A. Inhaltsverzeichnis II
A. Inhaltsverzeichnis
A. Inhaltsverzeichnis II
B. Abkürzungsverzeichnis VI
C. Abbildungsverzeichnis VIII
1. Einleitung 1
1.1. Problemstellung 1
1.2. Arbeitszeitflexibilisierung in der arbeitsmarktpolitischen Diskussion. 2
1.3. Forschungsschwerpunkte in der Wissenschaft 2
1.4. Zielsetzung und Gang der Untersuchung 3
2. Fixkostenproblematik im Produktionsbereich 5
2.1. Typische Kostenstrukturen im Produktionsbereich. 5
2.2. Fixkostenblock und Beschäftigungsrisiko. 9
2.3. Ansatzpunkte der Fixkostenpolitik. 10
2.3.1. Zurechenbarkeit von Fixkosten 10
2.3.2. Disponierbarkeit von Fixkosten 11
2.3.2.1. Fixkosten als Zeitquanten. 12
2.3.2.2. Fixkosten als Sachquanten 12
2.3.3. Kapazitätsorientierte Nutzung der Leistungspotentiale. 13
2.3.3.1. Entstehung von Nutz- Leerkosten 14
2.3.3.2. Verfügbarkeitsverluste. 14
2.4. Grenzen des Fixkostenabbaus bei sich ändernden Marktverhältnissen. 16
2.5. Notwendigkeit der Fixkostenflexibilisierung 17
A. Inhaltsverzeichnis III
3. Grundlagen der Arbeitszeitflexibilisierung 19
3.1. Grundlegende Gestaltungsansätze. 19
3.1.1. Entkopplung von Arbeits- und Betriebszeit 19
3.1.2. Dispositionsspielräume für Arbeitnehmer. 21
3.1.3. Offene und geschlossene Arbeitszeitsysteme. 22
3.2. Ziele der Arbeitszeitflexibilisierung. 23
3.2.1. Ausdehnung der Betriebszeit. 23
3.2.2. Vermeidung personeller Über- und Unterkapazitäten. 24
3.2.3. Anreiz- und Motivationseffekte 24
3.3. Allgemeine Problemfelder der Arbeitszeitflexibilisierung 25
3.3.1. Rechtliche Rahmenbedingungen 25
3.3.2. Betriebliche Einsatzbedingungen 28
3.3.2.1. Personelle Einsatzbedingungen. 28
3.3.2.2. Organisatorische Einsatzbedingungen. 30
3.3.2.3. Produktionstechnische Einsatzbedingungen 30
3.3.3. Sonstige Anforderungen 32
4. Analyse und Bewertung der Grundmodelle flexibler
Arbeitszeitgestaltung 33
4.1. Herleitung des Analyse- und Bewertungsschemas. 33
4.1.1. Betriebszeitausdehnung 33
4.1.2. Anpassung an Marktschwankungen 36
4.1.3. Sonstige Effekte. 38
4.1.4. Analyse- und Bewertungsschema. 38
4.2. Dimensionen der Arbeitszeitgestaltung. 39
4.2.1. Die chronologische Gestaltung. 39
4.2.2. Die chronometrische Gestaltung 40
A. Inhaltsverzeichnis IV
4.3. Formen chronologischer Arbeitszeitflexibilisierung 41
4.3.1. Schichtarbeit 41
4.3.1.1. Konzept der Schichtarbeit 41
4.3.1.2. Spezielle Problemfelder bei Einführung der Schichtarbeit 43
4.3.1.3. Eignung zur Fixkostenflexibilisierung. 44
4.3.2. Einfache Gleitzeitarbeit 46
4.3.2.1. Konzept der einfachen Gleitzeitarbeit 46
4.3.2.2. Spezielle Problemfelder bei Einführung der Gleitzeitarbeit 46
4.3.2.3. Eignung zur Fixkostenflexibilisierung. 47
4.4. Formen chronometrischer Arbeitszeitflexibilisierung. 49
4.4.1. Kurz- und Überarbeit. 49
4.4.1.1. Konzepte der Kurz- und Überarbeit 49
4.4.1.2. Spezielle Problemfelder bei Einführung der Kurz- und
Überarbeit 50
4.4.1.3. Eignung zur Fixkostenflexibilisierung. 50
4.4.2. Teilzeitarbeit. 51
4.4.2.1. Konzept der Teilzeitarbeit 51
4.4.2.2. Spezielle Problemfelder bei Einführung der Teilzeitarbeit 52
4.4.2.3. Eignung zur Fixkostenflexibilisierung. 52
4.4.3. Sonstige Formen chronometrischer Arbeitszeitgestaltung 54
