1 Einleitung 3
2 „South Park“ - ein Überblick 5
3 Serielles Erzählen im Fernsehen 7
4 Serielles Erzählen in „South Park“ 9
5 Das Tabu 10
6 Tabus und Regelbrüche in „South Park“ 12
6.1 Worttabus (tabuisierter Wortschatz) 12
6.2 Bildtabus (tabuisierte Abbildungen) 14
6.3 Kommunikationstabus (tabuisierte Themen) 16
6.4 Missachtung der Konventionen des Fernsehens 18
7 Schlussbemerkungen 21
Literaturverzeichnis 22
Anhang A: Erwähnte Episoden 24
Anhang B: Abbildungen. 25
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1 Einleitung
Die Geschichte der Fernsehserie ist auch eine Geschichte der Tabus und ihrer Überwindung. Während es im amerikanischen Fernsehen der frühen 50er Jahre noch undenkbar war, das englische Wort „pregnant“ zu äußern, unterliegen die Macher von Fernsehserien heutzutage nur noch wenigen Restriktionen. So gut wie jedes Thema, jede Körperfunktion und jede vormals als Perversion bezeichnete Sexualpraktik kann mittlerweile in deutschen und US-amerikanischen Fernsehserien behandelt werden. Pro7 zeigt die Abenteuer von Carrie Bradshaw und ihren Freundinnen aus „Sex and the City“ (USA 1998-2004) im Vorabendprogramm (wenn auch nur geschnitten), bei „Queer as Folk“ (U-SA/Kanada 2000-2005) werden dem Zuschauer Sexszenen an der Grenze zur Pornographie gezeigt, und bei „Nip/Tuck“ (USA 2003-) werden vormals kaum im Fernsehen thematisierte Sachverhalte wie Inzest zum selbstverständlichen Teil der Handlung.
Eine der Serien, die Tabugrenzen immer wieder ausgelotet und oft auch überschritten hat, ist „South Park“ von Trey Parker und Matt Stone. Was 1991 als stilistische Fingerübung für einen Filmkurs am College begann, entwickelte sich später zu einer der beliebtesten Serien der USA. Von Anfang an bemerkenswert war die Respektlosigkeit Parkers und Stones für jegliche Tabus, Regeln und Konventionen des Fernsehens. Im folgenden möchte ich untersuchen, welche dieser Regeln in „South Park“ gebrochen werden.
Zuerst werde ich „South Park“ kurz vorstellen und die wichtigsten Fakten zur Sendung liefern. Danach werde ich definieren, was unter seriellem Erzählen im Fernsehen zu verstehen ist und erläutern, welche Merkmale dieser Sonderform des Erzählens in „South Park“ wiederzufinden sind.
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Daraufhin erkläre ich den Begriff des Tabus, um dann im Hauptteil dieser Arbeit die sprachlichen, ästhetischen und thematischen Tabubrüche der Serie zu erörtern und zu beschreiben, wie in ihr Fernsehkonventionen bewusst gebrochen und parodiert werden. Hierbei werde ich auf die Themenbereiche mit speziellem Fernsehbezug (Worttabus und Missachtung der Regeln des Mediums) verstärkt eingehen und Bild- sowie Kommunikationstabus konzis abhandeln.
Zahlen in Klammern geben die Nummer einer Episode an, eine Liste aller erwähnten Episoden mit Original- und deutschem Titel befindet sich im Anhang. g
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2 „South Park“ - ein Überblick
„South Park“ ist zugleich Titel und Handlungsort einer der beliebtesten Animationsserien der letzten Jahre. Es handelt sich dabei um eine von Trey Parker und Matt Stone produzierte US-amerikanische Trickserie, die seit 1997 in den USA vom Kabelfernsehsender Comedy Central ausgestrahlt wird. In Deutschland läuft die Sendung seit Ende 1999 auf RTL, alte Folgen werden seit Januar 2006 von MTV wiederholt. Ab 2007 wird die Serie voraussichtlich exklusiv bei MTV laufen.
Ungewöhnlicherweise beschränken die Macher Parker und Stone sich nicht nur auf die Produktion, sondern sie verfassen auch selbst die Teleplays zu allen Folgen und leihen allen männlichen Figuren ihre Stimmen. Parker komponiert außerdem die gelegentlich vorkommenden Musical-Einlagen.
Die Handlung der Serie dreht sich um die Drittklässler Kyle, Stan, Kenny und Eric, die in der Kleinstadt South Park im US-Bundesstaat Colorado aufwachsen und dort verschiedene Abenteuer erleben.
Ein nicht unwesentlicher Teil der Gags entsteht durch den Bruch verschiedenster Tabus, durch den Gebrauch von explicit language und Fäkalhumor. „South Park“ lässt sich also eindeutig dem Genre der black comedy zuordnen. Der extrem simple, kindlich-naiv anmutende visuelle Stil der Serie funktioniert kontrapunktisch zum schwarzhumorigen, teils subversiven Inhalt. Häufig genutzte Inspirationsquelle für die Drehbücher sind aktuelle Ereignisse aus Politik, Kultur und Boulevard, die manchmal schon nach wenigen Tagen Thema der Sendung sind. So ist Saddam Hussein in Episode 715 (Erstausstrahlung: 17. Dezember 2003) in einem Erdloch zu sehen, vier Tage nachdem er von US-Truppen in einem solchen Loch gefunden wurde. Dabei kommt den Machern die sehr kurze Produktionsdauer zu Gute 1 .
