Inhaltsverzeichnis
I Theorie. 1
1. Theoretische Einleitung 1
2. Stand der Analysen 2
2.1. Bourdieu 3
2.2. Boudon/Goldthorpe 5
3. Pisa Studie 2000. 6
3.1. Zusammenfassung der Ergebnisse im Bereich
Lesekompetenz 7
3.2. Finnland als Spitzenreiter. 8
3.3. Deutschland im Mittelfeld 9
4. Entwicklung der Hypothese 10
II. Praxis 11
5. Durchführung mittels SPSS und Regressionsanalyse. 12
6. Hypothesenprüfung. 14
7. Darstellung der Ergebnisse 21
8. Rückschluss und Fazit. 24
9. Literaturverzeichnis 26
I Theorie
Die PISA-Studie hat ihren Namen nicht von der gleichnamigen Stadt und ihrem berühmten Turm, jedoch lassen sich einige Vergleiche zwischen dem schiefen Wahrzeichen Pisas und dem deutschen Bildungssystem herstellen. Das Kennzeichen des Pisaturmes ist seine schräge Lage, dieselbe Eigenschaft lässt sich auf deutsche Bildungsinstitutionen beziehen. So scheint seit der PISA-Studie 2000 die deutsche Bildung aus ihren Grundsätzen gerissen worden zu sein. Die Bevölkerung war nach Bekanntgabe der schlechten Ergebnisse deutscher Schüler entsetzt und forderte schnellsten Handlungsbedarf von der Regierung, um im internationalen Bildungsvergleich mithalten zu können. Reformen und allgemeines Umdenken im Bildungsverständnis könnten demnach eine weitere Verschlimmerung der Lage verhindern.
Daher gilt es in dieser Arbeit, in einem theoretischen Teil, die PISA- Studie 2000 vorzustellen, um anschließend in einem praktischen Teil eigene Untersuchungen darzubieten.
1. Theoretische Einleitung
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) initiierte im Jahr 2000 die Internationale Schulleistungsstudie PISA. Diese Studie ist die größte und umfangreichste des internationalen Bildungssystems. Teilgenommen haben 32 Staaten unterschiedlichster Bildungshintergründe, dabei sind 28, Mitgliedsstaaten der OECD. PISA steht für „Programme for International Student Assessment“ - ein Programm zur zyklischen Erfassung bestimmter Basiskompetenzen von 15-jährigen Schülern. 1 Die teilnehmenden Nationen bekommen dabei Auskunft über ihre Ressourcenausstattung und die Effizienz ihrer Bildungssysteme.
Primäre Aufgabe des Programms ist es, eine bildungspolitische Basis unter den teilnehmenden Ländern bezogen auf Bildungsziele zu schaffen. Des Weiteren sollen den Nationen in periodischen Abständen Prozess- und Ertragsindikatoren zur Verfügung gestellt werden, die für Entscheidungen zur Verbesserung der nationalen Bildungssysteme brauchbar
1 Vgl. „Die Pisa-Studie (2000)“. Verfügbar über: http://www.bildungsserver.de/zeigen.html?seite=1270. Datum
des Zugriffs: 13.03.2006.
1
sind. Das Hauptaugenmerk bei der PISA-Studie lag 2000 auf folgenden Indikatoren:
Lesekompetenz (Reading Literacy), mathematische Grundbildung (Mathematical Literacy), naturwissenschaftliche Grundbildung (Scientific Literacy) und fächerübergreifende Kompetenzen (Cross-Curricular Competencies). 2
Im Mittelpunkt der PISA-Studie 2000 steht die Frage, wie gut die Fähigkeiten der Jugendlichen, bezogen auf Kenntnisse und Fertigkeiten zur Bekämpfung realitätsnaher Herausforderungen, entwickelt sind. Dafür wurden im Frühsommer 2000 mehr als eine Viertel Million Schüler im Alter von 15 Jahren getestet. Für Deutschland bedeutete dies genau, dass 5000 Schüler an 219 Schulen getestet wurden, wobei die Auswahl der Schüler dem Zufallsverfahren überlassen war. Die PISA-Studie ist die erste Bildungsstudie die einen Zusammenhang zwischen sozioökonomischem Status und Bildungsniveau herauszuarbeiten versucht. Dieser Zusammenhang wird, anhand von verschiedenen Berechnungen, im praktischen Teil dieser Arbeit beleuchtet.