4.4.3.1. Gleitender Übergang in den Ruhestand 54
4.4.3.2. Sabbaticals. 55
4.5. Formen chronologischer und chronometrischer
Arbeitszeitflexibilisierung 56
4.5.1. Kapazitätsorientierte variable Arbeitszeit (KAPOVAZ) 56
4.5.1.1. Konzept der KAPOVAZ 56
A. Inhaltsverzeichnis V
4.5.1.2. Spezielle Problemfelder bei Einführung der KAPOVAZ. 56
4.5.1.3. Eignung zur Fixkostenflexibilisierung. 57
4.5.2. Amorphe Arbeitszeit, insbesondere Jahresarbeitszeit 57
4.5.2.1. Konzept der amorphen Arbeitszeit 57
4.5.2.2. Spezielle Problemfelder bei Einführung der amorphen
Arbeitszeit 58
4.5.2.3. Eignung zur Fixkostenflexibilisierung. 59
4.5.3. Arbeitszeitkonten, insbesondere Arbeitszeitkorridore 60
4.5.3.1. Konzept der Arbeitszeitkonten 60
4.5.3.2. Spezielle Problemfelder bei Einführung von
Arbeitszeitkonten 62
4.5.3.3. Eignung zur Fixkostenflexibilisierung. 62
4.5.4. Sonstige Modelle chronologischer und chronometrischer
Arbeitszeitflexibilisierung 64
4.5.4.1. Job-Sharing 64
4.5.4.2. Die selbstbestimmte Arbeitszeit bei Trennung von Betriebs-
und Arbeitstätte. 65
4.6. Zusammenfassung und Bewertung. 65
5. Fallstudie: Die BMW-Werke Regensburg und Leipzig 69
5.1. Ausgangssituation. 69
5.2. Das Arbeitszeitmodell 70
5.2.1. Das Grundprinzip: Das 99-Stunden-Schichtmodell 70
5.2.2. Die Weiterentwicklung: Der Arbeitszeitkorridor 71
5.3. Ergebnis und Bewertung 72
6. Fazit und Ausblick. 75
D. Anhang. 76
E Literaturverzeichnis 81
B. Abkürzungsverzeichnis VI
B. Abkürzungsverzeichnis
ArbZG Arbeitszeitgesetz
AZ-flex. Arbeitszeitflexibilisierung
AZM Arbeitszeitmodell
BGB Bürgerliches Gesetzbuch
BetrVG Betriebsverfassungsgesetz
BMW Bayerische Motoren Werke
bzgl. bezüglich
bzw. beziehungsweise
c.p. ceteris paribus
FAZ Frankfurter Allgemeine Zeitung
Flexi-Gesetz Gesetz zur sozialrechtlichen Absicherung flexibler Arbeitsregelungen
h hours / Stunden
IAB Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung
i.d.R. in der Regel
insb. insbesondere
ISO Institut zur Erforschung sozialer Chancen
KAPOVAZ Kapazitätsorientierte variable Arbeitszeit
krp Zeitschrift Kostenrechnungspraxis
KschG Kündigungsschutzgesetz
MA Mitarbeiter
MDR Mitteldeutscher Rundfunk
Mio. Millionen
B. Abkürzungsverzeichnis VII
MitBestG Mitbestimmungsgesetz
o.g. oben genannten
SGB Sozialgesetzbuch
sog. so genannter
TzBfG Teilzeit- und Befristungsgesetz
u.a. unter anderem
u.U. unter Umständen
v.a. vor allem
vgl. vergleiche
vs. versus
WSI Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut der Hans-Böckler-Stiftung
ZAG Zeitautonome Gruppe
zfbf Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Forschung
ZWG Zeitwertguthaben
Abbildungsverzeichnis
C. Abbildungsverzeichnis
Abbildung 2.A: Anteile der Kostenstellen an den Gesamtkosten
Abbildung 2.B: Fixkosten als Zeitquanten.
Abbildung 2.C: Fixkosten als Sachquanten.
Abbildung 2.:D Kostenspaltung in Nutz- und Leerkosten
Abbildung 2.E: Verfügbarkeitsverluste.
Abbildung 2.F: "Teufelskreis" der Kostensenkung.
Abbildung 3.A: Ziele flexibler Arbeitszeitgestaltung
Abbildung 3.B: Grundsystematik der Arbeitsrechtsordnung
Abbildung 3.C: Gesetzliche Regelungen zur Arbeitszeit.
Abbildung 4.A: Optimale Betriebszeitgestaltung.
