Wie bereits in der Einleitung dargelegt, soll in dieser Arbeit auf die österreichischen Spezifika eingegangen werden, die die Voraussetzungen für den Erfolg und den Aufstieg der FPÖ bildeten, der zu einem großen Teil wohl in der politischen Kultur Österreichs zu suchen ist. Einer politischen Kultur, in der Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Verharmlosung des Nationalsozialismus (wieder) salonfähig sind. Dieser Aspekt der österreichischen Besonderheiten wird zwar in der Literatur teilweise berücksichtigt, meiner Meinung nach wurden dabei jedoch in den einzelnen Beiträgen zumeist lediglich einzelne Teilbereiche angeführt. Ich möchte versuchen, die meiner Meinung nach wichtigsten Voraussetzungen für den Erfolg der FPÖ darzulegen, nämlich:
•Historische Wurzeln der FPÖ
•Österreichische Vergangenheitsbewältigung
•Beiträge der beiden Großparteien SPÖ und ÖVP zum rechten politischen Klima Österreichs
•Österreich als Parteien- und Verbändestaat
•Erosion der Lager und Wertewandel
Die FPÖ - ein typisch österreichisches Phänomen?
Ich möchte weiters versuchen, in meiner Arbeit diese Punkte miteinander in Beziehung zu setzen und darzulegen, warum sie meiner Meinung nach so wichtig für den Erfolg der FPÖ waren. Es soll damit dargelegt werden, dass Jörg Haider ein wohl vorbereitetes Terrain vorfinden konnte und der Erfolg der FPÖ - im Nachhinein betrachtet - voraussehbar, ja fast unvermeidlich gewesen ist. Schließlich soll aber auch der Versuch einer vorsichtig positiven Deutung des Phänomens „FPÖ“ im Sinne einer „europäischen Normalisierung“ der österreichischen Parteienlandschaft dargestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
Forschungsstand
Fragestellung
Methode
Die FPÖ - ein „typisch österreichisches“ Phänomen?
Historische Wurzeln
Österreichische Vergangenheitsbewältigung
Beiträge der beiden Großparteien ÖVP und SPÖ zur rechten politischen Kultur Österreichs
Exkurs zum Begriff „politische Kultur“
SPÖ
ÖVP
Der österreichische Parteien- und Verbändestaat als Vorraussetzung für den Erfolg der FPÖ
Erosion der Lager und Wertewandel
Positive Auswirkungen der FPÖ?
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die österreichischen Spezifika darzulegen, welche die Voraussetzungen für den Erfolg und den Aufstieg der FPÖ bildeten, wobei ein besonderer Fokus auf der politischen Kultur Österreichs liegt. Die Forschungsfrage untersucht, inwiefern historische Kontinuitäten, das politische System und ein gesellschaftlicher Wertewandel den Aufstieg der Freiheitlichen Partei begünstigten.
- Historische Wurzeln und Genealogie der FPÖ
- Umgang der österreichischen Gesellschaft mit der nationalsozialistischen Vergangenheit
- Rolle der Großparteien SPÖ und ÖVP bei der Prägung der rechten politischen Kultur
- Strukturbedingungen durch den österreichischen Parteien- und Verbändestaat
- Einfluss von Erosion traditioneller Milieus und gesellschaftlichem Wertewandel
Auszug aus dem Buch
Österreichische Vergangenheitsbewältigung
Im Vergleich mit den Bemühungen der Bundesrepublik Deutschland erscheint die österreichische Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit und der Verantwortung an den von den Nationalsozialisten begangenen Verbrechen sehr viel weniger ernsthaft und aufrichtig. Der Beginn dieser Haltung kann vielleicht im 1. Absatz der Moskauer Deklaration vom 30.10.1943 gesehen werden:
„Die Regierungen des Vereinigten Königreiches, der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten von Amerika sind darin einer Meinung, dass Österreich, das erste freie Land, das der typischen Angriffspolitik Hitlers zum Opfer fiel, von deutscher Herrschaft befreit werden soll..[…]“(Internet)
Der zweite Absatz, in dem Österreich sehr wohl auf seine Verantwortung im Hinblick auf die Mitschuld an den von den Nationalsozialisten begangenen Verbrechen aufmerksam gemacht wird, scheint vom Großteil der Österreicher geflissentlich vergessen worden zu sein, wie Andrei S. MARKOVITS treffend beschreibt:
„After the war, Austrians could conveniently blame the „Piefkes“ as the evil occupiers and the only ones responsible for National Socialist rule, especially its atrocities, since Austrians were occupied like everybody else in Europe and they, too, had become one of Hitler’s victims like the Poles, Belgians, French, Norwegians, Czechs, etc.“ (MARKOVITS 2002)
Zusammenfassung der Kapitel
Forschungsstand: Die Arbeit gibt einen Überblick über die umfangreiche Literatur zum Phänomen Jörg Haider und der FPÖ, bemängelt jedoch das Fehlen detaillierter Analysen zur internen Parteistruktur.
