Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Charakteristika 3
3. Historie 5
4. „parole gergali“ 6
4.1 Wortbildung 7
4.1.1 semantische Deformation 7
4.1.2 Metathese 8
4.1.3 Suffigierung 8
4.1.4 Apokope 9
4.1.5 Metapher 9
4.1.6 Onomatopoetika 10
4.1.7 Italianisierung 10
4.1.8 Morphosyntax 11
4.2 Phonetische Besonderheiten 12
5. Textbeispiel 13
7. Zusammenfassung 14
Bibliographie 15
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1. Einleitung
Wörter wie „amico“ oder „essere a cavallo“ (Niceforo, Alfredo, 1972: Il gergo nei normali, nei degenerati e nei criminali, Bologna, forni editore, S.158) scheinen einfach ins Standarditalienische zu übersetzen zu sein. Jedoch mit dem Wissen, dass die sizilianische Mafia diese für ihren „gergo“ funktionalisiert hat, bekommen jene Wörter eine ganz andere Bedeutung, so dass sie anstelle von ‚Freund’ und ‚über den Berg sein’ die gergale Entsprechung ‚Mafioso’ und ‚bewaffnet sein’ erhalten. Was macht einen „gergo“ aus und wer spricht ihn? In den folgenden Kapiteln möchte ich einen Überblick über die Merkmale der gerghi, ihre Geschichte und Entstehung geben.
2. Charakteristika
Wie definiert man „gergo“? Über diese Frage herrscht unter den Sprachwissenschaftlern geteilte Meinung. Im Folgenden werde ich versuchen, beide Lager vorzustellen. Sanga (1993, S.151) geht davon aus, dass gerghi ursprünglich als Kommunikationsmittel sozialer Randgruppen zu deklarieren sind, so z.B. Vagabunden, Bettler, Wanderer und Verbrecher. Er merkt jedoch auch an, dass es heutzutage weit verbreitet ist den Terminus gergo in Verbindung mit Sondersprachen zu nutzen. So spricht man heute auch von Journalisten- oder Ärztejargon, welche durch ihre besondere Lexik für die Allgemeinheit teilweise unverständlich sind. Deshalb kann man laut dieser Definition den gergo als einen Soziolekt betrachten.
“Tutti i mestieri, tutte le professioni, e potrebbesi aggiungere, tutte le gradazioni della gerarchia sociale […] hanno il loro gergo.”( Niceforo, Alfredo, 1972: Il gergo nei normali, nei degenerati e nei criminali, Bologna, forni editore, S.5)
Niceforo führt des Weiteren aus:
“Ogni associazione dalla normale alla criminale […]possiede queste forme di
gergo […]. Quanto più l’associazione ha bisogno di difesa contro l’ambiente in cui agisce, tanto più cresce la organizzazione del gergo.” (Niceforo, Alfredo,
1972: Il gergo nei normali, nei degenerati e nei criminali, Bologna, forni editore, S.13)
Coveri spricht von gergo sobald eine Gruppenzugehörigkeit die eigene Sprache beeinflusst:
“Quando l’appartenenza ad un gruppo specifico influenza direttamente la
lingua usata dai membri di quel gruppo, ci troviamo di fronte ad un gergo…” (Coveri, Lorenzo; Benucci, Antonella; Diadori, Pierangela, 1998: Le varietà dell’
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italiano - manuale di sociolinguistica italiana, Roma, Bonacci editore, S.100)
Dank dieser Definition wird auch die Jugendsprache als gergo betrachtet. Dies gilt jedoch als umstritten. Zwar bedient er sich zahlreich an der abgelegten Lexik der Verbrecher- oder Drogensprache, unterliegt aber einer ständig andauernden rasanten Metamorphose, welche eine einheitliche Sprachbildung schwierig gestaltet.
Laut Ascoli wird jedoch nicht jede Gruppensprache als gergo betrachtet, der Klassifizierung liegt vielmehr der Faktor der Geheimhaltung zu Grunde.