Abbildung 4.B: Kapazitätsanpassung bei Nachfrageschwankungen
Abbildung 4.C: Kriterien der Fixkostenflexibilisierung durch
Arbeitszeitgestaltung
Abbildung 4.:D Grundformen der Arbeitszeitgestaltung
Abbildung 4.E: Schema eines Mehrfachbesetzungssystems.
Abbildung 4.F: Betriebszeitgestaltung bei Gleitzeitmodellen.
Abbildung 4.G: Gesamtbewertung flexibler Arbeitszeitmodelle
Abbildung 5.A: Einschichtbetrieb BMW-Werk Regensburg 1988.
Abbildung 5.B: Zweischichtbetrieb BMW-Werk Regensburg 1990
Abbildung 5.C: Stückfixkosten-Entwicklung bei BMW: Einschichtmodelle.
Abbildung 5.:D Stückfixkosten-Entwicklung bei BMW: Zweischichtmodelle.
Abbildung 5 E: Betriebszeitflexibilität durch den BMW-Arbeitszeitkorridor
1. Einleitung 1
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
In Zeiten einer zunehmend differenzierten und dynamischen Umwelt sowie daraus resultierender, sich schnell ändernder Marktverhältnisse 1 wird in wirtschaftswissenschaftlichen Publikationen und arbeitsmarktpolitischen Diskussionen immer wieder der Ruf nach flexibleren Unternehmen laut. 2
Ein in diesem Zusammenhang oft herausgestelltes Problem ist die starre Kostenposition vieler Unternehmen, 3 die durch eine Zunahme der Fixkostenintensität hervorgerufen wird und die ein Unternehmen bei einem Beschäftigungsrückgang langfristig in seiner Existenz gefährden kann.
Zudem kommt der Verbesserung der Kostenposition und somit der Steigerung der Kostenflexibilität eines Unternehmens als Teil einer umfassenden Kostenpolitik, die auf die Umsetzung wettbewerbsorientierter Strategien, etwa im Sinne einer integrierten Kosten- und Leistungsführerschaft, abstellt, eine besondere Bedeutung zu. 4
Bei der Analyse der Kostenstruktur eines Industrieunternehmens zeigt sich, dass in der industriellen Produktion zum einen Personalkosten trotz Rationalisierungsmaßnahmen nach wie vor einen bedeutenden Kostenfaktor darstellen. Zum anderen spielt bei der Bewältigung der Fixkostenproblematik die effiziente Auslastung kapitalintensiver Leistungspotentiale eine entscheidende Rolle. Beide Größen lassen sich über die Gestaltung der Arbeits- bzw. der Betriebszeit eines Unternehmens beeinflussen.
1 Vgl. hierzu etwa Nink, J. (2002), B. S. 34 ff., Kaluzza, B. (1989), S. 9 ff.
2 Vgl. hierzu etwa Meffert, H./Benkenstein, M. (1985), S. 1 ff.
3 Vgl. hierzu etwa Meffert, H. (1996), S. 1.
4 Vgl. Becker, W. (1996), S. 233 ff.
1. Einleitung 2
1.2. Arbeitszeitflexibilisierung in der arbeitsmarktpolitischen Diskussion Die große Bedeutung der betrieblichen Arbeitszeit spiegelt sich auch in der aktuellen arbeitsmarktpolitischen Diskussion wider: 5
Angesichts von Massenarbeitslosigkeit und Wachstumsschwäche deutscher Unternehmen und unter dem Zwang zur Disposition ihrer Kostenstruktur in Zeiten der Rezession 6 fordern Teile der Arbeitgeber aus der Metall- und Elektroindustrie sowie führende Politiker anlässlich anstehender Tarifverhandlungen eine Ausweitung der Wochenarbeitszeit. Gegenüber diesem Vorschlag sperrt sich die Gewerkschaftsseite allerdings und beharrt auf einer allgemeinen Wochenarbeitszeit von 35 Stunden (Westdeutschland). Ausgehend von diesem Konflikt erwächst die Forderung einzelner Unternehmerverbände, u.a. mit dem Argument einer effizienteren Ressourcenauslastung und unter Hinweis auf die hohe Personalkostenbelastung deutscher Unternehmen, durch tarifvertragliche Öffnungsklauseln bzw. durch betriebliche Vereinbarungen die Einführung sog. flexibler Arbeitszeitverhältnisse, etwa in Form von Arbeitszeitkorridoren oder -konten, zu realisieren.
