Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis. 1
I. Einleitung. 3
II: Hauptteil 4
1. Macht und Hierarchie bei den Angestellten 4
1.1. Definition des Angestelltenbegriffs und Darstellung der
Macht - und Hierarchiestrukturen im Angestelltenmilieu. 4
1.2. Hierarchie im Arbeitsleben bei den Figuren in Kafkas
„Verwandlung“ 5
1.2.1. Gregor 5
1.2.2. Der Chef. 6
1.2.3. Der Prokurist. 8
2. Hierarchie in der Familie. 9
2.1. Historischer Hintergrund: Hierarchische Strukturen in der
b ürgerlichen Familie. 9
2.2. Macht und Hierarchie bei den Figuren in Kafkas
„Verwandlung“ 10
2.2.1. Gregor 10
2.2.2. Der Vater 12
2.2.3. Die Schwester Grete 13
2.2.4. Die Mutter. 14
2.2.5. Die drei Herren 15
1
3. Das zentrale Angstbild in der „Verwandlung“ 16
4. Die Erzählperspektive. 17
III. Zusammenfassung. 19
IV. Literaturverzeichnis 21
Prim ärquelle: 21
Sekund ärliteratur: 21
Verwendete Lexika: 21
2
I. Einleitung
Die vorliegende Arbeit wird sich mit der Erzählung „Die Verwandlung“ von Franz Kafka beschäftigen. Dabei werde ich die Frage zu beantworten versuchen, ob es hierarchische Strukturen unter den Figuren auf der familiären bzw. betrieblichen Ebene in der Erzählung gibt. Dabei werde ich auch den entstehungsgeschichtlichen Hintergrund berücksichtigen und in meine Analyse mit einbeziehen: Das im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert in Deutschland gerade entstehende Angestelltentum ist durch autoritäre betriebliche Hierarchiestrukruren gekennzeichnet. Ständige Existenzängste, große Angst vor der Arbeitslosigkeit und der damit verbundene Existenzverlust trieb viele Angestellte in eine Situation der Unterwürfigkeit vor Vorgesetzten und hatte oft vollständige Selbsterniedrigung zur Folge. Diese Selbsterniedrigung und der Druck der Arbeitswelt führte zum Ichverlust und oft zur völligen Anonymisierung des Individuums. Neben der betrieblichen Hierarchie gab es auch in den bürgerlichen Kleinfamilien dieser Zeit Hierarchiestrukturen, die vom Vater als pater familias an der Spitze angeführt wurden und in der die übrigen Familienmitglieder eine unterordnende Position einnahmen. Dieser geschichtliche Hintergrund hat mich dazu geführt, Spuren einer hierarchischen Ordnung in der „Verwandlung“ zu suchen und den historischen Tatsachen folgend zu analysieren. Auch die Sekundärliteratur, die sich mit der Erzählung „Die Verwandlung“ bzw. dem entstehungsgeschichtlichen Hintergrund beschäftigt, werde ich kritisch prüfen, für meine Analyse berücksichtigen und zur Kenntnis nehmen. Diese Hausarbeit hat den Anspruch, einen Teil der hierarchischen Strukturen unter den Figuren im familiären bzw. betrieblichen Bereich in der „Verwandlung“ darzustellen und zu analysieren. Außerdem soll sie versuchen eine Antwort darauf geben, welche Bedeutung diesen hierarchischen Strukturen für die Verwandlung der Figur des Gregor Samsa in ein Ungeziefer beigemessen werden kann.
3
II: Hauptteil
1. Macht und Hierarchie bei den Angestellten
1.1. Definition des Angestelltenbegriffs und Darstellung der Macht- und
Hierarchiestrukturen im Angestelltenmilieu
Die Angestelltenschicht im 1871 gegründeten deutschen Reich entwickelte sich im Laufe der siebziger und achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts 1 als neue soziale Schicht und gewann zunehmend an Bedeutung um die Jahrhundertwende.