Bevor jedoch auf die Praxis eingegangen werden kann, muss eine theoretische Grundlage zum Verständnis gegeben werden. Im Anschluss an diese Einleitung wird ein Überblick über den Stand der Analysen anhand verschiedener Kritiker aufgezeigt. Dabei wird speziell der Begriff des kulturellen Kapitals geklärt. Nach diesem Überblick wird dem Leser eine Übersicht über die PISA-Studie gegeben, wobei das Hauptaugenmerk auf der Lesekompetenz der Länder Finnland und Deutschland liegt. Den Übergang zum praktischen Teil der Arbeit bildet die Darstellung der Entwicklung der zu untersuchenden Hypothesen. Für eine korrekte Auswertung jener, müssen zuvor die Auswertungsverfahren erklärt werden. Nach einer ausführlichen Erläuterung folgt schließlich die Hypothesenprüfung und im Anschluss die Darstellung der gewonnenen Ergebnisse. Den Abschluss der Arbeit bildet ein Fazit.
2. Stand der Analysen
Schon lange herrscht unter den verschiedensten Kritikern eine Debatte über den Begriff des kulturellen Kapitals. Dabei greifen diese auf unterschiedliche Theorien zurück, welche, exemplarisch an Bourdieu und Boudon/Goldthorpe, unter diesem Punkt kurz gegenübergestellt werden. In meiner Arbeit verstehe ich unter dem Stand der Analysen, die
2 Vgl. „Lernen für das Leben: Erste Ergebnisse der internationalen Schulleistungsstudie Pisa 2000“. Verfügbar
über: http://www.pisa.oecd.org/dataoecd/44/31/33691612. S.16. Datum des Zugriffs: 13.03.2006.
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aktuelle, kritische Auseinandersetzung der vorliegenden Vertreter mit dem Begriff des kulturellen Kapitals und der Ungleichheit im Bildungssystem. Den Anfang bildet der Soziologe Pierre Bourdieu, der den Begriff des kulturellen Kapitals in die Soziologie einführte.
2.1. Bourdieu
Pierre Bourdieu entwickelte das Konzept des kulturellen Kapitals, um soziale Ungleichheiten zu erklären. Dabei umfasst der Begriff des kulturellen Kapitals für ihn die Bildung, welche in sozialen Beziehungen eine Zweckmäßigkeit erfüllt.
Dieses Teilstück ist körpergebunden und wird in der Familie, die über unterschiedlich viel kulturelles Kapital verfügt, an die Kinder weiter gegeben. Gleichermaßen sieht er diese Kapitalform als Instrument von sozialem Reichtum. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass Bourdieu unter kulturellem Kapital den individuellen Gehalt an Bildung und Wissen eines Jeden versteht. Dabei unterscheidet Bourdieu in seiner Kapitaltheorie folgende drei Formen von kulturellem Kapital:
• Inkorporiertes Kulturkapital
Darunter versteht Bourdieu die Internalisierung des Kulturkapitals im Rahmen des familiären Lebensstils. 3
Erworbene Bildung wird als inkorporiertes Kapital zu einem Bestandteil der Person, also zu einem natürlichen Teil des Habitus.
Unter Habitus versteht Bourdieu kurz gefasst eine Handlungsgrammatik, die eigenes Handeln unbewusst strukturiert. So ist jedes Individuum durch eine objektive soziale Position und durch einen eigenen Lebensstil charakterisierbar. Der Lebensstil stellt dabei die individuelle Gestaltung des Lebens dar. 4 Da jedoch jedes Individuum unterschiedlich geprägt wurde in seiner Entwicklung, zum Bespiel durchs Elternhaus, ist diese Kapitalform von sozialer Ungleichheit gekennzeichnet.
• Objektiviertes Kulturkapital
Objektiviertes Kulturkapital stellt nach Bourdieu die Manifestation des inkorporierten, verinnerlichten Kulturkapitals in Form von Objekten dar. Zu diesen Objekten können zum Beispiel kulturelle Güter, Bilder oder Büchersammlungen zählen. Eine Voraussetzung für die Aneignung von objektiviertem Kapital ist das Vorhandensein
3 Vgl. Georg, Werner. „Kulturelles Kapital und Statusvererbung“. S.126.
4 Vgl. Korte, Hermann (2004): „Soziologie“. Konstanz: UVK Verlag. S.136.
3
von ökonomischem Kapital. Daher ist diese Kapitalform auf materieller Ebene übertragbar, nicht aber der Sinn für Kunst als Beispiel, dafür wird verinnerlichtes kulturelles Kapital benötigt.
• Institutionalisiertes Kulturkapital
Diese Kapitalform ist die Objektivierung des sozialen Kapitals in Form von legitimen Titeln und Stellen, wie zum Bespiel der schulische Titel einer Hochschule. 5 Ausschlaggebend für die Anhäufung von kulturellem Kapital ist verfügbares ökonomisches Kapital. Die Umwandlung vom ökonomischen Kapital in institutionalisiertes Kulturkapital setzt somit viel voraus. Jedoch zahlt sich diese Investition später durch höheres Einkommen oder bestimmte Privilegien wieder aus. Eine besondere Stellung nimmt diese Art des Kapitals ein, da es nicht übertragbar ist, wie das objektivierte Kulturkapital. Durch die Einführung von Titeln wird kulturelles Kapital jedoch austauschbar und vergleichbar.