1.3. Forschungsschwerpunkte in der Wissenschaft
Bei der Analyse der wirtschaftswissenschaftlichen Literatur zeigt sich, dass die Fixkostenproblematik und die Gestaltung der betrieblichen Arbeitszeit meist getrennt voneinander behandelt werden.
Zwar hat sich die Betriebswirtschaftslehre dem Phänomen der Fixkosten schon seit etwa 1928, 7 insbesondere in Veröffentlichungen zum Thema „Krisenmanagement“, angenommen und verschiedene Fixkostenmanagementansätze 8 entwickelt. 9 Eine genaue Analyse der Möglichkeiten zur Fixkostenflexibilisierung durch eine entsprechende betriebliche Arbeitszeitgestaltung unterbleibt jedoch zumeist.
5 Vergleiche hierzu etwa Fickinger, N. (2004), S. 13; Knuf, T. (2003) S. 24; Knuf, T. (2004), S. 31.
6 Vgl. Promberger, M. et al. (2002), S. 17 f.
7 Vgl. Schmalenbach, E. (1928), S. 245 ff., Nachdruck in: Funk, J. (1984), S. 91 ff.
8 Etwa Oecking, G. (1994); Nink, J. (2002).
9 Vgl. Funke, S. (1995) S. 6 ff.
1. Einleitung 3
Auf der anderen Seite zeigt sich, dass in der wissenschaftlichen Diskussion von Arbeitszeitmodellen die aus ihnen resultierenden Veränderungen in der Kostenstruktur eines Unternehmens selten explizit betrachtet werden, auch wenn sich Veröffentlichungen zum Thema „Personalcontrolling“ seit den 80er Jahren sehr stark dem Thema Kosten zuwenden. 10 Stattdessen werden Arbeitszeitmodelle in jüngster Zeit weniger unter Kosten-/betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten, als hinsichtlich ihrer gesamtwirtschaftlichen Beschäftigungswirkung, ihrer Sozialverträglichkeit, ihrer rechtlichen Umsetzbarkeit oder als Teil des betrieblichen Anreizsystems diskutiert.
1.4. Zielsetzung und Gang der Untersuchung
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es daher, Auswirkungen verschiedener Arbeitszeitmodelle auf die Kostenstruktur eines Unternehmens zu analysieren und diese bezüglich ihrer Eignung zur Flexibilisierung fixer Kosten zu bewerten. Auf-grund der Vielzahl existierender Arbeitszeitsysteme 11 wird sich die Analyse auf solche Modelle konzentrieren, die im Bereich der industriellen Produktion sinnvoll realisiert werden können.
Um die Relevanz der untersuchten Problemstellung zu verdeutlichen, ist es sinnvoll, zunächst die Bedeutung des Fixkostenblocks 12 für das Unternehmen und die aus ihm resultierende Problematik aufzuzeigen (Kapitel 2).
Im weiteren Verlauf wird untersucht, welchen Beitrag Arbeitszeitmodelle leisten können, die mit der starren Kostenposition der Unternehmen verbundenen Her-ausforderungen zu bewältigen.
Kapitel 3 erläutert hierzu zunächst den Begriff „Arbeitszeitflexibilisierung“, stellt kurz deren Grundkonzept dar und geht auf die mit ihr verbundenen Ziele sowie allgemeine Rahmenbedingungen der betrieblichen Arbeitszeitgestaltung ein.
10 Vgl. o.V. (Hrsg, 2001 a), S. 17 f.
11 Im Rahmen der Arbeit werden die Begriffe „Arbeitszeitmodell“ und „Arbeitszeitsystem“ synonym verwendet.
12 Becker, W./Lutz, S. (2002) S. 92: „Gesamtheit der fixen Kosten eines Betriebs.“
1. Einleitung 4
Die Darstellung sowie die Bewertung der wichtigsten Grundformen der Arbeitszeitgestaltung ist Thema des Kapitels 4. Hierzu wird die Vielzahl der existierenden Arbeitszeitmodelle zunächst auf die grundlegenden Gestaltungsformen reduziert. Die Arbeit nimmt dabei eine - idealtypische - Trennung zwischen Modellen chronologischer und chronometrischer Arbeitszeitflexibilisierung vor. Die so identifizierten Basismodelle werden im Anschluss einzeln hinsichtlich ihrer Eignung zur Fixkostenflexibilisierung beurteilt. Außerdem werden nochmals kurz spezielle Problemfelder, die mit der Einführung der jeweiligen Arbeitszeitsysteme verbunden sind, dargestellt. Das Kapitel schließt mit einer Gesamtbetrachtung der vorgestellten Modelle.
