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Formen von Entlehnungen und historische Sprachkontakte

Titel: Formen von Entlehnungen und historische Sprachkontakte

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2006 , 23 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Maximiliane Hofbauer (Autor:in)

Germanistik - Linguistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Der sprachphilosophischen These von Wilhelm von Humboldt liegt die Aussage der Veränderbarkeit von Sprache zugrunde. Denn Sprache ist nicht nur ein „jeweils gültiger synchroner (gleichzeitiger) Bestand von Regeln und Zeichensystemen“ (vgl. v. Polenz, 2000, S.3) - konstant und ausreichend um Sprache ganzheitlich zu verstehen. Sprache muss immer auch historisch, sich wandelnd und veränderbar wahrgenommen werden. Auf diese Art und Weise finden wir auch heraus, woher ein Wort ursprünglich kommt, wie es sich im Laufe der Zeit verändert hat und welche linguistischen Einflüsse dafür maßgeblich waren. Beispielsweise heißt es im Deutschen „Sonnenschein“, wo jedoch Sonne in unserem Wortschatz nur im Singular existiert. Diachronisch lässt sich aber feststellen, dass „Sonnen die alte Genitivform der schwachen Feminina“ (Stedje, 1989, S.9) war und daher diese Form im Plural bis heute besteht. Auch muss bei Betrachtung von Sprache immer der kulturelle Kontext berücksichtigt werden. Denn „Sprache als soziale Erscheinung [..] spiegelt immer Sitten, Gebräuche, geistige Strömungen, Veränderung von Lebensbedingungen und den Wandel gesellschaftlicher Strukturen wider“ (Stedje, 1989, S.10). Viele Wörter haben ihren Weg aus fremden Ländern und Kulturen in die deutsche Sprache gefunden. Bei der Übernahme von syntaktischen, semantischen oder grammatikalischen Merkmalen einer Sprache in eine andere aufgrund von Sprachkontakten, sprechen wir von Entlehnungen. Sprachkontakte gab es bereits in voralthochdeutscher Zeit mit den Römern und den Germanen, vorangetrieben durch die Christianisierung hatte dann das Latein großen Einfluss auf die deutsche Sprache, später wurden viele Wörter aus dem Französischen entlehnt, bis heute überwiegt der englische Einfluss. So lassen sich sprachhistorisch betrachtet verschiedene Entlehnungswellen erkennen, die alle von tragenden „zwischensprachlichen Beziehungen zeugen“ (Stedje, 1989, S.25) und eine Fülle von Lehn- und Fremdwörter in der deutschen Sprache hinterlassen haben. Es gibt Wörter, die direkt entlehnt wurden, andere wurden mehr oder weniger angepasst an die deutsche Sprache, wieder andere haben in fremden Sprachen „pausiert“ und sind dann in die deutsche Sprache zurückgekehrt. Es gibt viele Formen der Entlehnung, daher soll in einem ersten Teil der Arbeit ein systematischer Überblick über die Erscheinungsformen gegeben werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Formen der Entlehnung

2.1 Transferenzen: Voraussetzungen und Ausprägungsgrade

3. Entlehnungen im Deutschen

3.1 Römerzeit (50v.Chr. -500 n. Chr.) 1.lateinische Welle

3.2 Christianisierung (500-800 n. Chr.) 2. lateinische Welle

3.3 Höfische Zeit (1150- 1250) Französische Welle

3.4 Humanismus (Ende 15 Jh. bis 16 Jh.) 3 lateinische Welle

3.5 30-jähriger Krieg (17 Jh.) Romanische Sprachen

3.6 19.-20. Jahrhundert :Internationalismen (Griechisch- Latein)

3.7 Nach dem 2. Weltkrieg (Angloamerikanismen)

4. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die diachronische Entwicklung der deutschen Sprache unter besonderer Berücksichtigung fremdsprachlicher Einflüsse. Dabei wird analysiert, wie sich durch Sprachkontakte im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Entlehnungswellen aus dem Lateinischen, Französischen, Italienischen und Englischen auf den deutschen Wortschatz und die Sprachstruktur ausgewirkt haben.

