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Kannegießers Übersetzung von Byrons Ode to Napoleon Buonaparte
1. Einleitung 2
2. Byrons Ode to Napoleon Buonaparte 3
2.1 Politischer Hintergrund der Ode 3
2.2 Formale Aspekte der Ode to Napoleon Buonaparte 4
2.3 Napoleon in der Ode to Napoleon Buonaparte 5
3. Die Ode an Napoleon Buonaparte übersetzt v. K L. Kannegießer 9
3.1 Ursachen der inhaltlichen Verschiebungen 9
3.2 Inhaltliche Verschiebungen 12
4. Schlußwort 19
5. Bibliographie 22
6. Anhang 23
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1. Einleitung
Es gibt, soweit es anhand von Rezensionen und Bibliographien nachvollziehbar ist, keine Übersetzung der Ode to Napoleon Buonaparte, die gesondert erschienen ist, wie es bei anderen Werken Byrons, wie z.B. bei Manfred, The Giaour oder The Corsair durchaus der Fall ist. Vorhandene Übersetzungen dieser Ode sind daher einzig in Ausgaben zu erwarten, die das Gesamtwerk Byrons umfassen.
Das Gesamtwerk Byrons ist in den Jahren von 1821 bis 1877 insgesamt siebenmal in deutscher Sprache erschienen. Die Übersetzung von Otto Gildemeister 1 von 1877 gilt bis heute als die Übersetzung, die dem Stil des Originals am nächsten kommt. 2 Sie wurde 1977
vom Winkler-Verlag neu aufgelegt. Weitere bekannte Übersetzungen sind die von Adolf Böttger 3 , die von Franz Kottenkamp 4 und Walter Schäffer 5 herausgegebenen Gesamtwerke und die im Cotta-Verlag erschienene Gesamtausgabe 6 .
Im Zusammenhang mit der besonderen politischen Situation, die in dieser Ode thematisiert wird, erscheinen besonders die früheren lyrischen Übersetzungen interessant. Die früheste verzeichnete deutsche Ausgabe des Gesamtwerkes von Byron stammt von Wilhelm v. Lüdemann aus dem Jahre 1821. 7 Leider ist dieses Werk jedoch in den Universitätsbibliotheken nicht vorhanden. 8 Die nächstälteste Übersetzung wurde 1831 von
Dr. Adrian im Sauerländer-Verlag herausgegeben: Lord Byron's sämmtliche Werke, in 12 Bänden (Frankfurt a. M.: 1831). Die Ode an Napoleon Buonaparte 9 im XI. Band dieses
Werkes wurde von K.L. Kannegießer übersetzt. Diese Übersetzung soll Hauptgegenstand der vorliegenden Arbeit sein.
1 Otto Gildemeister: Lord Byron's Werke in sechs Bänden (Berlin: 1877).
2 S. Rainer Schöwerling: Probleme der Byron-Übersetzung anhand des Don Juan, in "Newsletter of the Austrian Byron Society", Vol.7 (Salzburg:1985). S.11.
3 Adolf Böttger: Byron's Sämmtliche Werke, 11 Bde. (Leipzig:1839).
4 Franz Kottenkamp: Lord Byron's sämmtliche Werke (Stuttgart: 1856, 3. Auflage).
5 Walter Schäffer: Byrons Werke, übersetzt von W. Schäffer, A. Strodtmann, H. Stadelmann, A.H. Janert, W. Grüzmacher (Leipzig: o.J.).
6 Lord Byrons poetische Werke in 8 Bänden (Stuttgart: Cotta, 1886-87). [Ode an Napoleon übersetzt von Ernst Onlepp in Bd. IV: Lyrische Gedichte].
7 Wilhelm v. Lüdemann: Lord Byron's sämmtliche Werke, 15 Bände (Zwickau: Schumann, 1821). 8 Es war nicht einmal feststellbar, ob diese Übersetzung überhaupt in lyrischer Form oder in Prosa verfaßt wurde.
9 Ode an Napoleon Buonaparte, übersetzt v. K.L. Kannegießer, in Lord Byron's sämmtliche Werke, Hg. v. Dr. Adrian, (Frankfurt am Main: Verlag von J.D. Sauerländer, 1837) Bd.XI., Erster Teil, Lyrische Gedichte, S. 9096.
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Ziel der Arbeit ist, aufzuzeigen, daß in Kannegießers Übersetzung Ode an Napoleon Buonaparte aufgrund verschiedener Ursachen inhaltliche Verschiebungen auftreten, die dazu führen, daß die deutsche Übersetzung eine vom Original abweichende Wirkung erzielt.
Vor der näheren Betrachtung der Übersetzung von Kannegießer soll zunächst eine kurze Interpretation der Ode Byrons eine Basis schaffen, von der aus die Übersetzung mit dem Origi-nal verglichen werden kann. Ausgehend von dieser Interpretation soll Kannegießers Übersetzung, unter Berücksichtigung von Übersetzungsproblemen, innerhalb ausgewählter inhaltlicher Aspekte auf Verschiebungen untersucht werden. Dabei werde ich mich in dieser Hausarbeit im wesentlichen auf die Darstellung der Person Napoleons konzentrieren.