Eine soziale Ungleichheit der Bildung zeigt sich nach Bourdieu in der Aufteilung der Gesellschaft in Klassen. Bourdieu erklärt diese Differenz mit der unterschiedlichen Verfügung über folgende Kapitalsorten:
• ökonomisches Kapital umfasst die materiellen Besitztümer
• soziales Kapital beschreibt die Summe der Beziehungen, die ein Mensch hat und funktioniert als
• symbolisches Kapital
Es wurde schon erwähnt, dass Bourdieu kulturelles Kapital zur Erklärung von sozialen Ungleichheiten einführte. Seine Theorie zu kulturellem Kapital wird häufig auch als Reproduktionstheorie bezeichnet. Diese Theorie formuliert die These, „dass sich kulturelles Kapital für Kinder höherer Statusgruppen besonders günstig auswirkt“. 6 Dabei geht er davon aus, dass Eltern höherer Schichten ihr kulturelles Kapital in zunehmendem Maß nutzen, um gewisse Vorteile an ihre Kinder weiterzugeben und damit ihre Laufbahn zu fördern. 7 So wird kulturelles Kapital von der Familie in die Schule übertragen und von den Kindern in Titel umgewandelt. Kinder hoher sozialer Herkunft fühlen sich nach Bourdieu´s Ansicht im
5 Vgl. Georg, Werner. „Kulturelles Kapital und Statusvererbung“. S.127.
6 Vgl. De Graaf, Paul; De Graaf, Nan Dirk: „Hoch- und populärkulturelle Dimensionen kulturellen Kapitals:
Auswirkungen auf den Bildungsstand der Kinder“. S.152.
7 Vgl. ebd., S.148.
4
Schulsystem eher zu Hause, als solche aus niedrigeren Schichten. Des Weiteren geht er davon aus, dass die Wertschätzung von Hochkultur und kulturelle Fähigkeiten, kurz kulturelles Kapital, von den Kindern zu Hause erworben wird. Auch nur diese, die schon über kulturelles Kapital von vornherein verfügen, können sich noch mehr aneignen.
Bourdieu geht hierbei von dem „Matthäus- Prinzip“ aus: „wer da hat, dem wird gegeben“. 8 Zusammenfassend kann über Bourdieu´s Reproduktionshypothese gesagt werden, dass durch die unbewusste Weitergabe von kulturellem Kapital an die Kinder, eine Monopolisierung von kulturellem Kapital stattfindet.
Eine entgegengesetzte Hypothese zu Bourdieus Prinzip entwickelte DiMaggio. Diese besagt, dass vor allem Kinder aus niedrigeren Schichten vom kulturellen Kapital der Eltern profitieren können. Kinder aus höheren Schichten, die hingegen schon über viel kulturelles Kapital verfügen, können sich nicht noch mehr Ressourcen aneignen. Weiterhin zeichnet diese Hypothese eine Demokratisierung von kulturellem Kapital aus, da sie für jeden zugänglich ist. Bezeichnet wird diese These von DiMaggio auch als Mobilitätstheorie. Für DiMaggio kommt dabei nur ein Design in Frage, um die Beziehung zwischen dem kulturellem Kapital der Schüler und ihren Bildungsergebnissen im Einzelnen zu untersuchen, ein Panel-Design. Bei dieser Art der Befragung werden die gleichen Personen in regelmäßigen Intervallen über einen längeren Zeitraum entweder immer zum selben Thema oder über jeweils verschiedene Themen befragt. Ein Vorteil hierbei ist, dass das längerfristige Verhalten der Personen beobachtet werden kann.
2.2. Boudon/Goldthorpe
Diese beiden klassischen Vertreter gehen, anders als Bourdieu, von unterschiedlichen Herkunftseffekten in der Verbesserung der sozialen Schicht aus. Der „primäre Herkunftseffekt“ bezieht sich dabei auf schichtspezifische Unterschiede im kulturellem Hintergrund und deren Auswirkungen auf schulische Leistungen. Zu diesen Effekten zählen kognitiven Fähigkeiten wie zum Beispiel Sprachgewandheit, Allgemeinwissen oder Sozialkompetenz.
Bei dem „sekundären Herkunftseffekt“ handelt es sich um den Einfluss der sozialen Herkunft, der die Kinder in verschiedene Schultypen einteilt. Diese Schulwahlentscheidung wird von den Eltern vorgenommen, und kann durch die Rational-Choice-Theorie erklärt werden. Die Kosten- / Nutzenfunktion fließt auf gleiche Weise in ihre Entscheidungen mit hinein.
8 Vgl. ebd., S.149.
5
Arbeit zitieren:
Nina Hanisch, 2006, Soziale Ungleichheit im Bildungssystem, München, GRIN Verlag GmbH
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