  • Systematische Einordnung von Erscheinungsformen und Kategorien der Entlehnung.
  • Historische Analyse der wichtigsten Entlehnungswellen vom römischen Einfluss bis zur Moderne.
  • Untersuchung von Integrationsgraden fremder Wörter in das deutsche Sprachsystem.
  • Betrachtung des soziokulturellen Kontextes von Sprachkontakten.
  • Prognose zukünftiger Entwicklungen im Hinblick auf Internationalisierungen.

Auszug aus dem Buch

3.1 Römerzeit (50 v.Chr. – 500 n.Chr.): 1. lateinische Welle

Die Besatzung Germaniens entlang des Rhein/ Donaugebiets durch römische Legionen war das Ergebnis jahrelanger kriegerischer Kämpfe (vgl. v. Polenz, 1978, S.22). Die in römischer Gefangenschaft stehenden Germanen lernten jedoch bald wertvolle Alltagstechniken der Römer kennen und machten sich deren Wissen in vielen Lebensbereichen wie des Verwaltungs-, Bau-, Militär- und Handelswesens zu eigen (vgl. Stedje, 1989, S.55).

Das Lehngut der deutschen Sprache aus dem römischen Latein wird in diesem Zusammenhang auf etwa 550 Wörter geschätzt (vgl. v. Polenz, 1978, S.23). Erstaunlicherweise finden sich nur wenige Lehnwörter aus dem Bereich Kriegswesen/ Militär wie z.B. Pfeil (lat. pilum), Kampf (lat. campus- Schlachtfeld), Wall (vallum), Pfahl (palus), Straße (via strata).

In anderen Bereichen wie des Verkehrs und des Handels finden sich dagegen zahlreiche römische Lehnwörter, beispielsweise; kaufen (lat. caupo- Gastwirt), Pfund (pondo): (Mit der Einführung des Pfunds als neue Maßeinheit wurde auch der Tauschhandel durch den Kaufhandel ersetzt), Münze (lat. moneta), Markt (lat. mercatus), eichen (lat. aequare), Kiste (lat. cista), Karren (lat. carrus) (vgl. Stedje, 1989, S.55; v. Polenz, 1978, S.22). Auch „importierten“ die Römer mit ihrem Wissen für Botanik und Gartenbau eine Fülle neuer Obst- und Gemüsesorten, die die Germanen bis dato überhaupt nicht kannten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Sprachphilosophie der Veränderbarkeit von Sprache ein und definiert das Konzept der Entlehnung im Kontext historischer Sprachkontakte.

2. Formen der Entlehnung: Dieses Kapitel differenziert systematisch zwischen Lehnwörtern, Fremdwörtern und verschiedenen Formen der Lehnbildung wie Übersetzungen und Übertragungen.

2.1 Transferenzen: Voraussetzungen und Ausprägungsgrade: Der Autor erläutert hier die Stufen der sprachlichen Integration und die notwendigen Bedingungen, wie Bilingualität, für den erfolgreichen Transfer von Wörtern.

3. Entlehnungen im Deutschen: Es wird die wellenförmige Ausbreitung von Sprachwandel und der Einfluss historischer Ereignisse auf die deutsche Sprache theoretisch grundgelegt.

3.1 Römerzeit (50 v.Chr. -500 n. Chr.) 1.lateinische Welle: Dieses Kapitel behandelt die frühe Übernahme römischer Fachbegriffe aus den Bereichen Handel, Bauwesen und Botanik durch die germanischen Stämme.

3.2 Christianisierung (500-800 n. Chr.) 2. lateinische Welle: Fokus liegt hier auf dem Aufbau des christlichen Wortschatzes unter Karl dem Großen, der das Lateinische als Fundament der Bildungs- und Kirchensprache nutzte.