Textbeispiele werden im laufenden Text und in der Herausstellung mit Strophen- und Zeilenangabe in Klammern versehen. Die römische Ziffer bezeichnet die Strophe, die lateinische die Zeile bzw. die Zeilen. Bei Verweisen auf längere Textauszüge im Fließtext wird jedoch nur auf die Zeilen der entsprechenden Strophe verwiesen, um den Lesefluß nicht allzu stark zu behindern. Sind keine besonderen Angaben zur Textquelle gemacht, dann ist eine englische Textpassage stets von Byron, eine deutsche von Kannegießer.
2. Byrons Ode to Napoleon Buonaparte
2.1 Politischer Hintergrund der Ode
Nach Napoleons Niederlage bei Waterloo, seinem Verzicht auf den Thron und seine Verbannung nach St. Helena, erscheint 1815 Lord Byrons Ode to Napoleon Buonaparte. Die zeitgenössische Geschichte präsentiert somit dem englischen Romantiker einen "Helden", der sich am Ende seines Ruhms, gemessen an den populären Erwartungen an einen Kriegshelden, wenig heldenhaft verhält. Von der französischen Kammer zum Rücktritt gezwungen, besteigt Napoleon ein britisches Linienschiff und stellt sich, wie es in einem Brief an den englischen Regenten Prinz George IV. heißt, unter den Schutz der britischen Gesetze. Am 30. Juli teilt ihm die britische Regierung seine Verbannung auf Lebenszeit mit. Napoleon wird nach St. Helena im Südatlantik gebracht, wo er sechs Jahre später an Magenkrebs stirbt.
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2.2 Formale Aspekte der Ode to Napoleon Buonaparte
Die Ode to Napoleon Buonaparte besaß ursprünglich 16 Strophen. Von Byron wurden jedoch aufgrund der Bitte seines Verlegers noch 3 Strophen hinzugefügt. Byron selbst fand diese drei Strophen jedoch derart minderwertig, daß er sich erfolgreich gegen die Veröffentlichung durchsetzen konnte. Erst in späteren Ausgaben und Übersetzungen werden auch die 17., 18. und 19. Strophe mit aufgeführt. 10 In meiner Arbeit werde ich mich ausschließlich mit der ursprünglichen Ode befassen, zumal in Kannegießers Übersetzung ebenfalls nur die ersten sechzehn Strophen der Ode berücksichtigt werden. Vermutlich waren ihm die letzten drei Strophen der Ode gar nicht bekannt.
Die Ode ist formal sehr streng gegliedert. Jede Strophe besteht aus 9 Zeilen, die in dem Reimschema ABABCCBDD angeordnet sind. Das Metrum entspricht einem vierhebigen Jambus, welcher in den Zeilen des B-Schemas, Zeile 2, 4 und 7, mit einem dreihebigen Jambus alterniert. Auf eine detailierte stilistische Analyse des Gedichtes muß hinsichtlich des be-grenzten Rahmens dieser Arbeit verzichtet werden. Stilistische Elemente werden nur dann zur Bearbeitung herangezogen werden, wenn sie bezüglich inhaltlicher Zusammenhänge erhellend erscheinen.
Inhaltlich läßt sich die Ode grob in drei Teile unterteilen. Die ersten fünf Strophen stellen zunächst grundsätzlich das Thema vor und befassen sich hauptsächlich mit den Taten Napoleons. In den folgenden vier Strophen führt Byron weitere historische Kriegshelden zum Vergleich mit Napoleon auf. Die letzten sechs Strophen befassen sich eher mit der Gegenwart, d.h. der Entstehungszeit des Gedichtes. In diesem Teil wird resümiert und abschließend die napoleonische Heldenfigur mit Figuren der griechisch-römischen Mythologie verglichen.
Eingebettet in diese sehr strenge Form breitet Byron ein sehr reichhaltiges emotionales Spektrum aus.
10 Siehe Otto Gildemeister: "Anmerkungen zu der Ode an Napoleon Buonaparte", in Lord Byron's Werke in sechs
Bänden. S.130.
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2.3 "Napoleon" in der Ode to Napoleon Buonaparte
2.3.1 Darstellung
Es ist naheliegend, daß Byron den Tyrannen und Diktator Napoleon in politischer Hinsicht verabscheut hat, denn Byron hat sich zeitlebens für unterdrückte Völker und politisch Benach-teiligte eingesetzt. 11 Dennoch ist in der Ode auch Bewunderung zu spüren. Der Brockhaus geht gar so weit, die Ode to Napoleon Buonaparte als Ausdruck der Verherrlichung der Revolution zu betrachten. 12 Ich schließe mich jedoch eher der Meinung A.S.B. Glover an:
But when he writes of Napoleon, one feels beneath the condemnation of the 'Pagod with the feet of clay', this 'Dark Spirit', the contrary pull of admiration,
Der tatsächliche Umfang der Ambivalenz erschließt sich jedoch erst bei der näheren Analyse der Ode, wobei sich dem Leser die einzelnen Bedeutungsschichten erst nach und nach er-öffnen.