1 Die ersten Episoden wurden noch mühselig im Stop-Motion-Verfahren mit ausgeschnittenen Kartonteilen realisiert, was pro Folge drei Monate in Anspruch nahm. Durch die Umstellung auf modernste Computertechnik kann mittlerweile sehr viel schneller auf aktuelle Gegebenheiten reagiert werden.
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Wie bei den „Simpsons“ handelt es sich bei „South Park“ in erster Linie um adult animation - „seeming in essence to be children’s cartoons although they were aimed more at adults [...]“ 2 . Trotzdem wird die Serie wegen ihrer geschickten Doppelkodierung auch gerne von Kindern gesehen. Viele Gags sind für Kinder nicht verständlich und werden von ihnen deshalb auf einer anderen Ebene wahrgenommen. Ein Beispiel hierfür ist die Episode 215, in der Stans Mutter Besuch von ihrer rothaarigen Tante, „Aunt Flow“, bekommt - diese kommt einmal im Monat zu Besuch, bleibt für fünf Tage und sorgt bei Stans Mutter für Stimmungsschwankungen. Nur ältere Zuschauer erkennen in Aunt Flow die beabsichtigte Metapher für die weibliche Menstruation.
1999 entstand der Kinofilm „South Park: Bigger, Longer, Uncut“ (auch dieser Titel ist doppeldeutig), der von Publikum und Kritik begeistert aufgenommen wurde. Der Song „Blame Canada“ aus dem Film wurde für einen Academy Award nominiert. Auch die Serie wurde für mehrere Preise nominiert bzw. ausgezeichnet. Sie erhielt zum Beispiel im April 2006 einen Peabody-Award 3 und wurde 2004 vom American Film Institute zu einem der TV Programs of the Year gewählt.
Mittlerweile umfasst die Serie ca. 150 Folgen, die in zehn Staffeln gesendet wurden. Aufgrund ihrer anhaltenden Popularität ist das Weiterbestehen der Sendung bis 2009 bereits gesichert.
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2 The Television Genre Book. Hrsg. von Glen Creeber. London: British Film Institute 2001. S. 74.
3 Der Peabody-Award ist vergleichbar mit dem deutschen Adolf-Grimme-Preis.
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3 Serielles Erzählen im Fernsehen
Die Präsentation einer längeren Geschichte in einer Reihe von Einzelfolgen, also einer Serie, ist fast so alt wie das Erzählen selbst. Hickethier gibt als frühe Beispiele die „Ilias“, die „Odyssee“ und „Tausendundeine Nacht“ an 4 . Das Erzählen in Raten ist somit kein genuin fernsehspezifisches Phänomen, sondern tritt in Literatur, Film, Fernsehen und anderen Medien gleichermaßen auf. Obwohl auch viele andere Fernsehformate das Prinzip der Serialität nutzen, möchte ich im folgenden nur auf den Bereich der fiktionalen Serie eingehen. Hauptmerkmale der fiktionalen Serie sind ihre Mehrteiligkeit und die Verknüpfung der einzelnen Folgen untereinander. Es gibt eine doppelte Formstruktur 5 : Die einzelnen Episoden stehen einerseits für sich, sind jedoch auch Teil eines größeren Zusammenhangs, der kompletten Serie. Auf Seite des Rezipienten findet ein „Verschmelzen des akkumulierten Serienwissens in eine Gesamtvorstellung statt“ 6 . Er sieht die Reihe von Einzelepisoden also auch im übergeordneten Rahmen. Besonders bei Fernsehserien mit komödiantischen Anteilen kann dies von entscheidender Bedeutung sein, weil diese ihre Komik häufig aus der Wiederholung gleicher Muster und stereotyper Situationen (running gags) beziehen. Mehr noch als bei anderen Seriengenres gilt hier:
[...] die Attraktivität der Serie beruht [...] in einem entscheidenden Maße auf der Bestäti- 7 gung und der Wiederentdeckung des im Grunde stets Identischen.
Abgesehen von Mehrteiligkeit und Verknüpfung erwähnt Hickethier weitere formspezifische Merkmale:
- Die Einbindung in einen Programmzusammenhang und das Auftreten zu gleichförmig wiederkehrenden Zeiten [...]
- [...] das Versprechen des Forterzählens der Geschichte bzw. des Herstellens einer Kontinuität gleicher Geschichten [...]
- Die Narration erzeugt einen Erwartungsdruck auf [...] ein Ende der Geschichte hin, in
8 dem sich alle Erzählfäden aufgehoben finden [...]
4 Hickethier, Knut: Das Beste von meiner Erzählung kommt erst noch. Historisches und Gegenwärtiges zum Erzählen in Raten. In: Theaterzeitschrift, 9. Jg., 1989, Heft 1 (Nr. 27), S. 76 f.
5 Hickethier, Knut: Die Fernsehserie und das Serielle des Fernsehens. Lüneburg: Universität Lüneburg 1991 (=Schriftenreihe Kultur - Medien - Kommunikation 2) S. 10.
6 ebd.
7 Schöberl, Joachim: Die Fernseh-Spielserie. In: Film und Fernsehen. Materialien zur Theorie, Soziologie und Analyse der audiovisuellen Medien. Hrsg. von Manfred Brauneck. Bamberg: Buchner 1980. S. 425.
8 Hickethier, Knut: Die Fernsehserie und das Serielle des Programms. In: Endlose Geschichten. Serialität in den Medien. Hrsg. von Günter Giesenfeld. Hildesheim: Olms-Weidmann 1994. S. 58. Die Hervorhebungen stammen aus der Quelle.
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Arbeit zitieren:
Kristof Maletzke, 2006, Tabubrüche und Missachtung von Fernsehkonventionen in 'South Park' , München, GRIN Verlag GmbH
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