Die Angestellten unterschieden sich von den Industriearbeitern: Im Gegensatz zu diesen körperlich arbeitenden Proletariern gingen sie kaufmännischen und koordinierenden Arbeiten im Betrieb nach. Mit der eigentlichen Produktion hatten sie nichts zu tun, sie verwalteten und koordinierten die Arbeit auf der unteren und mittleren Ebene. Sie bekamen meist höhere Löhne als gelernte Arbeiter und arbeiteten in sauberen Büros, die auch räumlich von denen der Arbeiter abgetrennt waren. 2 Mit der zunehmenden Zahl der Arbeiter wurde auch eine komplexere Verwaltung der Betriebe notwendig, was Aufgabe der Angestellten war. 3 So entwickelten sie ein gemeinsames Zusammengehörigkeitsgefühl als Teil des kleinbürgerlichen Mittelstandes: Es bildete sich eine „,ideologisch elitäre“‘ 4 Selbstabgrenzung von anderen Gesellschaftsschichten heraus. Die Unternehmer hatten ein besonderes Interesse daran, dass die Angestellten das immer selbstbewusster werdende Proletariat wirksam kontrollierten und somit das ,„Rückgrat der Unternehmer“‘ 5 stärkten. Aber trotzdem die Angestellten finanziell und gesellschaftlich einen höheren Status als die Arbeiter genossen, war ihr Arbeitsplatz keineswegs sicher: In wirtschaftlichen Krisen konnten sie ebenso entlassen werden wie die
1 Hans-Ulrich Wehler, Deutsche Gesellschaftsgeschichte. 3. Band: Von der „deutschen
Doppelrevolution“ bis zum Beginn des ersten Weltkriegs 1849-1914, München 1995,
S. 757.
2 Wehler, Deutsche Gesellschaftsgeschichte, S. 758.
3 Jürgen Kocka, Die Angestellten in der deutschen Geschichte: 1850-1989.
Vom Privatbeamten zum angestellten Arbeitnehmer, Göttingen 1981, S. 78.
4 Wehler, Deutsche Gesellschaftsgeschichte, S. 758.
5 Sigrid Jacobeit, Wolfgang Jacobeit, Illustrierte Alltags- und Sozialgeschichte
Deutschlands. 1900-1945, Münster 1995, S. 25.
4
Arbeiter. 6 Letztlich waren auch sie Abhängige des Unternehmers. Dass auch sie nur ihre eigenen Fähigkeiten und Kenntnisse dem Arbeitgeber anbieten konnten, hatten sie mit den Arbeitern gemein. 7 Sie traten in ein Konkurrenzverhältnis mit anderen Angestellten. Darüber hinaus arbeiteten Arbeiter und Angestellte „für den Profit der anderen“. 8 Der Unternehmer konnte entlassen und einstellen. Er hatte also die Macht über die Existenz der Angestellten. Um diese zu sichern, musste sich der Angestellte in die hierarchischen Strukturen einfügen. 9 Viele Angestellte profilierten sich vor allem in wirtschaftlichen Krisen vor dem Arbeitgeber, indem sie gegenüber niedriger gestellten Angestellten autoritär auftraten, wobei Konflikte unter den Angestellten entstanden. Damit wollten sie ihre eigene Tüchtigkeit und Loyalität zu dem Unternehmer unter Beweis stellen. Die Angestellten zogen, wo immer sie konnten, klare hierarchische Grenzen. Letztlich waren sie aber der Autorität des Unternehmers untergeordnet. 10 Jeder Vorgesetzte war Unterdrückender und Unterdrückter selbst, der Kollegen unter sich kontrollierte und sich selbst einem Vorgesetzten unterordnen musste.
1.2. Hierarchie im Arbeitsleben bei den Figuren in Kafkas
„Verwandlung“
1.2.1. Gregor
Gregor Samsa ist von seiner Arbeitsstelle, er arbeitet als Handelsreisender in einem Geschäft für Tuchwaren, in hohem Maß eingenommen, sie ist Hauptteil seines Lebens. Seine Freizeit nutzt er nicht aus, sondern „liest die Zeitung oder studiert Fahrpläne“ 11 , was neben Laubsägearbeiten seine einzigen Beschäftigungen sind, denen er außerhalb des Arbeitslebens nachgeht. Als Gregor in ein Ungeziefer verwandelt aufwacht, wurde zuvor sein Schlaf von „unruhigen Träumen“ (S. 115) begleitet. Dies könnte einen Hinweis darauf geben, wie sehr ihn seine Arbeit beschäftigt: Sie lässt ihn
6 Uwe Jahnke, Franz Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“. Ein literaturdidaktisches
Konzept. Frankfurt am Main 1990, S. 62.
7 Jahnke, Illustrierte Alltags- und Sozialgeschichte, S. 21.
8 Jacobeit, Illustrierte Gesellschaftsgeschichte, S. 25.
9 Jahnke, „Die Verwandlung“, S. 21.
10 Jahnke, „Die Verwandlung“, S. 21.
11 Franz Kafka , Die Verwandlung, in: Franz Kafka. Drucke zu Lebzeiten, hrsg. v. Wolf
Kittler, Hans-Gerd Koch und Gerhard Neumann, Frankfurt am Main 1994, S. 115-200, hier
S.126 (im folgenden werden die runden Klammern mit den Seitenzahlen hinter den zitierten
Textpassagen dieser kritischen Textausgabe folgen.).
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Arbeit zitieren:
Johannes Maase, 2003, Macht und Hierarchie in Franz Kafkas Erzählung "Die Verwandlung", München, GRIN Verlag GmbH
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