„Ein Geisteskranker kostet täglich etwa 4 RM, ein Krüppel 5,50 RM, ein Verbrecher 3,50 RM. In vielen Fällen hat ein Beamter täglich nur etwa 4 RM, ein Angestellter kaum 3,50 RM, ein ungelernter Arbeiter noch keine 2 RM auf den Kopf der Familie. (a) stelle diese Zahlen bildlich dar. - Nach vorsichtigen
Schätzungen sind in Deutschland 300 000 Geisteskranke, Epileptiker usw. in Anstaltspflege. (b) Wie viel Ehestandsdarlehen zu je 1 000 RM könnten - unter Verzicht auf spätere Rückzahlung - von diesem Geld jährlich ausgegeben werden?“ (S. 205 in: Dithmar, R.: Schule und Unterricht im Dritten Reich. Neuwied 1989)
„Das deutsche Erziehungswesen soll so überwacht werden, dass die nazistischen und militaristischen Lehren völlig ausgemerzt werden und die erfolgreiche Entwicklung demokratischer Ideen ermöglicht wird.“
(S. 147, in: Klemm, K.: Beliebigkeit als Norm - Zur Entwicklung gymnasialer Bildungsziele in der Bundesrepublik. In: Rolff, H.-G./Klemm, K./Tillmann, K.-J. (Hrsg.): Jahrbuch der Schulentwicklung 2. Weinheim 1982, S. 145-158).
„Alle Schulen betonen sowohl durch den Inhalt des Lehrplans, der Schulbücher und der Lehr- und Lernmittel wie durch den Schulaufbau selbst die Erziehung zur staatsbürgerlichen Verantwortung und demokratischen Lebensauffassung.“
(S. 148, in: Klemm, K.: Beliebigkeit als Norm. - Zur Entwicklung gymnasialer Bildungsziele in der Bundesrepublik. In: Rolff, H.-G./Klemm, K./Tillmann, K.-J. (Hrsg.): Jahrbuch der Schulentwicklung 2. Weinheim 1982, S. 145-158).
2.1.1 Idee und Ziel
Entgegen dem Erlass des Alliierten Kontrollrates von 1947 (s.o.) erfolgte im Schulsystem der DDR keinerlei Gliederung. Stattdessen verfolgte man das in den 1920ern entstandene Modell der Einheitsschule, in dem von der 1. bis zur 10. Klasse keine wie auch immer geartete Selektion vorgenommen wird. Das Ziel war es, auf hohem allgemeinbildendem Niveau „allseitig und harmonisch entwickelte sozialistische Persönlichkeiten“ zu erziehen (Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungssystem vom 25. Februar 1965), um Kinder und Jugendlichen zu vollwertigen Mitgliedern der „sozialistischen Gesellschaft“ werden zu lassen, die sich selbst mit dem Staat identifizieren können. Dabei wurde von den Schülern Engagement in Politik und Kultur im Sinne des Gesellschaftssystems der DDR erwartet. Angestrebt wurde eine Verzahnung von theoretischer und praktischer Ausbildung, von Lernen und produktiver Tätigkeit. 2.1.2 Struktur des Bildungssystems
Zu Beginn des Neuaufbaus des Bildungssystems der DDR ab 1946 wurden zunächst die 8-klassige Volksschule und die darauf aufbauende 4-klassige Oberschule beibehalten, 1950 mit dem Gesetz über die Schulpflicht in der Deutschen Demokratischen Republik vom 15. Dezember 1950 allgemeine Schulpflicht eingeführt. 1959 wurde die Volksschule mit dem Gesetz über die sozialistische Entwicklung des Schulwesens in der Deutschen Demokratischen Republik vom 2. Dezember 1959 10-klassig, während die Oberstufe weiterhin die Klassen 9 bis 12 umfasste. 1965 dann trat das Gesetz über die sozialistische Entwicklung des Schulwesens in der Deutschen Demokratischen Republik vom 25. Februar 1965 in Kraft, das das Schulsystem in die bis 1989 nahezu unveränderte Form, im Folgenden näher beschriebene Form brachte.
Da die meisten Frauen in der DDR werktätig waren, war Betreuung bereits ab dem 1. Lebensjahr durch Kinderkrippen notwendig und auch gegeben. Die eigentliche „Bildung“ begann jedoch „erst“ im Kindergarten, den fast alle Kinder ab dem vierten Lebensjahr besuchten, mit einfachem Rechnen im Zahlenraum bis 10, künstlerischem Gestalten, Singen und zum Teil auch Lesen. Im Gegensatz zum reinen Betreuungsauftrag der Kindergärten in der Bundesrepublik hatten die Kindergartenerzieherinnen in der DDR damit einen festgelegten Bildungsauftrag.
Mit sechs oder sieben Jahren wurden Kinder nach einer obligatorischen Schuleingangsuntersuchung in die 3-stufige 10-klassige allgemeinbildende Polytechnische Oberschule (POS) eingeschult. Bereits frühzeitig wurden die Schüler
Arbeit zitieren:
Fred Pollex, 2006, Deutsche Schulgeschichte vom Nationalsozialismus bis zur Gegenwart, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Elternschaft bei geistiger Behinderung
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Diplomarbeit, 153 Seiten
Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes Neuer Medien in der Hauptschul...
Ausarbeitung, 25 Seiten
Offener Unterricht und Unterrichtsplanung
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Die Schule im Nationalsozialismus und ihre Kontinuität
Pädagogik - Geschichte der Päd.
Hausarbeit (Hauptseminar), 19 Seiten
Kommunikationsstörungen und Gesprächsführung in der Schule
Hausarbeit, 22 Seiten
Sokratische Gesprächsführung - Geschichtliche Hintergründe und moderne...
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Hausarbeit (Hauptseminar), 27 Seiten
Städte, die die Welt bedeuten - Global Cities: Die Kommandozentralen d...
Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
Machiavelli und der humanistische Tugendkatalog
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Essay, 14 Seiten
Kommunikationsstörungen im Unterricht - der Einfluss des Lehrers und s...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit (Hauptseminar), 30 Seiten
Global Cities als Wirtschaftsstandorte
Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie
Referat (Ausarbeitung), 21 Seiten
Kirchen und kleine christliche Glaubensgemeinschaften im Dritten Reich
Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg
Referat / Aufsatz (Schule), 10 Seiten
Fördermöglichkeiten des heilpädagogischen Reitens mit Jugendlichen mit...
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Examensarbeit, 67 Seiten
Globalisierung und Verstädterung - Charakteristiken, Stukturen, Folgen
Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
Fred Pollex hat den Text Deutsche Schulgeschichte vom Nationalsozialismus bis zur Gegenwart veröffentlicht
Fred Pollex hat einen neuen Text hochgeladen
Deutsche Schulgeschichte von 1800 bis zur Gegenwart
Eine Einführung
Hans-Georg Herrlitz, Wulf Hopf, Hartmut Titze
Verbotener Umgang. Ausländer und Deutsche im Nationalsozialismus
Diskurse um Sexualität, Moral,...
Silke Schneider
Deutsche Lyrik nach 1945 bis zur Gegenwart. Eine Beschreibung
Klasse 8 - 13. Geschichte, Ent...
Georg Patzer
Deutsche Geschichte von 1945 bis zur Gegenwart
Die Entwicklung der beiden deu...
Horst Pötzsch
Kurswechsel an der Börse - Kapitalmarktpolitik unter Hitler und Mussol...
Wertpapierhandel im deutschen ...
Patrik Hof
0 Kommentare