Rideamus dichtete die Gesangstexte zu den Operetten „Der Vetter aus Dingsda“, „Der Vielgeliebte“, „Wenn Liebe erwacht“, „Verliebte Leute“, „Die Ehe im Kreise“ von Eduard Künneke, zu Walter Kollos Operetten „Drei alte Schachteln“ und „Frauen haben das gern“, sowie zu Kollos Revuen „An und aus“, „Drunter und drüber“, „Noch und Noch“, „Achtung, Welle 505!“ und „Die Männer sind mal so“.
Publiziert wurden auch deutsche Songfassungen von Rideamus, etwa zu Gene Williams’ Foxtrott „Ukulele Lullaby“ (unter dem Titel „Fern aus Hindostanien“), aber auch originale Rideamus-Gedichte in Vertonung, etwa das Chanson „Das barmherzige Mädel“, komponiert von James Rothstein. Auf Schellackplatten erschienen u. a. „Mit dir möchte’ ich am Sonntag angeln geh’n“ gesungen von Marlene Dietrich.
Für den jungen Oscar Straus verfasste Rideamus die burleske Operette „Die lustigen Nibelungen“ (1904) und - nach seinem eigenen humoristischen Versgedicht„Hugdietrichs Brautfahrt“ (1905), aber auch Texte zu dessen Überbrettl-Liedern, wie „Der Teufel ist ein Mann von Wort“, „Irgendwas“, „Katerserenade“, „Das nüchterne Mädel“, „Didel-Dudel“, „Donnerwetter“, „Ach Hildegard“, „Mein, Dein, Sein“ und „Das erste Abenteuer“.
Dem Namen Rideamus getreu, tragen seine Memoiren, die er mit 73 Jahren veröffentlichte, den Titel „Ein heiteres Leben“. Die humoristisch-fiktive Autobiographie erschien 1951 im Füllhorn-Verlag Berlin und 1957 im Wilhelm Goldmann Verlag in München. Wer sich darin Aufschlüsse über die politische Situation im Deutschland der Zwanziger- und frühen Dreißigerjahre des 20. Jahrhunderts und über die Flucht und das Exil des Autors verspricht, wird enttäuscht. Schon der Umschlagklappentext vermeldet „Es ist müßig, im einzelnen abzuwägen, was an dieser Autobiographie Dichtung und was Wahrheit ist.“ Im Deutschland des späten Wiederaufbaus und des beginnenden Wirtschaftswunders waren solche Rückbesinnungen nicht gefragt. Rideamus erweist sich hier als ein anderer „Willi“, manche hier prosaisch kurzweilig erzählte Geschichten finden sich in gereimter Form
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bereits in seinen Gedichtbänden und sind unzweifelhaft autobiographischer Natur, so etwa die Schilderungen der Verwandtschaft und des Familienrates.
Der Sohn eines Börsenmaklers treibt als Kind und insbesondere als Student allerhand Streiche, schmuggelt Zigaretten, indem er dem Zöllner mit einer jungen Dame den frisch verheirateten Ehemann vorspielt. Der Absicht, Dichter zu werden, setzt der Vater seine finanzielle Unterstützung des Jurastudium entgegen, und so wird Rideamus Jurist, der sein Studium mit einer Dissertation „Über den unrechtmäßigen Erwerb im alten römischen Recht“ abschließt. Ein ihm aufgezwungenes Armenmandat vollzieht er so katastrophal, dass es wunschgemäß sein einziges bleibt. Olivens frühe - und wie es sich für einen Humoristen gehört - zumeist fehlgeschlagene Amouren werden gekontert durch seine vergeblichen Versuche, in einem Bankhaus Fuß zu fassen. Seine Verlobung erfolgt vor dem Affenhaus im Zoo und seine Gattin, die Biologin Lucie, packt den Bräutigam - wie weiland Brünnhilde in den „Lustigen Nibelungen“ - im Jiu-Jitsu Griff und trägt ihn ins Haus. Köstlich und mit viel Realitätsbezug beschrieben ist Rideamus’ Versuch, als Theaterautor in der Provinz Karriere zu machen oder wenigstens vom Fürsten einen Orden verliehen zu bekommen. Die Geschichte über einen völlig misslungenen Gänsebraten (da die Gans mit Rasierschaum enthaart und dann mitsamt den Innereien über offenem Feuer zubereitet wurde) erzählt am Rande von der Arbeit an einer Operette, mit der Dreiteilung Komponist, Librettist und Rideamus als Dichter der Gesangstexte. Ein Abiturientenjubiläum verschafft ihm die Genugtuung einer späten Abrechnung mit dem Direktor. Drei Kinder - Hans, Suse und Klaus - erklären ihrem Vater die neue Zeit. Diese aber wird nicht politisch gezeichnet. Ein einziges Mal taucht der Begriff „reinrassige Familie“ in einem Traum auf, in welchem Rideamus der Kette seiner Vorfahren diverser Nationalitäten, bis in die Urzeit zurückreichend, begegnet. Dieses Kapitel trägt die Überschrift „Chromosomen“. Ein weiterer Zoobesuch bringt die Begegnung mit seinem als Affe wiedergeborenen Onkel Edgar, der für einige Minuten die menschliche Stimme zurückerlangt, und ein Waldspaziergang zu seinem
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60. Geburtstag bringt Rideamus’ Einvernehmen mit der personifizierten, „allgütigen“ Natur.
Da die Autobiographie als in politischer Frage wenig ergiebig ist, sei der Blick auf eine der heute meistgespielten Operetten von Rideamus gelenkt, auf „Die lustigen Nibelungen“:
„Es wird berichtet, dass Frauen schon manches wankende und fliehende Heer wieder zum Stehen gebracht haben - durch beharrliches Bitten und dadurch, dass sie sich mit entblößten Brüsten ihren Männern entgegenwarfen und sie auf die unmittelbar bevorstehende Gefangenschaft hinwiesen“, so heißt es bei Tacitus in seinem Bericht „De Germania“. In Töne gesetzt und auf die Bühne gebracht hat ein derartiges, historisch belegten Germanentum allerdings weder Heinrich Dorn in seiner „Nibelungen“-Oper, noch Richard Wagner in seinem „Ring des Nibelungen“, sondern Rideamus, im Verbund mit einem Meister der leichten Muse, Oscar Straus, als burleske Operette.
Auch Oscar Straus (1870 - 1954) musste im Jahre 1938 als Jude über Paris nach New York emigrieren. Zehn Jahre später kehrte er aus Hollywood nach Wien zurück und starb 1954 in Bad Ischl.
Die erste Zusammenarbeit von Rideamus und Oscar Straus erfolgte in Ernst von Wolzogens „Überbrettl“, 1901 in Berlin, das in Anlehnung an das Pariser „Chat noire“ und andere, zwanzig Jahre zuvor in der französischen Metropole gegründete Vorbilder, weitgehende Freizügigkeit propagierte und sich in Gegensatz zu den Moralnormen der Zeit stellte.
Oscar Straus und Rideamus verstanden sich auf Anhieb und zwischen beiden entstand ziemlich rasch eine optimale Zusammenarbeit. Da kaum ein Abend verging, an dem der Zensor nicht das gerade gespielte Programm verbot, war es zwangsläufig eine äußerst produktive Zeit für den Komponisten Oscar Straus. Zahlreiche Überbrettl-Lieder, die zumeist szenisch dargeboten wurden, entstanden und wurden großenteils
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Prof. Dr. Peter P. Pachl, 2003, Rideamus (Fritz Oliven), Munich, GRIN Publishing GmbH
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