Die so gewonnenen Erkenntnisse sollen in Kapitel 5 anhand eines Beispiels aus der Unternehmenspraxis validiert werden.
2. Fixkostenproblematik im Produktionsbereich 5
2. Fixkostenproblematik im Produktionsbereich
In diesem Kapitel sollen der aktuelle Grad und die Entwicklung der Fixkostenintensität deutscher Unternehmen untersucht werden. Bedingt durch die im Rahmen dieser Arbeit notwendige Eingrenzung konzentriert sich die Analyse dabei auf den Produktionsbereich von Industrieunternehmen (Abschnitt 2.1).
Anschließend werden in einem zweiten Schritt die aus dieser Fixkostenlast resultierenden Risiken abgeleitet und ihre Beeinflussbarkeit durch entsprechende strategische und operative Maßnahmen erläutert (Abschnitte 2.2-2.4).
2.1. Typische Kostenstrukturen im Produktionsbereich 13
Bei der empirischen Analyse des aktuellen Grades und der Entwicklung der Fixkostenintensität 14 des Produktionsbereichs deutscher Unternehmen sind zunächst zwei Problemkreise zu klären: Zum einen muss der Fixkostenbegriff eindeutig determiniert werden, zum anderen ist die Abgrenzung des industriellen Produktionsbereiches vorzunehmen.
Die Definition des Begriffes „Fixkosten“ erfolgt üblicherweise durch die Abgrenzung gegenüber variablen Kosten. 15 Während sich variable Kosten bei Änderung einer Kosteneinflussgröße ihrer Höhe nach ändern, bleiben fixe Kosten bei Variation dieser Größe innerhalb eines bestimmten Intervalls konstant. 16
Die genaue Abgrenzung variabler und fixer Kosten hängt dabei entscheidend von der untersuchten Kosteneinflussgröße ab, so dass die entsprechende Bezugsgröße immer angegeben werden sollte. 17 Die in der Literatur dominante Kosteneinfluss-
13 Vergleichehierzu und zu dem folgenden Gedankengang: Funke, S. (1995), S. 21 ff. Auf eine explizite Auseinandersetzung mit dem Kostenbegriff kann im Rahmen dieser Arbeit verzichtet werden. Um auch kalkulatorische Größen berücksichtigen zu können, soll im Folgenden die wertmäßige Kostendefinition [etwa: Heinen, E. (1983), S. 57 ff.; Becker, W. (2002), S. 209] Anwendung finden.
14 Funke, S. (1995), S. 2: „Das Verhältnis von fixen zu variablen Kosten bei einer bestimmten Kapazitätsauslastung.“
15 Vgl. etwa: Funke, S. (1995), S. 21 ff.
16 Vgl. Becker, W. (2001 a), S. 38.
17 Vgl. Nink, J. (2002), S. 14 f.
2. Fixkostenproblematik im Produktionsbereich 6
größe stellt die Beschäftigung dar, 18 die auch im Folgenden Verwendung finden soll.
Zudem findet sich in der Literatur die Auffassung, dass Fixkosten auch hinsichtlich der zeitlichen Abbaufähigkeit der Fixkostenpotentiale abgegrenzt werden müssten. 19 Bei dieser Betrachtungsweise steigt die Höhe der variablen Kosten durch die Ausdehnung des Betrachtungszeitraumes, während der Anteil der Fixkosten sinkt. 20 Eine solche Relativierung des Fixkostenbegriffes erscheint vor dem Hintergrund der zu untersuchenden Fragestellung nicht sinnvoll. So wäre unter anderem die Gesamtheit der Löhne und Gehälter als innerhalb bestimmter Fristen durch Personalabbau disponierbare Kosten nicht mehr als fix zu deuten. 21
In der Realität erweist sich der Abbau personeller Ressourcen jedoch, v.a. durch die Bindung an Kündigungsfristen (§622 BGB) und weitere rechtliche Regelungen (z.B. Kündigungsschutzgesetz KSchG), als äußerst schwierig. 22 Hinzu kommt, dass heute aufgrund tarif- und arbeitsrechtlicher Bestimmungen faktisch keine reinen Akkordlöhne mehr existieren. 23 Stattdessen erhalten Arbeitnehmer meist einen garantierten Mindestmonatslohn, 24 der um, von der erbrachten Leistung oder der Beschäftigung abhängige, variable Anteile in Form eines Prämien-oder Akkordlohnes ergänzt wird. 25 Infolgedessen sind nur noch diese Teile des Entgelts sowie Überstundenzuschläge als tatsächlich variabel anzuerkennen. 26 Eine Deutung der Personalkosten als variable Kosten hieße daher, deren Bedeutung im Rahmen der Fixkostenpolitik zu vernachlässigen. 27
18 Vgl. Weber, J. (1987), S. 393; Schweitzer, M./Küpper, H.-U. (1995), S. 96: „Sie ist die realisierte bzw. zu realisierende Ausbringung (Leistung) der Unternehmung oder eines Teilbereiches.“
