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Inhalt:
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Forschungsstand 3
Fragestellung 3
Methode 4
Antisemitismus 5
Herleitung von Recht und Gesetz 8
Die Rolle des Terrors. 9
Antilegalismus - Bürokratie 13
Bewegung - Strukturlosigkeit 14
Zusammenfassung - Ausblick. 17
Literatur: 18
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Forschungsstand
Spätestens seit dem 11.09.2001 ist die Anzahl der Publikationen, die sich mit islamischem Fundamentalismus, dessen Zielen und Methoden, beschäftigen, äußerst umfangreich. Trotz intensiver Recherche konnte jedoch nur wenig wissenschaftliche Literatur gefunden werden, die Erklärungsmodelle im Sinne Hannah Arendts anbietet. Es konnte festgestellt werden, dass insbesondere in Zeitungsartikeln relativ schnell vom „Totalitarismus“ des Islamischen Fundamentalismus gesprochen wurde, ohne diesen Begriff des Totalitären mit Hilfe der Gedanken Hannah Arendts exakt zu definieren und den Ausformungen islamisch-fundamentalistischer Herrschaft gegenüberzustellen.
Fragestellung
Seit dem 11.09.2001 vergeht kaum eine Woche, in der man nicht von neuen terroristischen Anschlägen durch islamistische Terrornetzwerke hört: seien es die Anschläge in London, Ägypten, Madrid, Bali oder Moskau. Es stellt sich die Frage, welche Ziele der islamische Fundamentalismus mit diesen Anschlägen verfolgt. Glaubt man verschiedenen Terrorexperten, so ist das Ziel ein fundamentalistischer, islamischer Gottesstaat (Kalifat), wie ihn die Mujaheddin in Teilen Afghanistans in der Zeit zwischen 1994 bis 2001 verwirklicht zu haben glaubten.1
In dieser Arbeit soll darauf eingegangen werden, inwieweit das Phänomen „Islamischer Fundamentalismus“ mit Begriffen und Denkweisen Hannah Arendts erklärt und interpretiert werden kann. Auch will ich versuchen, die Terroranschläge islamistischer Netzwerke mit der Rolle des Terrors in Hannah Arendts Betrachtungsweise in Verbindung zu setzen.
1 Thamm, Berndt Georg: Internationaler Djihad-Terrorismus - Strategische Bedrohung nicht nur für Europa, in: Reiter, Erich
(Hrsg.): Jahrbuch für internationale Sicherheitspolitik 2004, ohne Ortsang. 2004, S. 232f
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Es soll darüber hinaus dargelegt werden, dass der islamistische Fundamentalismus mit diesem „Gottesstaat“ das Ziel einer totalen Herrschaft vor Augen hat, so wie die von Arendt dargestellten Erscheinungsformen totaler Herrschaft, nämlich der Nationalsozialismus der Jahre 1933 bis 1945 und den Stalinismus in den Jahren von 1929 bis 1941 und danach wieder von 1945 bis 1953 2 . Es sollen jedoch auch die Unterschiede zwischen Hannah Arendts Theorie der totalen Herrschaft mit dem Phänomen des islamischen Fundamentalismus aufgezeigt werden.
Das Anliegen, das Hannah Arendt mit ihren Überlegungen zur totalen Herrschaft verfolgt, ist es, ein „politische(s) Beurteilungskriterium“ in die Hand zu bekommen, mit dem die Ereignisse der Gegenwart danach beurteilt werden können, „ob sie einer to- 3 talitären Herrschaft dienen oder nicht“. Dem folgend sollen die Untersuchungen
Hannah Arendts, mit denen sie die totalitären Systeme Deutschlands von 1933 bis 1945 und den Stalinismus in den Jahren von 1929 bis 1941 und danach wieder von 1945 bis 1953 beleuchtete, den Entwicklungen des islamischen Fundamentalismus gegenübergestellt werden und Gemeinsamkeiten herausgearbeitet werden.
Methode
Zu diesem Zweck wurde die Methode der Textanalyse ausgewählt, wobei neben „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ - insbesondere Kapitel III „Totale Herrschaft“ - die im Literaturverzeichnis angeführte Literatur ausgewertet wurde, deren Auswahl aber aufgrund der bereits angeführten Menge der Publikationen keineswegs den Anspruch auf Vollständigkeit und Repräsentativität stellt. Aufgrund der Komplexität und des Umfanges der „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ konnten darüber hinaus nur Teilaspekte von Hannah Arendts Theorie beleuchtet werden und somit auch nur die hervorstechendsten Parallelen zum islamischen Fundamentalismus dargestellt werden.
