Hier in der alten Maschinenhalle in jenem Institut, an dem er als Professor für Szenographie wirkt, mit einer Ausstellung Bühne plus Kostüm.
„Langweilig war’s nicht – eher ein Zuviel als ein Zuwenig!“
So charakterisiert Peter Sykora das erste halbe Jahrhundert seines Denkens und Wirkens für die Bühne, dem dieser Rückblick zu seinem 60. Geburtstag gilt.
Wieso „halbes Jahrhundert“, wieso fünfzig Jahre?
Nahezu auf den Tag genau fünfzig Jahre sind es her, da besuchte der junge Peter Sykora mit seinen Eltern die Ausstellung „Das Bühnenbild“, die (vom 23. Oktober bis 21.) im November 1954 im Dresdener Albertinum stattfand.
Sein Interesse an der Bühne und ihrer Ausstattung war geweckt. Es wurde belohnt und verstärkt durch ein Weihnachtsgeschenk aus dem Westen, den im selben Jahre erschienenen Bildband von Ottmar Schuberth, „Das Bühnenbild – Geschichte Gestalt Technik“.
Intensiviert durch die Theaterbesuche, die der am 23. April 1944 in Reichenberg geborene Peter Sykora in seiner zweiten Heimatstadt Leipzig mindestens einmal pro Jahr absolvierte, entschloss er sich nach Beendigung der Schulzeit zur Dekorationsmalerlehre im Malersaal des Leipziger Theaters.
Bühnenbild studierte er dann an der Dresdener Akademie der Künste.
Damals, so erinnert er sich, gab es viel kleinere Klassen als hier und heute – nur 2 bis 3 Studenten, - und so bekam man während des Studiums schon gute Aufgaben und sprang dann in die Praxis. ck frei wählen, das andere machte man am Theater, Als Diplom konnte man ein Stück frei wählen, das andere machte man am Theater, an dem man begann – nicht erst als Assistent, sondern gleich als Bühnenbildner, und diesen Anfang bildete für Peter Sykora Jewgeni Schwarz’ „Der Schatten“, hier in der Ausstellung zu sehen.
Nach offiziellen Quellen war jedoch „Hamlet“ am Gerhart-Hauptmann-Theater in Zittau seine erste Ausstattung.
Dem folgte ein Anstellung am Maxim-Gorki-Theater in Berlin.
Als junger Mensch hielt Peter Sykora nicht viel von der Oper, und entsprechend stattete er Schauspiele aus – bis Harry Kupfer auf ihn zukam. Der hatte am Dresdener Staatsschauspiel Sykoras Ausstattung der „Jungfrau von Orleans“ gesehen.
Peter Sykora verließ das Maxim Gorki-Theater – nur mit der Mitteilung an den
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Pförtner, dass er nicht mehr wiederkehre – und so blieb es: Damit war er für das Schauspiel auf Jahre als Ausstatter verloren – und für das Musiktheater gewonnen. Bis 1981 arbeitete er als Ausstattungsleiter an der Staatsoper Dresden.
Zum Schauspiel fand er erst wieder in Essen, seiner ersten festen Position nach der Emigration in den Westen im Jahre 1981, hier wirkte er bis 1986 als Ausstattungsleiter.
Zu den spannenden Produktionen jener Essener Zeit gehörte Gorkis „Nachtasyl“ in der stillgelegten Zeche Carl: die Hoffnungslosigkeit entstand an den Schauplätzen der einstigen Waschkammer und der prunkvollen Zahlstelle.
Aber auch das Schauspiel der Stadt Essen hat Peter Sykora ohne offiziell zu kündigen, vorzeitig wieder verlassen. Diesmal war es Götz Friedrich, der ihn aufforderte, „La Damnation de Faust“ auszustatten. Und das war der Anfang einer großen, vielfältigen Zusammenarbeit.
An der Deutschen Oper Berlin arbeitete Peter Sykora seit 1986 als ständiger Bühnenbildner und seit 1989 als Künstlerischer Leiter mit so wichtigen und weltweit gefeierten Ausstattungen wie dem „Ring des Nibelungen“, den „Meistersingern von Nürnberg“, „Turandot“, „La Bohéme“, „Andrea Chénier“ oder „Moses und Aron“.
Hier stattete er 1990 auch Maurice Béjarts Ballett „Ring um den Ring“ aus, das soeben wieder mit großem Erfolg aufgenommen wurde.
Mit den drei großen Realisten des Musiktheaters hat er entscheidende Schritte unternommen, - viel gearbeitet mit Harry Kupfer, mit Götz Friedrich und zuletzt auch mit dem ältesten, Joachim Herz (in Leipzig, Essen und Moskau).