19 Vgl. Kilger, W. (1987), S. 35 ff.; Kilger, W. (1993), S.355 ff.
20 Vgl. Oecking, G. (1994), S. 11.
21 Vgl. Oecking, G. (1994), S. 11 f.
22 Eine gute - wenn auch nicht mehr in allen Teilen aktuelle - Übersicht über relevante Regelungen bzgl. der Personalfreisetzung liefert: Hoß, A. / Jansen H. (1994).
23 Vgl. Männel, W. (1992), S. 133; Oechsler, W. A. / Reichmann, L. (2002), S. 535 f.
24 U.a. durch eine tarifvertraglich festgelegte Regelwochenarbeitszeit.
25 Vgl. Weber, R. (1994), S. 34 ff.
26 Vgl. Riebel, P. (1994), S. 514.
27 Vgl. Oecking, G. (1994), S. 11.
2. Fixkostenproblematik im Produktionsbereich 7
Ausgehend von diesen Überlegungen sollen fixe Kosten im Folgenden als Kostenart verstanden werden, die nicht „quasi-automatisch, d.h. innerhalb kürzester Zeit und ohne besondere Dispositionen, mit der Beschäftigung variieren.“ 28
Diese Definition bietet zum einen den Vorteil, die Ergebnisse einer empirischen Untersuchung von Backhaus/Funke zur Entwicklung der Fixkostenintensität deutscher Industrieunternehmen 29 unverändert nutzen zu können, zum anderen besteht durch eine solch weite Definition die Möglichkeit, sämtliche mit Fixkosten ver-bundenen Phänomene zu berücksichtigen.
Die Abgrenzung des Bereiches „Produktion“ im Industriebetrieb 30 soll ebenfalls weit gefasst werden und sich nicht nur auf den direkten Leistungsbereich der Fertigung beziehen, sondern auch fertigungsnahe Bereiche wie Arbeitsvorbereitung, Instandhaltung oder Qualitätssicherung umfassen.
Unter Nutzung der vorangestellten Definitionen lassen sich bei der Interpretation der o.g. Untersuchung folgende Aussagen treffen:
Insgesamt hat sich die Fixkostenintensität deutscher Unternehmen im produzierenden Gewerbe zwischen 1972 bis 1992 stetig erhöht und lag im Jahr 1992 bei etwa 42,6%. 31 Dies ist erstens auf die zunehmende Verlagerung der Personalkosten in indirekte Bereiche zurückzuführen, woraus ein Anstieg von Löhnen/Gehältern mit einem geringeren variablen Entgeltanteil resultiert und zweitens - hervorgerufen durch zunehmende Rationalisierung - auf die Substitution der variablen Personalkostenteile durch fixe Kapitalkosten. 32
28 Funke, S. (1995), S. 27.
29 Vgl. Funke, S. (1995), S.145 ff. Eine ähnlich detaillierte Untersuchung jüngeren Datums liegt bis dato nicht vor.
30 Schweitzer, M. (1994), S. 19: Industrie ist die „gewerbliche Sachgüterproduktion in Fabriksystemen.“
Wenze, R. (2001), S. 18f.: Eine Fabrik ist ein Betrieb „ in dem […] eine Anzahl von Personen mittels Maschinen, unter Arbeitsteilung und unter einem bestimmten Organisationsprinzip, aus Rohstoffen einzelne Güter oder größere Mengen […] vergleichbarer Halb- oder Fertigfabrikate erzeugen.“
31 Vgl. Funke, S. (1995), S. 165 f.
32 Vgl. Funke, S. (1995), S. 196.
2. Fixkostenproblematik im Produktionsbereich 8
Es zeigt sich, dass die Fixkostenintensität im Bereich der direkten Fertigung am geringsten ist; wegen des großen Anteils der Fertigungs- an den Gesamtkosten des Unternehmens und der absoluten Höhe des Fixkostenblocks ist der Bereich der Produktion allerdings weiterhin von besonderer Bedeutung für die Kostenstruktur des Unternehmens (Abbildung 2.A).
