Bekenntnis als Abgrenzung
oder:
Müssen wir uns die Verwerfungsurteile der Confessio Augustana zu
eigen machen, wenn wir evangelische Christen sein wollen?
Eine Untersuchung zum Häresiebegriff der Confessio Augustana mit
Berücksichtigung des Aufsatzes von Reinhard Slenczka
»Die Lehre trennt – aber verbindet das Dienen?«
Seminararbeit Systematische Theologie
Humboldt-Universität im Juli 1997
von
Susannah Krügener
Inhalt
EINLEITUNG 3
1. ...EIN ÖKUMENISCHES SCHLAGWORT 3
2. BEMERKUNGEN ZUM BEGRIFF DER HÄRESIE 5
2.1. Dogmatische Häresie 6
2.2. Ethische Häresie 7
3. DAS AUGSBURGER BEKENNTNIS 8
3.1. Der historische Kontext 8
3.2. Zur Autorität von Bekenntnisschriften 10
3.3. Die Möglichkeit einer römisch-katholischen Anerkennung der Confessio Augustana 12
4. SCHLUSSFOLGERUNGEN 14
LITERATURVERZEICHNIS 17
EINLEITUNG
In der Zeit der Glaubensspaltungen und konfessionellen Bürgerkriege wurde die Dissoziierung von Kirche und Staat eingeleitet. Dies und die gleichzeitig aufkommende Forderung eines Toleranzgebotes hatten zur Folge, daß nunmehr die Anwendung von weltlichen Strafen bei der Durchsetzung von Häresieurteilen wegfallen mußte.
Damit löste sich der alte Häresiebegriff auf, welcher dogmatische und moralische Verfehlung in eins gesetzt hatte. An die Stelle der Häresieprozesse trat die Lehrbeanstandung. Mit besonderer Intensität stellt sich die Frage nach der kirchentrennenden Wirkung von Lehrgegensätzen auf dem Feld der Ökumene.
"Die Lehre trennt, aber das Dienen verbindet" - diese Formel, die im Zusammenhang mit der ersten Konferenz für Praktisches Christentum 1925 in Stockholm geprägt wurde, steht für den Versuch eines gemeinsamen, pragmatischen Ausgangspunktes. Die tieferliegenden theologischen Probleme in Bezug auf die Bedingungen kirchlicher Einheit werden durch sie allerdings nicht gelöst werden können.
Der weitere Verlauf der ökumenischen Debatte um die Überwindung von Gegensätzen in Bekenntnisschriften und Kirchenverfassungen machte eine Neuaufnahme der Häresie-Thematik notwendig, so geschehen bei der dritten Weltkonferenz für Glaube und Kirchenverfassung in Lund, 1952.
Dort bemühte man sich um eine Definition des Begriffes, der seither in der ökumenischen Diskussion beträchtliche Ausweitung erfuhr: Eine ökumenische Studie beschrieb in den sechziger Jahren strukturelle Häresie; 1968 stellte W.A.Visser′t Hooft in Uppsala vor der Vollversammlung des Ökumenischen Rates die Frage nach "ethischen" Häresien...
Die Klärung des Häresiebegriffes selbst ist dringlich geworden, denn dieser ist verknüpft mit den Orientierungsproblemen der Kirche - heute nicht weniger als gestern.
1. ...EIN ÖKUMENISCHES SCHLAGWORT
Es war bei der Vorbereitung auf die erste Weltkonferenz für Praktisches Christentum in Stockholm 1925, als durch den Präsidenten des Deutschen Evangelischen Kirchenausschusses, Dr. H. Kapler, der Satz "Die Lehre trennt, aber das Dienen verbindet" in die Diskussion eingebracht wurde. Obwohl ein ökumenisches Schlagwort, kennzeichnet doch gerade dieser Satz treffend wie kein anderer den Gegensatz von Dogmatismus und Pragmatismus:
Auf dem Gebiet der dogmatischen Verständigung sind - zum Teil trotz großer Bemühungen - keine so recht befriedigenden Erfolge zu verzeichnen. So versucht die ökumenische Bewegung in gewisser Hinsicht das Überleben auf einer anderen Schiene, wenn sie versucht, die Kirchen im Dienen zu verbinden, wo sonst bei der Behandlung dogmatischer Kontroversfragen die Gräben nur noch tiefer gerissen werden würden. Der erfolgreichere Weg?
Die einigende Wirkung des Dienens war zweifellos schon immer ausschlaggebend gewesen für große Gebiete der ökumenischen Arbeit. Und es ist eine Tatsache, daß sich die getrennten Kirchen bei der praktischen Zusammenarbeit und bei der Wahrnehmung gemeinsamer Verantwortung besser vertragen als bei theologischen Verhandlungen über traditionelle Lehrunterschiede. Wenn sich die ökumenische Bewegung nun stärker in Richtung einer praktischen Zusammenarbeit entwickelt, so ist das verständlich. Doch inwieweit verbindet das gemeinsame Dienen wirklich? Besonders zwei Probleme sollen in diesem Zusammenhang Erwähnung finden:
a) In den Bereichen Diakonie und Politik spielen sich alle menschlichen Konflikte ab. Egal ob inner- oder außerhalb der christlichen Gemeinde; Neutralität und Objektivität können hier nicht vorausgesetzt werden.
Man kann es bedauern, aber es ist nun einmal das natürliche Gesetz des menschlichen Miteinanders, daß sich immer neue Fronten und Gruppen bilden, die sich im Sinne einer eigenen Gerechtigkeit voneinander abgrenzen; sei die Begründung nun religiöser, wissenschaftlicher oder ideologischer Natur.
Eine Gemeinschaft des Dienens kann nur bestehen, wenn ein Konsens betreffs der Mittel, Ziele und Interessen besteht. Ohne diesen Konsens bleibt der Satz vom "verbindenden Dienen" eine Illusion, welche in der Wirklichkeit keinen Bestand hätte.
[....]
Arbeit zitieren:
Susannah Krügener, 1997, Bekenntnis als Abgrenzung, München, GRIN Verlag GmbH
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