Inhalt
1. Einleitung 3
2. Die Einstellung Eichendorffs zur Revolution 4
2.1 Einflüsse auf Eichendorff 4
2.2 „Der Adel und die Revolution“ 6
2.3 Die Bedeutung von Eichendorffs politischer Haltung für die Novelle 9
3. Der politische Gehalt der Novelle 9
3.1 Zur Entstehung 9
3.2 Darstellung und Wertung der Revolution 10
3.3 Das Personal und seine politische Bedeutung 12
3.3.1 Renald 13
3.3.2 Der alte Graf Dürande 15
3.3.3 Der junge Graf Dürande 17
3.3.4 Gabriele 18
4. Fazit 20
5. Literaturverzeichnis 21
5.1 Quelle 21
5.2 Literatur 21
5.2.1 Selbständig erschienene Publikationen 21
5.2.2 Unselbständig erschienene Publikationen 21
2
1. Einleitung
Die Fehleinschätzung des Joseph von Eichendorff in der deutschen Literaturlandschaft als Romantiker mit eher schlichter Singvogelnatur muss um so mehr verwundern, wenn man sich mit seiner Novelle „Das Schloß Dürande“, eingehender beschäftigt. Die geschickte Verbindung einer für die Romantik typischen Liebesgeschichte mit tragischem Ausgang und einer deutlichen Stellungnahme zum Thema Revolution zeigt auf, dass sich das Schaffen des Dichters keineswegs nur auf die ihm zugeschriebene Leichtigkeit und den gekonnten Umgang mit der für ihn kennzeichnenden formelhaften Bildsprache beschränkt.
„Eichendorff ist hier nicht nur der geschichtsunbewusste, zeitentrückte Poet, als
der er in seiner Lyrik, seinen phantastischen Erzählungen nur zu oft gelesen
wurde“ 1
Wenn sich der Dichter Eichendorff jedoch nicht nur mit den landläufig als romantisch bezeichneten Qualitäten der Naturverbundenheit und dem Streben nach der Ferne und dem Goldenen Zeitalter auseinandergesetzt hat, wirft das natürlich verschiedene Fragen auf. Welcher Art waren seine Gedanken zu vergangenen und gegenwärtigen politischen Geschehnissen? Aus welchen Gründen dachte er so und nicht anders? Wie gelang es ihm, seinen Gedanken Ausdruck zu verleihen?
In der folgenden Arbeit soll nun einerseits der politische Gehalt der Novelle „Das Schloß Dürande“ anhand der Charaktere und verschiedenen Textbeispielen aufgezeigt werden, andererseits soll jedoch auch die Frage nach der politischen Weltanschauung Joseph von Eichendorffs mit Hilfe seiner Biographie und seinen theoretischen Schriften beantwortet werden. Zu diesem Zweck werden zunächst die Einflüsse auf Eichendorff mittels seiner Herkunft und seiner Kontakte während der Studienzeit dargestellt, bevor eine nähere Auseinandersetzung mit seiner Schrift „Der Adel und die Revolution“ folgt.
1 Koopmann: Schloss Dürande und die Revolution. S. 130
3
Anschließend werden dann die verschiedenen Positionen des Personals in Bezug auf das revolutionäre Geschehen sowie die Mittel aufgezeigt, mit denen Eichendorff die Revolution im Werk darstellt.
2. Die Einstellung Eichendorffs zur Revolution
2.1 Einflüsse auf Eichendorff
Herkunft und Erziehung Joseph von Eichendorffs spielen bei seiner politischen Meinungsbildung wie bei den meisten Menschen eine übergeordnete Rolle. Geboren als Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff bildet seine Zugehörigkeit zum oberschlesischen Adel das konservative Grundgerüst seiner politischen Haltung, er verteidigt grundsätzlich das bestehende politische und soziale System.
Nicht nur das familiäre Umfeld prägt seine Einstellung zu Revolutionen im Allgemeinen und der französischen Revolution im Besonderen, auch die Dozenten seiner Studienzeit in Halle und Heidelberg formen Eichendorffs politische Vorstellungen. Die stärksten Einflüsse gehen hierbei von Görres, Müller und Schlegel aus.
Joseph Görres, bei dem Eichendorff 1807/08 die Vorlesung „Teutschland und die Revolution“ hörte, überzeugt den Studenten von der sogenannten „konservativen Verschwörertheorie“ 2 , die besagt, dass die französische Revolution keine Sache des Volkes war, sondern lediglich von einigen wortgewandten Führern ausging. Auch Görres Gedanke, der Geburtsadel solle sich durch die Verbindung mit einem dem dritten Stand entstammenden Verdienstadel regenerieren, findet in Eichendorffs Werken Verwendung.
