmebereitschaft/ Aufmerksamkeit und die pragmatischen Ziele.
Die Inhalte/ Gegenstände, um die es geht präsentieren sich entweder als Wissenschaften, Techniken oder Pragmata. Auch in diesem Bereich stehen folgende Fragen im Mittelpunkt:
• Um welche Inhalte geht es?
• Passen die Inhalte zu den Zielen und umgekehrt?
• Wie genau müssen die Inhalte gefüllt werden (eingegrenzt/ ausgeweitet), damit sie nicht an den Vorraussetzungen der Beteiligten vorbeigehen?
• Gibt es Widersprüche zum Bedingungsrahmen?
Die Methoden sind der Weg, auf dem die Inhalte angegangen und die Ziele erreicht werden können. Laut dem Berliner Modell werden methodische Entscheidungen auf fünf Ebenen getroffen. Artikulation, Gruppen- und Raumorganisationen, Lehr- und Lernweisen, Methodische Modelle und dem Prinzipien-Canon.
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Arbeit zitieren:
Julia Kühn, 2006, Das "Berliner Modell" von Paul Heimann, München, GRIN Verlag GmbH
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