Innerhalb der Kostenstellen „Fertigung“ sowie „Fertigungsgemeinkosten“ sind wegen ihres großen Fixkostenanteils insbesondere die Kapitalkosten relevant (Vgl. Anhang A). Grund für diese Situation ist die zunehmende Kapitalintensivierung des Produktionsbereiches, die auf der einen Seite eine Stückkostensenkung durch Rationalisierungseffekte zur Folge hat, auf der anderen Seite aber zu einem Gesamtanstieg der Fixkostenintensität führt. 33
33 Vgl. Funke, S. (1995), S. 176.
34 Quelle: Funke, S. (1995), S. 176.
2. Fixkostenproblematik im Produktionsbereich 9
2.2. Fixkostenblock und Beschäftigungsrisiko
Wie im vorangegangenen Abschnitt gezeigt, stieg die Fixkostenintensität deutscher Unternehmen im Zeitraum von 1972 bis 1992 stetig an. Hierdurch verschlechterte sich deren Kostenelastizität 35 kontinuierlich.
Gleichzeitig veränderten sich - hervorgerufen durch zunehmenden Wettbewerbsdruck und den raschen technologischen Fortschritt - 36 ehemals stabile in „vorrangig instabile Marktverhältnisse“. 37 Bedingt durch diese zunehmende Diskontinuität und Dynamik der Unternehmensumwelt steigt die Unsicherheit über zukünftige Ertragsmöglichkeiten 38 und hiermit aufgrund der Möglichkeit unvorhergesehener Beschäftigungsrückgänge die Gefahr, ein geplantes Erlösniveau zu verfehlen. Dieses Risiko wird als Erlösrisiko bezeichnet. 39
Die mangelnde Kostenelastizität (notwendige Bedingung) sowie das Erlösrisiko (hinreichende Bedingung), 40 können dazu führen, dass die Beschäftigung eines Unternehmens nicht ausreicht, die fixen Kosten zu decken und somit langfristig die Existenz der Unternehmung gefährden. Diese Gefahr wird als „Beschäftigungsrisiko“ bezeichnet. 41
Die Fixkostenproblematik kann durch die Phänomene „Kostenremanenz“ und „Kostenpräkuranz“ zusätzlich verstärkt werden. Kostenremanenz bedeutet eine verzögerte Reaktion der Kosten auf eine Variation der Beschäftigung und kann dazu führen, dass Kapazitäten und die damit verbundenen Kosten eines Unternehmens aus verschiedenen Gründen 42 erst mit zeitlicher Verzögerung an Beschäftigungsrückgänge angepasst werden und somit über dem erforderlichen Niveau liegen. Kostenpräkuranz dagegen bedeutet einen „Vorlauf der Kosten“, so
35 Vgl. Grotherath, W. (1957), S. 25 f.: Kostenelastizität ist die Fähigkeit der Kosten, auf Änderungen der Beschäftigung zu reagieren.
36 Vgl. Franz, K.-P./Kajüter P. (1997 b), S. 6.
37 Backhaus K./Funke S. (1996 b), S. 99.
38 Vgl. Nink, J. (2002) S.34 ff.
39 Vgl. Funke, S. (1995), S. 66 ff.
40 Vgl. Funke, S. (1995), S. 199.
41 Vgl. Funke, S. (1995), S. 60 ff.
42 Vgl. Kilger, W.(1987), S. 51; Nink, J. (2002), S.30 ff.
2. Fixkostenproblematik im Produktionsbereich 10
dass bei einem erwarteten Anstieg des Absatzniveaus Kapazitäten bereits vor der tatsächlichen Nutzung aufgebaut werden, woraus ebenfalls ein ungünstiges Kostenniveau resultiert. 43
Aus dem Vorhandensein von Fixkosten entsteht somit eine Gefährdung für die Existenz eines Unternehmens. Die beiden Determinanten des Beschäftigungsrisikos, die Erlös(un)sicherheit sowie die (mangelnde) Elastizität der Kosten, können als Ansatzpunkte für dessen Bewältigung betrachtet werden: zum einen können Erlössicherungsmaßnahmen durchgeführt, zum anderen Kostenstrukturmaßnahmen eingeleitet werden. 44 Erlössicherungsmaßnahmen wiederum erfordern die Erlangung einer wettbewerbsfähigen Marktposition, was im Sinne der Strategie einer integrierten Kosten- und Leistungsführerschaft nur durch eine mit dieser Strategie abgestimmten Kostenpolitik gelingen kann. 45 Daher soll sich die Arbeit im Folgenden auf kostenpolitische Maßnahmen konzentrieren, ohne den Aspekt der Erlössicherung vernachlässigen zu wollen.
