Inhalt:
1. Einleitung S.01
2. Das Amulett als kritische Auseinandersetzung mit dem Kulturkampf im Deutschen Reich S.03 2.1. Inhaltsangabe S.03
2.2. Der Kulturkampf im 19. Jahrhundert S.05
2.3. Die Struktur der Erzählung S.06
2.4. Die Erzählfigur Hans Schadau S.11
2.5. Ideologiekritische Struktur S.13
3. Schluss S.16
Literatur S.18
1. Einleitung
Den Hauptgegenstand der folgenden Arbeit bildet Conrad Ferdinand Meyers erste veröffentlichte Erzählung „Das Amulett“. Conrad Ferdinand Meyer, am
11. Oktober 1825 in Zürich geboren, wurde durch seine Eltern, den Lehrer Ferdinand Meyer, der als gemäßigter Liberaler dem Regierungsrat und dem Großen Rat angehörte, und somit den von der französischen Juli-Revolution ausgelösten radikaldemokratischen Bestrebungen der Zeit ablehnend gegenüber stand und dessen Frau Elisabeth Meyer, die deutliche Züge einer religiösen Fanatikerin trug, bereits in frühster Jugend mit politischen und religiösen, konfessionellen Konflikten konfrontiert. Meyer, der durch diese prägenden Konflikte für die Themenbereiche der Politik und des Christentums sehr sensibilisiert wurde, entwickelte daher bereits in jungen Jahren ein starkes Interesse an tagespolitischen sowie religiösen Fragen. Die prägenden Ereignisse in seiner Kindheit, wie unter anderem der Kontakt mit seinen Nachbarn Carl und Julius Fröbel, die der aufkeimenden sozialistischen Bewegung angehörten und durch die er mit fortschrittlichoppositioneller Literatur in Kontakt kam, welche Ihn schwer beeindruckte, formten Meyer zu einer Art Rebellen gegen gesellschaftliche Zwänge. Gezeichnet von Depressionen und seelischer Instabilität, verfiel Meyer in fortgeschrittenem Alter in eine zeitweilige Resignation, die an Stelle der Rebellion trat, da er merkte, dass aktiver Widerstand gegen gesellschaftliche Zwänge in seiner Lage ähnlich sinnlos ist, wie das gerade gescheiterte revolutionäre Aufbegehren der Völker gegenüber einer scheinbar unabwendbaren, fatalen geschichtlichen Eigengesetzlichkeit. Mit der Fähigkeit, sich ohne Widerstand den gegebenen Verhältnissen anzupassen, erlernte er die Sprache der verstellten, indirekten Kritik - der Ironie. Meyer versuchte in einigen seiner Novellen durch seine Ironie, in denen oftmals das Prinzip der polaren Themenstellung enthalten ist, unentwegt zwischen den Polen zu vermitteln und einen Ausgleich zwischen Gegensätzlichem zu
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erreichen. Er selber nimmt in seinen Texten durch seine sokratische Sichtweise dabei zumeist selbst keine klare oder eine nur sehr liberale Position ein. Diese Vorgehensweise impliziert natürlich eine gewisse Kritik an den vorherrschenden Zuständen. Im Amulett wird diese Kritik durch Erörterung konfessioneller Streitfragen und durch die Gegenüberstellung von Charakteren der beiden Konfessionen deutlich. Durch sein Interesse an der Epoche der französischen Glaubenskriege (Hugenottenkriege), das er dem Paris-Aufenthalt 1857 verdankt, ist es nicht weiter verwunderlich, dass Meyer zwischen den großen politischen und religiösen Differenzen des ausgehenden sechzehnten und beginnenden siebzehnten Jahrhunderts und den nationalen, sozialen und ideologischen Machtkämpfen seiner Zeit gewisse Parallelen sah. Durch das Bestreben in vielen seiner Werke, kraft der historischen Analogie, den Konflikt von Recht <-> Macht und Politik <-> Sittlichkeit zu illustrieren und die literarisch vermittelte geschichtliche Erfahrung in die Gegenwart einzubinden (vgl. 1 ), und inspiriert durch den sich erneuernden Lauf der Geschichte sowie einen Quelltext über die Bartholomäusnacht, den Meyer bei dem befreundeten Historiker Hans Georg
2 von Wyss anforderte (vgl. ), führt er im Amulett dem Leser die Folgen dieses Glaubenskonflikts am Beispiel der exakt nachgezeichneten
Bartholomäusnacht, also des Brudermordes in seiner monumentalen, vollkommen sinnlosen Ausprägung, vor Augen (vgl. 3 ). Vor diesem
Hintergrund lässt sich „das Amulett“ durchaus als kritische Auseinandersetzung mit dem Kulturkampf im Deutschen Reich deuten.