Die Verachtung des Liberalisten Byron für den Imperialisten Napoleon wird oft in Anreden deutlich, wie z.B. "Ill-minded man!" (II/1) oder "Dark Spirit!" (IV/8). Napoleon, "who strewed our earth with hostile bones" (I/6) und dessen "only gift hath been the grave" (II/6) wird als "homicide" (XIII/7) und "desolator" (V/1) bezeichnet. Weitere Vorwürfe richten sich gegen sein imperialistisches Streben und die damit verbundene Zerstörungswut: "the rapture of the strife" (IV/2), "what thoughts will there be thine [...] but one, 'The world was mine!'" (XV/2,4) und "why scourge thy kind?" (II/1). Diese Anklage drückt gleichermaßen Wut über die Unterdrückung wie auch Mitgefühl für unterdrückte Völker aus, und verdeutlicht Byrons negative Haltung gegenüber der Politik Napoleons.
11 Byron arbeitete mit den Carbonari in Italien und kämpfte für die griechische Unabhängigkeit. In seinen Reden im "House of Lords" setzte er sich u.a. für die "Nottingham frameworkers" und die Emanzipation der Katholiken ein.
12 "[...] Auf der anderen Seite wurde N. als Vollender der Revolution verherrlicht, so etwa in den Gedichten von F. Hölderlin [...], Lord Byron ("Ode to Bonaparte", 1814) und H.Heine [...]." Napoleon Buonaparte, Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bdn, Bd. 15, (Mannheim: Brockhaus, 1991) S.327.
13 A.S.B. Glover: "Introduction", in The Penguin Poetry Library: Byron, S.11.
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Aber bereits in den Vergleichen mit Luzifer (s. I/8-9) und einem Götzenbild (s. III/7-9) mischt sich zu der Verachtung auch ein Gefühl der Enttäuschung, im Sinne von 'nicht mehr getäuscht sein', denn Napoleon versprach zunächst, ein Befreier der Völker zu sein, und wurde dementsprechend verehrt, bis sich das wahre Gesicht des Tyrannen offenbarte.
Die romantisch verklärte Verehrung für einen wahrhaft großen Kriegshelden wird einer aus Enttäuschung entstandenen Verachtung immer wieder kontrastierend gegenübergestellt wie bereits in der ersten Strophe deutlich wird. "King", "armed with kings to strive", "the man of thousand thrones" steht dem "nameless thing: So abject - yet alive" gegenüber. In der vierten Strophe wird dieser Sachverhalt noch deutlicher. In den ersten sieben Zeilen ist eine Bewunderung für Napoleon kaum zu übersehen, wenn Byron ihm alle Eigenschaften zuschreibt, die einen wahren Kriegshelden ausmachen. 14 Wenn Byron diesen sieben Zeilen in der folgenden "All quelled" gegenüber stellt, verkehrt sich Verehrung mit einem Schlag in das Gegenteil. Auch in der V. Strophe arbeitet Byron mit dem Kontrast von Verehrung und Verachtung:
"desolator" "desolate" "victor" "overthrown" "the arbiter of others fate" "a suppliant for his own" "imperial hope" "dread of death" "to die a prince" "live a slave"
Das Resümee dieser Betrachtung - "thy choice is most ignobly brave" - birgt offenbar neben der Verachtung auch Enttäuschung: von einem echten Helden hat Byron gewiß etwas anderes erwartet. Der sich anschließenden Betrachtung anderer großer Kriegshelden, die sich auf ehr-enhaftere Art von ihren Kriegstaten zurückgezogen haben, folgt erneut der Kontrast eines ver-nichtenden Vergleiches mit Napoleon: "But thou - from thy reluctant hand the thunderbolt is wrung - " (IX/1-2). Byrons Ode weist eine Vielzahl von Textstellen auf in denen sich Verach-tung mit Enttäuschung mischt. 15 Im Rahmen dieser Arbeit möchte ich mich jedoch auf zwei Textstellen beschränken, die den Kern der Ambiguität besonders treffend verdeutlichen: "If thou hadst died as honour dies" (XI/5) und die letzten Zeilen des ursprünglichen Gedichtes, in denen Prometheus als Vorbild dient: "He in his fall preserved his pride, and, if a mortal, had as proudly died!" (XVI/8-9). Diese Aussagen bilden den zentralen Vorwurf des Gedichtes, und darüberhinaus wird erkennbar, daß Verachtung nicht
14 IV/1-7.
15 s.a. X/1-2; X/8-9; XII/5-9; XV/8-9; etc.
Quote paper:
Eva Maria Mauter, 1997, Kannegießers Übersetzung von Byrons "Ode to Napoleon Buonaparte", Munich, GRIN Publishing GmbH
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