2 Lindemann: Eichendorffs Schloß Dürande. S. 29
4
Dass Görres Eichendorff stark beeindruckte, ist aus seinem eigenen Werk zu ersehen:
„Es ist unglaublich, welche Gewalt dieser Mann [...] über alle Jugend, die irgend geistig mit ihm in Berührung kam, nach allen Richtungen hin ausübte.“ 3
Adam Müllers Schrift „Fragment über den Adel“ beeinflusst Eichendorff hinsichtlich der Kritik an den zentralen Motiven der französischen Revolution, Freiheit und Gleichheit, in entscheidendem Maße. So definiert Eichendorff in seiner Schrift „Erlebtes“ Freiheit als die „möglichst ungehinderte Entwicklung der geistigen Eigentümlichkeit“ 4 und Gleichheit als „diese alles verwischende Gleichmacherei“ 5 . Und ebenso wie Müller in seinem „Fragment über den Adel“ prangert Eichendorff in seiner Schrift „Erlebtes“ und in Form des alten Grafen Dürande den „verhängnisvollen Fatalismus der Vertreter des Ancien Régime vor der Revolution“ 6 an.
Friedrich Schlegel, der bedeutendste Theoretiker der Romantik verstärkt mit seiner Vorlesung „Über die neuere Geschichte“ Eichendorffs Eindruck der Revolution als eine im Untergrund geplante Verschwörung. Erstmals lernt Eichendorff hier die Revolution im Bild des Unwetters kennen, eine Bildsprache, die in seiner Novelle „Das Schloß Dürande“ häufige Anwendung findet und auf die später noch näher eingegangen werden soll.
Bei der Betrachtung von Eichendorffs Haltung zur Französischen Revolution darf natürlich nicht außer Acht gelassen werden, dass sich seine Einstellung auch vor dem Hintergrund der selbst erlebten Revolutionen von 1830 in Frankreich und 1848 in Deutschland bildete: Die Schrecken von chaotischen Kämpfen und Blutvergießen, die eine Revolution mit sich bringt, haben also auch ihren Teil zu Eichendorffs negativem Bild der Revolution und der
3 Eichendorff: Erlebtes. Halle und Heidelberg. S. 431
4 Ebd., S. 418
5 Ebd.
6 Lindemann: Eichendorffs Schloß Dürande. S. 33
5
ablehnenden Haltung gegenüber dieser Form der politischen Veränderung beigetragen.
2.2 „Der Adel und die Revolution“
Die theoretische Schrift „Der Adel und die Revolution“ wurde von Eichendorff gemeinsam mit „Halle und Heidelberg“ unter dem Titel „Erlebtes“ 1857, also in seinem Todesjahr verfasst. Der Titel „Erlebtes“ kann hier irreführen: Beide Schriften sind nicht autobiographisch, vielmehr beschreibt er soziales und politisches Geschehen aus seinem eigenen Blickwinkel. „Der Adel und die Revolution“ liefert sowohl eine detaillierte Beschreibung und Stellungnahme Eichendorffs zum Adel zur Zeit des Ancien Régime als auch die Reaktionen des Adels auf das Geschehen der französischen Revolution.
Anhand dieser Schrift lässt sich deutlich zeigen, dass Eichendorffs Konservativismus keineswegs als reaktionär oder restaurativ verstanden werden darf, sondern „sich eher mit der Position, die der Schöpfer des Begriffs, Chateaubriand, in seiner Definition: ‚Conserver les saines doctrines‘ meinte.“ 7 , deckt. So soll nicht automatisch alles Seiende, sondern lediglich das zu Recht Seiende bewahrt werden. 8
Ein wichtiges Element des Textes, das gleichzeitig die politische Haltung Eichendorffs darstellt, ist die von ihm vorgenommene Dreiteilung des Adels. „Der Adel aber zerfiel damals in drei sehr verschiedene Hauptrichtungen.“ 9 Die erste Gruppe, von Eichendorff als „Landjunker“ 10 beschrieben, erhält eine positive Bewertung.
„Die zahlreichste, gesündeste und bei weitem ergötzlichste Gruppe bildeten die, von den großen Städten abgelegeneren kleineren Gutsbesitzer [...]“
7 Lindemann: Eichendorffs Schloß Dürande. S. 15
8 Vgl. Lindemann: Eichendorffs Schloß Dürande. S. 15
9 Eichendorff: Erlebtes. Der Adel und die Revolution. S. 393
10 Ebd., S. 405
6
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2001, Joseph von Eichendorff: Das Schloss Dürande - Der Dichter und die Revolution, Munich, GRIN Publishing GmbH
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