Seit kurzer Zeit hat Strom eine Farbe, manche behaupten er sei blau, gelb oder grün. Einig sind sie sich alle, denn aus der Steckdose soll er kommen. Die Frage seines Ursprungs ist nun weiter in den Mittelpunkt gerückt worden: Atomstrom gegen Öko-Strom, Wasserkraft gegen Kernenergie. Ein neuer Markt für ein altes Produkt ist entstanden, nun umwerben Stromanbieter den sogenannten Stromkunden, entwerfen findige Tarifsysteme. Marketingstrategien lassen Strom bunt erscheinen und täglich erreichen uns Postwurfsendungen über noch günstigere, noch umweltfreundlichere Varianten. Es scheint nicht nur so, es ist geschehen: Der freie Wettbewerb erreicht den Strommarkt.
Diese Ausarbeitung beschäftigt sich mit der EU-weiten Energiemarktliberalisierung, der Deregulierung des Strommarktes. Dabei wird besonders auf unseren unmittelbaren Nachbar Frankreich wert gelegt. Im Vergleich zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Frankreich werden zwei unterschiedliche Umsetzungspraktiken bzw. Auslegungen einer Richtlinie der Europäischen Union aufgezeigt.
Der Aufbau der Arbeit gliedert sich in vier Abschnitte. Der erste Abschnitt behandelt die Rahmenrichtlinie der Europäischen Union. Als Leitvorgabe für die direkte Umsetzung in nationales Recht, kommt der europäischen Ebene enorme Bedeutung zu. In Abschnitt zwei und drei werden die Strommärkte Deutschlands und Frankreichs behandelt. Jeweils soll die Struktur und die Entwicklung aufgezeigt werden. Von besonderem Interesse ist in Deutschland die Umsetzung durch das Energiewirtschaftsgesetz, in Frankreich die besondere Machtstellung der Electricité de France. Im letzten Abschnitt wird der Stand der Umsetzung der europäischen Richtlinie dargestellt. Zwei Beispiele, ein regionales und eines, welches Deutschland und Frankreich betrifft, geben Einblicke in aktuelles Konfliktpotential.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Der Europäische Rahmen
1.1 Die EU Richtlinie für Elektrizität
1.2 Regelinhalte der EU-Richtlinie 96/92/EG
1.3 Die Entwicklungen des europäischen Energiemarktes
2. Der Markt für Elektrizität in Deutschland
2.1 Struktur des Energiemarkts 1998
2.2 Die Elektrizitätswirtschaft vor der Deregulierung
2.3 Besonderheitenlehre und Branchenfreistellung
2.4 Die Umsetzung der europäischen Elektrizitätsrichtlinie in deutsches Recht
3. Der Markt für Elektrizität in Frankreich
3.1 Rahmenbedingungen der französischen Energiewirtschaft
3.2 Die Entwicklung des französischen Elektrizitätsmarktes
3.3 Konzentration auf dem französischen Elektrizitätsmarkt - die EDF
4. Der Stand der Umsetzung
4.1 Europäische Union
4.2 Bundesrepublik Deutschland
4.3 Frankreich
4.4 Aktuelles Konfliktpotential
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die EU-weite Liberalisierung und Deregulierung der Strommärkte unter besonderer Berücksichtigung der unterschiedlichen Umsetzungspraktiken in Deutschland und Frankreich. Im Zentrum steht dabei die Analyse, wie nationale Gegebenheiten und rechtliche Rahmenbedingungen die Transformation vom monopolisierten Staatssektor hin zum wettbewerbsorientierten Binnenmarkt prägen.
- Struktur des europäischen Energiemarktes und Auswirkungen der EU-Richtlinie 96/92/EG.
- Vergleichende Analyse der Marktstrukturen in Deutschland und Frankreich.
- Transformation der Elektrizitätswirtschaft unter Berücksichtigung nationaler Gesetze (EnWG) und Akteure (EDF).
- Untersuchung von Konfliktpotenzialen durch Durchleitungsverweigerungen und grenzüberschreitenden Wettbewerb.
Auszug aus dem Buch
3.3 Konzentration auf dem französischen Elektrizitätsmarkt - die EDF
Frankreich ist das einzige große europäische Land, in dem die Elektrizitätsversorgung nach wie vor fast ausschließlich in den Händen eines staatlichen Monopols liegt. Mit Ausnahme einiger weniger Eigenerzeuger (darunter die französische Staatsbahn SNCF und Charbonnages de France) befinden sich alle Kraftwerke, das Übertragungsnetz und größtenteils auch die lokalen Verteilnetze in der Hand der Electricité de France (EDF). Das komplett vertikal integrierte Unternehmen ist somit verantwortlich für die Planung und den Betrieb praktisch des gesamten Elektrizitätsversorgungssystems in Frankreich.
