Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Formen der Entlehnung 4
2.1 Transferenzen: Voraussetzungen und Ausprägungsgrade 6
3. Entlehnungen im Deutschen 8
3.1 Römerzeit (50v Chr. 500 n. Chr ) 1 lateinische Welle 9
3.2 Christianisierung (500 800 n. Chr ) 2 . lateinische Welle 11
3.3 Höfische Zeit (1150 1250 ) Französische Welle 13
3.4 Humanismus (Ende 15 Jh. bis 16 Jh ) 3 lateinische Welle 14
3.5 30 jähriger Krieg (17 Jh ) Romanische Sprachen 16
3.6 19 20. Jahrhundert :Internationalismen (Griechisch- Latein) 17
3.7 Nach dem 2. Weltkrieg (Angloamerikanismen) 19
4. Schluss 21
5. Literaturverzeichnis 22
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1. Einleitung
Der sprachphilosophischen These von Wilhelm von Humboldt liegt die Aussage der Veränderbarkeit von Sprache zugrunde. Denn Sprache ist nicht nur ein „jeweils gültiger synchroner (gleichzeitiger) Bestand von Regeln und Zeichensystemen“ (vgl. v. Polenz, 2000, S.3) - konstant und ausreichend um Sprache ganzheitlich zu verstehen. Sprache muss immer auch historisch, sich wandelnd und veränderbar wahrgenommen werden. Auf diese Art und Weise finden wir auch heraus, woher ein Wort ursprünglich kommt, wie es sich im Laufe der Zeit verändert hat und welche linguistischen Einflüsse dafür maßgeblich waren. Beispielsweise heißt es im Deutschen „Sonnenschein“, wo jedoch Sonne in unserem Wortschatz nur im Singular existiert. Diachronisch lässt sich aber feststellen, dass „Sonnen die alte Genitivform der schwachen Feminina“ (Stedje, 1989, S.9) war und daher diese Form im Plural bis heute besteht.
Auch muss bei Betrachtung von Sprache immer der kulturelle Kontext berücksichtigt werden. Denn „Sprache als soziale Erscheinung [..] spiegelt immer Sitten, Gebräuche, geistige Strömungen, Veränderung von Lebensbedingungen und den Wandel gesellschaftlicher Strukturen wider“ (Stedje, 1989, S.10).
Viele Wörter haben ihren Weg aus fremden Ländern und Kulturen in die deutsche Sprache gefunden. Bei der Übernahme von syntaktischen, semantischen oder grammatikalischen Merkmalen einer Sprache in eine andere aufgrund von Sprachkontakten, sprechen wir von Entlehnungen.
Sprachkontakte gab es bereits in voralthochdeutscher Zeit mit den Römern und den Germanen, vorangetrieben durch die Christianisierung hatte dann das Latein großen Einfluss auf die deutsche Sprache, später wurden viele Wörter aus dem Französischen entlehnt, bis heute überwiegt der englische Einfluss. So lassen sich sprachhistorisch
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betrachtet verschiedene Entlehnungswellen erkennen, die alle von tragenden „zwischensprachlichen Beziehungen zeugen“ (Stedje, 1989, S.25) und eine Fülle von Lehn- und Fremdwörter in der deutschen Sprache hinterlassen haben.
Es gibt Wörter, die direkt entlehnt wurden, andere wurden mehr oder weniger angepasst an die deutsche Sprache, wieder andere haben in fremden Sprachen „pausiert“ und sind dann in die deutsche Sprache zurückgekehrt. Es gibt viele Formen der Entlehnung, daher soll in einem ersten Teil der Arbeit ein systematischer Überblick über die Erscheinungsformen gegeben werden. Danach sollen die verschiedenen Entlehnungswellen in diachronischer Abfolge beleuchtet, sowie historische Sprachkontakte aufgezeigt und anhand von Beispielen verdeutlicht werden. Ein letzter Teil schließt mit Aussichten auf zukünftige sprachliche Entlehnungen in der deutschen Sprache.
