Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Das klassische Nützlichkeitsprinzip 3
3. Die Verausgabung als Prinzip des Lebens 4
3.1. Der Verlust als Prinzip der Verausgabung. 4
3.2. Ursprünge des Tauschs - Der Potlatsch. 5
3.2.1. Änderung der Tauschprozesse 6
4. Formen der Verausgabung 7
4.1. Der Klassenkampf 7
4.2. Die Religion 8
5. Insubordination. 8
6. Schluss 9
Literaturverzeichnis 12
2
1. Einleitung
In seinem 1967 erschienenen Werk „Die Aufhebung der Ökonomie“ konstituiert der französische Schriftsteller, Wissenschaftler, Soziologe, Anthropologe und Philosoph Georges Bataille eine allgemeine Ökonomie der Verschwendung und der Zerstörung, die dem klassischen ökonomischen Nützlichkeitsprinzip von Grund auf entgegengesetzt ist. Sie ist somit ein radikaler Angriff auf das Idol der Nützlichkeit unserer Zeit, dessen Grenzen Bataille aufzeigen will. Indem er frühe Kulturen untersucht und sie mit unseren vergleicht, sieht Bataille in der gesamten modernen Welt so etwas wie eine fatale Blindheit in Verbindung mit der unangefochtenen Vorherrschaft des Nützlichen, dem alles untergeordnet wird, wodurch der Blick auf die Notwendigkeit des 'Unnützen' und 'Überflüssigen' verstellt wird. Mit dem hier angesprochenen Prinzip der Verausgabung beschäftigt sich der erste Teil des Buches, der in dieser Arbeit vorgestellt wird.
Dabei soll zunächst der Begriff der Verausgabung verdeutlicht und anschließend auf den Ursprung dieses Prinzips eingegangen werden. Danach werden die zwei nach Bataille stärksten Formen der Verausgabung, der Klassenkampf und die Religion als Ausweichmöglichkeit des Klassenkampfes, vorgestellt. Abschließend wird der Text kritisch diskutiert.
2. Das klassische Nützlichkeitsprinzip
Das klassische Ideal der Nützlichkeit in unserer Gesellschaft besagt, dass eine soziale Tätigkeit im Allgemeinen nur einen Wert hat, wenn sie „auf die grundlegenden Erfordernisse von Produktion und Erhaltung zurückführbar ist.“ 1 Nützlich ist etwas daher nur, wenn es auch produktiv ist und die Lust tritt höchstens unterstützend hinzu.
Dieser Auffassung widerspricht Bataille gänzlich. Er stellt fest, dass es einen Widerspruch gibt zwischen dem, was die Gesellschaft als Bedürfnisse anerkennt und ihren wahren Bedürfnissen, die nämlich durchaus unproduktiv sein können. Da diese jedoch grundsätzlich nicht als solche akzeptiert werden, wirft er der modernen Gesellschaft Engstirnigkeit vor. 2 Er schreibt, sie wolle die unproduktive Verausgabung nicht anerkennen, obwohl sie überall vorherrsche und das Leben der
1 Bataille, Georges: Die Aufhebung der Ökonomie, Rogner & Bernhard GmbH & Co. Verlags KG,
München, 1975, S. 10.
2 Vgl.: ebd.
3
Menschen bestimme. Als Beispiel führt er blanke Zerstörungswut an, die am deutlichsten bei Kindern als Bedürfnis wahrnehmbar ist, bei erfolgreich sozialisieren Erwachsenen jedoch verdrängt wird. Seiner Meinung nach ist die friedliche Welt daher nur eine Illusion, weil man sich immer wieder dem „Schrecken“, also der unproduktiven Verausgabung, hingibt.
3. Die Verausgabung als Prinzip des Lebens
Mit unproduktiver Verausgabung „ist die sinnlose Verschwendung von Ressourcen gemeint, wo das Ziel nicht der Gewinn, sondern der reine Verlust ist.“ 3 Verschwendung ist nach Auffassung nach Bataille also das Prinzip der Natur. Der Mensch muss verschwenden, was er anhäuft, da dies einerseits seiner Natur entspricht und andererseits nichts endlos wachsen kann. Die Verausgabung wird der Produktion als Gegenpol entgegengestellt, dominiert aber über sie bzw. ist nur ein Mittel, um zur Verschwendung zu gelangen. Produktion und Erwerb sind demnach sekundär gegenüber der Verausgabung. Als Begründung gibt Bataille an, dass der Mensch einer ständigen Energiezufuhr unterliegt und immer wenn etwas produziert wird ein Überfluss an Energie zurückbleibt, da nicht alle Energie in die Produktion gesteckt werden kann. Dieses Überflüssige will der Mensch verschwenden und dies ist sein einziger Lebensantrieb. 4
3.1 Der Verlust als Prinzip der Verausgabung
Während ein Teil der menschlichen Tätigkeit die produktiven Ausgaben sind, die den „notwendigen Minimalverbrauch zur Erhaltung des Lebens und zur Fortsetzung der produktiven Tätigkeit“ 5 darstellen, besteht der andere Teil aus den unproduktiven Ausgaben, wie Luxus, Krieg oder Sexualität. Bei diesen Tätigkeiten muss der Verlust so groß wie möglich sein, „wenn die Tätigkeit ihren wahren Sinn erhalten soll.“ 6 Als erklärende Beispiele bezieht sich Bataille hier auf Juwelen, die einen rein symbolischen Wert haben und erst durch den Verlust eines Vermögens wertvoll werden, auf heilige Dinge, die durch eine Verlusthandlung, zum Beispiel Opfergaben,
3 Reiche, Sabine: Georges Bataille. Zur „Theorie der Verschwendung“, 2003,
http://www.hausarbeiten.de/faecher/hausarbeit/soc/23850.html (Stand: 07.01.2007).
4 Birken, Jakob: Georges Bataille zur Souveränität, 2005, www.binaryblood.com/biblio/bataille.pdf
(Stand 07.01.2007).
5 Bataille, Georges: Die Aufhebung der Ökonomie, S. 12.
6 Ebd.
4
Arbeit zitieren:
Janina Richts, 2007, Georges Bataille: "Die Aufhebung der Ökonomie", München, GRIN Verlag GmbH
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