Mit rund 116 400 Mitarbeitern, 30 Millionen Kunden und einem Stromabsatz von 456 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh) im Jahr 1997 handelt es sich um das bei weitem größte Stromversorgungsunternehmen in der Europäischen Union. Ein großer Anteil der erzeugten Elektrizität wird ins europäische Ausland exportiert. 1997 betrug der Exportüberschuß 65,3 Mrd. kWh, wobei Großbritannien mit 17 Mrd. kWh größter Abnehmer war, gefolgt von Italien mit 16,9 Mrd. kWh und Deutschland mit 16,6 Mrd. kWh. Für die französische Wirtschaft bedeuteten diese Exporte nicht unbeträchtliche Deviseneinnahmen in Höhe von 15,3 Mrd. FF. Obwohl häufig als Gigant bezeichnet, wird das Selbstverständnis des Staatsunternehmens vom französischen Bürger kaum in Frage gestellt, zumal der Grundsatz des "Service Public", der öffentlichen Dienstleistung, letztlich auf das Staatsverständnis der französischen Revolution zurückgeht und daher im nationalen Kulturbewußtsein fest verankert ist.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der Liberalisierung des Strommarktes und Vorstellung des vergleichenden Fokus auf Deutschland und Frankreich.
1. Der Europäische Rahmen: Erläuterung der energiepolitischen Ziele der EU und der Richtlinie 96/92/EG zur Schaffung eines wettbewerbsorientierten Elektrizitätsbinnenmarktes.
2. Der Markt für Elektrizität in Deutschland: Analyse der deutschen Versorgungsstruktur vor der Deregulierung und der anschließenden Umsetzung der EU-Vorgaben durch das Energiewirtschaftsgesetz.
3. Der Markt für Elektrizität in Frankreich: Darstellung der historisch gewachsenen zentralistischen Struktur und der monopolartigen Stellung des Staatsunternehmens Electricité de France (EDF).
4. Der Stand der Umsetzung: Gegenüberstellung des aktuellen Liberalisierungsgrades der EU-Mitgliedsstaaten sowie Analyse spezifischer Konfliktpunkte zwischen deutschen und französischen Akteuren.
Schlüsselwörter
Strommarkt, Liberalisierung, Deregulierung, EU-Richtlinie, Deutschland, Frankreich, Elektrizitätswirtschaft, Wettbewerb, Netzzugang, Energieversorgungsunternehmen, EDF, Monopol, Kernenergie, Strompreis, Konzentration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Liberalisierung und Deregulierung der europäischen Strommärkte unter besonderer Berücksichtigung der unterschiedlichen Umsetzungsstrategien in Deutschland und Frankreich.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören die europäische Richtlinie 96/92/EG, die deutsche Energiewirtschaftsreform, die monopolartige Struktur der EDF in Frankreich sowie der aktuelle Wettbewerbsstand im europäischen Stromsektor.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, den Transformationsprozess der Strommärkte zu analysieren und aufzuzeigen, wie unterschiedliche nationale Auslegungen der EU-Richtlinie den freien Wettbewerb beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive Analyse und einen Rechts- sowie Marktvergleich auf Basis aktueller energieökonomischer Daten und regulatorischer Rahmenbedingungen der Jahre 1999/2000.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil analysiert die rechtlichen Rahmenbedingungen der EU, den Strukturwandel auf dem deutschen Markt infolge des neuen Energiewirtschaftsgesetzes sowie die historische und aktuelle Entwicklung in Frankreich inklusive der EDF.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Strommarktliberalisierung, Wettbewerb, Energiepolitik, regulatorische Rahmenbedingungen und nationale Umsetzungspraktiken charakterisiert.
Welche Rolle spielt das "Service Public"-Konzept in Frankreich?
Es dient als kulturell fest verankertes Leitbild der französischen Energiepolitik, das die Anschlusspflicht und Gleichbehandlung sicherstellt und oft zur Begründung von staatlichen Eingriffen in den Wettbewerb herangezogen wird.
Welche aktuelle Problematik wird in Bezug auf die EDF in Deutschland diskutiert?
Kritik entzündet sich an dem geplanten Markteintritt des Monopolisten EDF in Deutschland, während Frankreich die eigene Marktöffnung sehr zurückhaltend gestaltet, was die Frage nach der Reziprozität aufwirft.
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- Dipl. Betriebswirt / Dipl. Geograf Klaus-Dieter Färber (Author), 2000, Konzentration und Deregulierung der Strommärkte in Europa: Beispiel Deutschland und Frankreich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68723