1 Knapp, G.P.: C.F. Meyer: Das Amulett, Historische Novellistik auf der Schwelle zur Moderne; Schöningh Verlag; Paderborn; 1985; S. 34
2 Knapp, S. 27
3 Knapp, S. 94
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2. Das Amulett als kritische Auseinandersetzung mit dem Kulturkampf im Deutschen Reich
2.1. Inhaltsangabe
Schadau, der Sohn eines früh verstorbenen Kriegsmannes und Ich-Erzähler der Novelle, schließt 1611 in der Schweiz mit einem alten Herrn namens Boccard ein Grundstücks-Geschäft ab. Im Arbeitszimmer des Herrn finden sich zwei Gegenstände, ein durchschossener Filzhut und ein Amulett, die Schadau an den Sohn des alten Boccard, Wilhelm, erinnern. Der Tod Boccards steht bis zu diesem Zeitpunkt noch in einem unbekannten Zusammenhang mit dem Schicksal des Erzählers. Aus diesem Grund schreibt Schadau die Geschichte nach der Begegnung mit dem alten Boccard auf.
Die politische Lage seiner Zeit ist von Religionsstreit geprägt. Spaniens Alba besetzt die Niederlande und bedroht das calvinistische Genf. Frankreich gewährt den Hugenotten seit 1570 Zugang zu allen Ämtern, und der Admiral Coligny plant die Befreiung der Niederlande. Ein Krieg steht also bevor, und der junge Schadau will hierin für die protestantische Sache gegen Alba kämpfen. Hierzu lässt er sich von einem Fechtmeister aus Böhmen ausbilden, bis sich herausstellt, dass dieser wegen Mordes gesucht wird. Er kann sich durch Flucht vor der Festnahme retten. Auf dem Weg nach Paris, wo er sich den Admiralstruppen anschließen möchte, lernt Schadau neue Freunde kennen. Seinen Landsmann Wilhelm Boccard, den ehrwürdigen Parlamentsrat Chatillon aus Genf sowie dessen hübsche Nichte Gasparde. Wilhelm Boccard ist der einzige Katholik in der Runde und ein Disput über den Unterschied der Konfessionen bringt zutage, dass er sich der ,,Muttergottes von Einsiedeln" verbunden fühlt. Weiter stellt sich heraus, dass Gasparde das Patenkind des so verehrten Admirals ist und für Schadau ein Wörtchen einlegen möchte. Tatsächlich wird Schadau, als er in
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Paris bei dem Admiral vorstellig wird, zum Privatsekretär des mit Kriegsvorbereitungen viel beschäftigten Mannes. Als er zu Besuch beim Parlamentsrat ist, legt dieser die Hoffnungen dar, die mit dem bevorstehenden Krieg verknüpft sind, nämlich die Glaubensspaltung durch den gemeinsamen Kampf für die Freiheit der Niederlande zu überwinden. Zur gleichen Zeit hört man in der gegenüberliegenden Kirche einen katholischen Priester gegen die "Ketzer" predigen. In der aus der Kirche strömenden Menge erscheint Graf Guiche, ein Höfling des königlichen Bruders, welcher der hübschen Gasparde unverschämt zuwinkt. Sie aber präsentiert ihren neuen Beschützer - Schadau. Am nächsten Morgen beim Admiral lernt Schadau den jungen König kennen. Dessen kindisches Verhalten beunruhigt ihn sehr, hängt doch das Schicksal der Hugenotten von diesem König ab. Auf der Straße begegnet Schadau seinen Freund Boccard, welcher nun zur Schweizer Leibgarde des Königs gehört. Zufällig treffen sie Graf Guiche welcher den Hugenotten Schadau anrempelt. Ein Duell wird daraufhin sehr unausweichlich. Zum großen Leidwesen Wilhelms ist Schadau ein langsamer Fechter und den Beistand der "Lieben Frau von Einsiedeln" verschmäht er auch noch, weil er als Calvinist der Prädestination vertraut. Das Duell am nächsten Morgen geht gut aus. Der Degen des überlegenen Guiche prallt am Amulett der "Lieben Frau" ab, welches Boccard ihm heimlich ins Wams gesteckt hatte. Die Nachricht, dass der treue Kirchgänger Graf von Guiche von einem Hugenotten erstochen worden ist, beunruhigt den Admiral und den Parlamentsrat sehr, denn die Lage der Protestanten in Paris ist schon schwierig genug. Einzig Gasparde erahnt den Zusammenhang und ihre Liebe ist Schadau nun gewiss.
Einen Monat später spitzt sich die Lage der Protestanten zu. Auf den Admiral wurde ein Attentat verübt, der Pöbel von Paris wird gegen die hugenottischen Außenseiter immer ausfälliger. Der verwundete Admiral bestimmt, dass Schadau seine Gasparde an Ort und Stelle heiraten und nach Deutschland in Sicherheit bringen soll. Letzteres misslingt vorerst, da
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M.A. Marcus Puknatis, 2005, 'Das Amulett' von Conrad Ferdinand Meyer als kritische Auseinandersetzung mit dem Kulturkampf im Deutschen Reich, Munich, GRIN Publishing GmbH
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