2.3. Ansatzpunkte der Fixkostenpolitik 46
Fixkosten entstehen durch die Bereitstellung und Bereithaltung betrieblicher Potentiale 47 und lassen sich maßgeblich über deren Ausgestaltung und Nutzung beeinflussen. 48 Ziel muss daher zum einen die Vermeidung von Überkapazitäten, 49 zum anderen die optimale Nutzung der vorhandenen Ressourcen sein. 50
2.3.1. Zurechenbarkeit von Fixkosten
Vorraussetzung für fundierte Entscheidungen zur Gestaltung der Leistungssphäre eines Unternehmens ist die Schaffung einer ausreichenden Transparenz bezüglich
43 Vgl. Reiß, M./Corsten, H. (1992), S. 1483 ff.
44 Vgl. Backhaus K./Funke S. (1996a), S. 76; Funke, S. (1995), S. 63; Ebenda S. 208 ff.
45 Vgl. Becker, W. (2001 b), S. 85.
46 Vgl. Becker, W. (2002), S. 87 ff.
47 Vgl. Becker, W. (2002), S.82.
48 Vgl. Warnick, B. (1993), S. 25 f.
49 Vgl. Becker, W. (2001 b), S. 86.
50 Vgl. Männel, W. (1992), S. 122 f.
2. Fixkostenproblematik im Produktionsbereich 11
der genauen Kostenstruktur der betrachteten Bereiche. 51 Eine besondere Schwierigkeit entsteht hierbei durch den Gemeinkostencharakter eines großen Teiles der Fixkosten. 52
Im Rahmen der Diskussion um die Entscheidungsrelevanz fixer Kosten wurden hierzu verschiedene Kostenrechnungssysteme, etwa die mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung oder die Fixkostendeckungsrechnung, entwickelt, die auf der expliziten Trennung von fixen und variablen Kosten aufbauen 53 und die dem Problem der verursachungsgerechten Zurechenbarkeit durch Bildung so genannter Fixkostenschichten gerecht werden wollen. 54
In jüngster Zeit wird der Transparenzforderung durch Konzepte mehrdimensionaler IT-gestützter Vertragsdatenbanken Genüge getan, die z.B. auch die Einbeziehung vertraglicher Bindungsfristen ermöglichen. 55
2.3.2. Disponierbarkeit von Fixkosten
Laut Arbeitsdefinition (Abschnitt 2.1) stellen fixe Kosten eine Kostenart dar, die sich nicht quasi-automatisch an Schwankungen der Beschäftigung anpassen. Mittel- oder langfristig lassen sie sich dennoch durch Entscheidungen über den Auf-oder Abbau von Kapazitäten bzw. der Betriebsbereitschaft in ihrer Höhe beeinflussen. Hierbei muss allerdings berücksichtigt werden, dass die Disposition nur in Intervallen bzw. zu bestimmten Terminen möglich ist. 56
51 Vgl. Oecking, G. (1995), S. 254.
52 Vgl. Weber, J. (1987), S. 395 ff.
53 Vgl. Weber, H.-K. (1972), S. 9 ff.
54 Vgl. hierzu Schweitzer M./Küpper H.-U. (1998), S. 435 ff. sowie S. 528 ff.
55 Vgl. Oecking, G. (1995), S. 257.
56 Vgl. Hummel, S./Männel, W. (1986), S. 390.
2. Fixkostenproblematik im Produktionsbereich 12
2.3.2.1. Fixkosten als Zeitquanten
Grund für den Zeitbezug der Dispositionsfähigkeit fixer Kosten liegt in der vertraglichen oder ökonomischen Gebundenheit der ihnen zugrunde liegenden Potentiale. 57 Fixkosten lassen sich daher nur in Abhängigkeit dieser Bindungszeiträume und - infolge vorgegebener Kündigungsfristen - nur zu bestimmten Terminen disponieren (Abbildung 2.B). 58
2.3.2.2. Fixkosten als Sachquanten
Neben der zeitlichen Gebundenheit der Fixkosten entstehen „immer größere Kapazitätsquanten, die große, meist unteilbare Fixkostenblöcke darstellen“. 60 Durch diese sachliche Unteilbarkeit betrieblicher Kapazitätspotentiale und dem daraus
57 Vgl. Männel, W. (1992), S. 113.
58 Vgl. Becker, W. (2001 a), S. 40.
59 Quelle: Becker, W. (2002), S. 88.
60 Vgl. Männel, W. (1992), S. 113.
Arbeit zitieren:
Thomas Spaniol, 2004, Arbeitszeitmodelle zur Fixkostenflexibilisierung in der industriellen Produktion, München, GRIN Verlag GmbH
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