3.3 Höfische Zeit (1150- 1250) Französische Welle: Hier wird der Einfluss der ritterlichen Kultur und der Courtoisie auf den deutschen Wortschatz und die höfische Anredeform beschrieben.

3.4 Humanismus (Ende 15 Jh. bis 16 Jh.) 3 lateinische Welle: Das Kapitel analysiert die dritte lateinische Welle, die durch die Entstehung von Universitäten und den Buchdruck als neue Wissenssprache geprägt wurde.

3.5 30-jähriger Krieg (17 Jh.) Romanische Sprachen: Die Untersuchung befasst sich mit dem hohen kulturellen Ansehen des Französischen in der höfischen Gesellschaft und dem damaligen Sprachgebrauch des Adels.

3.6 19.-20. Jahrhundert :Internationalismen (Griechisch- Latein): Es wird die Phase der Internationalismen beleuchtet, in der das Englische als Vorbild für industrielle und wissenschaftliche Fachsprachen an Bedeutung gewann.

3.7 Nach dem 2. Weltkrieg (Angloamerikanismen): Das Kapitel thematisiert die massive Zunahme englischer Einflüsse durch die politische Vormachtstellung der USA und die Massenmedien.

4. Schluss: Der Schluss fasst die Ergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf die stetige sprachliche Vereinfachung und den Einfluss moderner Kommunikationstechniken.

Schlüsselwörter

Sprachgeschichte, Entlehnung, Lehnwort, Fremdwort, Sprachkontakt, Wellentheorie, Latein, Französisch, Angloamerikanismen, Sprachwandel, Integration, Lehnbildung, Internationalismen, Sprachsoziologie, Wortbildung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit untersucht die diachronische Entwicklung der deutschen Sprache durch den Einfluss fremder Sprachen und analysiert, wie Entlehnungswellen den deutschen Wortschatz über die Jahrhunderte hinweg geprägt haben.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die Formen von Entlehnungen, die historische Einordnung verschiedener Sprachwellen sowie die soziokulturellen Hintergründe und Integrationsmechanismen fremdsprachiger Begriffe.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, einen systematischen Überblick über die sprachhistorischen Entlehnungsprozesse zu geben und anhand konkreter Beispiele die Herkunft vermeintlich „deutscher“ Wörter aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verfolgt einen diachronischen Ansatz, das heißt, sie betrachtet die Sprachgeschichte in ihrer zeitlichen Entwicklung und wertet fachwissenschaftliche Literatur und Theorien (wie die Wellentheorie) aus.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Lehnkategorien und eine chronologische Abhandlung von Entlehnungswellen, beginnend bei der Römerzeit bis hin zu den Angloamerikanismen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Typische Schlüsselwörter sind Sprachgeschichte, Entlehnung, Sprachkontakt, Lehnwort, Integration sowie die verschiedenen Herkunftssprachen wie Latein, Französisch und Englisch.

Was genau versteht man unter einer „Lehnschöpfung“?

Eine Lehnschöpfung ist die Neuschaffung eines Wortes zur Wiedergabe eines fremden Begriffs, ohne sich formal an dem fremden Vorbild zu orientieren (Beispiel: Fahrrad statt Veloziped).

Warum spielt die Christianisierung eine wichtige Rolle in der Sprachgeschichte?

Sie lieferte das Fundament für einen abstrakten christlichen Wortschatz, indem Mönche lateinische Texte übersetzten und dabei Lehnbildungen und Lehnbedeutungen entwickelten, um fremde Konzepte in die althochdeutsche Sprache zu integrieren.

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Details

Titel
Formen von Entlehnungen und historische Sprachkontakte
Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau  (Institut für Deutsche Sprache und Literatur)
Note
2,0
Autor
Maximiliane Hofbauer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2006
Seiten
23
Katalognummer
V68957
ISBN (eBook)
9783638600859
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entlehnungen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Maximiliane Hofbauer (Autor:in), 2006, Formen von Entlehnungen und historische Sprachkontakte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68957
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Leseprobe aus  23  Seiten
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