Zahlreiche Regiearbeiten dieser drei haben sich gerade durch die Bildwelten Sykoras dem Gedächtnis besonders prägend eingebrannt.
In der Reihe der Erneuerer des Musiktheaters fehlt nur der Übervater dieser drei großen Regisseure, Walter Felsenstein, - mit ihm hat Peter Sykora zwar nicht zusammengearbeitet, aber ihm verdankt er, wie er sagt, sein erstes Westgastspiel.
Frei hat Peter Sykora – das fällt in einer solchen Ausstellung auf – frei hat er nie gemalt, – immer nur für das Theater.
Malerisch frei zu arbeiten, das hat er sich verboten, um sich selbst damit – in Gegensatz zu manchem Fachkollegen – kompromisslos jede Hintertür zu versagen und das Aufkommen einer Lebenslüge bereits im Keim zu ersticken.
Dabei war ihm bewusst, dass die Profession dem Bühnenbildner – im Gegensatz zu der des freien Künstlers – keine rechte Entwicklung gestattet.
Vielmehr hielt es Peter Sykora wie Alfred Schnittke gerne mit dem Bekenntnis zum Eklektizismus: „Was ist darin, welches Thema soll es sein!“
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So meint der Künstler auch, im Laufe seiner Arbeiten nur versierter geworden zu sein, die Fähigkeit errungen zu haben, die Welt der Ideen schneller zu verdinglichen, zu Papier zu bringen. Den Beruf des Bühnenausstatters hat Peter Sykora kompromisslos angenommen – und ein Glücksfall für ihn war es, dass ihn der Arbeitsdruck selten lähmt, sondern geradezu beflügelt.
Dies war mir, bei unserer ersten realisierten Zusammenarbeit selbst gestattet, aus
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der Nähe zu erleben, bei einer freien, zeitlich eng bemessenen Musiktheaterarbeit an einem Ort ohne Bühne und Werkstätten – und auch hier wurde alles, was von dem geistigen Auge aufs Papier geworfen war, realisiert – von Peter Sykoras eigenen Händen und denen seiner steten, treu vielfältig rührigen Helferin und Ehefrau Claudia.
„Das 20. Jahrhundert war das Jahrhundert des Theaters schlechthin“, dies die Überzeugung Peter Sykoras, - eines Theaters, das sich im Spannungsfeld von Ost und West zu einer immensen Fallhöhe schraubte und dabei eine enorme Sprengkraft entwickelte.
Ein Grenzgänger dieses Theaters war Peter Sykora immer, auch im übertragenen Sinn – einer, der sich auf beiden Seiten dieses Spannungsfeldes entwickeln konnte.
Selten hat Peter Sykora die selben Stücke ein zweites oder drittes Mal ausgestattet; nur an einen Fall erinnert er sich gerne, als gleich nach der Premiere mit demselben Regisseur die Idee zu einer viel besseren Inszenierung geboren und in Jahresfrist auch in die Tat umgesetzt wurde. Dies war die „Zauberflöte“ in Dresden, in den Trümmern der noch nicht wiedererbauten Semperoper, die Sykora auf die Bühne des Großen Hauses transformierte und in denen die drei Knaben das Spiel von der Zauberflöte versinnlichten, imaginierten, zur Tat machten.
Sucht man nach einem „roten Faden“ bei dieser in vieler Hinsicht rahmen- sprengenden Ausstellung, so ist es die Nostalgie, die Erotik des Theaters, die dem Aktivisten der Bühne Richtfaden bietet für einen durchaus eigenwilligen Rückblick.
Kraft des Künstlers Peter Sykora sprüht nicht nur aus seinen Bühnenbildern, auch aus den Bildern dieser Bühnenbilder, - das sehen Sie in dieser Ausstellung. Kein Zufall, dass Sykoras Figurinen häufig über das Passepartout hinausschreiten, das Bild verlassen, dem Betrachter die Hand reichen, ihn in das Bild zerren und ihn damit zum Zeitgenossen machen einer Welt, die ebenfalls die Bilderrahmen sprengt, aus ihnen herausragt, die architektonische Rampe in Frage stellend, in die Gegenwart des Betrachters ragend, ihn berührend, mit sich führend
- verführend.
Denn diese Gestalten, diese Räume sind nicht Abbild einer Wirklichkeit, sondern
Die deutsche Erstaufführung von Judith Weirs Hoffmann-Oper „Heaven Ablaze In His Breast“ durch das pianopianissimo-musiktheater münchen in Pegnitz, 30.3. 2002. Dem folgte Verdis „La Traviata“ am Opernhaus Halle in der Spielzeit 2002/03.
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Prof. Dr. Peter P. Pachl, 2004, Peter Sykora: "Bühne + Kostüm", Munich, GRIN Publishing GmbH
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