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2. Formen von Entlehnung
Nach Astrid Stedje (1989) kommt die Mehrzahl der fremden Wörter in Form eines Lehnguts in die deutsche Sprache. Diese werden dann entweder „direkt“ (Stedje, 1989, S. 23) als Lehnwort oder in der ursprünglichen fremden Gestalt als Fremdwort übernommen. Oder aber sie werden mit sprachlichen Mitteln dem fremden Wort angepasst, was unter dem Begriff Lehnbildung zusammengefasst werden kann. Es kann aber auch sein, dass durch den Einfluss eines fremden Wortes ein heimisches Wort eine andere Bedeutung erhält. Im Folgenden soll genauer auf die einzelnen Lehnkategorien eingegangen werden.
Grundsätzlich unterscheidet sie
Lehnwort
und
Fremdwort.
„Fremdwort ist ein aus einer anderen Sprache in den allgemeinen Wortschatz übernommenes (lexikalisiertes) Wort“ (Stedje, 1989, S. 23). Das Wort ist solange Fremdwort, solange es seine fremde Schreibweise, Aussprache und Konjugationsform beibehält. Bsp.:
die Saison
Bei Lehn- und Fremdwörter werden jeweils der Wortlaut und die Bedeutung übernommen. Bsp.: engl. test > dt. Test; it. citrone > dt. Zitrone. Nur die Bedeutung aber nicht die Wortform wird bei einer Lehnbedeutung übernommen. Astrid Stedje (1989, S.24) führt hierzu einige Beispiele auf: Das deutsche Wort buchen, bekam erst durch den englischen Spracheinfluss zusätzlich zu seiner Bedeutung: 'in ein Rechnungsbuch eintragen', die Bedeutung 'einen Platz reservieren'. Ebenfalls ist die zweite Bedeutung von schneiden - 'eine Person schneiden' vom Englischen 'to cut a person' abgleitet. Lehnbedeutungen, so Stedje (1989, S.24) „entstehen durch Interferenzen“, so zu sagen, durch „Einwirkung eines sprachlichen Systems auf ein anderes, welches durch Vertrautheit entsteht aber auch zu Verwechslungen führen kann“ (DUDEN, 1974).
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Bei einer Lehnbildung wird das Lehngut mit Mitteln der eigenen Sprache nach dem Vorbild eines fremdsprachlichen Wortes neu gebildet. Es handelt sich hierbei um „Ableitungen oder Zusammensetzungen, die aus einheimischen Sprachelementen bestehen“ (Stedje, 1989, S.24): Lehnbildung ist der Überbegriff für Lehnübersetzung, Lehnschöpfung und Lehnübertragung.
Bei der Lehnübersetzung wird das fremde Wort mit eigensprachlichen Mitteln Glied für Glied übersetzt und nachgebildet. Bsp.: engl. pocket-book > dt. Taschenbuch; frz. ordre du jour > dt. Tagesordnung; lat. compassio > dt. Mitleid.
Im Gegenzug zur Lehnübersetzung steht die Lehnübertragung. Hierbei werden nicht alle Komponenten wortwörtlich übersetzt, sondern nur Teile. Bsp.: lat. paeninsula ('beinahe Insel', vgl. frz. presqu`île) > dt. Halbinsel; griech.-lat. geographia ’Erdbeschreibung’ > dt. Erdkunde (vgl. Stedje,1989, S.24). engl. sky scraper > Wolkenkratzer; (von Polenz, 2000, S.41).
Bei einer Lehnschöpfung wird ein neues Wort geschaffen, um ein fremdes Wort wiederzugeben, ohne sich jedoch formal in irgendeiner Weise an diesem fremden Wort zu orientieren, „eine vom Vorbild, strukturell unabhängige freie Verdeutschung“ (Polenz, 2000, S.41). Eine Lehnschöpfung, so Stedje (1989, S.24), „entsteht [..] immer in dem Bedürfnis, ein fremdes Wort durch ein einheimisches zu ersetzen“. Bsp.: engl. blue-jeans > dt. Nietenhose; frz. vélocipède (lat. velox ’schnell’ + pes ’Fuß’) > dt.Veloziped > Fahrrad. Oder auch frz. Cognac (nach der frz. Stadt Cognac benannt) > dt. Kognak > dt. Weinbrand. Im Versailler Vertrag wurde festgelegt, dass der Markenname Cognac geschützt werden sollte und das deutsche Weinbranderzeugnis ab sofort nicht mehr so heißen durfte (vgl. Stedje, 1989, S.24).
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Arbeit zitieren:
Maximiliane Hofbauer, 2006, Entlehnungen , München, GRIN Verlag GmbH
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