„[…][sc. i gerghi sono] le lingue speciali parlate da specifici gruppi sociali,
che non intendono farsi comprendere da altri“ (Ascoli, G. Isaia, in: Ferrero, Ernesto,
1972: I gerghi della malavita dal ‘500 ad oggi, Milano, Mondatori, S.11)
Gerghi dieser Kategorie werden zwecks Tarnung hauptsächlich unter den ‚gerganti’(vgl. Sanga, 1993, S.153), also den jeweiligen Gruppenmitgliedern, angewendet. Sie werden von Niceforo daher auch als Verteidigungswaffe (vgl. Niceforo, 1972, S.6) bezeichnet.
„Il delinquente è l’essere antisociale per eccelenza, è il microbo patogeno
che pulsa nell’organismo sano per minarlo e distruggerlo, è l’incarnazione della lotta antisociale: e per questo il suo gergo è il più complesso di [sc. altri]” (Niceforo, Alfredo, 1972: Il gergo nei normali, nei degenerati e nei criminali, Bologna, forni editore, S.149)
Der gergo verhält sich dabei wie ein sprachliches Krebsgeschwür, das im Körper des Standarditalienischen oder der Dialekte Metastasen bildet und diesen langsam zerstört.
Im Allgemeinen lässt sich über die Charakteristika der gerghi Folgendes sagen: die Grundlage eines jeden gergo bildet eine homogene Sprechergruppe, die durch eine gemeinsame Aktivität, ein Interesse, eine Situation, einen Lebensstil oder den Besuch einer gemeinsamen Lokalität geeint ist. Diese Gruppe nutzt den gergo zur Selbstbestätigung bzw. Betonung der gemeinsamen Identität gegenüber Außenstehenden (Coveri, Benucci, Diadori, 1998, S.100):
Il delinquente che non sa il gergo non vale nulla e non è degno di stare
in carcere in compagnia dei colleghi.” (Niceforo, Alfredo, 1972: Il gergo nei normali, nei degenerati e nei criminali, Bologna, forni editore, S.70)
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Um dieser Abgrenzung gerecht zu werden, unterliegt die eigene Sprache einem ständigen lexikalischen Wandel, um etwaige entschlüsselte Wörter zu selektieren (Coveri, Benucci, Diadori, 1998, S.100).
3. Historie
Im Mittelalter entwickelte sich das Vagabundentum, für welches die gerghi als Kommunikationsmittel dienten. Da die Landstreicher verpönt waren, traf man Gleichgesinnte auf der Straße, in Herbergen oder Kneipen.
Im 16. und 17.Jahrhundert kam es in den Alpen zu einer Wirtschaftkrise, weshalb die Handwerker gezwungen wurden, auf Wanderschaft zu gehen und ihre Dienste auf diese Weise anzubieten.
Dies war auch die Zeit der größten Verbreitung der gerghi. Aufgrund der ansteigenden Mobilität kam es zu einem massiven Austausch zwischen den gerganti der verschiedenen gerghi. Natürlich gab es nicht nur gerghi auf italienischsprachigem Terrain, sondern in ganz Europa:
So sind zahlreiche Wörter aus französischen, deutschen, englischen und spanischen gerghi in den italienischen gerghi nachzuweisen (Niceforo, 1972, S.171). Die jeweiligen Namen der einzelnen gerghi reflektieren die Lebensbedingungen der gerganti. So bedeutet „furbo“ aus dem Altitalienischen so viel wie ‚Straßenkumpane’ (vgl. Ferrero, 1996/1, S.25), „argot“ im Altfranzösischen ‚Lumpen’(vgl. Ferrero, 1996/1, S.27). Der Terminus „gergo“ geht auf das Altitalienische GERGONE (vgl. Lotti, 1992, S.5) zurück, was mit ‚Gänsegeschnatter’ (vgl. Niceforo, 1972/1, S.10) übersetzt werden kann.
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Stefanie Schumann, 2006, "I gerghi" - Geschichte und Merkmale, Munich, GRIN Publishing GmbH
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