Fragestellung: Es werden die zentralen Faktoren wie die historische Herkunft der FPÖ und der Beitrag der Großparteien zur politischen Kultur als Rahmen für den Erfolg der Partei definiert.
Methode: Die Untersuchung basiert auf einer Textanalyse der im Literaturverzeichnis aufgeführten Quellen.
Die FPÖ - ein „typisch österreichisches“ Phänomen?: Dieses Kapitel stellt die These auf, dass die FPÖ in einer direkten Tradition zur NSDAP steht und durch das spezifische politische Klima Österreichs geprägt wurde.
Historische Wurzeln: Die Analyse zeigt die tief verwurzelte Genealogie der FPÖ im deutschnationalen „dritten Lager“ und dessen Kontinuität über die NS-Zeit hinweg auf.
Österreichische Vergangenheitsbewältigung: Es wird die These vertreten, dass die österreichische Gesellschaft ihre nationalsozialistische Vergangenheit durch die Opferrolle der Moskauer Deklaration erfolgreich verdrängt hat.
Beiträge der beiden Großparteien ÖVP und SPÖ zur rechten politischen Kultur Österreichs: Beide Großparteien werden dafür kritisiert, durch ihre Konsenspolitik und punktuelle Instrumentalisierung antisemitischer Rhetorik ein Umfeld geschaffen zu haben, in dem rechte Ideologien salonfähig blieben.
Der österreichische Parteien- und Verbändestaat als Vorraussetzung für den Erfolg der FPÖ: Das Kapitel erläutert, wie der erstarrte Parteienproporz und die damit verbundene Exklusion der FPÖ zu einer Entfremdung der Wähler führte.
Erosion der Lager und Wertewandel: Es wird untersucht, wie wirtschaftliche Krisen und der Wandel zu postmaterialistischen Werten Jörg Haider die Möglichkeit boten, die etablierten Strukturen als „Selbstbedienungsladen“ zu delegitimieren.
Positive Auswirkungen der FPÖ?: Der Autor diskutiert die systemtheoretische Perspektive, dass der Aufstieg der FPÖ als „Autoimmunreaktion“ das Ende der erstarrten großen Koalition und den Beginn einer europäischen Normalisierung in der österreichischen Parteienlandschaft markieren könnte.
Schlüsselwörter
FPÖ, Jörg Haider, politische Kultur, österreichisches Parteiensystem, Rechtspopulismus, Vergangenheitsbewältigung, deutschnationales Lager, Konkordanzdemokratie, Parteienproporz, Wertewandel, SPÖ, ÖVP, Nationalsozialismus, Antisemitismus, Parteienverdrossenheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Hintergründe und Ursachen für den Erfolg der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) im Kontext der politischen Kultur und Geschichte des Landes.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentral sind die historische Verankerung der Partei, der Umgang mit der NS-Vergangenheit, die Rolle der SPÖ und ÖVP im Parteienstaat sowie der gesellschaftliche Wertewandel in Österreich.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass der Aufstieg der FPÖ kein Zufall war, sondern auf einem durch die etablierten Parteien und die politische Kultur vorbereiteten Boden stattfand.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt die Methode der Textanalyse bestehender wissenschaftlicher Publikationen zu den Themen FPÖ und Jörg Haider.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die historische Genese der FPÖ, die Rolle der Großparteien, den Einfluss des österreichischen Parteienproporzes und die Auswirkungen des sozioökonomischen Wertewandels.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Rechtspopulismus, historische Kontinuität, politische Kultur, Parteienproporz und Normalisierung charakterisieren.
Wie bewertet der Autor die Rolle von Bruno Kreisky bei der FPÖ?
Der Autor argumentiert, dass Bruno Kreisky bewusst antisemitische Phrasen nutzte und die FPÖ als Instrument zur Schwächung der ÖVP stärkte, was ungewollt das rechte politische Klima beeinflusste.
Welche systemtheoretische Deutung der FPÖ wird am Ende angeführt?
Die FPÖ wird als „Autoimmunreaktion“ des politischen Systems gedeutet, die das Ende der erstarrten Großen Koalition erzwang und die österreichische Parteienlandschaft in Richtung europäischer Normalität drängte.
- Citar trabajo
- Franz Steger (Autor), 2005, Die FPÖ - ein 'typisch österreichisches' Phänomen?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68526