2 Arendt, Hannah: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, München/Zürich 1993, S. 475
3 Weinert, Viola/Mattern, Jochen: Die Hölle auf Erden. Eine Annäherung an Hannah Arendts Analyse totaler Herrschaft, in:
UTOPIE kreativ, Heft 113, März 2000, S. 253
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Hierbei wurden insbesondere die Gedanken dreier besonders prägender Vordenker des islamischen Fundamentalismus untersucht, nämlich Sayyid Qutb, Necmettin Erbakan und Ali Bulac. Insbesondere Sayyid Qutb gilt als geistiger Vater und Theoretiker des Al-Quaida - Netzwerkes, auf dessen Gedanken auch Osama Bin Laden immer wieder Bezug nimmt.
Antisemitismus
Wie Weinert und Mattern darlegen, stand für Hannah Arendt in „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ der deutsche Faschismus im Mittelpunkt der Darlegungen. Sie stellte eine "Parallelentwicklung des Niedergangs des Nationalstaats und des Aufkommens einer antisemitischen Bewegung“ fest, „die Gleichzeitigkeit des Zusammenbruchs eines in Nationalstaaten organisierten Europas und der Ausrottung der Juden, die sich in dem Sieg der antisemitischen Ideologie über alle anderen Ideologien in der öffentlichen Meinung vorbereitete“.4 Es sei ein Spezifikum des deutschen Totalitarismus, auf diesen europäischen Antisemitismus zurückzugreifen. Auch Stalin entschloss sich kurz vor seinem Lebensende zu einer Deportation sowjetischer Juden nach Sibirien, wo sie in Massen umkamen, diese Deportationen sind aber nicht mit der technisch-industriellen Vernichtung der Juden in Deutschland vergleichbar.
Dieser starke Antisemitismus ist z. T. auch in der muslimischen Welt zu beobachten. Angefangen mit dem Kampf jüdischer Stämme gegen den aufkeimenden Islam im 7. Jahrhundert, Pogromen gegen die Juden im osmanischen Reich, Kämpfe panarabischer Nationalisten ab 1920, finden sich auch verschiedener Koranstellen, die den islamischen Fundamentalisten immer wieder als Rechtfertigung dienen:
4 Arendt (FN 2) S. 35
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„Und sie wurden mit Schande und Elend geschlagen, und sie luden Allahs Zorn auf sich; dies, weil sie die Zeichen Allahs verwarfen und die Propheten zu Unrecht töten wollten; das war, weil sie widerspenstig waren und frevelten.“ (Sura, 2.62)
„O die ihr glaubt! Nehmet nicht die Juden und die Christen zu Freunden. Sie sind Freunde gegeneinander. Und wer von euch sie zu Freunden nimmt, der gehört fürwahr zu ihnen.
Wahrlich, Allah weist nicht dem Volk der Ungerechten den Weg.“ (Sura, 5.52) 5
Hinzu kommt der Einfluss des modernen europäischen Antisemitismus und besonders seiner nationalsozialistischen Prägung, welcher insbesondere durch die Kontakte des Großmuftis Husseini und der nationalsozialistischen Regierung 1933 gefördert wurde. Er verbreitete sich vor dem Hintergrund wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Probleme der islamischen Welt. Die antisemitische islamische Propaganda und häufig auch die arabisch-nationalistische, bediente sich historischer Fälschungen, so der „Protokolle der Weisen von Zion“, der Ritualmordbeschuldigung, und auch christlicher theologischer Motive, wie der Geschichte von den Juden als Christusmördern.6
Diese Gedanken wurden auch von Necmettin Erbakan in seinem Werk „Gerechte Ordnung“ aufgegriffen: So wird der Mythos von der „Zionistischen Weltverschwörung“, bzw. des „Zionistischen Komplotts“ zu einem zentralen Thema seiner Gesellschaftskritik, ebenso sei der Zionismus für internationale Konflikte verantwortlich zu machen.7
Gleichzeitig wird auch die starke nationalistische und rassisch-ethnische Komponente in der Argumentation Erbakan sichtbar, wenn er in seinem Parteiprogramm im Falle eines EG-Beitrittes 1973 für die Türkei prophezeit:
5 http://de.wikipedia.org/wiki/Arabischer_Antisemitismus abgerufen am 25.08.2005
6 Ebd.
7 Puschnerat, Tanja: Theorie und Strategie des islamistischen Diskurses - drei Beispiele, in: Backes, Uwe/Jesse, Eckhard
(Hrsg.): Jahrbuch Extremismus & Demokratie (E & D), 15. Jhg., Baden-Baden 2003, S. 82
Arbeit zitieren:
Franz Steger, 2005, Islamischer Fundamentalismus = dritte Form totaler Herrschaft?, München, GRIN Verlag GmbH
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